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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-05-21 · Heft 14 (21.5.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 14 (21.5.1897)
Date
1897-05-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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iS&ia6^1fn^a^ .,.__^ esterre1cyffcy-ungar1!cye Q-amoren^eitung: «rmr־־o: Sabbatmahl noch vor einbrechender Nacht einnehmen könne, da kein Licht em Hause sein darf und der Sabbatsegen noch in der Dämmerung gesprochen werden soll. Dagegen wird um Mitternacht noch einmal gebetet, der Inhalt ist: Segen, Einheitsbekenntnis, Erinnerung an Tod und Auferstehung. Uebrigens wird des Abends der Sabbat beim Becher Wein geheiligt. , - Der Morgengottesdienst des Sabbat wird mit einer EinleitUng begonnen, dann folgt das Einheitsbekenntnis, einleitende Psalmverse oder auch ein eigens dazu verfasstes Gedicht d) dann folgt die Heiligung, das Sch’ma, endlich das Vorlesen des Wochenabschnittes. Ehe dieses beginnt,^ spricht der Ghacliam oder. Vorsteher angemessene Verse aus, :(sie find zur Auswahl vorgeschrieben) derselbe liest einen Vers vor, worauf der eigentliche und sachkundige Vorleser den ganzen Abschnitt liest; den letzten Vers liest wiederum Jener, nebst einer Anzahl Verse. Hierauf liest der Vorleser nochmals die letzten Verse zum Anschluss der Haphtora, welche die Karaim übrigens nicht mit dem Rabbanim übereinstimmend gewählt haben. Dann folgt Predigt, einige Gebete, Erinnerungen an den Sabbat. Zuhause Häusoli beim Wein. Unter den Sabbaten sind mehrere besonders hervorzuheben, z. B. der Sabbat hagodaul. Es wird das große Halle! vorgetragen, zur Erinnerung an den Auszug aus Aegypten, es folgen Preislieder, Verse zum Preise des Herrn, wieder Psalmverse mit Chor des Volkes, Psalm der 10 Plagen, Geschichte Israels und Lob Gottes über alle Wunder, hierauf geschichtliche Betrachtung, Hoffnung für die Zukunft. Völkerkriege. Messiasreich Wiederherstellung Zions. Die Wochen zwischen Pessach^ und Schebuos sind überladen mit Anspielungen auf den Zwist der Rabbanim, welche nach Ansicht der Karaim das Wochenfest unrichtig feiern; daher wird auch die Zählung sehr genau ausgesprochen, als: Heute ist der so und so vielte Sabbat von den 7 Wochen, welche vollständig sein sollen. Die Sabbate zwischen dem 9. Tamus und 10. Ab sind Trauersabbate, die Sabbate zwischen dem 1. bis 10. Tischri gelten als Lusttage. _ (Fortsetzung folgt.) Bericht der ,,Alliance Israelite“. Das Elend der Juden in Rußland. Vor einigen Wochen hat die Regierung eine Zählung der Gesammtbevölkerung des Reiches vornehmen lassen. Die mit dieser Arbeit betrauten Angestellten, Christen bis auf wenige Ansnahmen, hatten Gelegenheit und die Psticht, die von den Juden bewohnten Räume zu besuchen; was sie dort constatiert haben, beweist, bis auf welche Stufe des Elends die jüdische Bevölkerung in Rußland gesunken ist. Anbei einige Auszüge aus den Berichten dieser Angestellten, veröffentlicht durch die russischen Zeitungen und wiedergegeben durch den ״Odeßki Listok". Lodz: Die Juden sind in dem Stadtviertel Balout, wo die Atmosphäre kaum das Athmen ermöglicht, eingepfercht. In einer einzigen Stube fand ich wohnend, arbeitend, schlafend 10 Personen; keine Betten, man schläft auf der Erde, im Winter wie im Sommer; die Armen sind kränklich und ihr Elend ist unbeschreiblich. Bei der Gelegenheit wollen wir bemerken,, dass in Lodz 18.000 Juden von der öffentlichen Wohlthätigkeit leben. Und wenn man bedenkt, dass Lodz ein großes industrielles