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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-03-21 · Heft 9 (21.3.1897) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 9 (21.3.1897)
Date
1897-03-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. ־•״* י■ •יs ־#׳•■'-; .־ל fehlt, bi? bje geuiemschaftlicheu Interessen des gesaminteu VaterländisWrZndenHums zü Mhr«r berufch ist^.. über die in Prag jüngst stMgehMe'DeMmmlung .her -Äertteker Üer böhmischen' CMtsgemÄndech׳ so" resultatloU sie auch bezüglich des Pensionsfondes.vetlauDn ist, gibt uns'wenigstens euren Fingerzeig, wie Man sich' zu gemeinsamer Berathung zusammenfinden kann. In der ernsten und sorgenvollen Zeit, die das österreichische Judenthum jetzt durchlebt, ist eine stramme Organisation im Innern, ein einheitliches und zielbewusstes Auftreten nach Außen die erste Bedingung für die erfolgreiche Abwehr der gegen das Indenthum gerichteten Angriffe, und darum wäre es dringender denn je geboten, dass die erste und angesehenste Cultusgemeinde der Monarchie, die Wiener Cultusgemeinde,. sich an die .Spitze stellt und einen Gemeindetag nach Wien einberuft. Die Aufgabe dieses Geweindetages wäre, alle bringenden,- das gesammte Judenchum Oesterreichs betreffenden culturellen, socialen und materiellen Fragen einer ernsten und eingehenden Berathung zu unterziehen' und gleichzeitig auch den Grundstein zu legen für den Aufbau ein«: jüdischen Centralbehörde. Von einer solchen Centralbehörde, die berufen sein soll, das gesammte Judenthum nach Außen zu vertreten und dessen Interessen nach allen Richtungen wahrzunehmen, könnte auch am ehesten die Lösung der Pensionsfrage der jüdischen Cultusbeamten einheitlich durchgepihrt werben. Ueber die innere Organisation dieses Forums, über seine Stellung nach Außen und sein Verhältnis zum Staate und den bestehenden Gesetzen wollen wir ein anderes Mül mrsere Ansichten entwickeln. Gm GemaHregelter. Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redacteur, Ihnen, ohne Ihr Fachgenosse zu sein, heute über einen Vorfall in einer böhmischen Gemeinde zu berichten, die wohl den stolzen Titel ״israelitische Cultusgemeinde" führt, ihn aber keineswegs verdient, und möge der geehrte Leser selbst entscheiden, ob ihre Handlungsweise, für deren Wahrheit ich einstehe, jüdisch und menschlich ist. Meme Geschäftsreisen führen mich 2—3 mal im Jahre in den Süden Böhmens und so kam ich auch gestern in das Städtchen S. im Taborer Kreise und besuchte daselbst meine Kundschaft. Bei einer Kunde, einem angesehenen Kaufmanne im Orte, wurde über ein Ereignis aus jüngster Zeit debattirt. das auch mein Interesse im vollsten Maße in Anspruch nahm. Ich wollte dem Berichte nicht recht Glauben schenken und da ich nicht vom Anfang an zugehört, ließ ich mir den ganzen Sachverhalt wieder erzählen, der sich folgendermaßen zugetragen hatte: Am 13. d. M. hat in dem Städtchen S. aus Anlass der bevorstehenden Reichsrathswahl für die Städtegruppe eine Wählerversammlung stattgefunden, bei welcher auch der Rabbiner der Cultusgemeinde anwesend war. Der Candidat für das Reichswahlmandat hielt eine lange Rede über das eechische Staatsrecht und stellte mit vielem Pathos die Behauptung auf, dass die Jungcechen im Reichsrathe stets fiir die Gleichberechtiguug eingetreten sind und auch in Zukunft eintreten werden. Angesichts dieser den Thatsachen nicht ganz entsprechenden Bchauptung erlaubte sich nun der Herr Rabbiner die Frage an den Caudidaten, wie es komme, dass