Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (11.4.1897)
- Date
- 1897-04-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Nr. 11 Folgen des Atavismus verwischt sein werden." (S. ״Franzosen Aber Juden" v. Dr. Ad. Jellinek, 20—23.) Auch der Talmud lehrt an mehreren Stellen die Theorie von Atavismus (Tr. Edios, 2—9:) Deshalb gebraucht er oft die Wörter: FisrosI rL6trw.011.i1a, gorals 6ka80äina, b’ne raoluaoiwa wegomle cbasodim, b’n e Awrobom, Jizcbok we’Jakob. Israeliten, Barmherzige, Mildthätige, Kinder Barmherziger, mildthätige Kinder Abrahams, Jsaks und Jakobs, die alle Humanität übten. (Tr. Bez. 32.) Dass die Juden auch gegen Nichtjuden Menschenliebe in großem Maße, ja, selbst zum Schaden ihrer eigenen Glaubensgenossen üben, dies haben wir bereits durch die zitirten Worte des Dr. Fr. Müller nachgewiesen. Diese Aeußerungen, die blos wegen Raummangel hier nicht verwehrt werden, sind zugleich eine genügende Widerlegung der für uns nicht ehrenden Behauptung vieler christl. Pädagogen, dass die Juden ihre Kinder allgemein nur zum ״Juden" erziehen, d. h. blos zum äußerlichen Gottesdienst, zum frommen Mitglied, eventuell auch zum Wohlthäter seiner Consession, aber nicht zu allgemeiner Menschenliebe. Wir haben bereits an Talmudstellen nachgewiesen die Lehre, dass die Frömmigkeit, die Anhänglichkeit an Gott, sich im Liebesdienst gegen jeden Menschen zeigen muß, wie Gott gegen alle Menschen barmherzig ist. Die jüdische Erziehungsweise dringt wohl auf Gottesfurcht, auf Ehrfurcht und Liebe gegen Gott, die Anfangs durch Uebnng äußerlicher Ceremonien bezeugt werden müssen, aber sie lehrt zugleich und gewöhnt das Kind daran, dass man aus Ehrfurcht vor Gott keinem Menschen Unrecht, und aus Liebe gegen Gott und Hoffnung auf seine Belohnung jedem Menschen Gutes thun soll, bis man sich angewöhnt hat, dies aus Hü m a n i t ä t s s i n n zu thun. ״In - allen deinen Wegen erkenne Gott und er leite deine Pfade!" (Spr. 3. 6.) ״Und nun Israel, was verlangt der Ewige dein Gott, von dir?" Antwort: Zu fürchten den Ewigen deinen Gott, zu wandeln in seinen Wegen, ihn zu lieben und zu dienen dem Ewigen deinem Gott mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele." (V. M. 10. 12.) ״Seid nicht wie Diener, die ihrem Herrn des Lohnes wegen dienen, sondern seid wie Diener, 'die ihrem Herrn nicht des Lohnes wegen, und Gottesfurcht sei über euch!" (Ab.ß13.) ״Er — Gott — hat dir. o Mensch, ohne Unterschied der Religion sagen lassen, was g u t ist und was der Ewige, dein Gott, von dir fordert, blos: I. Recht zu üben. 2. Edelsinn zu lieben und bescheiden zu wandlen mit deinem Gott." (Prof. Micha 16. 6.) Das jüdische Kind wurde und wird gewöhnt, aus Furcht vor Gott, keine Handlung zu begehen, durch welche Gottes heiliger Name entweiht, ein ״chillul-bascbem“ verursacht wird, was als eine der größten Sünden gilt. Hingegen soll es streben, stttlich gute Handlungen zu thun, durch welche Gottes Name geheiligt wird und die dem Volke Israel zur Ehre gereichen. Dies ist ein KidTisch-haschem, eine der größten Mizwotb. ״Ihr sollet meinen heiligen Namen nicht entweihen, und ich will geheiligt werden in der Mitte der Kinder Israel. Ich, der Ewige, fordere eure Heiligung." (Lewit. 22—32.) Der Prophet Ezechiel klagt darüber, wo Israel dies nicht that. ״Und sie kamen unter die Völker und entweihten dort meinen heiligen Namen, indem man von ihnen spricht:׳ das Volk Gottes sind diese, und aus seinem Lande sind׳ sie gezogen, um Gottes Namen zu heiligen." (Ezechiel, 36. 