Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1897)
- Date
- 1897-02-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3453397-3453403--4762-3459258- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 6 Gesterreichisch-ungarische Läntoren-Zeitung. Seite 3. Nennerfort, ist das Ziel, das sollunsere, gegenwärtige Aktion nicht Hemmen^ das, soll. uns nicht Hindern,däss wir in erhebender Weise' das üOjährigv Regierungßjübilmlm.uilsekes Kaisers und zwar selbstständig und ünabhängig feiern, so dass׳ sich daran -die . Erinnerung aus Jahrzehnte, knüpfen wird/ Das,'wird auch geschehen, wenn ׳ Sie zustimmech dass, ':nach einen Monnmentalbau aufsühre, aufdem eine- Inschrift besageu wird, aus: welchem Anlasse und׳ zu/welchM Zwecke Böhmens. JMnschast dieses' Gebäude errichtet, habe. ' Dasselbe' chird auch ein daucrnöes Zeugnis liefern, dass wir Juden ein hilfreiW HM haben, dass» wir die Greise' und- Schwachen nichtnn Stiche lassen. Das. sind, meine GtündL und. deshalb'empfehle, ich. dem. Bau eines,Giechenhauses;. ׳ Hexr׳. Dr. ' Plxdvi.uec wendet^ sich. Legen die Ansicht des Herrn Dr. DuscheueL, dass ein neuer Foyd den. alten schwäche. Er ist der Meinnna des Herrn Vorsitzenden, einen Fond zu gründen und darauf weiter, zu bauen.. Der Fond werde ausreichen)! denn alle! 300 BeänM wütden nicht auf einmal, wie Herr Kohn meint, unfähig zu: arbeiten. Sei einmal ein Fond, geschaffen, so könne man, an die Gemeinden herantreten^ dass sie weiter daran sich betheiligen mögen.' Redner stimint Herrn Dr. Rosenbacher zu, jede Gemeinde möge ihren Beitrag nach eigenem Gutdünken einem bestimmten Zwecke zusichren. (Bravo!)' ׳ Herr Haller interpelliert den Herrn Vorsitzenden, warum das. engere Comite 'nicht berufen wurde. Herr '..'S trän scky bemerkt, dass man für die Lehrer sorgen müsse, um bessere Kräfte zu gewinnen. Vor allem räth er, eine Sammlung eiüznleiten und dann über die Verwendung des Geldes zu. beschließen. יי ' Herr W er th er m e r meint, dass man nicht nach Ansicht des Herrn -Dr. Bendiener blos ans die Intention des Moments, schauen, dürfe, sondern auch für das Judenthum etwas Gutes schaffen müsse. Das sei eine Versorgung der Gemeindebeamten, die für die Landgemeinden ein größeres Interesse habe, als ein Siechenhans in Prag. Herr Ullm a-nu erklärt, dass man vorzüglich auf-die Lehrer als. die Erzieher der Jugend und. einzigen Hüter des Idealismus Rücksicht nehmen solle. Für sie solle mau einen Fond schaffen. Nicht solle der Gesichtspunkt maßgebend sein, was schöner .ansschaut oder besser klingt. Könne, eine Einheit nicht erzielt werden, so empfehle er den Antrag des Herrn Dr. Rosenbacher. Der Herr Vorsitzende beantwortet die Interpellation des Herrn Haller dahin, dass das weitere (Sömtte berufen wurde, daher die Berufung des engeren Comite's wegsiel. Herr Dr. Lichtenste r n berichtet, dass die Landesjndenschaft den Pensionsfond für Lehrer geschaffen habe und auch seinerzeit die Gründung eines Pensionsfondes für Gemeindebeamte schon angeregt habe. Er stimmt dem Antrags des Dr. Rosenbacher bei und erklärt, dass sich die Landesjudenschast der Mehrzahl der Landgemeinden anschließen werde. Redner stellt den Antrag, den Vorschlag des Vorsitzenden anzunehmen. Herr Dr. Deutsch — Ko m o t a u spricht über die No.thlage der Beamten in kleinen Gemeinden, deren Versorgung oberste Pflicht sei. Nach reger Debatte über die Art der Abstimmung wird der Antrag des Herrn Dr. Nosenbacher angenommen, nämlich es den einzelnen Gemeinden zu überlassen, sich über den Zweck ihres Beitrages zn entscheiden. Hieraus: ergreift der Vorsitzende Herr Dr. Rosenbacher zu kurzer Schlußrede das Wort:. ״Ich freue mich, dass ein einstimmiger Beschluss gefasst wurde. Wenn auch im Laufe der Debatte verschiedene Ansichten zum Ausdruck gelängten, in ei n e m Punkte befinden wir uns -alle in vollster Uebereinstimmnng in ehrfurchtsvoller Liebe und grenzenloser Verehrung für ׳ unseren, ritterlichen Monarchen: Kaiser Franz Josef. Er lebe hoch.!, hoch^ hoch!" in . welchen Ruf die ganze Versammlung Hegeistert, enthusiastisch, einstimmte.. Haben die Juden eine Arsche? - •י-'; Bon Michael Singer.