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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-03-21 · Heft 9 (21.3.1897) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 9 (21.3.1897)
Date
1897-03-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Decke 4. Gesterreichisch-üngärische Lanloren-Zeitung. Nr. 9 ׳Zu der Chemie : wird sinnbildlich LwErde üls.Reprä- 1 fentaiit für die festen Körper, das Wasser? für die flüssigen üud I die Luft für die gasförmigen betrachtet.׳ .In ähnlicher Weise bildet hier die Bezeichnung ״Himmel und Erde^ zwei Begriffe, die oft in der Bibel als sinnbildlicher . Ausdruck für die gefammte, fmnlich wahrnehmbare Welt gelten; durch sie soll hier der rohe, regel- und formlose Weltstoff, CH aos genannt, dersimllicht werden, den der Wille Gottes als eine Mischung verschiedenster Substanzen oder der Grundmaterie aller sinnlichen Dinge in's Dasein rief. :,-Himmel und Erde" in ihrer elementaren, unentwickelten Gestalt bilden daher die Urthat Gottes und den Inbegriff aller Elemente oder Grundstoffe, die zur Entwicklung der ganzen Natur uothwendig waren. Aus diesen hat sich allmählich das Weltall in seiner, vielfachen Gliederung, mit feinen Organismen und Lebewesen herausgebildet.3) Dieser - Begriff. ist ein relativer, der in dem ihm folgenden Texte seine ErMrung findet. Der zweite Satz schildert nämlich in knapper Weise die Beschaffenheit dieses weltlichen Urstoffes. Dasjenige, was uns nunmehr als Trägerin alles Lebens erscheint, nämlich der Erdkörper, war in seinem vorweltlichen Zustande nichts als eine regungslose, wirre, mannigfach vermischte Substanz; dieser Zustand wird treffend durch ein ״Tohu" und ״Bohu" bezeichnet, indem sprachlicher Abstammung gemäß dadurch eine trübe Empfindung, eine verstörte, verödete, höchst gedrültte Gemüthsstimmung charakterisirt wird, die schon durch eine blose Phantasievorstellung dieses Urzustandes sich kundgibt.4) Mer das, was wir ״Himmel", oder Firmament nennen und sich als eine strahlende und leuchtende Kuppel über unsere Häupter wölbt, war nichts als tiefe Finsternis, hängend über bodenlosem und unermeßlichem Abgrunde, dem zukünftigen unendlichen Welträume. In diesem eigenthümlichen Gemisch von Regel-, Form- und Leblosigkeit, von welchem sich die regste Phantasie eigentlich keine Vorstellung zu bilden vermag, haben wir uns den unentwickelten Urstoff des sichtbaren All zu denken. Dieser Urstoff befand sich anfangs in einem, flüssig-schäumenden, zählenden Zustande, welchen uns die biblische Schöpfungslehre als ״Tehom" oder als ״schäumende Flut" in tiefem Abgrunde (Urwasser) versinnlicht.^) (Forts, folgt.) 3) Maimonides erklärt, cs heißt darum בראשית» weil das ב das Enthaltende, alles in sich Fassende bezeichnet, in dem Anbeginn, d. h. alles, was in dml Anbeginne inbegriffen ist. Was ist es aber, was vorzugsweise in dein Anbeginne des Weltalls inbegriffen ist? Offenbar sind es die elementären Bestandtheile aller weltlichen Dinge. Maimonides erklärt die Bedeutung von בתאשית folgerichtig so: בתחלה ברא השם העליונים ״ ׳והתחתוניםIm Anbeginne erschuf Gott die Höhen und die Tiefen." Damit können gewiss nur die Grundstoffe verstanden werden, aus denen die Höhen und die Tiefen sich allmählich auf die göttlichen Gesetze in der Natur entwickelten. אליונים und תחתונים kommen daher hier dem Ausdrucke את השמים ואת הארץ gleich. (Vgl. More Nebuchim II, 30.) In diesem Sinne lehrt auch Maimonides in seiner Mischne Tora CTS): (ה׳ יסידי התורה ״Feuer, Luft, Waffer und Erde sind nach Anschauung der Alten die Grundflösse (Elemente) aller unter dem Himmel hervorgebrachten Geschöpfe und alles was von Menschen, Thieren, Pflanzen und Mineralien entstanden, ist jener Anschauung gemäß aus diesen vier Grundmaterien zusammengesetzt. 