Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1897)
- Date
- 1897-01-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 GestM-eichiMMNgqrische LantGMZejjung. Nr. Z. außerordentlichen ILäriye Mxte der begeisterte Sprecher seinen ZuHMN. ffie drei HaraMrissischen Tugenden der MlMfftzervor: den GtauLen, dest/ MuH' undbte Opf^rfx^eubi^feit, TM»M-W>,dieme'siöH>^Mer.^esenjKen,'''als..׳inchrrFeAzeit.!. SM-wir Juden. LoH׳״hN^^EE' mehr als seit Langem' das Ziel ungerechter Angriffe,'' welche in Wort und Schrift" den Namen Israels in den 'StarEzü zerren sich vermessen. Gegen' die Beschuldigungen, deren Zeugen und Opfer wir tagtäglich sind, namentlich gegen die Verunglimpfung. dass wir Eiüdnnglinge im französischen Vaterlande׳ seiey, könne nicht lebhaft genüg protestirt werden. Seit vielen Jahrhunderten bewohnen, die Juden den Boden Frankreichs, zu dessen Gedeihen sie so nühmhast beitimgen, und in allen Kriegen haben unsere Söhne für Frankreichs Ruhm und Größe geblutet. Mit lauter Stinüne fordern wir. den Namen des französischen Bürgers stir alle Juden, die in Frankreich leben, ünd es ist heilige׳ Pflicht, keine Gelegenheit vorüber gehen zu lassen, ohne energisch, gegen jene Unholde uns zu wehren, die mit Hilfe von Lügen und Verläumdnugen uns das Bürgerrecht rauben wollen. Es wäre Feigheit, vor dem nahenden Ungewitter das Haupt zu senken, es ist ein Gebot der Selbstwürde, mannhaft uns zur Wehr, zu setzen und die Stellung zu vertheidigen, welche wir in Frankreich Dank imserem Fleiß und unserem Patriotismus uns zu erwerben. gewusst haben. Viel zu lange haben die französischen Juden zu allen. Anfeindungen , geschwiegen, trotzdem ihnen die, Politik des laisser faire und laisser tjire nur Schaden gebracht. hat. Petersburg Der russische Bildhauer Autokolski feierte vor einigen Tagen sein.fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Der Künstler, der früher in Paris lebte, kehrte vor etwa , vier Jahren in seine Heimat zurück. Da er ein Jude ist, und damals die Verordnungen Alexander III. gegen die Juden mit großer Strenge gehandhabt wurden, entstand die Frage, ob Autokolski der Aufenthalt in Petersburg gestattet sein solle, und . der berühmte Meister sah eine garstige Zeituugssehde über diese Frage entbrennen. Schließlich wurde doch die Entscheidung zu seinen Gunsten getroffen. Nun feiert er eben sein Jubiläum unter einmüthiger Anerkennung aller hiesigen Zeitungen, die in der Würdigung der ״russisch-nationalen" Bedeutung Antokolskis und seiner Werke wetteifern. Hoch und Meder der Gesellschaft haben dem Künstler Sympathiebeweise gegeben, und gestern publicierte das Amtsblatt die. Ernennung des Jubilars ״zürn wirklichen Staatsrath e" mit dem Titel ״Excelleuz". Die Ernennung ist auf die spontane Anregung, des Czars erfolgt. Der jüdische Friedhof nr Versailles. Es war am 3. September des Jahres 1788. König Ludwig XVI. war an diesem Tage der besten Laune, indem er von Versailles aus sich auf die Jagd begab. Die Rathsversammlnng der Minister hatte die Verwirrung in der Verwaltung gelöst, der Finanzminister hatte neue sinancielle Hilfsmittel augezeigt, der Graf von der Provence hatte nur zweimal Stellen aus Horaz angeführt, und der Graf vonArtüt hatte keine Beschwerde über verletzte Etikette erhoben, und wie sollte Ludwig XVI. nicht die Sorgen des Königthums vergessen? Er hatte eben eine Stunde zu Triänvn verlebt bei der schönen, durch Anmnth ihres Geistes und ihrer Jugend ausgezeichneten Maria Antoinette. Er war mit ihr unter den blühenden Linden des im Kleinen die Schweiz vorsteüenden Lustgartens spazieren gegangen. Während er .mit Selbstzufriedenheit über die Schwierigkeiten lachte, die sich ihm in einem Werke über das Schlosserhandwerk, das er an eben diesem Morgen beendigt hatte, da er mit Tagesanbruch aüsgestanden war, gezeigt hatten, in demselben Augenblicke waren ihm'Ne Kinder des königlichen Ehepaares durch die Prinzessin von Lamballe und die Gräfin Julie von Pollinak vorgeführt Worden. Und die Königin,, bei der, wie in allen österreichischen Herzen,' die