Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 5 (11.2.1897)
- Date
- 1897-02-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Gesterreichisch-ungarische Lgntoren-Zeitnng. Skr. 5. welches Ohereantor Josef Schlesinger mit Chor und-OrgelhegWLpg sehr erhebend vortrug, worauf ein Trauerpsalm vom Chörx müer LeiMug des Cantors M. Zempliner sehr -cxact äpfgefuhrk wurde. Die Gedenkrede, . welche. aus die Anwesenden einen ergreifenden Eindruck machte, hielt der greise Rabbiner D. Löwy. Mst dem MaarUv-Gebet, durch Cantor Zempliner vorgetragcu, schloss die erhebende Traucrfcier. Wien. Donnerstag, den 4. i>.faiib im polnischen Tempel in der Leopoldsgassc ein Traucrgottesdicnst für den vor kurzem dahingcschiedenen Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde statt. Zn demselben.hatten sich die Söhne des Berblichcücu, in Vertretung der Cultusgemeinde Ritt. v. G o l dschmied, Zahlreiche Rabbiner und Cantoren,. sowie viele Wtglieder des Tempels mit dem Vorstande ciugefnndcn. Die Feier begann mit einem Psalm, welcher vom Obcrcautor M. Schorr sehr c^act aufgcführt wurde, woraus Rabbiner Breuer eine überaus , wirkungsvolle Rede hielt, in welcher er die große Friedensliebe und die seltenen CHaraktcrzügedes verblichenen Präsideuten schilderte. Zum Schlüsse rccitiertc Obcrcantor Scho r r das ״LI mole rachamim'“, welches auf alle Anwesenden einen überwältigenden Eindruck ausübte. Wien. Montagden 8. d. M. fand unter Zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängnis des türkischen Großhändlers Herrn Jsak I. Nusso statt, welcher nach mehrjährigem Leiden im 79. Lebensjahre verschieden ist. Der Verblichene genoss sowohl m der', türkischen Gemeinde, als auch in den besten, gesellschaftlichen Kreisen Wiens wegen seines Wohlthätigkeitssinues und edles!' Charakters dsi größte Hochachtung. Im Trauerhause erschienen fast sämmtlichc Mitglieder der türkischen Gemeinde mit dem Vorstände und in Vertretung der Cultusgemeinde Herr Cültusvorsteher Salo Lohn. Nach Absingung eines ergreifenden Chöräles durch Obereantor B a u.e r unter Assistenz des gesammten Chores hielt Rabbiner Papo die Gedenkrede,.in welcher er die Hervorragetlden Tugenden des Dahingcschicdcncn schilderte, worauf sich der Conduct nach dem Ccntralfricdhos in Bewegung setzte. ת׳נ׳צ׳הה• Anlässlich der Verhandlung über den Antrag des Ausschusses, betreffend die Erhöhung der Subvention für die israelirisch e' Volksschul e in Tr o p p au, Beantragte Abgeordneter Türk unter scharfen Ausfällen, gegen die Juden, 'zur Tagesordnung uberzugehen, eventuell die niedrigere Subvention zu bewilligen. Abgeordneter Dr. Haasc trat namens dcs.Cültüsäusschuffes dem Abgeordneten Türk entgegen. Abg. Dr. Men g er betonte, dass ein Staat, in,welchem' die Gleichberechtigung aller Staatsbürger hinsichtlich der. Nacc und Religion gefährdet werde, seinem Untergänge cntgegcugehe. Dr.. S.t.r a t i l erklärte namens der Slave», für die Subvention stimmen zu wollen, weil seine Partei die Israeliten als eigene Nation ansche und für die Snbventionirung nationaler Zwecke stets eiutretc. Der Antrag Türk auf Uebergaug zur Tagesordnung, sowie der Antrag des Ausschusses werden abgclehnt, dagegen der Eventnal-An.trag Türk angenommen. Büdsprst. Ein hiesiges confess.' Wochiublatt. will erfahren haben, dass der Cültüsminister 6 orth. und' 6 ncol. Persönlichleiten zu einer gemeinsamen ,,Ausgleichs-Vorkonferenz" einzUlädeu beabsichtige. Es wäre dies wieder ein unglücklicher Fehlgriff, und woher' immer der Minister diese Idee genommen, ist. er übel berathen. Im orthod.. Lager würde .man diese ״gemeinsame Conferenz" unter ״Vorsitz des CultusMinisters", .als ״Druck von oben" bezeichnen, und sonach Mit den oft; bewährten Mitteln einen ״Gegendruck" veranlassen.' Und warum sollten öic 6 status quo Persönlichkeiten bei dieser ,,Ausgleichsconferenz" fehlen? Haben denn dicsc gar uichs mit zu sprechen? Mögen die Herren Jnitiatorcu nicht vergessen/ dass dir Außerachtlassung eines solch maßgebenden Factors wie diese stark angcwachsene Paitci: es ist, ihyM .gar unyngeueh.me Ueberraschungen bereiten und ihre schönen Pläne gar bald über den Haufen werfen könnte. Sollte es; zu einer ״Ausgleichs-Eonfcrenz". kommen, so: müsste diese, beschickt . .von Men drei.Partxischattirungen, vorerst auf gm!z neutralem . Boden stattfindeu und. vertrauliche Berathuugen gepflogen werden, aus welcher Basis eine einheitliche- Organisation , möglich׳- wäre, -Md eMllVkM diese Persönlichkeiten