Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 14 (21.5.1897)
- Date
- 1897-05-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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c-cut גז we|re1Te1a?1|a?־ungan|07e <r,amoren-<Aelrung. welche die Vylkszählungsbeamten in der Nähe^ gesehen, indem sie durch die Spelunken, die Böden und Keller gekommen, woselbst tausende von Juden ihr beklagenswerthes Dasein fristen. Ost kamen uns Thränen in die Augen. Auf allen Volkszählungsbögen müssen wir an die. Stelle wo ״Existenzmittel" stehen sollen ״Nichts" Hiuschreibeu. Wann wird man daran denken, diesen Opfern zuhilke zu kommen, indem man ihnen gestattet, das Territorium zu verlassen (Minski Listok.) Falsch e Ankl ag en. Es wäre sehr erstaunlich, wollten die Bevölkerungen griechischen Glaubens die Osterzeit vorübergeheu lassen, ohne die hergebrachte Anklage zu erneuern. Dieses Mal und bis auf weiteres hat sich in Smyrna etwas zugetragen. Dem Central- Comito wird von dort unter dem 20. März zugeschrieben: Freitag, den 19. März befand ich mich bei einer israelitischen Familie, die das armenische Viertel bewohnt, als wir nachmittags gegen zwei Uhr verzweifeltes Geschrei von der Straße her hören. Als wir ans Fenster treten, sehen wir zwei in Lumpen gehüllte Individuen, die hintereinander herlaufen, und von denen der eine ein halbwüchsiges Mädchen in den Armen hielt, das sich verzweifelt wehrte und furchtbar schrie. Wir glaubten zuerst einem jener Schauspiele beizuwohneu, das uns unsere griechischen Mitbürger oft geben und welche infolge eheliger Zwistigkeiten stattfinden, wo sich die getrennten Eltern ihre bei dem einen verbliebenen Kinder streitig machen. Aber bald begriffen!vir den wirklichen Thatbestand. ׳ Einige Minuten später sahen wir in der That das kleine Mädchen am der. Hand eines Polizisten wieder erscheinen; ex bliebau dem Hause eines unserer Glaubensgenossen stehen, übergab die Kleine der Frau, mit der Bitte eintreten zu dürfen, um, das Kind auszufragen; dieses hielt sich fest an die Frau und sagte, weinend; ״Nein! lassen Sie mich bei meiner Herrin, bei meiner Mutier, die ich nicht verlassen will." So ließ man denn das Kind, in Begleitung des Polizisten eintreten und schloß die Thür, auf-der Straße eine neugierige Menge zurücklassend, deren Zahl sich fortwährend vergrößerte. Das Klatschen der griechischen Weiber des Stadtviertels nahm seinen Fortgang; die Einen, sagten, es sei eine kleine Griechin, die. die Juden gestohlen hatten zum Zweck ihres rituellen Mordes, und die sie nicht wiedergeben wollten; Andere behaupteten, es sei ein griechisches Kind, das die Juden gewaltsam bekehren wollten 2c. re. Ich trat heraus und erkundigte mich nach der Veranlassung zu der Ansammlung und erfuhr folgendes : Samuel Sesana ist einer jener jüdischen Auswanderer, die nach den, letzten׳Vorgängen in Kreta ihr Vaterland verlassen und. sich in Smyrna niedergelassen haben. Er hatte ein kleines, zwölfjähriges Mädchen, namens Marie, das als Magd bej ihm diente, mitgehracht. Die Kleine scheint sehr an ihrer Brodherrschaft zu hängen, die sie wie die eigenen Eltern ansieht, nammtlich feit sie dareingewilligt hatten, sie mit sich zu nehmen, und sie dadurch vom. Elend errettet hatten. In. Smyrna angekommen, nahm Sesana Wohnung im armenischen Viertel, das hauptsächlich von Armeniern und Griechen bewohnt wird. Sobald diese letzteren in Erfahrung gebracht, dass ein griechisches Mädchen im Dienste einer jüdischen Familie, stehe, fiengen sie. an, die Sache zu commentieren, und fanden es erstaunlich, dass ein griechisches Kind bei Israeliten diene. Man versuchte, es( zuerst, dem, Kinde Furcht einzujagen, um es zu überreden, ihxen BMHerrn zu yerlaffen, indem man.ihr, sagte, er.würde Nr7 sie schlagen oder mißhandeln; indessen