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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-02-11 · Heft 5 (11.2.1897) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (11.2.1897)
Date
1897-02-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5. Gest erreichisch-ungarische Lantoren-Aeitrrng. Seite 7־ berechtiguug bisher durch die Gesetzgebung und die uunistcriellcu Bestimmungennicht zugestanden ist. Die'Commission hat die vorliegende Gelegenheit nicht für geeignet erachtet, in die Frage einzutreten, ob es erwünscht sei, in dieser Beziehung eine Aenderuug herbeizusührcn, sondern sich dahin geeignet, dem Hohen Hause vör-zuschlagen, über die Petition, weil -sc Beschwerde über Gesetzes- Verletzung als unzutreffend zu erachten, zur- Tagesordnung überzugehcn.-._____ Rothschild's Loge. '•־' Eine Humoreske. ׳ I ' ' Als...ich 'Gelegenheit. hatte, ihn..ckeuuen. zu lernen, war ׳ Arnyld'.RaylNvud ein armer. Teufel von Künstler, der schlecht - -un^>^cht>׳-pon seinen Bildern lebte. Zu dieser Zeit bewohnte er i in ״MemÄerfallenen Hause der Rue Neuv.e-Coqu-nard in Paris! eineMachstube. in der es ihm recht kümmerlich gieng.׳ -Eines Abends, als er noch mürrischer, noch verzweifelter .als gewöhnlich nach Hanse kam, setzte er sich erschöpft au seinen kleinen wackeligen Tisch und schrieb beim flackernden Lichte einer .Kerze folgenden Brief: - -- - - Mein lieber Philipp! : ... Ich bin verliebt!^ wahnsinnig verliebt, verliebt bis über, die Ohren! Meine Liebesgeschichte ist sehr, einfach, es ist die alte und doch ewig neue Geschichte von Abälard und Heloise, von Romeo und Julia. Meine Julia (in Wirklichkeit heißt sie Francine) ist die Tochter eines reichen Industriellen, der sich mit mehreren Millionen von den Geschäften zurückgezogen׳ hat und nie einen vermögenslosen Maler zum Schwiegersohn wählen wird. Fräulein Franeine—Joubert׳ ist-18״ Jahre ׳ alt׳ und״ schön wie Aphrodite. Von..' ihrem braven Vater dazu, ausersehen,, .ihr Zeichenunterricht. zu geben, habe ich sie anfangs mit meinen Künstleraugen nur: schön gefunden und nichts weiter. Heute liebe ich sie mit wahrer Glut, wie Pygmalion seine Galathee. - ׳ ■ Alsich gestern zu Herrn Jöubert kam, um seiner Tochter Unterricht zu ertheileu, wurde ich von einem Diener mit den - Worten empfangen: ״Mein Herr, Herr Joubert wünscht Sie zu sprechen. Haben Sie die Güte in sein Zimmer einzutreten." Ich folgte der Aufforderung, und Herr Joubert sagte zu mir init ernster feierlicher Miene: . ״Herr Raymond, ich bin kein CoMödienvater, ich'׳ habe Augen uild ' sehe. habe -Ohren und höre. Damit will ich Ihnen sagen, dass ich ihre Gefühle׳ für meine Tochter kenne." Ich blieb stumm vor Staunen. - Herr Joubert fuhr mit eisiger Ironie fort: ״Sie sind ein reizender,junger Mann, das gebe ich zu; Sie haben viel Talents das will'ichgern glauben. ..Doch.Sie haben kein Geld. Meine Tochter wird sich nie ohne meine Einwilligung vermählen, und ich sage Ihnen gleich, Sie werden nie mein Schwiegersohn... . Was haben Sie zu erwidern?" - Wie Du Dir wohl denken kannst, habe ich gar nichts erwidert; ich nahm meinem Hut und gieng mit zwei großen : Thränen in den Augen von dannen! Theure kleine Francine! ich werde Dichniemals Wiedersehen! י So. steht es mit mir, mein lieber; Philipp! Ich habe Dir meine Bilanz mit solcher Offenheit gezogen, dass ich Dir, nach-׳ dem ich Dir meine Passiva genannt, auch meine Actio aanfzähleir muß. Beruhige Dich, das wird nicht allzu lange dauern. Meine Activa bestehen aus folgendem׳, ich habe freies Entree in der Großen Oper. Für ein- Aquarell, .׳das ich. dem Director verehrt habe, hat er mir diese so viel beneidete: Gunst zu Theil werden' lassen. Ich werde mich beeilen, ,davon Gebrauch zu machen, denn ich sehL boraus. dass der-ZüstäM. meiner Garderobe mir in sehr naher. Zukunft eine: unendliche Quarantäne .auferlegen wird-" ’ ' ' .... H. .''