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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-04-11 · Heft 11 (11.4.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 11 (11.4.1897)
Date
1897-04-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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11. Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 5. vorzunehmen, weil dies allein zu einer ungetrübten und reinen Intonation führe. Das Anschlägen einer Taste am Clavier genüge zur Sicherung der Intonation. Goldschmidt schließt sich auch insofern dem Lehrverfahren Stockhansens an, als er den Rath gibt, den Stärkegrad der ersten Hebungen in einem wohlklingenden Piano zu halten und das Mezzoforte niemals zu überschreiten. Deshalb mögen Männerstimmen, Tenöre und Bässe, vorzugsweise mit der Mittelstimme (Falsett) üben und die Bruststimme nur bis zum Mezzoforte steigern, Soprane und Alte besonders mit weicher Mittelstimme, erstere von der zweigestrichenen Octave an, mit der Kopfstimme üben, letztere von der Bruststimme nur ausnahmsweise Gebrauch machen. Das Singen im Piano, das stets eine gewisse Klangfülle bewahren muß, erleichtert die Reinheit der Intonation und gibt den Stimmbändern die nöthige Elasticität, welche nicht blos zu einem wohlklingenden Piano, sondern auch zu einem starken, schönen und weittragenden Ton hinleitet. Julius Heys Unterrichtsverfahren wird von Goldschmidt, wie es scheint, mit Recht bekämpft. Hey entwickelt das Gesangsorgan aus der Sprache und lässt seine vortrefflichen Sprach- Übungen mit starker und tiefer Stimme, Frauen möglichst mit dem Brustregister sprechen und den Sprachton allmählich zum Gesangston steigern. Gewiss besitze das Sprechen in tiefer Lage mit sonorem Ton seine Vortheile; es stärke, mit Maß betrieben, die Athmung, fördere die Elasticität der Bänder und gleichzeitig die sprachliche Anlage des Schülers, sowie dessen Verständnis für die Schönheiten der deutschen Sprache. Singen aber mit kräftiger Tongebung im Anfangsstadium des Lernens müsse verworfen werden; zunächst erschwere es die Jntonationssicherheit ünd überanstrenge die Muskeln. Zumal׳ bei Frauenstimmen begegne der Uebergang vom Sprechzum Gesangston der größten Schwierigkeit. Man überanstrenge das ungeschulte weibliche Stimmorgan, wolle man ihm sofort kräftige Töne im Brustregister zumuthen. Bei den meisten Frauenstimmen müsse der Mechanismus des Brustregisters erst allgemach zur Entwicklung gebracht werden. Die natürliche Stimme der Frau ist die Mittelstimme, mit deren Schulung zuerst begonnen werden müsse. All das Gesagte überzeugt und sollte von Lehrern und Schülern des Gesanges sehr ernst genommen werden; besonders dort, wo man, in bester Absicht allerdings, allein doch von Jrrthümern beherrscht, die Grundgesetze des Sprachgesangs lehrt und dabei die Stimmen verdirbt. Alles, was Goldschmidt über die Athmnng sagt, ist klug und werthvoll. Er empfiehlt jedem Sänger täglich Respirations- Übungen vorzunehmen. Wie, bitten wir in dem Buche des trefflichen Berliner Gesangsprofessors nachzulesen. Dieser nimmt mit Garcia drei Stimmregister an: die Brust-, Mittel- und Kopfstimme, welche auch stoffklanglich unterschiedene Tonempfindungen Hervorrufen. Sie seien nicht etwa unvermittelt nebeneinanderstehend zu denken und beruhen auf der Thätigkeit aller Muskeln des Kehlkopfes. Diese wechsle in der Ausgiebigkeit der Kraftäußerung, weshalb zwischen den drei genannten Registern Zwischenstufen erkennbar sind. Solche Uebergänge sind kaum einem bestimmten Register zuzuweisen. Beim Manne könne man von der voix mixte reden, von jenem vielfach angewendeten Piano, das eine Vermittelung zwischen Brust- und Mittelstimme darstellt. Ein Vorzug der Gesangspädagogik Goldschmidts ist deren reiches, - den besten Quellen entnommenes Uebungsmaterial, darunter auch 17 Solfeggien von Peter v. Winter. Das Buch des Berliner