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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-05-01 · Heft 12 (1.5.1897) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 12 (1.5.1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr: 12. Gesterreichisch-üngarische LanLoren-Zeilung Seite 3 unsere sociale und politisHe Stellung und die bedrohten Rechte zusichern und unsere maßlos MungtimMe Ehre zu remigen. (Großer Beifall.) . .. ״ ,. Herr Dr. Alfred Stern (Bice-Präsident der Israel. Cultusgemeinde Wien) führte in seinem Referate über den Entwurf des Statutes für dön Wmemdebnnd aus, dass schön der Herathungüber das Gesetz, betreffend' die Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der israelitischen Religionsgesellschaft vdw Jahre 1890 hingewiesen wurde, dass damit die Constitnirüng der österreichischen Judenschaft noch nicht abgeschlossen sei. Die Schaffung öderBoMreitüüg' einer solchen höheren Einheit habe bei der Schöpfünb eines Oemeiydebundes vorgeschwebt. Der Entwurf sei nach bewährten Vorbildern, insbesondere nach den ausgezeichneten Statuten des böhmischen GeNieindebündes, aüsgearbeitet und möge der Versammlung zur Grundlage für die Generaldebatte dienen. (Zustimmung.) An der hierauf folgenden Debatte betheiligten sich die Delegirten Brunner (Hohenems), Byk (Lemberg), Rosenbacher (Prag), Dr. Stein (Wien) und Referent Dr. Stern. In das Cömkts zur' Specialberathnng des Entwurfes werden üher Vorschlag des Delegirten Witcöfsky (Brünn) mit Äcclämation die Delegirten Dr. Rösenbacher (Präg). Dr. Lichtenstern (böhm. Landesjudenschast), Dr. Horowitz (Krakau), Doctor Oppenheim (Brünn) und die Herren Dr. Steiner und Dr. Sieger (sammtliche aus Wien) gewählt, welche Herrn Dr. Lichtenstern zum ObmäNne und Herrn Dr. Steiner zum Referenten normiren. Hiermit schloss der erste Verhandlungstäg. Am Abende desselben Tages veranstalteten die Mitglieder des Wiener Vorstandes zu Ehren der Delegirten im ״Hotel Continental"׳ (Restaurant Tonello) 'eine Festtafel. Der Präsident der Wiener Cultüsgemeinde sprach den ersten Toast auf den erhabenen Monarchen, dem unsere Glaubensgenossen voll Vaterlandsliebe unerschütterliche Treue und Ehrfurcht entgegenbringen. Eine Reihe von ernsten und humorvollen Toasten seitens der Herren Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Schmidt, der Delegirten und der Mitglieder des Cultusvorstandes würzten den Abend. Der zweite VerhdNdlungstag war der Specialberathnng und Beschlussfassung über den Stätutenentwürf gewidmet und und wurde dieser im wesentlichen nach dem Referate des Berichterstatters des Comitäs, Herrn Dr. Steiner, in eingehender Debatte mit mehreren Amendements, statistischen Aenderungen Verbesserungen von der Delegirten-Versammlung genehmigt. Aus dem Statut heben wir die zwei ersten wichtigsten Paragraphe hervor: Z 1. Die Vereinigung führt den Namen: ״Allgemeiner österreichisch-israelitischer Gemeindebund" und hat seinen Sitz in Wien. Die Zwecke des Bundes sind: 1. Förderung der Verwaltungs-, Bildungs- und Wohlthätigkeitsangelegenheiten der israelitischen Cultusgemeinden Oesterreichs. 2. Sammlung und Mittheilung von Erfahrungen auf dem Gebiete ber Gemeindeverwaltung. 3. Sammlung und Bearbeitung statistischen Materiale», Förderung jüdischer Geschichtsschreibung und Verbreitung von Kenntnißen über Wesen und Geschichte des Judenthums. 4: Förderung des Religionsunterrichtes. 5. Förderüiig des Armen- und Kraiikeuhflegewesens. ׳ 6. Einrichtungen, welche dre Altersversorgung Or Gemeindeangestellten unb die Fürsorge M beten Hinterbliebene bezwecken. 7. Schutz Wider rechtswidrige- Angriffe gegen Judenthujn Und Juden und wider die Beeiüträchtkgung der ihnen gesetzlich gewährleisteten Rechte. 8. Prufnng und Begutachtung vön Gesetzentwürfe^, welche hie Bundeszweche berühren, und Erstattung von Anträgen (Eingaben und Petitionen) in dieser Richtung an die Behörden und gesetzgebenden Körperschaften. Die Behandlung ritueller, nätionäker und politischer Fragen ist von der Thätigkeit des GemekndebnnheS grundsätzlich att^- geschlossen. Z 2. Zur ordentlichen Mitgliedschaft des Gemeindebundes sind alle israelitischen Cultusgemeinden Oesterreichs, sowie Verbände von solchen berechtigt. Der Austtahmeantrag mW schriftlich durch den Cultüsvorständ unter Anerbieten des Jahresbertrages gestellt werden. Einzelpersonen und confessionelle Vereine können als Stifter, Gründer oder Förderer beitreten oder als außerordentliche Mitglieder aufgenommenwerden. Die Namen der Stifter, Gründer und Förderer werden dauernd in den Listen des Bundes geführt. Delegirter Dr, Lichtenstern dankt am Schluffe dem Wiener Vorstande für seine Jnitiave, welche neuerdings dargethan hat, dass Wien thatfächlrch eine führende Gemeinde ist. Auch spricht er dem Präsidenten seinen befonderen Dank aus fiir die unparteiische und mühevolle Geschäftsführüng. (Lebhafter Beifall.) Präsident, kaiserlicher Rath Klinger, dankt namens des Gesammtvorstandes den Delegirten fiir ihr Erscheinen und ist überzeugt, dass die mit sittlichem Ernst begonnenen Arbeiten zu einem gedeihlichen Abschlüsse führen werden. Als Proponenten für den zu gründenden Gemeindebund werden die Vorstandsmitglieder der Wiener Cultusgemeinde und die anwesenden Delegirten erscheinen und wird der Wiener Cultusvorstand mit der Durchführung betraut. Die Völkerpsychologie des Indenthums*). Mit einigen einleitenden Worten destnirt Professor Lazarus die Aufgabe einer völkerpsychologischen Betrachtung des Judenthums dahin, die Stellung nachzuweisen, welche das Judenthum im idealen Haushalte der Menschheit einnimmt, und fährt dann in folgender Weise fort: Es ist ein feiner Zug der biblischen Darstellung, dass schon zu den Zeiten des Moses dieser Gedanke über die besondere Eigenart des jüdischen Stammes ausgesprochen wurde: aber einem Nichtjuden in den Mund gelegt wird. Bileam ist's, der vom Volke Israel, das er vor sich schaut, sagt, dass es eben für sich allein wohne und mit den übrigen Völkern sich nicht gleich achte. Feine Betrachtungen knüpft der Talmud auch daran, dass er sagt, Bileam, derNichtjude, habe Lobreden auf den jüdischen Stamm gehalten, Moses aber habe seinem Volke die Strafreden gehalten. Schon in alter Zeit erklärt ein Mann, der eine Art Vorläufer der Völkerpsychologie gewesen ist, Rabbi Acher bar Aba : Du wirst nicht leicht den Charakter dieses Stammes, der Juden *) Aus dem Vorträge des. G.heimrathes Pros. Dr. M. Lazarus gehalten in Wien am 11. April 1897.

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