Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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*seitc 6 VestLrreichisch-ungqrische Lantoren-Aeitung. )itr. 10. erkennen zwar den Kreislauf an. weil er der uralten Rechnung ganz! nahe kommt, aber die einzelnen Monatsanfänge machen sie r-wmach abhängig vom Erscheinen des ersten Lichtes. Wenn sie zum Abend des 30. das erste Licht erblicken, so machen sie den folgenden Tag zum Neumondtage, wo' nicht, so ist es!der 3Q r-mld der vorige Monat hat 30 Tage. Der Neumond ist kein Fest, aber im Gottesdienst hat er eine Stelle- Seine Beachtung hat Wichtigkeit für die Festtage. Wenn nämlich ein Zweifel abwaltet, muß man die Festtage doppelt ansetzen, doch pfkgt sich' schon in den ersten Tagen des Monates aus dem Mondlicht zu ergeben, welcher der eigentliche Festtag ist, außer beim Anfang des 7; Monates, an welchem im Zweifel 2 Tage gefeiert werde» müssen, was jedoch sehr selten vorkommt. '״ ־ (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wimr. Wohe Auszeichnungen.) Bei dem jüngsten Hairsschub ist der Hofrath Professor Dr. Karl S. Grünhut ziim Herrenhausmitglied ernannt worden. Professor Grünhut ׳zählt zu den hervorragendsten juristischen Capacitäten der Wiener Universität. — Sr. Majestät hat den Director der Länderbank, Herrn Samuel Wtter v. Hahn, in Würdigung seiner ersprießlichen. die öffentlichen Interessen fördernden Thätigkeit auf financiellem Gebiete zum Hofrathe ernannt. — Sr. Majestät der Kaiser hat dem Professor an der Wiener Universität Dr. Wilhelm Neu mann den Orden der Eisernen Krone Verliehen und den Professor Dr. Jacob Schöpper zum Hofrathe ernannt. Wien. Freitag, den 16. März ist der Banquier, Herr Josef M. Ritter v. Pfeiffer, der bis zu den letzten Neuwahlen Vorstandsmitglied der Wiener Cultusgemeinde war, im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Verblichene, ein geborener Stuttgarter, kam -anfangs der fünfziger Jahre nach Wien und gründete hier ein Bankgeschäft. Seine rastlose Thätigkeit, sein rechtschaffener, biederer Charakter schufen seinem Hause eine große, vornehme Clientel und bald zählte das Bankgeschäft Josef M. Pfeiffer zu den hervorragendsten der Residenz. Ritter v. Pfeiffer war auch mit der Verwaltung eines heiles des Vermögens der württembergischen-Hofkreise betraut. Vor länger als zwei Decennien wurde der Verstorbene vom Kaiser in den Adelsstand erhoben, nachdem er vorher zum württembergischen Consul ernannt wurde und den Titel eines württembergischen Hofrathes erhalten hatte. Der Verstorbene war auch Ritter des Ordens der Eisernen Krone dritter Classe, Ritterdes württembergischen Kronenordeus . erster Classe und des württembergischen Friedrichs-Ordens. Er hinterlässt eine Witwe, Frau Emilie v. Pfeiffer, geborene Biedermann, einen Sohn, Alfred Ritter v. Pfeiffer, Ministerialsecretär im Finanzministerium, sowie eine Tochter, Frau Fanny E phrüssi. Der Tod des überaus rechtlichen Mannes, der bis an sein Lebensende stets ein Freund der Armen und Bedürftigen war, hat in den weitesten Kreisen die tiefste Theilnahme hervorgerufen. . Unter starker Betheiligung hervorragender Vertreter der Finanzwelt und industrieller Kreise hat Sonntag Vormittags um 10 Uhr das Leichenbegängnis stattgefunden. In der schwarz ausspalierten Einfahrt des Trauer- Hauses, Kärntnerring Nr. 8, standen Bedienstete der Börsenkammer, des Giro- und Cassenvereines und der Länderbank mit brennenden Windlichtern. Unter den Trauergästen waren zu sehen: Der Gouverneur der Länderbank Maximilian Graf Mvntecuccoli und Philipp Graf Boos-Waldeck, FML. Hauptmann, Herrenhausmitglied Freiherr von S o ch o r, Generaldirector Hofrath Jeitteles, Generaldirector Hofrath Ritter von Hahn, Generaldirector Ritter von Taussig, David Ritter von Guttmann, Hofrath Dr. Marcell Frydmann, Hofrath Schreiner, Baronin Charlotte von K ö n i g s w a r t e r, Hermann Freiherr von Königs wart er, Consul von Biedermann, die beiden Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde,. Dr. Alfred Stern und Landesschulrath Dr. G. K o h n, der Präsident der Börsenkammer M i.l l er ,von A i ch h.olz - mit den Börsenräthen, dem Generalsecretäx Ritter .von: L i n k -und;., seinen! Atell- Vertretern Dr. Sch ottik und Dr. Lick, Landtagsabgeordneter Alfred Freiherrvon Lind heim, Architekt. Fl eischer, kaiserl. Rath Benno Schefftel,׳ Cömmercialrath ׳ H.Stiaßny, Generaldirector P a l m e rdie -Schriftsteller Wilhelm- F r e h, Fritz S i n g e r, L i n d. er, die Gemeinderäthe Baurath S t i a ß.uy, Ritter von G o l d-s ch nj;i d t und!Z i;fste>r ex,;die Bankdirectoxep Blum, Mauthnex, ,Herz, Ernst, Wo llh eim,.,Bau.er, - Widmann, Kyrit'schoner, Zinner, Hofsecretar Märd eganß Se'cretär׳' Dr.