21. S. Jälkut zur. Stelle:) ״Israel ist zu dem Zwecke' zwischen die Nationen zer-- streut worden, ׳ damit die Gotteserkenntnis verbreitet werde! (Tr. Psochim, 67.), aber nebenbei bemerkt — nicht, wie von christlicher Seite angegeben wird, weil sie Jesum gekreuzigt haben." Diese seitens der jüdischen Eltern ihren Kindern gelehrte Neligionspflicht, dem Judenthum bei anderen Bekenntnißen Ehre zu machen,' ist den anderen Bekenntnissen sehr zu Gute gekommen, weil die Juden sich hiedurch bestrebten, ihnen Gutes zu thun und sich vor sozialen Sünden zu hüten. Wie lernt man gut singen? Auf diese Frage gibt das kürzlich erschienene ״Handbuch der deutschen Gesangspädagogik" von Dr. Hugo Goldschmidt (Breitkopf & Härtel, Leipzig) genauen Bescheid. Der erste Theil dieser werthvollen Schrift behandelt deu Lehrstoff des ״ersten Studienjahrs" und ist für gewissenhafte Gesangslehrer, sowie für solche Schüler berechnet, welche nach einigen Monaten Unterricht, nicht gleich als ״Concertsänger" herumreisen wollen. Dr. Goldschmidt besitzt eine gründliche Kenntnis der gesummten Litteratur gesangspädagogischer Schriften in deutscher, französischer und italienischer Sprache, prüft kritisch eine jede Gesangsmethode, nimmt alle verwerthbaren lehrhaften Winke berühmter Gesangsmeister an und weist Fehlgriffe in deren Unterrichtsweise zurück. Diese genaue Litteraturkenntnis lässt das Vertrauen in die Rathschläge Goldschmidts ebenso erstarken, wie dessen selbständiges Urtheil und dessen große Unterrichtserfahrung. Er rechnet mit italienischen Gesangslehrern die Coloratur zu den vornehmsten stimmbildenden Mitteln. Legato- und Portamento-Uebungen verschaffen dem Sänger״ die nöthige Beherrschung der Stimmbandmuskeln. Sollte selbst eine Zeit kommen, welche den Ziergesang als Selbstzweck nicht mehr kennt, so werde er seine erziehliche Rolle nicht einbüßen. Der Gesangsunterricht soll nicht ausschließlich auf eine Richtung allein, also etwa auf das deutsche Musikdrama hinarbeiten; noch seien die Meisterwerke der Italiener und Franzosen׳, noch seien die deutschen Classiker vom Schauplatz nicht abgetreten, immer noch bilde die Coloratur einen Zweig der Gesangskunst, der auch um seiner selbst willen der eifrigsten Pflege bedürfe. Der Ausgang für die Ausbildung einer jeden- Stimme sei in ihrer Mittellage zu suchen. Die Beobachtung lehrt, dass Ton und Vocal vereint dem Ungeübten nur in den bequemen Tönen der Mittellage annähernd gelingen, in welcher anfangs allein klangvolle Töne vernehmbar find. Die ältesten Meister der italienischen Schule im 17. Jahrhundert ließen jede Stimme im Umfange von sechs Tönen üben und überschritten diesen Hexachord nur dann und wann in der Höhe und Tiefe um einen halben Ton. Die spätere italienische und deutsche Gesangs- Pädagogik, auch jene des Herrn Jffert, lasse in ihren ersten Uebungen diesen natürlichen Stimmumfang überschreiten. Stock- Hausens Gesangsmethode (1884) allein habe den Werth -der italienischen Uebungen erkannt und sie in ihr altes Recht wieder eingesetzt. Sie beschränkt die Gesangsübungen der ersten Zeit ans den bequemen Sechstonumfang und vermeidet in den ersten Monaten der Ausbildung die Erweiterung zur Octave. Chromatische Tonfolgen sollen das׳ Einerlei׳ der diatonischen frühzeitig unterbrechen. ׳׳-׳׳'—״'׳' .; Goldschmidt empfiehlt auch Stockhausens Verfahren; das sich״ an die Altitaliener sowie an eine Anregung Garcias-anlehnt; alle Uebungen o h n e B e g l ei tun g ein es In strüm entes