die . Kleine antwortete stets, dass,sie mit ihrer Herrschaft sehr zufrieden sei, dass sie sehr wohl mit ihnen bekannt sei, da ihre ältere Schwester sie Jahre hindurch, bis zu ihrer Verheiratung bedient habe, -Als sie sahen, dass sie keinen Eindruck machten und es durch Ueberredung zu nichts brächten, beschlossen die Griechen des Stadtviertels, das kleine Mädchen zu entführen. Während sie allein vor der Thüre stand, warfen sich .zwei junge Griechen die sie seit dem Morgen, beobachteten, über sie und schleppten sie fort. Aber während sie mit ihrem Opfer flohen, wurden sie von einem Polizisten festgehalten, der ihnen das Kind fortnahm und es in das jüdische Haus zurückführte. Nachdem, er das Kind ausgesragt, ließ der Beamte den Kavassen des griechischen Erzbischofs kommen, begab sich mit ihm in das Commissariat des Viertels, wo ein Protokoll über die Entführung aufgenommen wurde. Von dort wurde das Mädchen nach dem. Erzbisthun! gebracht, wo sie von neuem befragt wurde. Sie erklärte, dass sie in einem jüdischen Hause sei und dort bleiben wolle, da man sie mit nach Smyrna genommen, um sie zu retten. Trotz der Weigerung des Kindes, ihre jüdische Herrschaft zu verlassen, beschloß der Erzbischof, sie provisorisch in einer griechischen Familie unterzubringen, was auch geschah. Am.Abend kamderKavaß des Erzbischofs in das armenische Viertel und . empfahl den griechischen Familien die größte Ruhe; hiermit schloß der Vorgang. Weine Chronik. Wien. Samstag, den 22; Mai 1897, Abends 7 Uhr, findet im Festsaale der n.-ö. Handels- und Gewerbekammer, (Börsegebäude, Eingang Wipplingerstraße) eine öffentliche Vereins- Versammlung der österr.-israel. Union statt. Tagesordnung: Stellungnahme zur Haltung des uied.-österr. Landtages, des Gemeinderathes und des Stadtrath es der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien gegenüber den stäatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechten der jüdischen Staatsbürger. Referenten: Herr Gemeinerath Dr. Alfred Stern, Herr, Landtagsabgeordneter Dr. Julius Ofner und.Herr Sigmund Mayer. Prag. Im Tempel für geregelten Gottesdienst, woselbst ein Concurs ausgeschrieben war, haben wir bisher zwei Probe- Vorträge vernommen: Herrn Obercantor B er g er aus Kaposvar und Herrn Obercantor Mirsky aus Belovar. Zur Wahrung der vollsten Objectivität wollen wir uns jeder Kritik über die einzelnen Vorträge enthalten und nur lediglich einige Bemerkungen über den Zweck des Concurses machen, die umso nothwendiger sein dürften, als einige Competenten sich offenbar über die Art des zu besetzenden Postens im Jrrthnm befinden. Soweit unsere Informationen reichen, handelt es sich nicht darum, statt des Herrn Obercantor Moor einen anderen Obercantor zu engagieren, sondern ihn! nur eine Aushilfskraft an die Seite zu. geben. Es ist selbstredend, dass Herr Moor, solange er leistungsfähig ist, die Functionen des Obercantors versehen wird. Eine ungerechte Zurücksetzung, durch Berufung eines anderen Obercantors, braucht Herr Moor nicht zu fürchten, da ex einerseits noch im Besitze seiner Stimme ist und, seinen Posten ganz gut ausfüllt, anderseits aber die Tempelgemeinde, dieaus der Intelligenz der Prager. Judenschaft besteht, bei einem Mann, der 22 Jahre zur vollsten Zufriedenheit gewirkt hat, auch dann schönende Rücksicht walten lässt, wenn er auch nicht mehr in gleichem Maße wie früher leistungsfähig ist. Hingegen ist es. nur. recht und billig, dass die Gemeinde noch einen zweiten Cantor aufnimmt, da! man eben auf diese Weise Calamitäten,.. wie sie am verflossenen Jom Kippur infolge Erkrankung des Herrn Moor eintraten, Vorbeugen will. Floridsdorf. Der Chordirigent am polnischen Tempel in Wien, Herr David. Weiß, wurde zum Eantor der hiesigen israelitischen Eultusgemeinde gewählt.