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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-02-11 · Heft 5 (11.2.1897) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 5 (11.2.1897)
Date
1897-02-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 Gesterreichisch-imgarische Lgntcrre^Zeitung. Leite 3. von Moses׳ selbst geschrieben seien, ist weder durch eine Ueberschrift noch; eine ׳. Unterschrift bezeugt; die Zeugniße dafür stammen erst, aus der nachexilischen Zeit. An vier Stellen ist!freilich gesagt, dass Moses etwas geschrieben, habe, aber von dem uns Erhaltenen kann nichts seinem. Wortlaute nach mit Sicherheit als mosaisch gezeichnet werden. Ebenso sieht die wissenschaftliche Kritik von den Ueberschriften der Psalmen ab, denn die Aufschrift ״von David" ist nachweislich auch solchen Psalmen beigefügt, die im Exil und nach dem Exil entstanden sind. Während nun die Vorgeschichte Israels, sowie die Zeit der Patriarchen, die Aussührnng ans der Knechtschaft Egyptens durch Moses und die Eroberung Kanaans durch Josua, ferner die Richter- und Königszeit bis in die salamonische Periode nur der mündlichen Ueberlieferung -und Ausgestaltung überlassen gewesen zu sein scheint, liegt. in dem sogenannten jahwistischen Geschichtswerk die älteste schriftliche Geschichtsquelle vor. Dieses sogenannte jahwistische Werk, setzt schon - 1. Mos. 2, 4 ein; es ist nach Kautzsch entstanden zwischen 950—850. Wie. der Gottesbegriff, so dürfen auch die sittlichen Anschauungen dieses. Werkes nicht mit gewöhnlichem Maßstabe gemessen werden; Lug und Betrug der handelnden Personen, Polygamie und Kebsehe stehen neben nugeheuchelrer Frömmigkeit und Gottesfurcht. Als Quelle für dieses Geschichtswerk bezeichnet Verfasser die Ueberrefte der Geschichtsschreibung und Dichtkunst des neunten und achten Jahrhunderts, die zum Theile im. Pentateuch, in den Büchern Samuelis und der Könige zu erkennen, sind. Neben diesem Geschichtswerke tritt die schriftstellerude Prophetie auf. Der erste Schriftprophet׳ ist Amos um 760, nach ihm Hosea, dann der bedeutendste-der Propheten,' Jesaias um 700 und dessen Zeitgenösse Micha. In der Zeit bis zum Exil wirkte Nahnm, einer der Propheten, darum schwierig, weil sowohl der Text vielfach verunstaltet ist, als auch weil seine Redeweise etwas ungewöhnlich, dichterisch kühn ist, und Z ephanj a, ein Urenkel des Königs Hiskia. Inzwischen hatte unter M a nass e, dem Vasallen der Assyrier (698— 648), ein Rückfall in einer . naturalistisch gerichteten Volksreligion stattgefnnden. Der sogenannte Höhencultus (Cultns auf Opferhöheu), verbundeil mit Kinderopfern für den Gott Israels oder heidnische Götter, war im Schwünge, Aberglaube - und heidnische Bräuche aller Art waren eingedrungen in das religiöse Volksleben. Diesen Mißständen sollte dadurch gesteuert werden, dass alle Opfer und Feste streng auf den Tempel in Jerusalem beschränkt wurden. Diesem Bestreben verdankt! das sogenannte U r d e u t e r o n o m i u m, d. i. die Grundgestalt des jetzigen 5. Buches Mosis, seine Entstehung. Dieses Buchwurde im18. Jahre des Königs Josia (von 640 bis 609) vom Oberpriester Hilkia im Tempel aufgefunden׳, von ihm dem Staatsschreiber Saphan und. von diesem dem Könige übergeben: Dieses Buch ist nach Kautzsch von unbekannter Hand vielleicht schon unter M anas s e verfasst, in der Hoffnung, dass es früher oder. später gefunden und seiner Bestimmung, den Gottes-Cultns zu reinigen und zu reformieren, übergeben wurde und im Tempel niedergelegt. Ans verschiedenen Bearbeitungen dieses Buches ist.im-:Verlaufe des babylonischen EMs das heutige Deitteronomium (5. Buch Mosis) entstanden. Das: ganze Buch ist vom Geiste des Prophetismus