Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.4.1897)
- Date
- 1897-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 10. Gesterreichisch-nngarische Lantoren-Zeitung Seite 3 Masse , soll, glauben (die Unwissenheit ist dazu der Nährbodew), :die. meisten, gelehrten und gebildeten Christen glauben heutzutage nicht mehr an Dogmen, sie denken: ״Gesegnet soll der Trunk uns sein, Euch das Wasser,, mir der Wein." : Vom Frankfurter Ghetto berichtet Herr Salomon Levy: Als im Jahre 1796 infolge der Beschießung Frankfurts ein großer Theil . der Judengasse abbrannte, suchten und fanden die: Abgebrannten Wohnungen in den . anderen Stadtcheilen. Als aber ׳der abgebrannte Theil des Inden-Ghettos unter dem ׳Namen':!^,Bornheimer-Straße" wieder neu erstand, da war, schon durch die: Neubenennung des. restaurirten, das Schicksal des alten. Ghettos.entschieden. Die Zeiten. hatten sich erfüllt, die französische Revolution hatte der.Unduldsamkeit den Todesstoß gegeben. Dies bezeugt sehr deutlich der Ausspruch eines ehrsamen christlichen Bäckermeisters aus jener Zeit. Als nämlich im Rath der .׳Stadt.:Frankfurt die Abschaffung des Ghettos auf der Tagesordnung stand, stellte Herr Simon Moritz v. Bethmann, dessen hohe Verdienste um seine Vaterstadt geschichtlich feststehen, gleichwohl den Antrag, man solle die Thore an dem Judenquartier .wieder Herstellen und veranlassen, dass die seither in anderen. Stadtcheilen wohnenden Juden wieder hineinziehen. Sein . Antrag wurde abgelehnt; es war eben gegen den neuen Zeitgeist nicht mehr anzukämpfen. Kurz darauf besichtigte Bethmann die neue ״Bornheimer-Straße" und kam bei dieser Gelegenheit an dem Haufe des ״Brückelches-Bäcker" — so nannte man ihn, weil er im ״Judenbrückchen" wohnte — vorbei. Als Bekannte begrüßten sich Beide, und Herr von Bethmann benutzte die Gelegenheit, um von seinem abgelehnten Antrag betreffs, der Wiederhineinzwängung der Juden in das Ghetto zu sprechen. ״Ja, Herr. v. Bethmann, es is ewe e anner Zeit. Wann die Worscht geplatzt is, Willis Füllsel net mer enei." Dies d.ie bilderreiche Antwort des mit Schweineschlachten sehr bekannt gewesenen Bäckers. Ein 40-jähriges Amtsjubiläum. Herr David Kohn, Obercantor in Arad, feiert am 1. Peßachtage sein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Wohl scheint jede weitere Anpreisung des Jubilars und seiner eminenten Leistungen auf dem Gebiete des Tempelgesanges in einer der ersten Fortschrittsgemeinden Ungarns überflüssig, Gemeinden, College», Verehrer und Freunde des Kunstgesanges werden beim Lesen dieser Kunde auch ohne sonstigen Impuls sich hingezogen fühlen, diesem wahren Priester, ergrauet im Heiligthume, ihre Huldigungen darzubringen; nichts desto weniger dürfte ein kurzer Gang durch die Lebensgeschichte dieses Ausgezeichneten unter seinen Amtsgenossen zur Hebung und Würdigung seiner Verdienste hier am Platze sein. David Kohn wurde als der Sohn des in seinem Genre bestrenommirten Ghonele Chasan in Holitsch, an der Grenze Mährens, im Jahre 1834 geboren. Die Meisterschaft im polnischen Vortrage hatte er ererbt, unb die gesangliche Ausbildung genoß er am Conservatorinm der Landeshauptstadt bei den Proffesoren Menner und Ensiger, deren Lieblingsschüler er nach kurzer Unterrichtszeit wurde. Das erste Triennium seiner Wirksamkeit im Alter von 19 Jahren hatte die Gemeinde Austerlitz in Mähren zum Schauplatze. Von׳ da sollte er auf das Anrathen von Capacitäten ersten Ranges zur Bühne übertreten,, allein die Pietät ,,für..seine, sehr, religiösen. Eltern, sein frommer., Sinn und ׳.seine unerschütterliche Liebefür das Gotteshaus hielten ihn an der Lyra des königlichen Psalmsängers David fest, er blieb Cantor. Um diese Zeit wurde