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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-02-11 · Heft 5 (11.2.1897) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (11.2.1897)
Date
1897-02-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5. Oesterreich isch-ungarische Lantdren-Aeitung. Seite 5-. Des Verstorbenen stammen ebenfalls eine Reihe von wichtigen! Werken, darunter eine hebräische Grammatik, welche gegenwärtig in Aale und änderen amerikanischen Hochschulen und Universitäten in Gebrauch ist. Professor Deutsch hatte ein neues Werk begonnen und auch beinahe vollendet, durch welches, wie Sachverständige sagen, ein Umsturz in dem Studium von Sprachen herbeigeführt werden wird. Professor Deutsch würde in Gleiwitz in Schlesien geboren und absolvierte die Universitäten' Breslau und Goettingeu mit den größten Auszeichnungen. Im Jahre 1857-kam er nach Amerika, wo er während vieler Jahre in Philadelphia, Syracuse, Hartford und Baltimore als Rabbiner fungirte.. Vor etwa 15 Jahren wurde er wegen seiner progressiven Ansichten gezwungen, seine rabbinische.Thütigkeit aufzugeben, und seitdem widmete er sich ganz und gar der Litteratur. Israeliten der Türkei. (Bericht der Alliance israliete Universelle.) Ueber die jüdische Bevölkerung und die Gemeinden, welche im Innern von Klein-Asien, in Armenien und Curdistän und im Allgemeinen in der gesammten asiatischen Türkei .— mit Ausnahme von Syrien und, den Küstenproviuzen — verstreut sind, besitzt man nur unbestimmte und oft sich widersprechende Nachrichten. Man weiß indessen, dass in allen großen Centren dieser endlosen Flächen kleine Gemeinden bestehen, die zumeist arm, wie auch in ihrer geistigen Entwicklung sehr zurück sind. Die Israeliten unterscheiden sich dort weder durch ihre Kleidung, ihre Züge, noch ihre Sitten von ihren mohamedanischen oder ihren christlichen Mitbürgern. Sie leben in Frieden mit beiden, davon konnte man sich überzeugen zur Zeit der Unruhen in jenen Gegenden. Sie hatten unter den Folgen der Krisis, die das Land in Aufruhr gebracht, zu leiden, indessen waren ihr Leben und ihre Sicherheit — mit geringen Ausnahmen —. niemals bedroht, und ihre correcte. Haltung inmitten der entfesselten Leidenschaften hatte ihnen das Wohlwollen beider Parteien eingebracht. Indessen hat das Elend mehrere Gruppen von Israeliten gezwungen, sich nach Palästina zu wenden und dort einen Broterwerb zu suchen. Ein Correspondent : aus^ Jerusalem schreibt darüber an das Central-Comits: ״Gegen Mitte October v. I. erschienen in unserer Stadt etwa 10 jüdisch-chaldäische Familien, die aus Orfa stammen, dem ehemaligen Edesse, auf hebräisch Ur chasdim, wohin die Sage Abrahams Wiege setzt. Wir sind daran gewöhnt, Gruppen von Israeliten (stets arm) aus Rußland, Rumänien, Algier, Bagdad, dem Jemen rc. nach dem geheiligten Lande Zuströmen zu sehen. So sehr dieselben meist schwächlich, blutarm, dürftig zu fein pstegen, so sehr überraschten uns diejenigen aus Orfa, durch die Schönheit ihres Typus; die Männer groß, stark, stattlich, die Frauen weiß, mit regelmäßigen Zügen, einige sogar schön. Ich frug sie, warum sie ihre Heimat verlassen. ״Wir fühlten uns dort sehr wohl, sagten sie. wir bebauten sehr, fruchtbare, Mohamedanern gehörige Grundstücke. Wir gaben dem Besitzer 1/8׳ dem Fiscus ein zweites Achtel ab. Aber seit den ' armenischen Unruhen haben wir alle Ruhe verloren; die Mohamedaner sind sehr reizbar geworden, und während der Aufstände hat man uns oft mit den. Armeniern verwechselt. So ist einem von uns eine Tochter, dem andern eine Schwester oder ein Sohn hingeschlachtet worden; kurz wir sehenuns genöthigt, uns zu entfernen und hier eine Unterkunft zu suchen. Wir wollen arbeiten. In unserer Heimat gibt es keine Armen. Alle arbeiten." Inzwischen bat ich einen Verein junger Leme, ״Lus Israsl", eine Collecte zu . Gunsten der braven Leute zu veranstalten, um ihnen Unterkunft, etwas Mehl, Reis, Oel, rc. zu beschaffen. Da es augenblicklich an Arbeit mangelt, kaufte ich ihnen Wasserbehalter und sie verkauften Wasser. Ich stellte sie bei uns an Und verwendete sie zU allen möglichen! Verrichtungen