sich geeinigt imdden Modus ' festgestellt, welche Concessionen nach dieser und jener Seite hingemacht werden müssen — .dann müsste eine Commission mit. der Ausarbeitüng eines Elaborates, gemäß dieser erlangten VcrständigüüA; beträütiber&en, 'fiii* ba^el6e ^rppttghubci geiuacht sind wenn das Größ der Gemeinden ünö-Rabbiner dasselbe sympathisch, begrüßen, dann dürste unter - Vorsitz des Cultusministers die beabsichtigte ״Ansgleichs-Conferenz" stattfinden, um auch nach oben , den Beweis zu. erbringendass die Wege behufs Anbahnung des einheitlichen Strebens'geebnet' sind. Wenn all diesen unerlässlichen Änfordcrnngen entsprochen werden wird,׳ dann׳ könnte mit Hoffnung auf Erfolg ein Congreß einbernfen werden;, doch׳ ohne jede Garantie ׳wärendie Beschlüsse, selbst ׳-,mit.den! Druck von oben" blos für die Congreßler bindend und die Trennung, würde erst recht perfect werden. . . P; Budsprsl. Von gut införmirter Seite wird mitgctheilt, dass bei Anlass der Audienz', welche Cültüsminister Dr. Wlassits vorgestern beim König hätte, auch die Frage der Einberufung eines gemeinsamen jüdischen Eongrcßcs zur Sprache gekommen sei, wobei der Minister die Ermächtigung zur eventuellen Einberufnng desselben von Se. Majestät verlangt, nn'd auch erhalten haben soll. Brrlinr Im 'preußischen Abgeordnetenhause kam - jüngst die Petition des: Vorstandes, der SynagogMgemcinde zu Aachen um Einführungdes jüdischen Religionsunterrichtes an. dem Kaiser׳ Wilhclm-Ghunmsiums daselbst zur Verhandlung und das Hans beschlossdie Petition abzulehncn. Nachstehend ein Auszug:ausdem Sitzungsberichte : Der Referent Abgeordneter S e y f f a r d t (Magdeburg), führte: ansdass der. Vorstand der Synagogengemeinde zn Aachen das Abgeordnetenhaus bitte, dahin wirken zu wollen, dass im dortigen Kaiser Wilhelms-Gymnasium jüdischer Religionsunterricht auf Kosten dieser Anstalt ertheilt .werde. Die Bittschrift ist schon im vergangenen. Jahre., an das Hohe Hausgelangt, aber nicht, zur Verhandlung , gekommen. . Der Vorstandhat sich zuerst ׳an den Director der Anstalt gewandt und von diesem als Antwort im Aufträge des Provinzialschülcollegiums die Frage gestellt erhalten, ob der Vorstand׳ der Synagogengemeinde für':den Fall der Genehmigung bereit sei, die:Kosten des Unterrichts, zu übernehmen. Der Vorstand glaubte in Beant- Wortung, der Frage mit Füg. und Recht beanspruchen zu dürfendass, die Einrichtung ׳auf Kosten der Anstalt getroffen werde), da von den jüdischen Schülern ebenso viel Schulgeld wie - von den christlichen erhoben werde, und alle Preußen gemäß! der Verfassung vor dem Gesetze gleich sind. Das Provincialschulcollegium erklärte darauf am 9. October 1895, ׳'sich nicht in der Lage zu befinden,- der Einrichtung des Religionsunterrichts näher zu treten. Am 18. November desselben Jahres wandte sich'der Vorstand sodann an den Herrn Unterrichtsminister mit׳ der Bitte,, die Einrichtung ׳ verfügen zu׳ wollen. Die Antwort erfolgte am -14. December 1895 mit dem Bemerken, dass der jüdische Religionsunterricht an höheren Schulen als ein allgemein verkindliches Fach nicht anerkannt ist, und׳ dass demgemäß:.seitens :der Unterrichtsverwaltung auch eine Verpflichtung zur Einrichtung, desselben nicht besteht. Ob׳ und in welchem Unffang eventuell eine staatliche. Schule zu den Kosten des von der Synagogengemeinde beantragten wahlfreien jüdischen Religionsunterrichts beizutragen in der Lage sei, hängt von! dem Ergebnis der Prüfung, im concrcten Falle ab. Vorausgesetzt wird dabei unter allen Umständen-! dass ׳ die Synagvgengemeinde mindestens: die Hälfte der betreffenden Kosten übernimmt. Der Herr' Minister glaubt, nach dieser Maßgabe.dem! Vorstand ׳überlaffen zu können, die Angelegenheitin" anderweite ׳ Erwägung ׳ zu nehmen.: Die י Commission hat Nach ׳ eingehender Bcrathung des /Gegenständes in Anwesenheit von. zwei: C-ommissarcn der Königlichen Staatsregierung sich zu der Ansicht ״vereinigt, dass die den Israeliten znstehende vollständige Gleichheit vor dem Gesetz: .mit den Christen nicht zur Folge hat, ׳dass an ״ den höheren Staatsschulen ein - besonderer Religionsunterricht:für jüdische Kinder' stattfinden muß. Nach den bestehenden Bestimmungen haben wir in Preußen nur zwei ׳ anerkannte Religiönsg'esellschäftendie protestantische und- -׳ katholische,׳ die anderem Religionsgescllschaftcn, darunter aüchhdie ( Synagogengemeinden werden׳ als tolerirte' betrachtet- ׳ dcttemm der hier ׳in Betracht kommenden-'Beziehung-''die׳' volle׳ Weich-