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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-03-21 · Heft 9 (21.3.1897) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 9 (21.3.1897)
Date
1897-03-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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SeiMT I!r. 9. rGestetreichisch-ungärische Lantoren-Zeüüng und dem sie als Heiliges ErIgut zur besonderen Pflege und Wahrung anvertraüt avard';. sie beginnt auch nicht mit dem Religionsgesetze, das diesem Stamme zur Verwirklichmig im Leben und zur Fortpflanzung der diesem Gesetze zu Grunde liegenden ^rhabellen Kdeeii in׳ der Menschheit zutheil würde; iieim ׳das heilige Buch beginnt im Verfolge seines hohen Zieles mit׳ der Entwicklungsgeschichte der Natur', von welcher sie zur Entstehungs- und Cuttutgeschichte des Menschengeschlechtes inr;'. Allgemeinen übergeht. Deshalb wird der erste Theil der heiligen' Urkunde durch eine fremdsprachliche Bezeichnung /,Genesis" benannt, weil er init . der Entstehungs- und . S'chöpsilngsgeschichte aller Wesen im Weltall den Anfang machte Die Genesis beginnt mit der Lehre über die Entstehung' der sichtbaren Welt, weil Gott die Welt als den Schauplatz der Offenbarung seines unsichtbaren Wesens, als auch zur Stätte seines - ewigen Wirkens und Waltens und der Äeußerung seiner einzigen Vaterliebe und Vatergüte bestimmt hat. . Denn sie ist der eigentliche Ort, wo allein der heiligen Schrift gemäß das ,iReich Gottes" begründet werden soll. Sie enthält nichts von einer Theologie, keine Metaphysik und keine Mystik;' aller sie enthält die erhabene Lehre, dass sich Gott nichteinem einzelnen' Menschenstamme, sondern von allem Anfänge her schon der ganzen Menschheit durch seine Allmacht geoffenbart hat, dass die Stimme göttlicher Offenbarung nämlich fange, sehr lange schon vor der Offenbarung am Berge Sinai durch des Allmächtigen Schöpfuugswört:' ״Es werde!" im Weltall ertönte und im Innern, der ersten Menschen schon als eine Stimme׳ des Gewissens und des sittlichen Bewusstseins zur Äeußerung gelangte. Dadurch lehrt uns die heilige Schöpfungs-. urkunde gleich aus ihrem ersten Blatte, dass ein Gott es ist. der ״als Allmacht im All der Welt erscheint und dass seine in diesem'All mächtig und immerfort ertönende Stimme in die. geheimen Falten der Menschenherzeu dringt. Sie äußert, daher' gleich bei ihrem Beginne die höchste sittliche Idee: Ein ׳Gott und Eine Menschheit, und alles Sinnliche in der Welt und alles Geistig-Sittliche in der Menschheit finden in Gott, dem Einen, seinen Ansgangs- und ElNiguugspunkt. 2. Der weltliche Ü r st off. 1. ״Von Anbeginn hat Gott geschaffen den Himmel und׳ die Erde. . : * ,' Aber die Erde war regellos und wirr, und Finsternis war über dem Abgründe; aber der Geist Gottes schwebte über den Wässern," Der an die Spitze der Offenbarungsurknnde gestellte Satz bildet gleichsam die Einleitung zu der nachfolgenden Schöpfungsgeschichte. Er berichtet von der Gesammtheit Gottes und belehrt uns; dass Himmel und Erde von Urlleginn ihr Dasein Gott verdanken. Durch die Bezeichnung אלהים soll uns der Inbegriff aller göttlichen Kraftfülle' und Machtvollkommenheit dargestellt werden. In dieser Bezeichnung wird nämlich alle Macht Gottes zu einer Einheit'zusammengefasst und als Ausdruck für die eine allmüch ti g e und allwaltend e Gottheit gebraucht, im. Gegensätze zu. dem Göttesbegriffe der Völkerstämme der heidnischen Welt. ״Molliiir bedeutet daher ״all e M a ch i" oder die ״Allmacht", d. h. ein Wesen, welches a l l e M a ch t aller in den'heillnischeu Göttern zerstreut gedachten Kräfte oder Mächte der.Matur in.sich, vereinigt.:. Deswegen heißt es,..obwohl das Subject LloLim in der Mehrzahl erscheint, nicht:בראו (sie' schufen),- sondern 1 ברא)" (er; schuf). Einen solchen Gottesbegriff als Resultat einer inneren,- tiefer gehenden geistigen Anschauung in der Menschheit einzupflanzen,, ist das Erste, was die heilige Urkunde änstrebt; diese Anschauung bildet die Grundlageauf welcher das ganze Werk der Schöpfungsgeschichte aufgebaut wirk Zn den.