sogar als Grubenausräumer. Aber wie gesagt/ es fehlt an Arbeit, und wir׳ sind gezwungen, ihnen beizustehen. Da die Localbehörden in Folge der von S. M. dem Sultan eingeführten Reformen bestimmt haben, 10 Gendarmen unter den Israeliten zu wählen, so sucht der Gendarmeriehauptmann sie heranzuziehen: indessen haben sie dies, des Sabbats wegen, ausgeschlagen. Sie würden gewisslich tüchtige Ackerbauer, und man würde ein gutes Werk vollbringen, wollte man ihnen Boden zur Bebauung geben. Sie haben wenig Bedürfniße,. sind energisch und kräftig; die Frauen sind an Arbeit und'Mühen gewohnt : es sind dies vorzügliche Bedingungen zum Erfolg." Im Frühjahr 1896 haben in Bagdad große Ueberschwemmungeu stattgefunden, die Ländereien waren verwüstet, und selbst die Stadt war zeitweise sehr bedroht. Man vermochte es zum Glück, die Gefahr abzuwenden, aber das Wasser war in das jüdische- und in das arabische Viertel gedrungen, hatte dort großen Schaden angerichtet, wochenlang in den Höfen und Kellereien gestanden und ungesunde Ausdünstungen hervorgerufen. Wie. dies vorauszusehen war, entstanden daraus unter den ärmeren Bewohnern Fieberkrankheiten, die durch ihre Lebensweise nicht vor dem Uebel geschützt sind. Anbei ein Auszug ans den Mittheilungen, welch der Director Danon von der Allianceschule über diese traurigen Zustände an das Central- Comits richtete: ״Ich habe mit meiner Frau einen Rundgang durch das ärmere Judenviertel gemacht: derselbe dauerte nahezu drei Stunden. Der Anblick war ergreifend, unbeschreiblich. Wir zählten 980 Kranke, abgemagerte Wesen, die vom Fieber verzehrt, kaum bekleidet, ohne Decke auf den Steinen lagen, ohne Pflege, ohne Medicamente, ohne Nahrung. Man war wie im Vorsaal eines Begrübnisplatzes. Wenn die Regenzeit kommt, wird die Feuchtigkeit das Werk der Krankheit vervollständigen: es wird dann eben so viele Opfer geben, wie bei einer Epidemie. Die Gemeinde ist nicht im Stande, so vielem Elend zu steuern. Die letzten Ueberschwemmnngen haben die Einkünfte vermindert, indem viele Besitzungen, die Miethe abwarfen, zerstört wurden : die Hungersnoth hat die Ausgaben vermehrt. Die Armenapotheke besitzt keine Medicamente mehr. Wir haben eine Collecte eröffnet, die nahezu 5000 Francs gebracht hat, eine ungenügende Summe zur Erleichterung des entsetzlichen Elends, dem wir begegnen. Tausende von Familien — ja tausende sind in einer so verzweifelten Lage, wie ich sie nicht zu beschreiben vermöchte. Die Nahrungsmittel sind bedeutend theurer geworden durch den Verlust der benachbarten Ernten, die Geschäfte find sehr schlecht. Es sind augenblickliche Hilfsmittel erforderlich, um die Kranken zu pflegen und den Armen Brot zu schaffen. Obgleich die Alliance keine Wohlthätigkeitsanstalt, ist sie stets eiugeschritten in ähnlichen Fällen, und wird sie gewiss für unsere armen Kranken in Bagdad ein Opfer bringen." Sobald das Central-Comits von diesen Zuständen Kenntnis hatte, sandte dasselbe auf telegraphischem Wege eine Unterstützung von 5000 Francs. Einige großherzige Persönlichkeiten in Paris, denen eine Abschrift obigen Briefes eingehändigt wurde, haben der Alliance ziemlich bedeutende Summen zur Verfügung gestellt, um für die dringendsten Bedürfnisse aufzukommen. Wie immer, nahm die Baronin Hirsch, deren großer Edelmuth jedes Unglück lindern möchte, den ersten Platz ein, ebenso die Herren Gebrüder Rothschild und Goldschmidt. Eine kleine Collecte, welche der Secretür der Anglo- Jewish Association zum nämlichen Zweck 'in London eröffnete, hat auch nahezu 3000 Francs gebracht. Kleine Chronik. Wien. Sonntag, den 31. Jänner fand im neuen Tenrpel des X. Bezirkes für den verstorbenen Präsidenten Gustav Simon ein Requiem , statt, an dem die Söhne des Verblichenen, sowie der Gesammtvorstand des Tempelvereines mit den Herren Strußberg er und Bloch an der Spitze, ferner Ritter von Goldschmied, die kaiferl. Räthe Vogel und Wilh. Polkak, Rabbiner Dr. B a ck und Pa Po, Obercantor Singer, Bauer, D ü n n M a nn, K l ä g er und ein zahlreiches Publicum theilnahmen. Der Gottesdienst begann mit dem Mnska-Gebet

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