Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1897)
- Date
- 1897-02-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Vesterreichisch-urrgarische Lantoren-Aeitung. Seite 5. legen, mit dieser lächerlichen Eitelkeit zu"Brechen? Ich kenne einen- Hall j-, ber׳-vgembeju^jaatfticUtBeiib׳' Rabbiner in ׳ Mähren^ der -sich- Doctor nennt.'- -wird um-, sein Diplom, gefragt- und erwidert: -״Es ist mir - gestohlen worden.". - .Er geräth in -׳: den -Gerichtssaal,-ber Wahrheitsbeweis, dass er Fälschungen -zu-- begehenfähig ist,- wird; durch-eine einfache Visitkärte, auf-der - ein ״Dr.. . . . Rabbiner" -׳ prangt/ - erbracht. ״ Der Rabbiner - musste eingestehen--, dass er nie ein Doctördiplom gehabt:- Es unterliegt ja-gar-.keinem Zweifel, dass sehr -viele- Doctordiplome, -- selbst vondeutschen Universitäten ertheilt, rein undmakellos׳- sind;.da-aber -unsere Behörden solche Diplome nicht anerkennen ׳ und - die -Besitzer -derselben - verhalten sind, - um Dispens vom!Besuche eines Gymnasiums trotz - Doctordiploms einzuschreiten/ so haftet in den Augen der gebildeten Leute einem derartiaeu Diplom ein ׳ gewisses Odium an, und die ׳Würde des Rabbiners leidet entschieden-darunter. - .. . . - Wir-müssen den Rabbinerstand Hochhalten, genau so,-wie katholische oder evangelische Gemeinden ihre Seelsorger, hoch-- halten-. Darum muß ׳eine Gemeinde vor der Acceptat iandie Gesinnung. des-zu A ccepti erend en genau erforschen, ob orthodox, fortschritlich, radical re. -Wenn mau nun sieht,!dass junge Leute, die kein öffentliches Gymnasiumbesucht haben, nachwenigen Jahren als Rabbiner und D o c t-o re n auftreten, so .ist es nicht zu verwundern, wenn sich-im-Volke die Ansicht bahnbricht: Der ist wahrscheinlich geradeso Rabbiner. - wie er Doc-tor ist. Und wozu denn-das alles? Genügt denn nicht der ehrliche. -von niemandem angefochtene Rabbiuertitel? Wieviele katholische oder evangelische Geistliche haben denn den - Doctortitel? Wie viele Bezirksrichter und Bezirkshauptmännner haben den Doctortitel?- Sind sie deshalb-unwissende Leute?-' Das Schmücken mit fremden -Federn, passt für niemanden; am ' allerwenigsten für Männer, die in jeder Beziehung mnstergiltig sein müssen. ' Also fort mit dieser Eitelkeit, die nichts weniger als harmlos ist. Hätten wir eine Centralbehörde, so würde Zweifellos beschlossen werden, keinem Rabbiner den Doctortitel zn :belassen, der gezwungen ist, d e it 1 k. Be h ü r d en g e g e uüber auf diesen Titel zu. verzichten. Nimmt es sich nicht sonderbar, aus, sich überall ״Dr." zu unterzeichnen, in amtlichen Actenstücken aber ohne diesen Titel auftreten zn müssen? Das sieht verdächtig aus und kann nicht geduldet werden.. Mit der Regelung der Titelfrage für den Rabbiner kann ,auch dieselbe für den Cantor entschieden werden. Pädagogische Aphorismen. .aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Bon Israel Singer, antor. Rabbiner, Neligionsprofcssor am Ober gymnasium zn S. A. Ujhely. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Diesen beherzigenswerthen Worten des würdigen Priesters .haben wir vom pädagogischen und socialen Standpunkte' noch Folgendes hinzuzufügen: Bei-einer Mischehe zwischen verschiedenen christlichen Bekenntnißen bieten sich in der religiösen ׳Erziehung der Kinder viel weniger Schwierigkeiten wie bei einer Mischehe zwischen Juden :und' Christen, weil hier sowohl in den' religiösen Ceremonien, wie auch in den Dogmen, die insgesammt wichtige Erziehungsmittelbifdru,unvergleichlichgrößereDifferenzen herrschen. Bei Mischehen zwischen christlichen Bekenntnißen wird;derübertretende T-Heil von den neuen Glaubensgenossen - aufs *1■ ~ . . -־ ׳־ ׳ * ~r. ׳ :— freundlichste ausgenommen, aber der in der Mischehe übertretende jüdische Theil, besonders der Mann, wie überhaupt jeder -jüdlsche Apostat: ״wird׳ von feiner nächsten Umgebung,׳ wie in der ganzen ׳christlichen Gesellschaft argwöhnis ch׳ und ־ mißtrauisch behandelt, ja sogar von seiner Frau und ' seinen Kindern.