durch Abgang des nach Brünn berufenen Obercantor Schwarz die Stelle in Arad erledigt. Viele wurden berufen, aber Kohn wurde gewählt. In dieser musterhaften Großgemeinde Ungarns wirkt nun unser Jubilar vierzig Jahre. Sein mächtiger lyrischer Bariton bannt jeden seiner Zuhörer an heiliger Stätte, sein Vortrag, gefühlvoll und sanfte erweckt die inbrünstigste Andacht und stimmt er jene althergebrachten, traditionellen Weisen an, so wird׳ man unwillkürlich, hingerissen und in weihvoller Auflösung entringt sich der Brust der Ruf: Dies ist der wahre נזיר אחיו Zahlreich sind die Beweise der Sympathie, die dem Jubilar während dieser vierzigjährigen Wirksamkeit, sowohl von seiner Gemeinde, als von seinen Verehrern, von Juden und Nichtjuden, zu Theil wurden. Trotz seiner anerkannten, großen Vorzüge war er aber immer bescheiden, friedliebend, collegial und wohlthätig. Eine an Leistungen ruhmgekrönte Laufbahn ziert seine ganze Lebensgefchichte. Mit Befriedigung blickt er aus die dem Dienste des Heiligthums geweihte lange Zeit zurück und kann angesichts seiner Rüstigkeit und ungebeugten Kraft mit jenem biblischen Veteranen ausrufcn: ,ככחי אז כחי עתר! G. ״Es werde Licht!" Ein Beitrag zum Commentar der Schöpfungsgeschichte von Rabbiner I. B a u m. II. Diese schäumende Flüssigkeit, in welcher die Atome der Keimstoffe aller sinnlichen Dinge wie in einem chemischen Gährungs- oder Ausscheidungs- und Bildungsprocesse sich :befanden, vermengt mit den mineralischen Grundsubstanzen, aus denen der Erdkörper zusammengesetzt ward, ist der Grundbestandtheil der chaotischen Urmasse. Ueber dieser ״schwebt" oder waltetl) der ״Geist Gottes" oder der ״Hauch Gottes2 ״) als belebende und bildende Macht, auf deren Impuls die Urmasse sich allmählich entwickelt. Dies ist jene sich wohl nie selbst schaffende, aber stets sich fortentwickelnde Weltmaterie, der die schöpferische Allmacht, jene wirkende Univerfalkraft eingeflößt, 9 Jrrthümlich und heidnischer Anschauung sich nähernd, wäre es dem Zeitworte רחף (richef) die Bedeutung von ״brüten" beizulegen, um dadurch der Ansicht Raum zu geben, als hätte der Gottesgeist über dem weltlichen Urstoffe in einer Art geschwebt, wie der Vogel über den in den Eiern verborgenen Lebenskeimcn, die durch desten Körperwärme zur allmählichen Entwicklung gelangen und hervorgelockt werden. In so sinnlicher Weise wird das Wirken Gottes bei der Schöpfung der Welt nicht aufgefasst. Vielmehr soll durch das Schweben des ״Gottesgeistes" über der weltlichen Urmasse das Dasein und Walten der unerschaffenen Gottheit dargestellt werden, auf deren Willen den materiellen Masten eine schlummerde Lebenskraft einverleibt wurde, die durch das vom Gottcsgeiste hervorgerufene allgemeine Lebensprincip in der Natur allmählich zu Leben gelangte. Dadurch wird die Vereinigung der sinnlichen Form und der hohen geistigen Idee in menschlich fassbarer Weise zur Anschauung gebracht. “ 2) רוח bedeutet ebenso ״Geist" als auch ״Hauch". Letzterer Ausdruck hat eigentlich die sinnbildliche Bedeutung, der Hauch aus dem Munde Gottes, was mit dem schöpferischen Machiworte ״Es werde!" identisch ist. ורוח אלהים מרח&ת על פני רימית bedeutet also m diesem Sinne: Der Hauch Gottes schwebte schaffend und belebend über dem Abgrunde des 'Urschlammes, wie dieses Gemisch der rodten, rcgel-, kraft- und gesetzlosen Grundstoffe genannt werden kann. In gleichem Sinne heißt cs auch: □״ וברוח פיו כל צבאdurch den Hauch seines Mundes entstanden die Himmels-Herrschaaren" (Ps. 33). In ähnlicher Weise wird nach Eus ebiu s in. einem Fragmente j der phönizischen Schöpfungsurkunde von dem ״geistigen Hauche" oder dem! ״ersten Odem" (Kolpia) als von dem Ersten aller Dinge gesprochen, und