Centrum ist, kann man sich die Lage der 8) Ein solches ist da, von Ahron, im Allgemeinen gehalten, ähnlich dem אדון עולם. Juden in denjenigen Städten vorstellen, wo es weder Handel, noch Industrie gibt. Lublin: Auf unseren Registern figurierte ein Haus im Judenviertel, das die Nummer 689 trug. Wir haben dasselbe lange gesucht, ohne es finden zu können. Endlich entdeckten wir dasselbe. Es sind daselbst 7 Wohnungen mit 50 Seelen. Es ist ein elender zusammenfallender Bau am Ende eines dunkeln Sackgässchens. Als wir hineintraten, wurden wir von einem erstickenden Duft an der Kehle gepackt. In der einen, kaum durch ein Lichtloch erhellten Wohnung, die eben nur 4 Schritt Länge auf 3 Schritt Breite aufweist, lebten zwei Familien aus elf Mitgliedern bestehend. Das Haupt der einen Familie ist Erdarbeiter, das andere Kutscher. Die Frauen allein waren in der Wohnung, umgeben von lärmenden, zerlumpten Kindern. Auf den blutleeren mageren Zügen dieser elenden Wesen konnte man die schrecklichsten Entbehrungen, das Leiden, den Hunger ablesen. In der zweiten, fensterlosen Wohnung, die durch die halbgeöffnete Thüre ihr Licht empfing, sahen wir gleichfalls zwei Familien; da waren zwei Frauen, beide krank; die eine, 80 Jahre alt, erzählte uns ihr Leben und ihr Unglück; sehr gesprächig, beantwortete sie alle unsere Fragen, nachdem sie uns den einzigen Stuhl der Wohnung angeboten. Die zweite Jüdin lag zu Bett; es war eine Frau von wunderbarer Schönheit, mit großen, schwarzen Augen. Ihr Manu, ein Kutscher, ist seit vielen Monaten ohne Arbeit; sie entschuldigt sich, nicht aufstehen zu können. Im Zimmer schaudern wir vor Kälte und Feuchtigkeit. Der Mann der kranken Jüdin ist frühzeitig fortgegangen, um irgendwelche niedrige Arbeit zu erlangen. Die armen Frauen weinen, dass sie ihr Elend so vor einem Fremden bloslegen müssen. Auf die Gefahr hin, ihre schon so gefährdete Gesundheit noch zu verschlimmern, haben sie Anstrengungen gemacht, um ihre Stube etwas weniger jammervoll erscheinen zu lassen, denn der Besuch der Beamten war gemeldet worden. Wir haben sie wortlos verlassen, mit zugeschnürter Kehle. Um in die dritte Wohnung zu gelangen mussten, wir eine Leiter mit wackligen Sprossen erklimmen. Wir standen in einem Bodenraum, dessen offenes Dach dem Wind, dem Regen und Schnee freien Eintritt gewährte. Dieser Boden war in verschiedene Abtheilungen getheilt; die erste bewohnte ein in der Stadt arbeitender Typograph; der Mann verdiente 2 Rubel wöchentlich, bei einer Arbeit von täglich 16 Stunden! Mit diesem Lohne hatte er seine Frau und drei Kinder zu ernähren und dennoch sahen die Kinder sauber und wohlgenährt aus. Die Wohnung war ordentlich; die Mutter, stolz auf ihre kleinen Mädchen, sagte uns, dass die älteste in die Schule gehe, das Russische lese und schreibe. (Warsch awski Dnewn ik). Kischinew: Wir haben die traurigsten Dinge hier constatiert. Die Juden von Kischinew sterben wörtlich Hungers. Ihre Leiden übersteigen alles, was man sich an Trostlosigkeit vorstellen kann. Von dem Uebermaß eines solchen Elends erschüttert, und um den Juden wenigstens eine augenblickliche Hilfe angedeihen zu lassen, haben wir — im Einverständnis mit dem Bezirkscommissarius — eine Collecte unter den Christen veranstaltet. Diese Collecte hat mehr denn 500 Rubel gebracht, die diesen armen Leuten etwas zu effen verschaffen sollen. (B e s s a r a b e tz). Minsk: Die Feder weigert sich, den erschreckenden Eindruck wiederzugeben, von dem Elend, den Entbehrungen,

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