״ Er kann mit-Jjob sprechen: ״Mein Athem ist zuwider ' meinem Weibemrd meine Gunstbezeugung meinen Kinderü. Es verabscheuen mich meine Vertrauten und die ich liebte, haben ׳ sich von wir gewendet." (19.17—19.)־ ׳ ׳' Obwohl das Christenthum bekanntermaßen die Prüfeliten- ' wacherer stets ״als gottgefälliges׳ Werk׳ betrachtet, so werden <- dennoch die jüdischen Convertiten bis zum dritten und vierten' ׳ Gefchlechte״ unfreundlichbehandelt, was manche selber gestehen.; (®:׳־tt a.: ״Nach Damaskus!״ v. Paulus Cassel- -198—200.)׳ Daher gab es jederzeit Apostaten, die zur Erhärtung ihrer vollgewichtigen Christlichkeit ihre׳ früheren Glaubensgenossen' in׳' Wort und Schrift verleumdeten, was von den neuen Glaubensgenossen für-wahr gehalten wurde: ׳So Mancher dieser Verleumder ward hiedurch von seiner harmlosen Sünde, dass er״ Jude war, gesühnt und erlangte eine hohe Stellung. ,'.Wer Israel bedrängt ein großes und seltenes Verdienst — der wird ein Capo." (Tr. Gittin, 56:) Manchen Christen ärgert es sogar, dass Jesus-Ind e war,׳ obwohl der Messias nur von Juden und nur von David׳ abstammen muß. (Matth. 1.23.)' ״ Bei den Juden zeigt sich das Entgegengesetzte. Das ' Jndenthum ist der Proselitenmacherei abhold. ״Proseliten sind für Israel so hart, wie Geschwüre am Körper." (Jeb. 109.) ״Wir wollen nicht gezählt, sondern gewogen werden", sagt Mendelssohn in ״Jerusalem". Dem zum Uebcrtritt zum Inden- ׳ thnm sich Meldenden müssen die mit der Beobachtung der jüdischen Religionsgesetze verbundenen Schwierigkeiten nebst 'materiellen Nachtheilen eindringlich vorgehalten werden, damit jei* etwa von seinem Vorhaben abstehe. (I. Dea, 268.) Wenn dies ihn nicht zurückhält und er dennoch ins Judenthum eingetreten ist, dann soll er zärtlich behandelt und keiner seiner ehemaligen Religionsgenossen darf in seiner Gegenwart beleidigt werden. (Sanhedr. 94.) Der wahrheitsliebende, unparteiische Talmud verzeichnet uns große jüdische Gesetzeslehrer: Schmaja und Abtaljon, R. Akiva und R. Mäir, die von Heiden und den größten Judenfeinden, Sisra, Nebusradan, Haman undNero abstammten. (Tr. Gittin, 56.) Auf Schmaja und Abtaljon wurde der Spruch gebraucht: ״Friede komme auf die Abkömmlinge von Heiden, die Thaten würdiger Söhne Arons üben, aber kein Friede komme auf die Nachkömmlinge Arons, die nicht dessen würdige Thaten üben." (Tr. Joma, 71.) Jeder Eingang einer Mischehe ist ein gleichzeitiger oder mindestens ein vorbereiteter Austritt aus dem Judenthum. Für eine gute Kindererziehung ist der Glaube au die Unfehlbarkeit der Eltern nöthig. Eltern sollen deshalb auch niemals den Kindern Gegenbefehle ertheilen, weil sie hiemit ihre Fehlbarkeit documentiereu. Dieser Glaube hört bei den Kindern von Mischehen, sobald sie heranwachsen, von selber auf, denn jeder Elterntheil bestätigt durch sein Verbleiben in seiner Religion die Fehlbarkeit des andern Theiles: daher verlieren sie bei den Kindern die nöthige Achtung und hiemit den Gehorsam. ״Die Religion ist das feste Band, das Eltern und Kinder, Bürger und Staatsleiter miteinander verbindet." (Pestalozzi.) »Emunoli seli seder sroim.“ ״Religion erhält die Ordnung der Kinder; aber Zuchtlosigkeit stört sie." (Tr. Sabb. 31 und Psoch. 10.) Welcher Weg führt zur Tugend? Antwort;