Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (11.4.1897)
- Date
- 1897-04-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Gesterreichisch-ungarische L.antc>ren-Aeitllng. $tv. 11. von ö. W. fl, 60.000, .das rascheste Erstehen dieses Hauses begannen naturgemäß die jüdischen Elemente/ die durch Jahr- Hunderte in den wenigen uralten Jndengemeiuden eine Zuflucht gefunden hatten, in ihrer gleichmäßigen Ausbreitung über das Land auch in diese Stadt zurückzukehren, wo ihre ^Strebsamkeit und der gerechte Sinn ihrer christlichen Mitbürger sie bald an Ansehen und Einfluss wackisen ließen. Dem Verlangen nach Befriedigung des religiösen Gefühles entsprach zuerst die von dem mosaischen Religiönslehrer, Herrn Marcus Herzka, angeregte Einführung eines geregelten Gottesdieustes für die in Olmütz wohnhaften Juden, welche mit Erlass des k. k. Kreisamtes Olmütz vom 10. Februar 1860, Z. 10367 gestattet wurde, dann die Gründung eines von den Herren Hermann L. Zweig und Dr. Adolf Brecher proponirten Cultusvereines, dessen Satzungen mit Erlass : der hohen k. k. mährischen Statihalterei vom 12. Mai 1865, Z- 9823 genehmigt wurden, nachdem die gemeinsamen Andachtsübungen schon von 1859—1862 im Hause Nr. 406 der Littauergasse, von 1862—1863 im Hause Nr. 447 der Böhmengasse verrichtet wurden und am 10. April 1863 das I. Stockwerk des Hauses dir. 586 Pilten zu diesem Zwecke gemiethet und zu einem Bet- Hause adaptirt wurde, dessen feierliche Einweihung unter der Patronanz des Herrn Hermann L. Zweig am 8. September 1863 durch seine Ehrwürden, Herrn Dr. A. Schmied!. Rabbiner in Proßnitz, erfolgte. Unterm 8. December 1867 wurde letztgenanntes Haus Nr. 586 Pilten von dem Vereine käuflich erworben und diente seinem Zwecke sohin durch, 33 Jahre. Jahrelange Bemühungen des an Mitgliedern immer mehr zunehmenden israelitischen Cultusvereines in Olmütz um Umwandlung desselben in eine Cultusgemeiude fanden endlich durch die mit Verordnung des hohen k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 15. Juni 1891. L.-G.-Bl. Nr. 45 erfolgte Organisation der israelitischen Cultusgemeinden Mährens ihre Befriedigung, wonach den geänderten Ver- Hältnißen Rechnung tragend, auch für die Juden in Olmütz ein Mittelpunkt der religiösen Jnterressen geschaffen wurde. Auf Grund des Beschlusses der ordentlichen General-Versammlung Dom 27. December 1891 erfolgte die Auflösung des Cultus- Vereines. Die Wirksamkeit der Cultvs-Gemeinde begann am 2. Jänner 1892 unter der Leitung eines provisorischen Ausschusses, dem unter Anderem hauptsächlich die Aufgabe zufiel, das Statut der Gemeinde zu verfassen und dessen behördliche Genehmigung zu erwirken. Diese erfolgte mit Erlass der hohen k. k. mähr. Statthalterei vom 20. September 1894, Z. 32792, wonach die ersten vollständigen Ausschusswahlen vorgenommen wurden, welche nach am 17. November 1894 erfolgter Constituirung folgendes Resultat ergaben. Es erschienen gewählt: Herr Eduard Hamburger zum Vorsteher, Herr I. U. Dr. Jacob Eben zu dessen Stellvertreter, die Herren: Josef Löw, Simon Schein, Sigmund Zweig zu Beiräthen, Ignaz Brieß jun.,3. 11. Dr. Berthold. Gams, Josef Groük, Jacob Kirschner, Med. Dr. Leopold Löw. Sam. Pollak und Eduard Thaußig zu Mitgliedern des Ausschusses und zu den verstärkten Ausschuss ergänzenden Vertrauensmännern die Herren: Hermann Brach, Salomon Czeczowiczka, Jonas Fischer, Moritz Gärtner, Berthold Heller, Bernhard Kaustnann, Josef Löwy, Lippmann Müller, Nathan Prochaska, Carl Schreiber, Ignaz Schütz und Ignaz Zweig. Schon in der U Sitzung des verstärkten Cultus-Äusschusses am 29. Ztovember 1894 wurde der Beschluss gefasst, ein der Gemeinde würdiges Gotteshaus zu erbauen und den hiezu erförderüchen Baugrund von dem hohen Fmanz-Aerar käuflich Zu erwerben. Der Bau wurde noch im Sommer 1895 in Angriff genommen, und heute erhebt sich derselbe stolz auf den ehemaligen Festungswerken und ist so weit fertiggestellt, um seiner Besümmuug übergeben werden zu können. Indem Letzteres nunmehr,geschieht, sei dankbar aller Jener gedacht, die dieses gottgefLlliae Werk gefördert haben. In erster Linie sei Dank und