Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 14 (21.5.1897)
- Date
- 1897-05-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. (Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitnng. ÜUr. 14 äußern Wunen. ״Lerne emsig We Gottes^re Lnd-Mse, was du AndMglWigen eyvidern sollst"- (MM, 14). Mit Per Anführung der gedachten HZarallelstellen und P er!. AMßexwngen christlicher Autoritäten verfolgen wir weiters den Zweck, Me gegen uns, gegen unser sittliches Leben und unser Sitteuges etz in Wort und Schrift verbreiteten Schmähungen und Verdächtigungen als freche Lüge und Berläumdung erhärten - zu können. Das neutestamentliche Sittengesetz ist gewiss ein erhabenes — R. Jacob Emden (1698—1776), ein seltener Heros rm Talmud und in der Kabala, sagt in seiner gegen die Sabbathäer-Secte gerichteten Schrift ״Resen-maseli::15 ,״ ״Heil wäre uns und den Christen, unseren Brüdern, gewesen, wenn sie die Lehren Jesu treu gehalten hätten, es wären nicht so viele unschuldige Juden gemordet und geplündert worden — aber das jüdische, auf Bibel und Talmud basirte Sittengesetz steht durchaus nicht niederer, ja in gewisser Beziehung noch höher. Wegen Mangel an Raum können wir dies hier nicht an Parallelstellen beweisen, dies thun wir ausführlich in unserer noch im Mamtscript befindlichen Arbeit ״Prärogative Israels", au dieser Stelle wollen wir nur einen unleugbaren Unterschied zwischen der jüdischen und christlichen Religion, oder zwischen dem Alten und Neuen Testament, verzeichnen, und dieser gilt zugleich als fernere Antwort auf die bereits erwähnte Frage Candolles. Vor Allem bemerken wir, dass seine nächgeschriebene! Devise, dass das alte Testament einen Gott der ״Rache",׳ aber das neue Testament nur einen Gott der ״Liebe und! Barmherzigkeit" lehre, eine theoretische Phrase ist, was wir in! unserem soeben genannten Manuscripte an vielen Parallelstellen! Nachweisen. Hier dürfte der Hinweis auf ״Offenbarung Johannes" L genügen, in welcher Gott im höchsten Grade als Gott der! ״Rache" gelehrt wird:! ״Und sie, die für das Gotteswort und für ihre Ueber-l zeugung geschlachteten Christen, schrieen laut und sprachen: ״Wie! lange, heiliger und waln Hafter Herr, wirst du nicht richten und! fordern unser Blut von den Bewohnern der Erde?" Darauf; erhielten sie zur Antwort: dass sie warten mögen bis zur Zeit,! dass auch ihre Brüder werden wie sie getödtet werden. (Offenst; J0H. 6, 10—11). _ (Forts, folgt) j Concurfe. j Allwöchentlich, ja alltäglich können wir im ״PragerTag-: blatte"'mit mehr oder weniger fettgedruckten Lettern einen Concürs! in deutscher oder böhmischer Sprache lesen, und das Auge eines! jeden jüdischen Cnltusfunctionärs haftet gewiss mit erklärlichem! Interesse an diesen so wichtigen Zeilen.- Wer diese Lectüre! aufmerksamer Verfolgt, findet bald eine gewisse ׳Regelmäßigkeit - heraus, indem, wie bei eurem Ringelspiele nach vollendetem Kreislauf immer die gleiche Figuren vor unser Auge treten,! so auch hier nach einetn bestimmten Zeiträume von circa 1—3 Jahren immer wieder dieselben Concurse auf der Bildstäche erscheinen. 9hm wie kommt das, und was ist die Ursache dieser; für beide Theile höchst bedauernswerthen Erscheinung? ZnmHt i liegt das Verschulden an dem betreffenden Functiönär, der sich,! uran verzeihe mir den harten Ausdruck, zum Handlanger der: Gemeinden hergibt, und ׳in zweiter Reihe an den Gemeinden selbst, die gewissenlos genug sind, die Kräfte eines Äerartigür; Wänsten bis zum ketzterr 'Atom äuszunntzeu. College B. 