-׳Li׳eden׳ic;w Präcise 10 Uhr wurde der l Sarg gehoben und,- - während'-Obereantor - Sing er;־ einen Trauerpfalm intonirte,. vor das Haus/-getragen.. Der, Eopduct setzte sich nach - dem Centralfriedhof in;;Bewegung-: Zwei Blumenwagen brachten die Kränze. In der.: Ceremonienhalle ' hielt Oberrabbiner. Dr. G ü d e lii a 111t dem Verblichenen eineu warmen Nachruf. , . . . -. ׳ Wien. Am 20. März ist der bekannte Schriftsteller Eduard K u lk e nach .längerer Krankheit im 66. Lebensjahre gestorben. Am 28. Mai 1831 in.Nikolsburg, geboren, -Sohn des nachmaligen erst vor. einigen Jahren verstorbenen Rabbiners Samson Kulke in. Kostet,. erwarb sich Eduard Kulke in jüngeren Jahren schon einen., namhaften Ruf 'als Novellist, und,''.seine vielen Erzählungen aus dem jüdischen Volksleben seines Heimatslandes Mähren, von denen ״Der Künstenmacher" auch inden von Paul Heyse. heräusgegebcnen.״Deutschen Novellenschatz" ausgenommen wurde,, lassen ihn nächstLeopold Komp.ert als! den bedeutendsten G h etto-Schilderer erscheinen.. Auch .auf dramatischem Gebiete versuchte sich Kulke und schrieb die. Tragödien ״Don Perez^ und ״Korah", das Lustspiel ״Der gefiederte Dieb״ rc. Durch viele Jahre - stand der Verstorbene in engeren Beziehungen zu Friedrich!Hebbel, und er veröffentlichte auch interessante ״Erinnerungen" an den Dichter der ״Nibelungen".;Der Feder Kulkes entstammen auch eine Reihe ästhetischer Abhandlungen. Das Leichenbegängnis fand am 23. März ' unter zahlreicher Theilnahme statt. Nachdem Herr Cantor S ch i l l er die-üblichen Traüerpsalmen executiert hätte, hielt derPräsident der,;Concordia", Herr Ferdinand Groß, .dem׳ verblichenen Schriftsteller einen ehrenden Nachruf, Am. offenen Grabe sprach her Landtagsabgeordnete Dr. Ofner namens der Freunde einige warme Abschiedsworte. Wien. Dem Vorstände des ״Politischen Volksvereines" in Wien ist es׳ gelungen, den berühmten Philosophen und Universitätsprofessor, Geheimrath Dr. M. Lazarus, -Und dessen Gemaliu. die illustre Schriftstellerin Frau Nahida Ruth- Laza rus (früher Nahida R emi), für zwei .:öffentliche Vorträge zu gewinnen, welche am 11. und 13. April d, J., halb 8 Uhr abends, im großen Musikvereinssaale vor geladenen Gästen stattfinden werden. An dem ersten dieser Abende wird der gelehrte Begründer der Wissenschaft der Völkerpsychologie . eine ״Völkerpsychologische Betrachtung des Judenthums"-.vortragen, während für den zweiten Abend die ausgezeichnete Litteratin das Thema: ״Ein Seelenkampf" gewählt hat.,, BrÜNN. (Mährisch-jüdischer Landesmassafond.) Die diesjährige Hauptversammlung, die von 47 Delegirten der mährischen . Gemeinden besucht war, fand am ׳ Montag den 22. d. M. unter dem Vorsitze des Obmannes Jül. Ritter v. G o mperz /statt. Derselbe widmete nach Constatirung der Beschlußfähigkeit ׳Worte ehrender Erinnerung dem verstorbenen Bürgermeister, von Nikolsburg Sigmund Blau, der dem Curätorium des Fond es 'seit dessen Bestände angehörte und sich 'um seine Gemeinde wie die Allgemeinheit sehr verdient gemacht hat. Die Versammelten erheben sich zum Zeichen ihres Mitgefühls von den- Sitzen. Den ersten Punktder Tagesordnung bildete der Rechenschaftsbericht des Curatoriums für das Jahr 1896. Derselbe betont die immer größer werdende Schwierigkeit der fruchtbringenden Anlage des Fondsvermögcns, wodurch eine stete Verringerung des Fondserträgnißes eintreten müsse,׳ während die Ansprüche j der Gemeinde immer höher und dringlicher werden, was dem > Curätorium dieErfüllung/seiner Aufgabe sehr: erschwere,,. Der