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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-06-01 · Heft 15 (1.6.1897) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 15 (1.6.1897)
Date
1897-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Obwohl ich sofort bei Erhalt dieser Einladung bedenklich den Kopf schüttelte und die Nothwendigkeit der geplanten Neugründung nicht einsehen konnte, wollte ich meinen Bedenken doch nicht öffentlich Ausdruck leihen, um ein collegiales Unternehmen nicht im Keime zu stören, und beschloss, vorerst das Resultat der Versammlung*) abzuwarten, da diese mich vielleicht dennoch umstimmen und eines Besseren belehren könnte. Nun denn, die Versammlung hat stattgefunden, aber neue Gesichtpunkte hat sie mir nicht gebracht und ich muß nach wie vor gestehen, dass die Gründung eines besonderen mährischen Cantoreuverbandes mir nicht nur nicht nothwendig erscheint, sondern eher geeignet ist, die Interessen des gesammten Cantorenstandes, auf welche auch wir mährische Cantoren Rücksicht nehmen müssen, zu schädigen. Bevor ich auf die sachlichen Gründe eingehe, will ich auf ein Moment Hinweisen, dass von allem Anfänge an gegen einen auf Mähren beschränkten Cantoren-Verband spricht, und das ist die voraussichtlich geringe Anzahl seiner Mitglieder. Mähren hat im Ganzen 49 Cultusgemeinden, und da es erfahrungsgemäß unter den Cantoren überall, sehr viel indifferente Elemente giebt, die absolut nicht zum Beitritte zu einem Fachvereine zu bewegen sind, oder nach erfolgtem Beitritte sehr bald wieder austreten, so könnte der Verband auf 30, höchstens 40 Mitglieder rechnen, eine Zahl die sich für eine Neugründung gar nicht lohnt und eine wirksame Verfolgung der vorgesteckten Ziele auch nicht erwarten lässt. Welche sind nun die Zwecke des Verbandes? Die Versammlung in Brünn hat hierüber folgenden Beschluss gefasst: ״Zweck des Vereines sei die Förderung der Interessen des Standes und die.Unterstützung von Witwen und Waisen der dem.Vereine ungehörigen Berufsgenossen". Ja, verfolgt denn *) Der Bericht über diese Versammlung befindet sich au anderer Stelle.' Die Redaction. der ״Oesterreichisch-ungarische Cantoren-Vereiu" andere Zwecke, und was hindert denn die Herrn Collegen in Mähren sich demselben anzuschließen? Der verehrte College Stößt er aus Neurausnitz hat in seinem Referate der Gemeindestatnten gedacht. Führwahr, eine unglücklichere Reminiscenz hätte er gar nicht wählen können, um die Nothwendigkeit der Gründung eines besonderen mährischen Vereines zu motiviren; denn die Erinnerung an die Gemeindestatuten muß sofort jedem Cantor jene, nicht genug hoch, zu schätzende Action des ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Verein es" bei den Gemeinden und den Staatsbehörden zum Bewusstsein bringen, welcher allein es zu verdanken ist, dass die Cantoren überhaupt in den Statuten Berücksichtigung gefunden haben. Die nach dieser Richtung entfaltete Thütigkeit des Vereinsvorstandes muss ihm als ein ewiges Verdienst angerechnet werden, und dies umsomehr, als sie nicht nur den Vereinsmitgliedern sondern dem gesammten Cantorenstande zu Gute kam. Nach solchen Erfahrungen vom Cantorenvereine abzufallen, halte ich für den gröbsten Undank, der in anderen Berufssphären kaum zu finden sein wird. Auch in der Fürsorge für Witwen und Waisen wird der neue Verband den ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Verein" kaum übertreffen können, und wenn der letztere das Ideal noch nicht erreicht hat, so liegt die Schuld nicht an dem Vereine, sondern an jenen Collegen, die wohl gerne viel reden aber niemals etwas thun wollen. Ich erinnere mich ganz genau an den letzten Cantorentag in Wien, der vom Vorstande des östecr.-ungar. Cantoren-Vereines einbernfen wurde, um die Gründung eines Pensionsfondes anzubahnen. Manchen Theilnehmer der Brünner Cantorenversammlung hörte ich da das große Wort führen, dass man glauben musste, er werde es als heiligste Pflicht erachten, das Zustandekommen des Pensionsfondes mit allen Kräften zu fördern; als es aber zum Handeln kam, rührte Keiner einen Finger. Der Vorstand des Vereines hat weder. Kosten noch Mühen gescheut, um ein ausgezeichnetes Elaborat für das Pensionsnormale zu Stande zu bringen, und in vielen Hunderten von Circularen wurden die Cantoren der ganzen Monarchie zur Mitwirkung aufgefordert. Und was war das Resultat all dieser uneigennützigen Bemühungen? Der Verein

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