durchweht und hat jedenfalls einem Propheten zum Verfasser. Vor allem finden׳ sich in demselben zahlreiche Bestimmungen über Humanität zugunsten der Witwen und Waisen, der Sklaven und Fremdlinge, Die Folge der sich vollziehenden Reformation war die Abschaffung desHöhenenltus. und die Neugestaltung der religiösen Zuständefand ihren Ausdruck indem ״Buch derKönige". Dieses Buch, enthaltend die Geschichte Salomo s, die Geschichte beider Reiche (Juda und Israel) und die Geschichte bis 561 v. Ehr., ist in her griechischen und lateinischen Bibel und danach auch in der deutschen und in der hebräischen (seit 1518) in zwei Theile gespalten, die zwei Bücher Samuelis und die zwei Bücher der Könige. Geist und Sprachgebrauch ist dem des fünften Buch Mosis verwandt. Der Geschichtsstoff ist vom Verfasser entnommen dem ..Buche der Geschichte Salomos", dem ״Buch der Geschichte der Könige von Juda" und dem ״Buch der Geschichte der Könige von Israel". In der Zeit von 623 bis 586 füllt daun dieThütigkeit Habakuks und eines der größten Propheten, Jeremias. Habakuk schildert anscheinend mit Bezug, auf die Schlacht bei Korkemis, durch, die Nebnkadnezar die Herrschaft über, ganz Vorderasieu erlang, die Macht und die Gewaltthaten der Chaldäer, und Jeremias sieht den Untergang Judas, den Jesaias.und M i ch a in weiter Ferne geschaut, mit Augen, daher seine Klagen und Anklagen. Seit der Schlacht bei Korkemis (605) verkündigt er, dass die Chaldäer zum Gericht über Juda kommen werden, dass Juda 70 Jahre dem König von Babel dienstbar sein, dass aber dann die Rückkehr der Vsrbannten und die Wiederanfrichtung des Staates folgen werde. Der Prophet selber sollnach einer jüdischen Tradition von seinen eigenen Volksgenossen gesteinigt worden-sein; seine letzten Jahre waren jedenfalls nur ansgefüttt vor» Kummer und Entbehrung. In der nun folgenden Zeit des Exils herrschte eine große litterarische Regsamkeit nnd Thütigkeit. Obenan steht Hesekje l um 593, Prophet und Priester zugleich, selbst ein Exnltant in Babylonien; sodann dieKlagetie d e r, dem Jeremias fälschlich zugeschriebeu. Nur in der griechischen und danach in der lateinischen und in der deutschen Bibel wird am Eingang einer falschen Auslegung vom 2. Chrvn. 32, 25 Jeremias als Berfasser genannt. Jedenfalls ist der Verfasser ein Augenzeuge oder Zeitgenosse der Belagerung und Eroberung Jerusalems gewesen. Aus dieser Zeit: stammt auch der zweite Theil des Buches Jesaias׳' von Capitel 40 an, der nicht vom Propheten Jesaias, sondern von einem im letzten Viertel des Exils lebenden Propheten geschrieben sein kann. Durch das Edict des Cyrus war 538 den Exültanten die Heimkehr gestattet. Die Zustände und ׳ Stimmungen dieser Zeit schildern Haggai und S a ch a r j a; beide Propheten sind eifrige Förderer des Tempelbaues. In diese Zeit fällt auch das Buch Maleachi. Me Wissenschaft nimmt an, dass ״Maleachi" nur ein SttchworL, nicht der Name des Verfassers sei. Um das Jahr 444 v. Ehr. vollzog sich mm in der Geschichte des alttestamentlichen Gottesreiches ein gewaltiger Umschwung; es wurde der eigentliche Priesterstaat gegründet. In Priesterkreisen, die in Babylonien zurückgeblieben waren, wurde an dem Ausbau des Pciestergesetzes gearbeitet. Das priesterliche Geschichts- und Gesetzbuch im Pentateuch (den 5 Büchern Mofis) und dem Buche Josua ist als Erzeugnis verschiedener Priesterschulen in Babylonien und- Jerusalem in der Zeit von 500 bis 400 v. Ehr. entstanden, und Esra veröffentlicht im Jahre 444 das aus dem Exil mitgebrachte ״Gesetzbuch Mosis", das wahrscheinlich von ihm selber redigiert ist, und etwa ein Wenschenalter-später (um 400) seine

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