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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-05-11 · Heft 13 (11.5.1897) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 13 (11.5.1897)
Date
1897-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 v, /j%6/ ־,? Qesterret Redaction u. Administration CöDLtffl-Organ PränninerationS-Preid. Wien, 2.Novaragasse 27. für die InteressMj der Cantoren und 3Fi»Qfontx>rc11 u.<S111tuabca11tte in VrstrrrLktz-UirgMM Ganzjährig ..... fl. S-— Halbjäbrig ..... ff. LAS 3iK(8a«toteB1hg1>ttuj1<1tW»t» int Kwliiik K. k. österr. ssostsparcasse Lheck-Lonto Nr. 635,240. CultuDamtrn. E Inferatr, werden billigst berechnet. Erscheint jied^Ä zehnten Lag. Ganzjährig . . . - .10 Mart oder 5 Rudel. - Für privat» «Mi Mknuscripte werden nicht —: ..■4■■■—.— Ganzjährig :. . . . fl.&-י . Nbonurureilt»- n. Insertion»- betrage stnb in Miere!alllbar. .retonrnirt ן*! 1 Begründer: Oberichnwr Jacob Bauer. - ft. 13. Wien» H. Mai 1897. 17. Jahrgang.. *־•;/;‘;V*' Was Kann der Rabbiner für dry GememdegesanAihun?! Jeder Rabbiner, dem die Würde des Gottesdienstes M, Herzen liegt, kann durch die Autorität, die er in der Geme?dH genießt, - zumal er :auch: in den meisten Fällen den ReliguDE unterricht leitet,' erspneßlich auf den Gemeindegefang einchME - besonders durch einen beredten Mund, und sehr wichtige Momente können sowohl aus der heiligen Schrift wie auch aus!-der jüdischen Geschichte!herangezogen werden, um schou der׳ heranwachsenden Gemeinde zu zeigen, welch' hohe. Bedeutung der Gesang im..israelitischen'Cultus.׳stets eingenommen hat. Wer wollte auch den segensreichen Einfluß unterschätzen, den die Absingung religiöser Lieder: auch im häuslichen Kreise äußert, und zutreffend sind hier die Worte Herders: ״Ein Chor Singender ist gleichsam schon eine Gesellschaft Brüder, das Herz wird geöffnet, sie fühlen im Strome des Gesanges sich ein Herzünd eine Seele". Um nach dieser Richtung einwirken zu können, wäre es aber unbedingt erforderlich, dass der zeitgemäß gebildete Rabbiner des Gesanges so weit kundig sei, dass er die wesentlichsten Elemente desselben kennt und selbst die Befähigung besäße, im Nothfalle, der namentlich in kleineren Gemeinden leicht eintreten: kann, den Gottesdienst musikalisch gerecht abhalten zu können. Die Geistlichen der anderen Confessionen besitzen fast ausschließlich ein höheres musikalisches Wissen, und es ist nicht einzusehen, warum diese schöne Kunst sich nicht mit der rabbinischen Gelehrsamkeit in Einklang bringen lassen soll. Schon der Psalmist ermahnt uns ja, den Herrn mit Cymbeln und Pauken und lieblichen Liedern zu verherrlichen, oder soll das wilde Durcheinander, das Gehör beleidigende, taktlose Gemurmel etwa mehr zur Andacht stimmen und Gott wohlgefälliger sein? Ich glaube nicht, dass unsere Heranwachsende, gebildete Jugend sich zu der letzteren Art von Andacht hingezogen fühlt, und darum muß der Rabbiner und Lehrer schon frühzeitig die Liebe zu diesem wichtigen Gegenständ in die jugendlichen Gemüther pflanzen ׳ um kräftig auf das ganze Leben einzuwirken. Die meisten Menschen singen ja schon von Natur aus gern, und dem religiösen. Gemüthe steht gewiss der Geyieindegesaug am höchsten. Sollen aber solche Aufmunterungen von Seiten des :Päbbiners, Predigers oder Lehrers ihren Zweck erreichen, so» muß er auch selbst bei jeder Gelegenheit feine Achtung -für den - Gemeindegesang an den Tag Legen. Der Rabbiner firrchte jcc üW, /LM feine Predigt dadurch mehr in den Hintergrund gestelltwerden könnte, im Gegentheil, gerade durch einen frommen, ^und erbaulichen Gemeindegesang wird der Predigt gewissermaßen; die Thüre zu den Herzen der Andächtigen geöffnet. Offenbar wird der Gemeindegesang um so' Höher gestellt, je - mehr er als ein wesentlicher Theil eines wohlgeordneten Ganzen erscheint. Bei ernstem Willen kann der Rabbiner in dieser Hinsicht sehr viel thun, dass aber im mideren Falle viele Unzukömmlichkeiten herbeigeführt werden, darüber wirrden sich leicht aus vielen Gemeinden überzeugende Belege erbringen lassen. Gegen solche Unordnungen müssten übrigens schon die Vorsteher eintreten und Unschicklichkeiten, beim Gottesdienste ernstlich rügen. Rabbiner und Cantor sollen auch ein freundschaftliches Verhältnis zu einander unterhalten. Beide haben doch wenigstens während des Gottesdienstes ein und denselben Zweck, nämlich den, die Gemeinde zu erbauen. Es kann darum nur von heilsamen Folgen sein, wenn beide sich über die Förderung desselben recht oft aussprechen. Leider sind manche Rabbiner gegen einen würdevollen Gottesdienst entweder ganz gleichgiltig, oder sie wollen nur die ihnen bekannten Melodien mit ihren angenommenen unschönen Manieren gesungen haben. Es kann aber doch unmöglich schwierig sein, wenigstens Einige eines Besseren zu belehren, die, wenn sie einmal die hohe Bedeutung dieses Gegenstandes eingesehen haben und für denselben gewonnen find, auch auf Andere wieder wohlthätig einwirken werden. Ist es nun erst geglückt, ein allgemeines Interesse für den Gemeindegesang zu erregen, dann ist schon sehr viel gewonnen. Auch wir Cantoren werden gewiss nicht vergeblich arbeiten, wenn wir nach unserer amtlichen Stellung Alles beachten und. fördern, was als Mittel zur Erbauung in unseren gottesdienstlichen Versammlungen dienen kann. Mögen wir uns unter dem Beistände Gottes auch auf diesem Felde schöner Früchte erfteüen. M. Tin kner, Bünzlau, (Preuß.-Schlesien).

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