Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1897)
- Date
- 1897-03-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/1304829-3453397-3453405--4781-3459279- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Veite 4 Gesterreichisch-ungarische DMoren-IeitunA Nr. 8. Sodom und Von Dr. Kort Diener. ^Schluß.) i ‘ ־ Die eigentliche Zerstörung der Städte wird in Vers 25 auseinandergesetzt. Der jahvistrsche Berichterstatter bezeichnet die Art derselben durch das Wort ,,haplialdi“," das im Hebräischen den Begriff ״umwendeu", ״umkehren" fixirtt Auch im Vers 29, der, wie die Pluralform ״Elolma* für dir Be-! Zeichnung des Gottesnamens beweist, aus einem anderen Berichterstatter geschöpft ist, lehrt dieser Ausdruck wieder. Er weist auf ein Erdbeben Mn, das die Städte durch ^Umkehrung" vetuichtete. Der entscheidende Beweis dafür, dass die sodomitische׳ Katastrophe als ein Erdbeben zu deuten sei. liegt aber in dem! Umstände, dass die in den Offenbarungen der Propheten als-; Seitenstücke zu den! Untergange von Sodom und Gomorrha׳ angÄrühten Naturereigniße sich stets auf Erdbeben bezicheM; ׳Besondere Beachtung verdient eine diesbezügliche Stelle in der Weissagung des Propheten Auws, der seine Vision ausdrücklich! ״zwei Jahre vor dem Erdbeben" daürt, demselben großen Erd-! Leben, von dem der ProphetLacharia (14, 4) verkündet: ,>Un^ Ihr ׳werdet fliehen, wie Ihr flöhet vor dem Angesichte des Erd-׳ Lebens in den Tagen Osias, des Königs von Juda." Vielleicht lassen sich auch die Warnungen, die Lot auf die drohende' Gefahr ׳aufmerksam machten, auf seismische Zuckungen beziehen; wie sie großen Erdbeben voranzugehen pflegen. Etwas Be? stimmtes lässt' sich hierüber nicht sagen, da׳ in dem biblischen Berichte stets Gott allein als der Urheber der verschiedenen Vorgänge erscheint, und daher nicht, wie in der Sintflut-Episode des ׳assyrischen Jzdubar-Epos, . die Art jener Warnungen,Ms der wettgehenden Persomficirnng.-der einzelnen Naturkräfte etschwssen werden kann. . Die zerstörenden Wirkungen heftiger Erderschütterungen sind von der Beschaffenheit des Untergrundes der betroffenen! Gegenden in hohem Maße abhängig. Das Thal Siddim müssen wir uns als eine sehr fruchtbare, unmittelbar an das Tote Meer angrenzende Niederung vorstellen, die, wie Kap. 13,1 Vers IO besagt, waffetreich war, ״wie der Gärten Gottes, wiedas Land Egypten", also als eine aus lockeren Anschwemmungen aufgebaute, von Grundwasser durchtränkte Region, ähnlich der | Deltaniederung des Nil. Die Begleiterscheinungen stärkerer Erdbeben in großen Grundwafferniederungen bestehen in der Regel in einem Auspressen , des Grundwassers und in der nachfolgenden Senkung des durchträntten Bodens; Solche Vorgänge sind im Gebiete unserer Monarchie bei den Erdbeben von Alt- Moldava (1879) und Agram (1880) in kleinem Maßstabe be- »Lachtet worden. Viel bedeutender waren die Wirkungen ein-! zelner Erdbeben am Unterlaufe der großen ostindischen Ströme und in der Steppenniederung der Selenga am Baikal-See. Bei einen! Erdstöße, der das letztere Gebiet am 12. Jänner 1862 traf, sank der gesprengte Alluvialboden, aus dem das Grundwasser herausgepresst worden war, auf eine Länge von 21 Kilometern und eine Breite von 10 bis 15 Kilometern unter den Spiegel des Baikal-Sees hinab und wurde von demselben bis zu einer Höhe von 4 Metern bedeckt. Eine Erklärung der Ueberflutung des Thales Siddim mit der! oben genannten, vier Städten als Folgeerscheinung eines Erdbebens steht daher ebensowohl mit den localen Verhältnißen, als mit wiederholt beobachteten, in historischer Zeit eingetretenen