Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 7 (1.3.1897)
- Date
- 1897-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite ff Vesterreiühisch-ungarische Lantoren-Zeilnntz. Nr. 7, Genesis/ Vers 23—2A. AbrahW der im Hain Mamre bei HM»» wohnt, und Lot, öer^siMm-WohüW m׳-Sodom auf- MchW^en hat, werden Mn Gott irnd zwei Engeln vor einer bevorstehendeil ZerstöruWHer vier Städte gewarnt, die Gott um die Sündhaftigkeit ihrer Bmvckhner willen zu verderben Leabsichllgt. Bot wmßrt sich zueM Sodom zu verlassenlässt sich jedoch durch Ne wiederholten Warnungen endlich bewegen, mit seiner Familie aus der Niederung nach Zvar am Rande des Gebirges zu fliehen. Sobald er Zvar erreicht Hat, beginnt das in dm nachfolgÄiden Versen geschilderte Strafgericht. Kap. 19, Vers 237 ״lind die Sonne war aüfgegängen über der Erde Mld Lot kam nach Zoar." Vers 2^: ״Und der Ewige ließ regnen über Sodom und über Gomorrha ״gophrlth" und Feuer vom Himmel herunter." Vers 25: ״Und er wendete um dieז Städte und den ganzen Umkreis und alle Bewohner der Städte und Alles ans der Erde Hervorsproßende." Vers 26: ״Üud es blickte sein Wejb nach hinten sind wurde zu einer Säule von Salz." Vers 27: ״Und es stand auf.Abraham am Morgen und gieng hin zu dem Orte, wo er gestanden war vor dem Antlitze Gotts." Vers 28: ״Und er wendete sein Angesicht nach allen Seiten des Landes des Umkreises und schaute, und siehe da. es stieg auf eine Rauchsäule der Erde, gleich der Rauchsäule eines Ofens." Vers 29: ״Als der Ewige vernichtete die Städte des Umkreises, da erinnerte sich der Ewige des Abraham mrd schickte fort den Lot aus der Mitte der Umkehrung der Städte, in welchen Lot gewohnt hat. (Schluss folgt.) Wrezr. ״Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus" hat einen Aufruf erlassen, in welchem er alle anständig denkenden Menschen zur Theilnahme all seinen humanen Bestrebungen auffordert. In diesem Aufrufe heißt es: ״Wer die Abwehr des Antisemitismus als begründet und geboten anerkennt mrd -wer uns darin beisteht, arbeitet auch gleichzeitig an der Abwehr der Ungerechtigkeit mit, gegen , die er selbst zu ringen hat. Möge daher unser Ruf in ganz Österreich, nicht allein in deutschen Theilen, nicht allein in den sogenannten bürgerlichen Parteien, sondern überall gehört werden. Mögen sich uns noch jetzt, noch im letzten Augenblicke Alle ohne Ausnahme anschließen, deren Wunsch und Streben es ist, für sich und ihre Mitbürger die Gleichberechtigung Zu erkämpfen, die das höchste, das heiligste Gut eines jeden Menschen ist." Wien, 23. Februar. (Zum,Jubiläum der Volkshymne.) Wir erhalten folgende Zuschrift? In Ihrem geschätzten Blatte Nr. 6 berichteten Sie, dass Herr Emil Jelinek an den Wiener Eultusvorstand ein Memorapdum gerichtet hat. um das Jubiläum der Volkshymne zum Anlass einer synagogalen Feier zu nehmeil, und ist derselbe befremdet, dass diese Initiative keine Berücksichtigung gefunden hat. Ich glaube, dass der Cultus- Vorstand mit Rücksicht darauf, als dieses Jubiläum ein rein kulturhistorisches, aber kein patriotisches, und noch weniger ein kirchliches ist, keine Veranlassung zu einer synagogalen Feier hatte, mid in der That wurde dieses Jubiläum von keinem Cultus in Wien kirchlich begangen. Ein eiftiger Leser Ihres Blattes. Wien. (Zum Jubiläum der Volkshymne.) Wie in letzter Nummer berichtet, wurde die Centenarfeier der Volkshymne auch in Synagogen begangen, und lassen wir in Nachstehendem die weiters eingelangten Meldungen über derlei Abhaltungen folge»: In Meran fand eine Festfeier im Betsaale des dortigen Armenasyles statt, welcher die zur Cur weilenden Israeliten auwohuten. . Besonders glänzend gestaltete sich die ^Mvität in H o Heue m s, woselbst in dem. festlich beleuchteten GottMüus üPst der GMemdevoHkehünlg ','Merans^ HMreHe 0riv*ir.