Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 7 (1.3.1897)
- Date
- 1897-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Gesterreichisch-ungarische Lantoren-IeitnnA. Seite 3-. Nr. 7 Gründung eines Pensions fo ndes für die Cultusbeamtfen., Es kann nicht geläugnet werden,, dass jedes der voxgeschlagenen Projecte hie vollste Würdigung und Berücksichtigung verdient, wenn' yMk jedoch auf die Ausführungen-der einzelnen Redner näher ׳ eingeht und die Argumente pro und cbütrja« ofijectrö Prüft, muß man die Ueberzeugung gewinnen, dass' der Pensionsfond für die Cultusbeamten allem anderen vorzuziehen sei, und hiemit auf jenen Standpunkt gelangen, den wir von jeher in dieser Frage vertreten haben. : ' Ein treffliches und wahrheitsgetreues Bild der trostlosen Verhältniße in den böhmischen Culttisgemeinden lieferte Hert Dr. P'odvinec (Kolin). Er wies auf die große Ebbe in den Gemeiudecassen und die Miseren hin, die jedesmal eiutreten, wenn ein Cultusbeamter nach jahrelanger Thätigkeit pensionirt werden soll, und die Gemeinde trotz Anspannung aller Kräfte dennoch nicht Has Nöthige aüfbringen kann.Bevor also die Gemeinden sich auf das Gebiet der allgemeinen Wohlthätigkeit begeben, haben sie die Wichten׳ gegenüber ihren Angestellten zu erfüllen, und darum muß ihr .erstes Streben dahin gerichtet sein, einen Pensionsfond für die Cultusbeamten ins Leben zu rufen. Die Ausführungen des Dr. Po dv in ec, der sich noch aus׳ dem weiteren Grunde gegen das Siechenhaus wendete, weil hiezu ein )Capital von nahezu einer Million nöthig sei, während die Gemeinden bisher 7000 fl. gezeichnet hätten, wurden auch durch die Herren Halle r (Prag), W e r t h e i m e r und Dr. Deutsch (Komotau) wirksam unterstützt, und angesichts der vorgeführteu Argumente fand die' Idee der Kräftigung des bereits bestehenden Lehrerpensionsfondes, die ursprünglich im Vordergrund gestanden war, nur mehr wenige Verfechter. Dieser Aufgabe unterzogen sich namentlich die Herren Stran sky und Ulk mann, allein all' dasjenige, was sie für den Lehrerfond in's Treffen führten, gilt in noch erhöhtem Maße für den Cultusbeamtenfond, Den entschiedensten Widerspruch müssen aber die Ausführungen jener Herren Vertreter herausfordern, die speciell nur die Errichtung eines Siechenhauses befürworteten. Nicht so sehr das Eintreten für diese Idee, denn die Begeisterung für einen so überaus humanen und edlen Zweck kann Niemandem zum Vorwurfe gemacht werden, sondern die offenbare Haltlosigkeit jener Argumente, die sie. gegen die Gründung eines Pensionsfondes für. Cultusbeamte anführten. Ist es denn nicht eine völlige Unkenntnis der Verhältniße, wenn z. B. der bekannte Schriftsteller, Herr S. K o h n, die Behauptung aufstellt, ״dass jede nur etwas größere Gemeinde es selbstverständlich für ihre Ehrenpflicht halte, für die Beamten, die sie angestellt hat, in deren Alter selbst zu sorgen, und dass der Pensionsfond nur einigen wenigen Dorfgemeinden zu Gute käme, die blos einen Functionär besitzen und diesen in seinem Alter ohne große Opfer zu erhalten vermögen?" Wie gut wäre es um die Cultusbeamten bestellt, wenn diese Behauptung sich nur halbwegs mit der Wahrheit decken würde, aber wenn man mit offenen Augen Umschau hält, so wird man finden, dass nahezu 900/0 der böhmischen Cultusgemeinden — dieser Percentsatz ist keineswegs zu hoch, sondern eher zu niedrig gegriffen —kaum die nöthigeu Mittel aufbringen kann, um ihre im Dienste befindlichen Functionäre zu erhalten, viel weniger können sie sich den Luxus gestatten, einen Angestellten zu pensioniren. Und dies gilt nicht allein von den Dorfgemeinden, sondern viele Cultusgemeinden in großen Kreis- und Industriestädten befinden sich in derselben prekären Läge. 