Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (11.4.1897)
- Date
- 1897-04-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2, Gesterreichisch-ungarische Lantoren-^eitung. Nr. 11 י•••■• /; VMfimsW Hwr Äü ein zweites Ercrgms ayknDfeü, das gewiss ^t> gäM Wiilkg unmittelbar fiuf/fiie Dclegirtcn-VersamwluM<fölgte, es ist fiics der am 11׳. HÄüber Einladung de^P^RMMMÄksveremcs W WiM" ממל/ großen s MusikverciussMle.stattgehabte Vortrag des Geheimrathcs Professor Dr. M/Läzarus aus Berlin über ״die Völkerpsychologie des Judeuthums". Auf den ersten Blick crjchcint es gewagt, den Vortrag eiues noch so hervorragenden Gelehrten ein Ereignis Zu neunen, aber wer demselben beiwohnte und dessen zündende Wirkung aus das den großen Saal in allen seinen Räumen füllende Auditorium ' beobachtete, der musste zu der lieber- Zeugung gelangen, dass kein besseres Mittel gewählt werden konnte, um das kaltgewordene Interesse an jüdischen Fragen Ln den weitesten Kreisen neu zu beleben und den unheilvollen Jnölffercntlsmus im Judeuthume wirksam zu bekämpfen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, den formvollendeten, die .schwierigsten Probleme behandelnden und doch so populär gehaltenen Vortrag mit wenigen Worten, wie cs der beschränkte Raum an dieser Stelle erfordert, zu skizzieren, aber wir wollen trotzdemzur Brie'ntirüüg" unserer Leser, denen die spätere Medergabe des ganzen Vortrages gewiss eine willkommene Gabe sein 1 wird, das Wagnis.versuchen., Professor Lazarus zeichnete den jüdischen Stamm in seinen Eigenheiten und die von allen üb.rigey Culturoolkeru abweichende jüdische Weltanschauung. Diese charaeterisirte sich durch drei Einheiten: durch die.Einheit in der.Natur, der׳ Welt, des Universums, durch die Einheit Got,te-s und durch die Einheit der Menschheit. Alle Religionen sanken dahin, das Judeuthum allein hat zwei Tochterreligionen, das Ehristenthum und den Islam, erzeugt, und ist bis zum heutigen Tage aufrecht geblieben. Wanderungen waren. das Verhängnis des jüdischen Stammes, aber gleichzeitig seine Gnade, denn Wanderungen sind Wandlungen, sie . erzeugen Befreiung und Befruchtung des Geistes und schärfen den Trieb der Selbsterhaltung. Der tiefste Grund der Selbsterhaltuug liegt, aber in der Co nt in ui tät des Geistes, in dem: uueütlvegten Festhalten an der Ueberlieferung, deren Kern die heftige Schrift ist. Die Heroen aller Völker waren kurz nach ihrer Geburt am Leben bedroht. Romulus und Remus wurden von Liner Wölfin genährt, Zeus von der Ziege Amalthea Moses aber von seiner eigenen Mutter. In finniger Weise kömmt hiedurch die C o n t i n u ität d e s G e m ü 1 h e s zum Ausdrück, welche das finuige Familienleben unter den Juden erzeugte. Mit der Ghararterisiruug der jüdischen Poesie, der Poesie der heiligen Christ, im Gegensätze zu den . Poesien der anderen Culturv'ölker schloß Professor Lazarus seinen geistvollen Vortrag, den er, durch Herbeiziehung von Allegorien und Sägen aus den biblischem Schriften Änd. der Geschichte der alten Völker sehr anregend illustrirte. Tosender Beifall durchbrauste den Saal, und Jeder fühlte sich . Wobendurch das Bewusstsein, einem Stamme anzügchvren, dessen große. Tngaldrn in so glänzender Weise von so b^edtem AÄtnde. gezeichnet würden. Mirivuhr, solche Vorträge sind geÄgstet,. ׳ fii^--Ächtstng dün Jnömthüm rtach Äüßeil Zü' heben und das Selbstbewusstsein unter den Juden selbst zükräftigen, und dem ״Politischen Volksvettrste in Wien", Me Hineür rührigen Präsidenten, Herrn im Judeuthurne/mit.. gleicher- .Energie ihre Aufgabe eMllen.