..י; Arnold Raymond,wollte: sein - freies Entree in hie Oper b enutzen; in Wahrheitah-tL mißhrauchte?.er es. Ob ein ׳berühmter erster Tenor sang, oder das Theater. Künstlerinnen vierten Ranges: überlassen war, das kümmerte ihn wenig. Mit gleicher Pünktlichkeit sah er sich die graziösen Pirouetten der ersten Tänzerin und die zweifelhaften Luftsprunge der letzten Coryphüen an. Er hatte sich die linke Loge vom Orchester gewählt, und hier war fein beständiger Platz. Unter den Logen, die sich hier befanden, war eine, die sich von den anderen wesentlich unterschied. Es war weniger eine Loge als ein Fauteuil, groß, bequem und elegant. Diese Loge gehörte dem Baron James Rothschild, und da der bekannte Bankier nicht ganz dieselben Gründe hatte, wie unser Künstler, beständig die Oper zu besuchen, so folgt daraus, dass der Fauteuil häufig unbesetzt war. Dann gehörte er dem ersten besten, der sich darauf setzte, und unter diesen Umstünden hatte. Niemand mehr Anrecht darauf, als Arnold Raymond, der mit den- Lampenanzi'mdern kam und mit den Controlleuren fortgieng. Eines Abends, als er aus dem Theater kam, glitt er auf dem Bürgersteige der Rue Rossini aus und siel der Länge nach auf das Pflaster. Zu Hanse bemerkte er mit tiefem Schmerze, dass dieser unglückselige Fall seiner.hellbraunen Hose und dem schwarzen Gehrock den Todesstoß versetzt hatte. Am nächsten Morgen ertönte an Arnolds Thür zu früher Stunde ein heftiges Klingeln. Er öffnete und war entsetzt, als er in dem frühzeitigen Besucher den Schöpfer des .'Rockes und der Hose erkannte. Traurig huschte er wieder in sein Bett Und streckte sich seufzend in demselben aus. Man hätte ihn'für einen Märtyrer halten können, der sich auf den Tod vorbereitet. Indessen sagte der Schneider, der noch immer seinen Hut in der Hand hielt, nach kurzer Pause: ״Mein Gott! Sie sehen mich untröstlich.' dass ich Sie in Ihrem Schlummer gestört habe: doch es ist auch wenig ihre Schuld. Man sieht Sie ja gar nicht mehr! Wollen Sie mir etwa Ihre Kundschaft entziehen?" Arnold horchte erstaunt auf. und der Schneider fuhr mit doppelter Liebenswürdigkeit fort :. . . ״Gestern Abend sah ich Sie in der Oper und wunderte mich, wie wenig Sorgfalt Sie auf Ihre Toilette verwenden. -Ich habe hier eine. Musterkarte mitgebracht: treffen Sie ihre Wahl: in acht Tagen sollen Sie wie ein König der Mode gekleidet sein." Während Arnold nicht, wusste, ob er wache oder träume, bestellte er sechs Hosen, drei Röcke, zwei Jaguets, einige Palelots und mehrere Westen. Der Schneider sagte zum Abschied: ״Sie besuchen häufig die Oper?" ״Und Sie sitzen häufig in der Loge, in der ich Sie gestern sah?" ״Immer!" Der Schneider fragte nicht weiter, und acht Tage später paradierte unser Künstler mit einem prächtigen neuen Anzug in der Oper. Am nächsten Freitag nahm ihn sein Hanswirth, der ihn im Woher'traf, freundschaftlich unter den Arm und ries, ats sein Miether sich zu entschuldigen suchte, dass er ihm die rückständige Miethe noch nicht bezahlt habe: ״Kein Wort davon, wenn Sie mich nicht böse machen wolketz. Mein Haus steht Ihnen offen, und ebenso mein Herz. Und wechr Sie augenblicklich in Verlegenheit sein sollten, so machen Sie keine Umstände.meine Börse steht Ihnen ebenfalls zu Diensten. Mein Gott! Sie geben mir eben alles zusammen wieder.. Wenn Jemand so schöne Beziehungen hat, wie Sie, braucht man wegen seines Geldes keine Angst zu haben." Sprach's, drückte ihm einen Fünfhundertsrankenschein in die Hand und verschwand. (Schluss folgt.)' Meinen lieben Collegen empfehle ich als JSreheiiverdieiigt lAh^itblätter ä 80 Ja??׳; /franco. Drueksorten zu fabelhaft billigen Preisen.:• Kautschukstempel, Messingstempeh Stahlstempet etk I^illigat .,zum Wiederverkauf. Adolf5 Türk, Obef-Cairtor,' Besitzer der Petrzkowitzer, «M Stemdriickerei.

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