Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 15 (1.6.1897)
- Date
- 1897-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. '«Kv. 15 wurde von den College» schmählich im Stich gelassen, und am schmählichsten von Jenen, die die Initiative des Vereines in der Pensionsftage am lautesten gefordert hatten. Fasse ich Alles zusammen, so stnde ich keinen einzigen Punkt, in welchem die Interessen der mährischen Cantoren von denen der übrigen College!! in Oesterreich abweichen, und darum kann mir niemals die Gründung eines neuen Cantoren-Vereines für Mähren einleuchten, und kein Einsichtiger wird sich der Täuschung hingeben, dass ein kleiner Verband mehr zu lebten im Stande ist, als eine große Vereinigung, die überdies auf eine lange Reihe von Erfolgen Hinweisen kann und sich die Dankbarkeit der Collegenschast vielfach verdient hat. Nur Eines könnte mir erklärlich machen, warum ein mährischer Verein gegründet werden soll, und das ist die Befriedigung persönlichen Ehrgeizes. Ich verdamme keineswegs einen solchen Ehrgeiz, und er war schon oft der Jnrpuls zu großen Thaten, aber wenn es die Herren Einberufer so sehr darnach dürstet, im Interesse der Collegenschast zu wirken, so könnten sie dies auch ohne eine Neugründung thun, und wir wären ihnen zu großem Danke verpflichtet, wenn sie ihren guten Willen im Rahmen des alten Vereines bethätigen würden. Die Statuten des Cantoren-Vereines bieten ohnehin durch die daselbst vorgesehene Errichtung von Zweigvereinen in den einzelnen Kronländern Gelegenheit, dass individuell und social hervorragendere College!! eine fteiere Thätigkeit entfalten und auch ihren Ehrgeiz im Dienste der collegialen Sache genügend befriedigen können. Wenn die geehrten College!!, die in Brünu au die Spitze der Bewegung traten, nach dieser Richtung ihre Schritte lenken, werden sie sicherlich bei vielen College!!, sowohl in Mähren als auch in den übrigen Krönländern, sympathische Zustimmung stnden, und auch der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines wird ihnen hoffentlich gerne entgegenkommeu. Unser Stand ist von allen Seiten von Widersachern und Gefahren bedrängt, und darum müssen wir mehr als andere das alte Sprichwort beherzigen: ״Einigkeit macht stark, Uneinigkeit schwach". Ein mährischer Cantor. Pädagogische Aphorismen. Aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und der Schrift moderner Pädagogik Von Israel Singer, autor. Rabbiner, Religionsprofefsor am Obcrgymnasium zn S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Das gedachte Versprechen ist angeblich theilweise schon, erfüllt worden und soll laut Vision seinerzeit ganz in Erfüllung gehen, wie aus nachfolgenden Stellen zu ersehen ist: ״Denn es kamen Heuschrecken aus dem Rauche hervor, die auf das Land sielen und denen die Macht gegeben war, im Lande wie Skorpionen zu wüthen". ״Dabei ward ihnen noch verboten, die Saaten, die Pflanzen und die Bäume irgendwo zu beschädigen. Nur die Menschen sollen sie plagen, welche das Siegel Gottes — als Christen — nicht an ihrer Stirne haben würden". ״Doch dursten sie auch diese nicht ganz aufreiben, sondern nur quälen und martern fünf Monate lang und ihre Marter war wie der Biss der Skorpionen." ״Zur selben Zeit werden die Menschen den Tod suchen und ihn nicht finden, sie werden sich wünschen zu sterben, aber der Tod wird sie fliehen". (Offenb. Joh. 9, 4—8). Diese und noch andere angegebene Strafen sollen nach den Commentatoren über jene Israeliten kommen, welche die Religion Jesu nicht annahmen. (S. unter Andern: Dr. Carl Friedrich Bahrdt, Note 1104—1124). Nach diesem Commentator 'sind die obigen Strafen an den Israeliten kurz vor und nach Zerstörung des 2. Tempels in Erfüllung gegangen. Dann folgen schreckliche Straf-Ankündigungen über alle Heiden, insbesondere über die Stadt Babel (18). Auf Erfüllung der Strafen folgen Freuden- und Jubel-Lieder, dass Gott alle Menschen, die nicht an Jesu glaubten — vernichtere. ״Und lasset uns freuen und fröhlich sein, lasset uns ihn, Gott, ehren und preisen, denn die Hochzeit des Lammes nahet heran, und seine Braut hat bereits den Schmuck angelegt". (Jb. 19, 7). ״Und er, der Engel, sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig, und Gott, der Herr der heiligen Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muß". (22, 6). Die Unrichtigkeit der Behauptung, dass das alt e T e st a 11! ent einen Gott d e r R a ch e und das neue Testament einen Gott der Liebe lehrt, lässt sich in Kürze folgendermaßen darthun: Johannes heißt Vorzugsweise der Apostel der Liebe. ״Liebe nämlich ist der Grundzug seines Charakters, innige, treue, anhängliche Liebe, Liebe aus vollem Herzen" u. s. w., kurz eine Liebe, die das Gegen theil aufs Entschiedenste aus sch ließt. Aber diese Liebe bezieht sich nur auf Christen; denn nur so erklärt sich, wie er, der Jünger der Liebe, neben den vielen Aeußerungen seiner Liebe in seinem ersten und zweiten Briefe zugleich die Lehre aufstellt, (II., 1, 10) einen Häretiker, der Christum nicht anerkennt, ganz von der Liebe auszuschließen, ihn weder zu grüßen, noch ins Haus aufzuuehn!en. (S. Lehrbuch der katholischen Religion für höhere Lehranstalten von Dr. Conrad Martin, siebente Auflage. Mainz, 1854, S. 147—148). Das neue Testament ferner, das angeblich einen Gott der Liebe lehrt, selbstverständlich allgemeine Menschenliebe, schließt mit dem Buche Johannes, des hochgepriesenen Apostels der Liebe, welches eine Offenbarung enthält, mit der Ankündigung eines fürchterlichen Strafg e r i ch t e s über Alle, die nicht Christum erkennen, natürlich selbst über die Hunderte Millionen Heiden, die niemals von; Jesu etwas gehört haben. Nur die Kirche allein wird bestehen, j Ueberdies singen die Gläubigen der Religion der Liebe dem Gott der Liebe einen Jubel- und Triumphgesang für seine; vollbrachte Rache an den Ungläubigen. Ist dies wirklich -allgemeine Menschenliebe? Wir glauben nicht, dass?selbst Christen, wenn sie frei von Vorurtheil sind, dies bejahen!können. i In! Gegensätze hiezu citiren wir jetzt Parallelstellen aus Bibel und Talmud. Bei den Propheten des alten Testamentes finden wir nicht, dass sie bei Ankündigung. einer Strafe oder deren Vollziehung ein Freudenlied austimmten, obwohl ihre Freude damit zu entschuldigen gewesen wäre, dass jene Völker, deren Strafgerichte.sie ankündigten, ihre!! Brüdern, .den Israeliten, viel Leid angethan, und sie vernichten wollten. Aber Moab, dessen Ahn Balak Israel verfluchen lassen wollte (4. M., 22, 6) ruft Jesaja aus: ״Mein Herz klagt über Moab". Und über Babel ruft er: ״Mein Zerdroschenes und Kind meiner Scheune! Was ich vom Ewigen der Heerscharen, dem Gotte Israels vernommen