*) Die neue EinwanderungsbiÜ, wonach jeder Einwandernde sich׳ in dev Sprache seines Landes, einer Prüfung zu unterziehen, haben wird, drängt die Frage in den Vordergrunds in welcher Sprache die aus Rußland und Polen einwandernden Juden geprüft werben sollen und ob Vas von vielen Juden gebrauchte, sogenannte'Jüdisch-Deutsch als Sprache angesehen werdend kann und darf. Letztere Frage muß mit Entschiedenheit verneint werden. Das: Jüdisch-Deutsch kann umsoweniger als Sprache betrachtet werden, da es beispielsweise im Oesterreich anders gesprochen wird, als in Rußland, in Ungarn anders als in Polen, und keiner von Denen, die das Jüdisch-Deutsch als Umgangssprache benützen, vermag seine Gedanken in jenem Sprachgemengsel schriftlich mitzutheilen, da für dasselbe über- Haupt keine Schriftzeichen existiren. Die Sprache der Juden, insofern diese noch immer als nationale Körperschaft betrachtet werden dürsten, wäre die hebräische. Es müsste daher in diesem Falle von den einwandernden Juden, gleichviel ob diese aus Deutschland oder Oesterreich, aus Rußland oder Italien, aus England, Spanien oder Frankreich kommen, die Prüfung in der hebräischen Sprache erfolgen. Dies würde aber eine historische und cultur-historische Fälschung involviren. Die Inden haben doch schon längst anfgehört, im nationalen Sinne zu existiren, und demgemäß hat auch die hebräische Sprache aufgehört, eine'uationale Sprache der Juden 511 sein. Der Jude als solcher hat überhaupt keine Sprache. Jede Nation lebt bekanntlich in ihrer Sprache und stirbt mit derselben. Wir hörten und hören dieses Schlagwort bei allen Culturvölkern und hauptsächlich bei den kleineren Nationen, die in dem Kampfe um ihren Fortbestand gerade ihre sprachliche Eigenart mit grenzenlosen! Fanatismus vertheidigen. Diese historische Thatsache ist auch psychologisch begründet. Die zwischen den größeren Völkergemeinden Lebenden kleineren Nationen mussten, um mit den großen Völkerfamilien die Berührung und den Verkehr aufrechterhalten zu können, manche ihrer politischen, socialen, juristischen, ja sogar individnelleu Eigenheiten hinopsern, um sich den Anforderungen' des allgemeinen Cnlturlebens anzupaffen. Es blieb ihnen nichts als die Sprache, und es ist nur selbstverständlich, wenn jene kleineren Stationen dieses national-individuelle Kleinod nun mit umso größerer Aengstlichkeit bewachen und pflegen. Das Schwinden der hebräischen Sprache aus dem Verkehre und der Umstand, dass den meisten Juden nunmehr nicht allein die hebräische Sprache, sondern auch die hebräischen Schriftlichen gänzlich unbekannt sind, erbringen den unwiderlegbaren Beweis dafür, dass der Jude aufgehört hat, jüdischnationale Aspirationen zu hegen, ja überhaupt jüdisch-national zn denken.**) Und ohne Nation gibt es naturgemäß keine nationale Sprache. Der Jude als Jude verfügt daher über keine Sprache. *) Obige Skizze ist wohl vom Verfasser für ein amerikanisches Blatt und vom amerikanischen Gesichtspunkte ans geschrieben und wir müssten in vielen Punkten Einspruch erheben, aber die behandelte Frage ist durch die in Amerika bevorstehende Einwanderlmgsbill so acut, dass wir von der Veröffentlichung des Artikels, den wir unserem geschätzten Mitarbeiter Rev. Ossäs Hochg lück in New-Iork verdanken, nicht absehen können. (Die Red.). **) In Eurpa ist in den letzten Jahren nach, dieser Richtung ein erfreulicher Umschwung eingetreten und auch in Amerika hat die jüdischnationale Bewegung zahlreiche Anhänger gefunden. (Die Red.)