Vorgängen im Einklang. Es erinnert dieselbe an die uralte Deutung des Ereignißes durch Eratosthenes, der das letztere, wERttübo berichtet!;" demHervorbrechen Unterirdischer Gewässer 'züschrieb. Dieses HetvorbreHenunterirdischer Gewässer das Aufbrechen der Brunnen' dergroßen Tiefe; wie es°der biblische Sintflutbericht nennt — ist:nichts: anderes; nls das Auspresser! des Grundwassers aus dem lockeren Alluvialboden.' Für die Annähme tektonischer Einbrüche des festen Grundgebirges^ Borgänße ähnlicher Art, wie׳ der in früheren gedlögischen Epochen erfolgte Einbruch des Toten Meeres selbst, liegt keine Veranlassung vor. Bei der Annahme so gewaltiger Katastrophen wäre die Rettung des Sodom so nahe gelegenen Ortes Zoar ganz Unbegreiflich. Bei einem Erdbeben, dessen zerstörende Folgen wesentlich durch eine Wirkung' auf die lockere, waffergetränkte Thalsohle von Siddim beeinflußt wärest konnte esin Folge seiner Lage auf dem festen Felsbyden am Rande des Gebirges leicht verschont bleiben. Aehnliche Beispiele'für die Abhängigkeit der Wirkung seismischer Stöße von dem Untergrund der: betroffenen Orte sind fast bei jedem größeren Erdbeben cönstätirt worden. ׳ °! : ü' Die eigentliche Zerstörung der ׳ Städte wurde durch.: ein Phänomeneingeleitet,' auf das Vers 24׳ anspielt und das von Kommentatoren des biblischen Textes ׳in'sehr verschiedener Weise gedeutet worden ist. Das in der Schilderung verweüdete Wort ^gopttrittt", das Luther und Dillmann mit ״Schwefel" übersetzen, ist seiner Bedeutung nach noch nicht sichergestellt worden. Nur so viel ist gewiss, dass es nicht ״Blitz" heißen kann, da der Ausdruck für diesen Begriff im Psalm 11, 6 neben ״gophrikh“ dorkommt. Entscheidend für den Charakter des Phänomens erscheint mir die Angabe, dass Gott die brennenden Stoffe ״von! HimMel herab" regnen ließ. Diese Angabe schließt die Deutung "des Vorganges als -׳Kne ׳Explosion-Von'׳׳GÄ׳srÄ!sM!'Wie'-sie׳ in Petroleumdistricten gelegentlich vorkommt, aus.׳ Dä auchdie Uebersetzung von ^gopttritii" mit ״Blitz" unzulässiig erscheint, so bleibt nur noch die Annahme eines vulkmiischen Phänomens zur Erklärung übrig. Die Annahme einer mit dem Erdbeben, das die Städte zerstörte, zusammenfallenden Eruption wird durch das Vorkommen sehr junger vulkanischer Bildungen auf der Ostseite des Toten Meeres gestützt. Im Tscholan überlagert, wie Noetling gezeigt hat, ein Lavostrom Fußablagerungen mit einer Süß- Wasserfauna, die ausschließlich solche Arten enthält, die mit den heute in Palästina lebenden übereinstimmen. In den Schichten von Lisa׳.!, den jungen Ablagerungen des Toten Meeres aus einer Periode höheren Wasserstandes, findet man noch keine Spur eines Lavagerölles. Die Lavaströme und Vulcankegel von Maob am Ostufer des Toten Meeres sind also jünger als diese Schichten, deren spärliche Fauna ebenfalls nur mit heute noch in Palästina lebenden identtsche Arten enthält. Dies alles spricht dafür, dass jene Eruptionen noch bis in eine geologisch sehr junge Epoche, möglicher Weise bis in die historische Zeit angedauert haben. Anderseits ist die Coincidenz von Erdbeben und vulcanischen Ausbrüchen eine bekannte, insbesondere an einzelnen füdamerikanischen Vulcanen und am Stromboli näher studirte Erscheinung. Nichts steht daher der Annahme im Wege, dass in dem Krater eines der Vulcane von Moab durch den Erdstoß, -er'Sodom und GoMorrha nicderwarf, die Obstruction zersprengt wurde und eine vorübergehende Eruptton zustande kam, deren Aschenregen sich über die Städte;,vomHimmel?herab" ergoß. Auch die Erwähnung esner RäuHsäule, die Abraham von! Hebron