4) Die Begriffe ׳תהו ובהן Wüste und Leere (Oede), sind synonym mit E'tt und א8ת oder dem aramäischen תהה) תהא) oder mit dem arabischen Tih. und bedeuten: ein Zustand des Nichts, der jeder Wesenheit und jedes positiven Gehaltes und Werthes entbehrt. In ähnlichem Sinne heißt «s(Jes. 40,17): H כל הגוים כאין בגדו מאפס ותהו נחשבו ferner אפס מעשיהם רוח ותהו נסכיחס■ 5) Diese schäumende Flüssigkeit תחים stammt von והם, tosen, brausen, wogen, schäumen, und bedeutet so viel als die tosende oder brausende Substanzenfiüssigkeit des chaotischen Abgrundes, oder richtiger: -er vorweltlichen Grundlosigkeit. Die lüaraim*) von A. Stein, Rabbiner in Sobieslau. Während Simon Kahira sich bemühte, dem. räbbinischen Judenthume durch Aufstellung der 613 Vorschriften eine feste Grundlage zu geben, machten sich von anderer Seite gegentheilige Bestrebungen geltend. A u a n b e u David soll sich um die Stelle eines Gaon oder des Resch Gelutha vergeblich beworben haben und beschloss daher, mit seinem Anhänge eine eigene Gemeinde zu bilden. Nach Anderen war er factisch eine Zeit lang Resch Gelutha, aber wegen seines ketzerischen Geistes wandten sich die Rabbiner von ihm ab, klagten ihn beim Khalifen an und nur mit Mühe soll es ihm gelungen sein, dem Schwerte des Despoten zu entgehen. Allein auch diese Angabe ist nicht verbürgt, denn nach anderen Quellen soll Anan während der Regierungszeit Almau zurs (754—775) zu Bagdad gelehrt haben. Die große Entfernung Bagdads von den Sitzen der Geonim und des Resch Gelutha erleichterte die separatistischen Bestrebungen, besonders wenn wir bedenken, dass gewiss viele Juden aus den östlichen Gegenden des alten Persien, des Vaterlandes der Freigeister (Zendiks), nach der neuen Stadt hinzogen, die mit den Schulen am Euphrat bis dahin gar nicht in Beziehung gestanden sein mögen. Die Neuheit der Lehre Anans, der sich darauf beschränkte, die mosaischen Bücher zu erläutern und nur das. als Gesetz anerkannt haben wollte, was aus der Texterklärung sich ergab, Mischna und Talmud hingegen als eitel Menschenwerk verwarf, zog eine große Anzahl von Jüngern an sich, und so vollzog sich der Abfall. Die geschichtlichen Angaben über die Entstehung des Streites beruhen dllrchwegs auf unsicheren Angaben. Das Wesen des Widerspruches zwischen Karaim und Rabbanim, der Grund ihres Zwiespaltes, so erklärt ein Karaite des LV. Jahrhunderts, besteht in 3 Punkten: 1) die Rabbanim sagen: Bon unserem Lehrer Moses sind eine Menge Verordnungen m ü n d l ich gegeben worden, die sich alsdann immer weiter fortpflanzten, bis endlich eine Zeit kam, in der man sie aufschrieb, weil die Besorgnis obwaltete, dass sie in Vergessenheit gerathen würde. Wir Karaim glauben das nicht! Was Gott dem Getreuen seines Hauses offenbart hat, ward auch ausgeschrieben, wie aus vielen Stellen deutlich hervorgeht. Es gibt kein anderes Gesetz als das geschriebene" - 2) die Rabbanim sagen: das Gesetz bedarf der Erläuterung und diese ist im mündlichem Gesetze enthalten. Wir glauben das nicht. Alle geschriebenen Gesetze tragen ihre Erläuterung in sich. Ein jeder Ausdruck hat die Absicht, den Sinn des Sprechenden darzustellen, sonst hat er gar keinen Werth. Wie ließe es sich denken, dass Gott Veranlassung hatte, unverständlich zu sprechen, so dass er erst mündlich den eigenen Sinn hinznfügen müsste? Zudem heißt es ja: ״Gotteslehre ist vollkommen". Bedurfte sie der Erläuterung, so wäre dies der größte Mangel. Auch könnte jeder das Gesetz nach seiner Weise deuten. Sagten die Rabbinen, ihre lieberlieferung beträfe nur leicht missdeudete Gesetze, so gienge es noch an, aber sie schreitet weiter über den Inhalt hinaus, steht '*} Die Bezeichnung ״Karaim" ist viel umstritten worden. Die älteren Rabbiner bezeichnetcn mit diesem Worte einen knndigen Leser oder Vorleser der Thora, dann auch einen Bibelkundigen, - welcher der reinen Erklärung des Wortsiunes oblag. Nachdem aber die neuen Secten diese Bezeichnung für sich in Anspruch genommen hatten, ließen die Gegner, d. h. das räbbänitische Judenthum, dieselbe fallen. (Siehe'S. D. Luzzato י' י (.12-14 בית האוצר

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