*־ |jgjj versammelten? »M der'RÄe'dM Herrn Rabbiner Dr. TuN z^et zu laüschen, welcher/ der Höhen Hedentüng M Feftrß' :Mächte. unh BundHlaöe Hw. Himmel gerichteten Segenswünsche für. Seine MhjestM ganze Kaiserhaus und das -Vaterland endete, .MriyrfW SchÄljugend, begleitet vom'Örganistm?Und,.dirigirt Hdm, Oberlehrer Federmann, die herrliche patriotische' Tondichtung HaydnH intönirte, welche stehend mitgesnntzen wurde.:'Sn Gräz verlief der Festtag ebenfalls in erhebender Weise. In׳ Anwesenheit Vorstandes, vieler Andächtiger Und der Schuljugend legte Rabbiner Dr. M ü h s a m diebedeütsame Feier klar und wies darauf hin/ dass die׳ fett hmchM JahrÄr bMeheiide Melodie der Volkshymne; in welcher bte Sjölfer־SDefferreicj5§ ^re patriotischenGefühlefürunser erhabenes Herrscherhaus zum Ausdruck bringen/ auch 'Gemeingüt der Israeliten geworden, die sich in dankbarer Treue uich'Ergebenheit'dN unser Kaiserhaus jederzeit den besten Söhnen Öesterreichs würdig zur Seite stellen; darum bilde auch der Zeitpunkt des hundertjährigen Bestandes dieses von einem gottbegnadeten Künstler geschriebenen Ausdruckes echter Volkestreue ׳׳auch-Mr/"did'Psräeliteir-'einen frohen Anlass zu einer Festfeier. Hierauf wurde' vom' gesammten Publikum mit Chor und Orgelbegleitung ׳ die Hymne abgesungen. Die Landeshauptstadt Schlesiens veranstaltete ebenfalls /eine solenne Feier, die auch mit dem Gebete für' Seine. Majestät, sowie der Exekutirüng der Volkshymne liefen Eindruck auf die Judenschaft Troppau's hervorrief. E. J. Willxelrnschurg. Nach langem und schwerem Leiden starb am 16. Februar Herr Markus S P ich, ׳welcher Jahrzehnte hindurch in unserem Minjan-Verein.e als Obmann desselben mit besonderer Opferwilligkeit gewirkt hat. Seine große Beliebtheit zeigte sich bei der Begräbnisfeier, an welcher sich auch Andersgläubige, die vornehmsten Bürger hierorts und aus der Umgebung, betheiligten. Unser beliebter Cantor und Religionslehrer, Herr Josef Löwinger, hielt sowohl im Trauerhause, als auch in der Friedhofshalle zu St. Pölten, wohin der VerblicheNe überführt wurde, auf Verlangen des dortigen Vorstehers, Herrn Frank, eine ergreifende Rede, die alle Trauergäste zu Thränen rührte. ProMitz. Tiefe Trauer erfüllt unsere Gemeinde, da unser allverehrter Rabbiner, Herr Dr. Emil Hoff, Montag den 22. Februar gestorben ist. Noch Freitag vorher war er anscheinend ganz wohl im Tempel, aber Samstag Früh bekam er einen Hirnschlag und herbeigerufene Aerzte bezweifelten sofort sein Aufkommen. Wohl gelang es ihren vereinten Bemühungen, den Herrn Rabbiner für kurze Zeit zu Bewusstsein zu bringen, nach wenigen Stunden jedoch verfiel er in Agonie und um t/211 Uhr Nachts von Samstag auf Sonntag schlummerte er sanft, wie er gelebt, in ein besseres Jenseits hinüber. 30 volle Sttinden gieng die Gemeinde im Sterbehause ein und. aus. um von dem theuren und geliebten Seelenhirten rührenden Abschied zu nehmen. Das ׳ Leichenbegängnis wurde erst für Mittwoch, 4 Uhr Nachmittags anberaumt, da man den zahlreichen Trauergästen, die sich von weiter Ferne telegraphisch angemeldet hatten, die Betheiligung ermöglichen wollte. Die Theilnahme war aber auch wirklich eine noch nie ׳dagewesene. Im schwarzdrapirten Tempel, in welchem die Leiche aufgebahrt wurde, sprachen in eloquenter Weise Herr Dr. Tauber.aus Prerau und Herr Dr. Wolfsohn aus Lomnitz. Ein Th eil der .cantoralen Function war vom Vorstände dem Herrn Cantor Regner aus Prerau übertragen worden, der durch seinen sympathischen Vortrag allgemeinen Beifall fand. Von den anderen anwesenden Rabbinern, und zwar Dr. F r ei m an n Holleschau, Dr. S t ei n h a r d Kojetein, Dr. Offenheim Olmütz, Rabbiner Eisler Eiwanowitz. sprach nur der Letztere als Aeltester am Friedhofe, da nach den ergreifenden Abschiedsworten des Sohues des Verewigten, RabbinatscandidatenDr. Josef Hoff,bereits tiefe Nacht hereingebrochen war. Namens der Cultusgemeinde hielt Herr Dr. Gustav Z w e i g dem vielgeliebten > geistlichen Oberhaupte einen tiefempfundenen Nachruf. Mit der Absingung des -Trauer- .chorales ״W ist bestimmt iit Gottes Rath", gesungen von den deutschen Realschülern, die gleich den Volks- und Bürgerschulen cörporätiv׳ an dem ^Lelchenbegängmße ׳theiluahmen, ^schloß die erhebende Trauerfeier. Mögen die wunden Herzen ׳ der Witive