's» K. Mt gewiss jüngst an ׳anderer Stelle' ein j Avahrheitsgelreues Bild unseres -,ehrwürdigen" Stävdes entworfen, allein nicht die Häffte. der Leidensgeschichte kanner Erzählen, da er sie! nicht kennt und.-nicht, weswegen er auch,zu beneiden ist, niemals mitgemacht hat. Da . lautet;ein Goucurs: Der Functiönär muß sein: a) autorisirter Rabbiner, d) geprüfter Lehrer. o) musikalisch gebildeter Cantor, ä) rvutinirter Kore, . . V! e) geübter Schochet, . . t) Gemeindesecretär, '!.v •;■־ - :־'־: g) der deusch. n. cech. Sprache in Wört und Schrift mächtig u. s. w. u. s. w. Und für alll diese Leistungen wird summa sümmarum Oe. W. ft. -5—600 jährlich, nebst freier Wohnung gegeben. Wohl wahr, dass manche Gemeinde nicht mehr als die angeführten Tugenden verlangt, aber manche versäumt noch einzuschalten, dass der betreffende Functiönär der Schames der Gemeinde, oder Schames des Schames sein muß; denn gewöhnlich ist ein derartiges Individuum ein abgekrachtes Mitglied der verehrten Gemeinde und strotzt derart von Unbildung und Grobheit, dass man selbst die kleinsten Dienste entweder selbst oder durch seinen eigenen Dienstboten verrichten lassen muß. Der Functiönär soll auch der Glockenstrang oder Blitzableiter der verehrten Gemeinde-Mitglieder sein. Wehe ihm, wenn er die Schimpfereien des einen Balbos über den anderen nicht mit ״wohlgefälligem Lächeln" oder gar mit einer entgegengesetzten Bemerkung aufnimmt; oder wenn Einer bemerkt, dass er seinem geschäftlichen Concurrenten oder persönlichen Feind eine etwas tiefere Verbeugung oder einen besser accentuirten Nisodshsraost ,macht, mit Haut und Haaren ist der Functiönär verlören, äbgeurtheilt — gerichtet. Jahrzeitbewahren ist auch eine Sache des Cultnsfunctionärs. Wehe ihm, wenn er vergisst, dass Herr N. N. nach seinem Vater oder seiner Mutter am x-ten Jahrzeit hat, und es versäumt, den betreffenden Herrn 4—5 Tage vorher darauf aufmerksam zu machen; eine Nachlässigkeit ohne Gleichen, die 14 Tage das Stadtgespräch bildet. Wehe, dreimal wehe, wenn ein Ofes trefo wird. Der Gehalt soll zwar im Vorhinein gezahlt werden, aber fünf oder zehn Gulden sind das Höchste, was man nach langem Bitten erhält. Die Kinder müssen lauter ״vorzüglich" bekommen, selbst wenn sie Haubenstöcke sind, sonst hat man die ganze Sippschaft am Hälse und noch obendrein — beim Director diesbezügliche Anseinändersetzungen. Wahrlich geehrte Collegen, nicht die ׳Hälfte, Vicht den vierten Th eil dessen kann man zu Papier geben, was man duldet und -leidet, da man vor sich selbst — erröthet. ־׳׳ Und dies Vorgehen ist nur die Folge der Nachgiebigkeit und Willens losgkeit der׳ betreffenden Functionäre. Alles' vereinigt sich zu einem Gänzen, die Taglöhner, 'Fabriksarbeiter, Kutscher, jeder Stand trachtet, durch vereintes, einmüthiges Vorgehen den UnbilleN urNd Widerwärtigkeiten einen kräftigen Damm entgegenzustellen; -selbstdie Gemeinden bilden bereits eine große Vereinigung, nur )vir jüdische Beamten stecken, gleich dem Vogel Strauß, denKohf 'in den Sand, um nichts zu sehen M'-Mr Len Rücken zum Prügeln herznhäften. — — ׳Wohin soll dasffüMen? Ich gestalte mir daher an die ver- 'ehrten ,-LeideMgefährten" den dringenden Well: Streifet ab' diese sträfliche Jndöleuz, r treffet zusammen zu einem einheitlichen, -großen ׳--Gänzen, Alle ohne ׳'Ausnahme, und ׳bemühet' Euch, alle diesem Stände anhaftenden ,-mtwürdigenden" ׳Mängel -'allzu