Gesangsmeisters sollte sich ein jeder Lehrer und Schüler anschaffen; der Erste, um sein Wissen zu vervollständigen, der Zweite, um das Können seines Stimmbildners zu controliren, da nur einmal die Stimme verdorben werden kann. Sollten, woran wir nicht zweifeln, wiederholte Ausgaben dieses schätzbaren Unterrichtsbuches nothwendig werden, so möge der Verfasser aus demselben alle überfiüsstgen Fremd- Wörter entfernen. Ausdriicke wie ״Phonation" oder ״oraler Ausgang" lassen sich trefflich verdeutschen. Wozu mit Worten kokettieren, welche nicht allgemein verständlich sind? Ein Lehrbuch soll ja gemeinfasslich sein. Denkschrift;ur Schlusssteinlegung der israet. Synagoge in Olmütz.*) Unter der glorreichen Regierung Sr. k. 11. k. apostolischen Majestät, des Kaisers Franz Josef I. vollendet die israelitische Cultusgemeinde in Olmütz heute ein Werk, mit dessen Bedeutung in absehbarer Frist wohl kein anderes zu vergleichen sein wird; ein Werk, des Zweckes würdig, dem es zu dienen bestimmt ist. Mit Stolz und dem erhebenden Gefühle der Befriedigung sieht jeder Angehörige dieser Gemeinde den schönen, der Anbetung des Allmächtigen gewidmeten Bau vollendet, nach nahezu 450 Jahren des ersten dieses Namenswürdigen israelitischen Gotteshauses in dieser Stadt, und im Vollgefühle dieser Freude geziemt es sich wohl, den Blick nach rückwärts zu wenden, um der Stellung der Juden in Olmütz in früheren Zeiten eine kurze Betrachtung zu widmen und sich des Umschwunges zu freuen, welchen unser Jahrhundert des Fortschrittes auch in dieser Richtung zur Folge hatte. Eine Geschichte der Juden in Mähren ist noch nicht geschrieben; was aber über die Lage derselben im Mittelalter in Bruchstücken bekannt ist, stempelt diese Geschichte zu einem fortgesetzten Martyrium für die Juden. So weit die bekannten Quellen es gestatten, bildet der ״Raffelsteller Zollvertrag vom Jahre 906" den ältesten Anhaltspunkt für die um diese Zeit bereits vollzogene Ansiedlung der Juden in dieser Stadt, welche in besagtem Zollvertrage zur Zahlung bestimmter Abgaben verpflichtet wurden. Wratislaw, der Begründer der eigentlichen jetzigen Stadt Olmütz, verwies die bis dahin unter den christlichen Einwohnern zerstreut lebenden Juden, deren Bethaus sich am nördlichen Fuße des Juliusberges befand, im Jahre 1060 in die Vorstadt Pilten und belegte sie neben erniedrigenden Vorschriften mit hohen Steuern. Eine Periode des Schreckens für die Juden bildeten die Kreuzzüge vom Ende des 11. bis zum Ende des 13. Jahrhundertes. Glimpflicher wurden die Juden in Olmütz von Ottokar II. behandelt, welcher im Jahre 1254 mit Hinweis auf eine judenfreundlichere Bulle des Papstes Jnnocenz IV. (1247) das Judenstatut seines Vaters Wenzel I.. welches den Juden größeren Schutz gewährte, erneuerte und welches auch von Wenzel II. und Karl IV. (1356) bestätigt wurde. Es folgte dann eine lange, ununterbrochene Leidensgeschichte für die Juden Mährens überhaupt, welche für die Juden in Olmütz insbesondere ihren Gipfelpunkt darin erreichte, hass unter Ladislaus, dem Sohne Albrecht II., im Jahre 1454 deren Synagoge und Friedhof zerstört wurden. Seit dieser Zeit liegen über die Anwesenheit der Juden in Olmütz keine Mittheilungen vor, doch kann nicht daran gezweifelt werden, dass das Verbot der Niederlassung der Juden in Olmütz bis um die Mitte dieses Jahrhunderts in Geltung gestanden ist, wenigstens ist so viel bekannt, dass bis zum Jahre 1848 nur eine oder zwei jüdische Familien ausnahmsweise daselbst geduldet wurden. Seither jedoch, da die Schranken mittelalterlicher Vorurcheile durch die Freiheitsbewegung des Jahres 1848 und die ihr folgende tolerante Gesetzgebung niederstürzten, *) Am 11. April 1897. Herausgegeben von der israekitifchen Cultusgemeinde in Olmütz und verfasst (die historischen Daten nach vor- > handencn Quellen) von Sigmund Zweig.

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