überschwänglichen Bildern, in welchen die heidnischen Kosmogonien (Anschauungen über die Weltentstehung) das Wunder der Schöpfung darzustellen suchengesellt sich noch eine Menge abenteuerlichster Sagen und Göttergeschichten, -die einer regenfast wilden Phantasie entsprungen, die das Unfassbare durch das Maßlose dem menschlichen Begriffsvermögen näher zu bringen suchten. Bald ist es ein unermessliches Ei, aus welchem Himmel und Erde sich heraus entwickelte; bald ist es eine auf den Urwassern schwebende/ Riesenfeuerlilie (der Lotos), ans deren geöffnetem Kelche alle Wesen der Schöpfung hervorgehen; bald wieder ist es eines, der. Dreigötterwesen Brahma, Wischnu und Schiwa in der indischen Kosmogonie, aus dessen fabek-- haften, riesigen Gliedmaßen nach einer langen, langen Reche von Jahren die Welt sammt allem, was sie enthält,^entspringtN. dgl. Und was war der Erfolg aller dieser Theorien? Die Menschheit wurde der wahren Gottheit immer mehr und mehr entrückt,. Die biblische Schöpfungslehre schlägt in ihrer Darftellungs-r weise einen ganz anderen Weg ein. Sie vermeidet jeden unbedachten, verworrenen und beirrenden Redeschwall, bewahrt vielmehr die knappe Rede des bedachten Weisen, dessen Weisheit nicht nur in dein sich äußert, was er mit Besonnenheit spricht,: sondern auch, oder noch mehr, indem, was er oftmals aus' Klugheitsrücksichten verschweigt; deshalb beginnt sie nicht mit : einer Geschichte von der Gottheit, die unstreitig erdichtet fein . müsste, sondern beginnt mit Himmel und Erde.2) In einersolchen Weisheit gibt sich ein Streben nach Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit kund, und klingt Manches dieser knapperen Darstellungweise auch kindlich, so ist sie doch unstreitig gewinnend und überzeugend. . - 1) bedeutet ״erschaffen", oder ohne Anwendung irgend welcher vorhandenen materiellen Formen oder Gestalten ״Hervorbringen", heraus- . treten aus dem erfüllten Nichtsein in das sichtbare Sein, oder richtiger: eine Idee haben und sie ohne jedes Hilfsmittel und mitwirkends Kraft zur Ausführung bringe!׳.. Dieses ist den Zeitwörtern ׳פעל ,עשה.יצר wirken, machen,' bilden, entgegengesedt, welche die Bedeutung haben, aus bereits vorhandenen Formen oder Gestalten oder durch Einwirkung von Hilfskräften andere Formen und Gestalten anfertigen. Bei den Urhebräern, nämlich den Stammeltern Abrahams, sowie bei den Phönicicrn 11. 2t. bedeutet das Wort Elohim ״die Götter", ״die Gottheiten'׳ öder ״die Mächte",- gebildet von der Einzahl אל (El), d. h ״Gott", ״die Gottheit" oder ״die Macht". Unter ersterem verstanden-sie gesonderte Kräfte oder Mächte, die als gesonderte Beherrscher der verschiedenen Naturkräfte,'oder als gesonderte Principien verschiedener, natürlicher Einflüsse materieller und geistiger Elemente als wirkende und waltende Wesen betrachtet und verehrt wurden. So z. B. ist nach der Dreieinigkeits-!' lehre (Trilüurti) der indischen Nrgottheiten Brahma, der reinste Urgeist,, Schöpfer alles Seins und höchster Gott, Wischnu ist der Erhalter und Schiwa der Zerstörer alles Erschaffenen. 2) Die alten Weisen fragen: Warum beginnt die Bibel mit dem zweiten Buchstaben des Alphabetes, mit ׳ב und nicht mit dem ersten, wie die Zehngcbote mit א? Sic geben darauf folgende sinnige Antwort: Der Buchstabe ב ist von allen Seiten geschlossen, nur an einer Seite ist er offen: Dadurch soll angedeutet werden, der Mensch soll sich in seinem Denken und Forschen nicht zu hoch und nicht zu tief versteigen; er soll nämlich nicht zu ergründen suchenwas für ihn unerforschlich ist in den Höhen und ' unergründlich ist in den Tiefen,-was für -ihn verborgen bleibt ans der Urzeit, und was für ihn verhüllt sein wird in aller Zukunft. Dieses findet ganz besonders Anwendung auf das Wesen Gottes. Darum beginnt die ׳ Bibel weder mit einem Phil osophiren, noch mit einem Phantasiren über die׳ Gottheit, sondern mit Himmel und Erde.

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