'Wenn dem Herrn >Kohn das Schicksal der Hilflosen und Verlassenen am Herzen Liegt, dann möge er Einkehr halten in den Hütten der jüdischen CuLttlsbeamten und er wird so viel Siechenhäuser finden, dass es ihn nach der Errichtung neuer gar nicht verlangen wird. Auf dieselbe Waagschale find die Worte des Herrn Dr: Duschen es zu legen, der da sagte: ״Prag, Teplitz, Reichenberg und fast alle größeren Gemeindenhaben für ihre Beamten gesorgt und in dieser Richtung (?) ihre Pflicht erfüllt." Wir wollen von Prag gar nicht sprechen und nur nebenbei bemerken, dass z. B. mehrere Cantoren in Prag ein Nebengeschäft (vielleicht gar ein Hauptgeschäft) betreiben müssen, um fich- und ihre Familie zu ernährenaber zur Jüustrirung der Verhältniße in anderen großen Städten können wir den Hinweis auf die Thatfache mcht unterlassen, dass eine Cantorswitwe in einer der größten Städte Böhmens an die Untersüitzung des österreichischungarischen Cantoren-Vereines appelliren!misste, um sich nach dem Ableben ihres Gatten, der zwei Jahrzehnte int Dienste seiner Gemeinde stand, eine -Existenz zu gründen. ' Solche Fälle könnten wir aus unserer Erfahrung zu Dutzenden citireu und man wird es uns nicht übel nehmen, wenn wir an Herrn Dr. Du scheues die Frage richten: wo bleibt da die von ihm gerühmte Fürsorge der großen Cultusgemeinden?. Dem Herrn Dr. B e n d i e n e r ergieng es wie Bileam, der auszog, um Israel zu fluchen, und es segnen musste. Auch er verwarf die Gründung eines Fondes fiir die Cultusbeamten mit der merkwürdigen Motivirnng. dass die Sorge für die Cultusbeamten Sache der Gemeinde sei. Nun, um was handelt es sich denn? Die jüdischen Cultusgemeinden in Böhmen wollen das Regierungsjnbiläum Sr. Majestät in würdiger Weise feiern undeinen wohlthütigen Zweck gründen, der auf derHöhe der Situation steht. Die Nothwendigkeit der Versorgung der Cultusbeamten wird von Herrn Dr. Bendieuer anerkannt, die Pflicht der activen Theilnahme der Gemeinden an dieser Sorge gleichfalls, führt da nicht die logische Consequenz dieses Bekenntnißes zu dem nothwendigen Schluffe, dass die jüdischen Cultusgemeinden, wenn sie schon anlässlich des Regierungsjubiläums des Kaisers in ihrer Gesammtheit einen wohlthütigen Zweck in's Leben rufen wollen, ihren humanen Sinn dort bekunden, wo die Pflicht es ihnen gebietet? Eine solche humanitäre Institution würde nicht auf Jahrzehnte, wie!..der-stolze ,,Monumentalbau eines- Siechenhauses mit weithin sichtbarer Inschrift," sondern für ewige Zeiten durch ihre segensreiche Wirksamkeit die Erinnerung bewahren an die edle und erhabene Gestalt des Monarchen und zugleich ein beredtes Zeugnis dafür ablegen, dass die jüdischen Cultusgemeinden, als es galt. Oesterreichs Freudentag würdig zu begehen, eine offene Hand und ein hilfreiches Herz für Jene bekundet haben, die im Dienste des Allmächtigen und hoher Cultuszwecke ihr Leben abmühen und in der Bethätigung eines idealen Berufes ihre alten Tage vor Noth und Elend nicht sichern können. — y* (Ein zweiter Artikel folgt.) Gin dementiertes Rsiserivort. Bekanntlich wurde von antisemitischer Seite die Nachricht Lancirt, dass der Kaiser, als er auf dem vor 14 Tagen stattgefundenen Balle der Stadt Wien vom Gemeinderaths-Präsidium empfangen wurde, den Vice-Bürgermeister Dr. Lueger mit den huldvollen Worten: ״Wie geht es Ihnen, mein lieber Lueger? Sind Sie schon gesund?" angesprochen Habe. Kurz darauf wurde