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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-05-11 · Heft 13 (11.5.1897) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 13 (11.5.1897)
Date
1897-05-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite Gesterreichisch-unaarische Lantoren-^eituna. 1!»•*»■»•-«j Taft»«.► h Vtr. 13 DiM MkerpKchoHAie des ÄÄrn- Schluss.) MAmW)tz7 Hrr CrhaMn^d'es Büches hat dstEiWchtuuK,' dqW>EMeseMpMelAMAupde/ - --J . best Drunösatz, Ärst .M-:Mremand mit dMlWknntnis des Gesetzes entschuldigen kann, wenn er dasselbe M'ertreteu hat. Aber dafür zu sorgen, dass der Bürger das Gesetz auch kennen lerne, überlässt der Staat, jedem Einzelnen. Bei den Juden aber wurde zuerst die Einrichtung getroffen — und die Kirche hat fie -dann übßrn.onM.eu.-^- dass, regelmäßig an bestimmten Tagen aus der.heiligen-Schrift vorgelesen werde, damit die Kenntnis des Gesetzbuches dem Volke nicht fehle,- '-י־ : Wenn man so׳ zuweilen einen Durchschnitt macht in der Gesckichtc,- wenn man einen bestimmten Zeitpunkt herausgrerft ׳ und )sich nun verschiedene Völker um dieselbe Zeit ansieht, dann gelangt man oft zu sehr interessanten Beobachtungen. Ich will, nur ganz kurz, ohne weit auszuholen, die Beobachtung auf ein solches Datum Hinweisen. Im Jahre 444 vor unserer Zeitrechnung — es war dieselbe Zeit,'dasselbe Jahr, welches ui das perikleische Zeitalter fallt, iw das..blühendste. Zeitalter griechischer Cultur,. wo unter. Perikles vollendete Kunstiverke, aufblühende Wissenschaften, politische Macht und eine Fülle von Reichthum jeder Art in Athen waren — da ereignete es sich, dass nach unserer jetzigen Auffassung eines fehlte: Der wahre Ernst des Lebens. Und weil dieser fehlte, ist dann alle diese Blüthe dennoch zu Grunde gegangen. Zn-demselben Jahre, am 1.׳ Tage des 7. Monates war zu Jerusalem auf dem Platze vor dem Wasserthore eine große Volksversammlung. Männer. Frauen und Kinder, sobald sie fprächverständig waren, waren versammelt. Da war eine Tribüne erbaut. Auf derselben befand sich Esra,' und um ihn herum 13 ändere von den hervorragenden Männern. Sie brachten ל die heilige Schrift und sie lasen daraus dem Volke vor. . Wennwir das Culturbild dieser, Menschen mit dem Athens im perikleischen Zeitalter vergleichen, so erscheinen sie wie Bettelwesen, als ein׳ armes, dürftiges Häustein. Aber eines hotten sie: den ׳wahren Ernst des Lebens, und er fand seinen Ausdruck in der Verehrung des Gesetzbuches und darin, dass nunmehr eine öffentliche Vorlesung dieses Gesetzbuches stattsinden sollte.. In den homerischen Gedichten, in den beiden großen Epen, der Ilias und Odyssee, wird uns ein Bild des griechischen Lebens zu jener Zeit mit der größten Genauigkeit und Anschäulichkeit vorgeführt. Wir sehen das ganze Leben und Treiben der Menschen, auch das was sie innerlich bewegt,, was sie an Idealen erstreben, tritt vor unseren Augen deutlich hervor. Wenn wir aber diese beiden Gesänge von Anfang bis Ende sehr genau durchlesen, vermissen wir nach unserer heutigen Anschauung Eines. Zu den Bestrebungen der Menschen gehörte damals absolut noch gar nicht Wissen, Erkenntnis, theoretische Einsicht. Ztirgends ist davon die Rede. Durch die ganze Bibel aber erklingt es fort und fort ״ Vejodato“, ״Du sollst erkennen!" (Leb- Hafter Beifall), freilich vorzugsweise das, was das Erhabenste ist, das der menschliche Geist erfassen kann: Erkenne das Unendliche! Die spateren Griechen, mehr als alle älteren Völker von Wiffenstrieb ergriffen, haben ihre Erkenntnis ausgebildet, aber gegen ihre Religion. Wenn wir die. Poesie der Griechen und der Römer durchsehen und ihre religiösen Schriften, soweit von solchen die Rede sein kann, bemerken wir, keinem dieser war es möglich, das zu sagen, was uns so geläufig geworden, wenn einer seinen Blick zum Allerhöchsten wendet, zu sagen: ״Mein Gott!" Niemals konnte ein Grieche sagen : ״ ׳Mein Gott". Es war . der . Geist des. Fudenthums, welcher dahin geführt hat, die Aneignung des Höchsten an die eigene Persönlichkeit zum Ausdrück zu bringen und sich selbst in der höchsten Weise ihm huizügäben. MWäfter Beifall.) Ein anderer Züg. Alle -alten Völker Hallen Heryensagen, Geschichten und Erzählungen von ben SWern und ׳ GMndern. "׳ *) Aus dem Vorträge des Gcheimrathes Prof. Dr. M. Lazarus gehalten in Wien am 