die. Jungcechen zu Häufe voll Freisinn sind und in Wien mit den Antisemiten kokettieren, chre Interpellationen unterschreiben u. s. w. Damit aber hatte der ehrwürdige Redner in ein Wespennesi gestochen, es entstand ein allgemeines Murren, und der O RrW ... Candidat erwiderte in gereiztem THre, dje-rAuden^seE'selHf Schuld/ äenn der AntisemiMmus ^aüch mMöhtnel^üftrefen; werde/ (als ob er nicht. sHnda-HW!) ZD er MW M Juden die Wahlen in/MaDn W in ^Wg׳ M GoWuK - wo sie nicht den Candidaten der JungcechU — Breznov'sE— sondern den socialistischen Candidaten gewählt Haben, diesen Ausführungen stellte der Rabbiner die Frage,-. entgegenIst - Breznovsky ein Freisinniger, der den Mechaniker Schneider nach Prag geladen, ihn am Bahnhöfe feierlichst empfanden) ihm' zu Ehren ein Bankett veranstaltete und Arm in ArinMilihm gieng? Sollen etwa die Inden in Prag einen solchen Mann wählen'?׳ Hierauf entstand ein großer Lärm und Entrüstung seitens der: : Jungcechen, denn die Wahrheit hört niemand gerne au, zumal ׳ wenn man sich betroffen fühlt. Was in dieser Wählerversammlung sich abspielte,-ist nichteinmal so sehr der Erwähnung werth, dergleichen dürfte sich auch an vielen anderen Orten mr Böhmen ereignet haben, aber der Vorfall hatte ' noch ein Nachspiel im Schöße der Cultusgemeinde. Der vorurteilslose Leser wird wahrscheinlich'glauben, dass dem Herrn Rabbiner, der so mannhaft für die. Rechte seiner Glaubensgenossen eingetreten ist/ ein Anerkennungs-Diplom oder eine׳ ähnliche Sympathie-Kundgebung zutheil würde, aber da hat er weit fehlgeschossen. Mit einem ganz anderen Lohne ist er bedacht/ worden. Am nächsten Tage berief der Cultus- Vorstand eine Sitzung ein Und beschloss — dem Rabbiner zu kündigen. Wer nur einen Funken 'jüdischen Ehrgefühles im'Leibe hat. :muß diese Handlungsweise'eines'jüdischen Cultusvorstandes in Böhmen verdammen, und ich kann die Beurtheilung derselben getrost den Lesern dieses Blattes und der weiteren Oeffentlichkeit überlassen. Was sind aber die Gründe dieses heldenmüthigen Vorstandsbeschlusses? Höret und staunet! Das Auftreten des Rabbiners in der Wählerversammlung׳ sei geeignet, den Antisemitismus in S. wach zu rufen. Wie mir aber mitgetheilt wurde, gibt es hier schon genug Christlichsociale, die wol noch nicht organisirt sind, allein der Clerus arbeitete an der Gründung eines Vereines der katholischen Männer und Jünglinge — noch lange bevor der Rabbiner die verhängnisvolle Frage an den Reichsraths- Candidaten gerichtet hat. Ich habe schon viel von einem neuen Cultusgesetze und den neuen Statuten sprechen gehört, wenn jedoch solche unjüdischc und willkürliche Vorstandsbeschlüsse die Segnungen der neuen Aera sind, dann waren mir die alten, ungeordneten Zeiten denn doch noch lieber. _ cli. ״Es werde Licht!" Ein Beitrag zum Commentar der Schöpfungsgeschichte von Rabbiner I. Baum. 1. Einleitung. Die Bibel oder ״heilige Schrift" zerfällt ihrem Inhalte nach: in Naturgeschichte/Geschichte, Religio nsgesetze und Morallehren. Diese vier Bestandteile der heiligen Urkunde machen zusammen ein Ganzes aus, welches die Quelle bildet, aus der die GesaMMt-Menschheit die Grundläge ihrer Gotteserkenntnis, den Kern ihrer' Religion und die Anleitung zu ihrem gedeihlichen socialen Leben schöpfen soll. Diese Urkunde beginnt deswegen nicht ihre Lehren mit der Geschichte jenes- Menschenstammes> aus dem sie eigentlich hervorgegangen (L)est erreich ffch-yngarische Lanwren-Aeitung.

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