׳v dann ist wirklich der Frühling ini Judenthüme angebroihW und wHstehen am Anbeginne schönerer undMbesserem Tage. ' יי/•* Die Aufstellung des Chores beim Gottesdienst. Von B. Singer in Jungbunzlau Mit der Einführung der Orgel in unseren Gotteshäusern hat die Aufstellung »des Chores wesentliche/Veränderungen erfahren. Wenn in früheren Zeiten unsere alten Chäsannn ihre Sänger, ja sogar bei der Sabbatheinweihung ein kleines Orchester um sich herum grupßirt hatten, so muß. sich, das gar nicht so übel angehört haben, und die Beibehaltilng dieser Gruppirung durch unsere Reformatoren hat nur bestätigt, dass der Gesang durch diese Aufstellung gewinnt, indem der Cantor als der must-, kalische Leiter des Chores auch die Seele des ganzen Körpers sein muß.Unterder persönlichen Leitung des fuugirendenCantorskann' auch die exacte Ausführung der ganzen Gesangs-Pwce, sowie die Accentuirung und seine Nuaneirung gewisser י Stellen viel bessergelingen, als wenn der Chor vom Vorsänger völlig losgelöst wird und unter der Leitung eines den Intentionen des Cantors nicht immer sehr entgegenkommenden Dirigenten auf irgend einer . Seitengalerie, öder über dem Oräim Häkodescli, oder sonst wo postirt ist, / wo eben die Orgel, diese neueste Errungenschaft unseres Cultus, ihren Platz findet. Ich möchte heüte auf die Verwendung der Orgel ist der Synagoge nicht näher eingehen und will nur bemerken/ dass' der reine Vocälchor, wie er in früheren Zeiten bestand' und in manchen Gemeinden noch zur Stünde besteht, eine Eigenthümlichkeit des jüdischen Gottesdienstes bildet, die ich nicht gerne missen möchte/ und Welche nicht hätte׳ aufgegeben werden sollen. In dieser Beziehung befinde ich mich vielleicht in krassem Widerspruche Mit Unserem Altmeister Sülzer/ welcher sich in seiner Denkschrift für die Verwendung der Orgel beim israelitischen Gottesdienste einsetzte und dieselbe als specifisch jüdisch bezeichnete, -allein dieser Widerspruch wird mir um so leichter, als Sülzer ja selbst einen Vocälchor hatte, allerdings einen so ausgezeichneten/ dass ihn so mancher- Cantor üm denselben beneidete find fim den Preis desselben auf die schönste ׳aller Orgeln verzichtet hätte. ' Sicherlich ist in manchen Püövinzgemeinden, wo die gesangskündigen Individuen nur spärlich aufzutreiben sind, ein" Instrument von größer Wichtigkeit, aber׳ auch in diesem Fallesind Chor und Jüstrmüent in möglichste Nähe des Vorbeters׳ zu bringen. Unsere neuen Cultstsganeindest und'deren Vorstände׳ jedoch, die auch in xullüto' des Müsikalischsein kompetent sein wollen, versetzen die Orgel und den Chor׳ auf alle möglichen - und unmöglichen Punkte, find fo sah ich etst unlängst iü 'einem' der schönsten H.fige'r Tempel den Chor auf einer Höhe fingebracht, welche׳ sich mehr als׳ ein Nest fürsingende Vögel/ 'aber nicht für׳ Menschen eignet. VielleiD: wollte der׳ kunstsinnige :Vorstand der Phantasie der Eempelbesucher׳ züHilfe kommen, um ׳ denselben den Gesangals einen ״׳himmlischen" erscheinen 'zu ' lassen. In änderen neüen Gotteshäusern sind''Äie8<er^ThM׳Wft' Orgel ä Ist Wagner Msichtbär 'gemacht Wörden/ üui ׳Wsi'Hfect ׳ zü steigerrsi Diese stuf׳׳bloßfi Aeüßerlichkeiten berechneten 'Cmrichtungest Mhen mit der''Einfachheit ÄnserK Cstltüssticht'gut' Dr. F i m■ l a, gebührt für diese Veranstaltüng,/Daük und Auer- : Üiat der ,,Poetische Volksvereist" ״öW KÜßeti Denker üüd Gelehrtest" übWeichte, hat er sich selbst einen Ehreukrauz gestochten, und wenn alle berufenest Fäckörew-! ini Einkläng/ und dütum D^'-äuch'fifiw Nefem GesichtspMkte^ dem-! ConseÄiMviMus,^fiW^Mr׳Ehor׳fim׳^öen^Eantöe,^M Leitest des''ersterenf phMest lässt/' entMötzdn zw'HÄdigen? י' יי? י ׳