11. April 1897. ihres. Volkes. Eine Erzählung geht Mst gleichmäßig . KindheMist WWu. zwMasS/'M/ WllWöst Quelle^Her MhrüMHbgWMten, Hl dU GesaMMnM ^M öerhungern^ mnll jedeWiesellHeroMfviMMetM'^JDMMf werdMWmnWKmnllMe.lnnWÄ1MgMtzEMDiffM^MMsE hungern, dürH' -eine Wölfin gesäugt, die Wölfin Roma; und das war ihr Wappenthier. Die Völker wissen davon Zu sagen, wie Rom eine Wölfin war (lebhafter Beifall), und dasjüdische Volk nicht am Wenigsten. (Beifall und-Händeklatschen׳.)" Rom blieb. eine Wölfin, bis. das. Christenthum -den , Schlüssel., zum Himmel an die Stelle der Wölfin gesetzt hat.' Bei den zarten Griechen ist Aus-/-der^ Vater der Götter Und Menschen, in derselben Gefahr^, zu׳' verhungern, - er wird aber durch die Ziege Amalthea, durch! jenes Thier sanft blickenden . Auges genährt, ganz-entsprechend der edlen. Machest'Natur des . griechischen Stammes. Moses abep wich ernährt von seiner eigenen Mutter. (Lebhafter Beifall find. Händeklatschen.)-. Das bedarf keines Commentars. Sie Haben mit den' Händen/den Evmmentar geklatscht. Ich habe vorhin von der ContlWität des Geistes gesprochen, hier haben wir die Continuität des Gemüthes. (Beifall):. - Eine Generation gehört zur anderen, /die Mutter zum Kinde, und einer jener glänzenden Zufälle, die/es auch in der Geschichte der Litteratur gibt, tritt uns-hier''entgegen, dass gerade des letzten Propheten,Mäleachi, letztes Wort,- das von der Verheißung spricht, dass, Elias der Prophet wiederkehren werde ׳ vor dem großen Gotteslage, verkündet:- ״Und er wird zurückführen und hinwenden 'das Herz der Eltern zu ihren Kindern, und das Herz/der,Kinder zu ihren Eltern".. Wenn diese Continuität des Gemüthes unter den Inden erhalten.bleibt, dann hat auch. die Continuität des Geistes ’ eine gewisse Berechtigilng. (Lebhafter Beifall).‘ ■ ... .Nun. noch Eins. Alle alten Eulturvölker . haben - eine - Vorstellung von einem, goldenen Zeitalter. Das ist sehr begreiflich. Weyu die, Menschen in die Wirklichkeit des Lebens hineinblickeu, sehen sie, dass das Dasein brüchig, mangelhaft, Unzulänglich ist Man sehnt sich nach einem Zustande der Vollkommenheit, und was'die' Wirklichkeit'nicht bietet, das erzeugt die dichtende Phantasie: .So: entsteht die Vorstellung von einem goldenen , Zeitalterwelches einmalgewesen -ist. voneinem goldenen Zeit? alter,, das. aber, in der Vergangenheit liegt, und .von welchem, herab der Verfall immer tiefer und tiefer steigt. Auch das Judenthum hat aus dem Geiste seiner Propheten eine Vorstellung von deni goldenen Zeitalter geschaffen; es ist die Messianische Zeit, aber es unterscheidet sich dieses goldene Zeitalter dadurch, dass, es nicht-in der Vergangenheit liegt, sondern in der Zukunft. (Lebhafter Beifall.) .Nicht absteigend von dem Ideal lebt die Menschheit, sondern aüfsteigend soll sie leben, (Beifall.) Das goldene Zeitalter der mefsiänischcn Idee ist nicht eine Phantasie, sondern'eine Aufgabe. Es ist die Ausgabe der .Menschheit, die: Messianische Zeit herbeizuführen. (Lebhafter Beifall.) Nun haben wir in der Bibelauch eine Erzählung, welche gleich ist jenen Vorstellungen .des goldenen Zeitalters, die Erzählung vom Paradies und vom Sündenfall: wiederum eine höchst merkwürdige literarische Thatsache. Ich glaube, man kann heute kein Buch, keine Novelle, keinen Roman oder ein wissenschaftlich ernstes- Buch lesen, ohne dass man im Laufe der Lectüre einem Anklang. an die Vorstellungen, -Paradies, Schuld, die Schlange als. Verführerin u. s. w. begegnet. Dahingegen aber, wenn wir die. ganze.Pibel durchlesen, finden wir mit Ausnahme der ersten Capitel der Genesis niemals wieder eine Erinnerung an das Paradies Und was daran hängt. Kein Denker-und Dichter, kein Prophet-und kein Psalmist hat-je wieder .vom Paradies , geschrieben oder.auf dasselbe hingewiesen. Das Paradies der Vergangenheit entspricht..nicht. ganz demjüdischen Geiste, das Paradies der Zukunft, der. Menschheit, die Messianische Zeit, das war das Sinnen und die Sehnsucht' des jüdischen Geistes. (Lebhafter Beifall.) ״ ־׳•■ Esgiebt. in der THat einen durchgreifenden Unterschied zwischen - den Poesien der . arischen: Völker, und, der hebräischen. Bei den ״ arischen. Völkern, überwiegen vorzugsweise Epos und Drama, Erzählung unst Darstellung hon EpeignMnSchicksalen;

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