Anerkennung ausgesprochen dem Schöpfer dieses Hauses, dem Architekten I. Gärtner, der mit vollster Kraft und Hingebung. an diesem Werke geschaffen hat, es sei weiters dankend gedacht des hohen Finanz-Aerars, welches durch die billige Ueberlasfung des Baugrundes mrd der löblichen Olmützer Sparcasse, welche durch Gewährung eines Darlehens ^in der Höhe ermöglichten, es seien rühmend erwähnt alle jene hochherzigen 'Männer und Frauen dieser Gemeinde, welche durch Bethätigung ungeahnter, begeisterter Opferwilligkeit, durch Zu- Wendung oft überraschend hoher Liebesgaben die Möglichkeit .boten, dieses Werk zu vollführen. So rage denn dieses Haus ins Land hinaus, ein Zeichen der Dankbarkeit gegen Gott, der die Geschicke der Menschen und Völker nach seinem weisen, unergründlichen Rathschlusse leitet, gegen unseren allergnädigsten Kaiser, der alle unter seinem Scepter wohnenden Confessionen mit gleicher, väterlicher Liebe umfasst, ein Zeichen des Gemeingefühles der Juden und zugleich ein Mahner zu Frieden und Eintracht! Das walte Gott! Eingesendrt. Löbliche Redaktion! Ich ersuche höflichst um Aufnahme nachstehender Zeilen in die nächste Nr. der österr.-ungar. Cantorcn Zeitung. , . ״Die in voriger Nummer der ״Oest.-ung. Eant.-Ztg." mitgetheilte Nachricht über die Zurücksetzung des Herrn Obercantor Singermann in Troppau bei der Aufstellung der Votivtafeln im neuen Tempel muß von jedem Eollegen mit Protest zurückgewiesen werden. Wie viel Mühe und Plage hat der Centor und welche besondere Wünsche und Anforderungen werden an ihn gewöhnlich seitens des Vorstandes gestellt, damit ja nur alles bei der Einweihung schön und wirkungsvoll vor sich gehe; u׳>d in Anbetracht dieses Umstandes hat er zum mindesten ein ebenso gutes Anrecht, dass sein Name in den Votivtafeln aufgenommen werde, wie irgend ein Handwerker, der an dem Baue mitgearbeitet hat. Das Unrecht, das Herrn Singermann widerfahren ist, erscheint aber umso größer, wenn man bedenkt, welche hervorragende Verdienste er sich um den Synagogenchor ׳in Troppau, namentlich über um die Gründung und Leitung des Tempelchor-Vereines daselbst und hiemit um die Hebung und Förderung des jüdischen Gemeindelebens in Troppau erworben hat. Wenn nun seine Verdienste seitens des Vorstandes oder des Bau-Comites mit Undank belohnt wurden, so sei ihm wenigstens die Sympathie seiner Eollegen sicher, und diese zuin Ausdrucke zu bringen, ist der Zweck dieser Zeilen." Amiens. Wir können uns gleichfalls nicht enthalten, den Vorgang in Troppau bei Aufstellung der Liste für die Votivtafeln zu mißbilligen. Abgesehen davon, dass die Achtung, die wir unserem Cultus schuldig find, es gebietet, dass der Name jenes Fuuctionärs nicht übergangen werde, der die. erste heilige Handlung im neuen Gotteshause vollzogen hat, war die Aufnahme des Obercantors in den Votivtafeln schon deshalb eine Sache der Gerechtigkeit, weil der Name des Rabbiners verewigt worden ist. Wenn auch der Rabbiner als geistliches Oberhaupt der Gemeinde gilt, so ist dennoch im Tempel der Cantor der eigentliche Functiouär, und darum darf er auch hier nicht gegen den Rabbiner zurückgesetzt werden. Vielleicht wird noch eiu'Mittel gefunden, um dem mit Unrecht gekränkten Obercantor Genugthuung ' zu verschaffen. / (Die Redaction:) Wien. Das neue Abgeordnetenhaus: zählt ־' 11 ׳ Abgeordnete jüdischer Consession und .zwar: Rudolf: Auspitz (Brünner Handelskammer), -Dr. .Emil...Byk (Prody-Städt), Hofrath Josef Kareis. (Wien-Leopoldstadt), Dr.. Heinrich Kolischer (Przemysl-Stadt,-׳ Jacob Piepes' (Leinberger Handelskammer), Dr. Arnold Rapoportv. Porado (Krakauer Handelskammer),. Dr. Benno ■־: Strauch er (Czernowitz-Stüdt), : David Tittinger (Czernowitzer Handelskammer), - -Dy. Max Trachten.bxrg (Kolomea-Staht)-.Ar. Heo Verkauf. (Eger, V.: Curie),,Huch,..das H'erreyhaus,.hat'chrei,"jüöische,.Pyirs,. und' zwar:' ,Julius Ritter v. Gömperz, Hofrath Professor Dr.' Grünhut, und׳ Baron Oppenheimer. :י Wien. Samstag den 27.' März feierte ׳ der .!emeritirte EWtor, HMr H/GKt^e;kd^-seiüen achtzigstenMeburtstag..K^r ehrwürdige Greis./Hat ^KMah^;.50..FHr-..--2altz > CMtor, .HHM