Fmniliengefühle vorherrschten, hatte vergessen, dass sie 'die Tochter einer Kaiserin.und eines Königs Gemahlin war, um sich in aller Einfachheit den Währen Freuden einer Gemahlin rM ^Ätter HinziPeben^'' I '־I ׳׳ Solche Ermillerungen beschäftigten angenehm den Sinn d>es- ' deffM/ÄtHE^riÄ* dem?SammeMätze der Jagd zueilte, .als hei der Embsegyng.eines. Wegesim Walde,, der an Dogmncourt angrenzt, eine gewisse Unordnüng.in, der Leibwache Wer' Begleitung, entstand und. der. Wagen/des Königsplötzlich stille hielll Der'König .neigte" den Kopf durch den Schlag hinaus und erblickte mit Staunen vier Greise , in fremder Kleidung, mit langen weißen Bärten, in dicke graue Mäntel gehüllt, und auf den Schultern eine Bahre tragend,, auf welcher ein Sarg qus ungehvbeltem Holze lag,- der kaum mit einem Todtentuche bedeckt war. . Hinter der Leiche giengen zwei Jünglinge, die heiße Thränen fiergossen und deren. Kleider züm:.Zeichen der Trauer zerrissen.warenl Den Zug.schloffen zwölf Männer in der Kleidung und im Gange, bunt durcheinander, aber auf ihren Zügen die . orientalische . Abkunft zeigend, und sie alle giengen den Hut auf; dem Haupte, ernst und', mit abgemessenen Schritten, in einer fremden Sprache und in einer unbekanntes Melodie Psalmen Diese phantastische Erscheinung brachte - den König in Ver- Wirrung und seine erste Bewegung war, vor diesem Prunklosen Sarge den Hut abzunehmen und andächtig ein Zeichen' des Kreuzes zu machen. Darauf , wendete er sich an Herrn von Be- -sancol, der sich bei ihm in seinem Wagen befand und fragte-: ׳ ״Was hat dies zu bedeuten,?-" Sogleich näherte sich-der Hauptmann, der Wache, welcher diese Frage verstanden hatte, mit Achtung und sagte zum König: ״Verzeihung, Sire.-wegen des Verzuges, den diese Elenden . Euer Majestät verursacht, haben.. Ich habe soeben die Schützen derb-gescholten,, weil sie nicht über die Inden hinweggeschritten sind." ״Wie Juden!" antwortete der König erstaunt. ״Ja, Sire, seit einigen Jahren schon hat ejne Colonie dieser Ungläubigen von Metz und dem Elsaß gewagt, sich in Euerer Majestät guter Stadt Versailles-niederzulassen. Sie handeln daselbst mit goldenen und silbernen Stoffen, alten Kleidern und wohlriechenden Sachen für den Putztisch," — ״Aber was machen sie in diesem Walde?"- — ״Darnach -fragte ich sie eben, und Alles, was ich von ihrer altdeutschen Mundart verstehen konnte,, ist, dass sie ihre Todten nicht auf dem christlichen Gottesacker beerdigen, und sie weder Mittel haben., noch das Recht, neben jenem einen Friedhof in Versailles!zu b.e-. sitzen, so sind sie genöthigt, ihre Todten nach Paris zu tragen, wo sie diese auf dem Gottesacker begraben, den-die Juden daselbst in dem Kirchspiele-von. Montronn besitzen."—״Arme Leute?" rief der König mit einer nachdenklichen Miene ans, ״fünf Stunden weit gehen zu müssen!" ,.. Jetztrollte der Wagen wieder schnell vorwärts nach St. Germain, wo der Hof an diesem Tage Jagd hielt und der Leichenzug gierig langsam in der Richtung nach. Paris weiter, mehr, mit seinem Schmerze beschäftigt als mit seinem Zusammentreffen mit dem König von Frankreich. Gegen Abend kehrte der König nach Versailles zurück, und schon war das prächtige Schloß Ludwig XIV. mit seinen majestätischen Stadien, seinen althellenischen Bassins und seinen marmornen Götterbildern sichtbar, als sich, nachdem das den Weg versperrende Volkdem königlichen Gefolge Platz gemacht hatte, ein Prächtiger, reichlich glänzender und von zahlreichen Geistlichen im priesterlichen Ornate begleiteter Leichenzug den Blicken darbot. Die Priester sangen das Todtenlied, welches von den Sopranstimmen der Jugend und dem Geläute der Glocken, ,welche volltönig erklangen, unterstützt wnrde. ״Dies ist die Be- 'erdignng eines reichen Tnchhändlers aus der Straße Pareffe," sagte Besancol znm Könige. Dieser erwiderte nichts, aber er betrat das Schloss'mit sehr nachdenklicher Miene.! * ׳ -; Die ganze Nacht störten unruhige Träume den Schlaf des ׳Monarchen Imd in'der. Frühe ließ er seinen Minister Malesherbes zu sich - rufen, dem er diepeinigenden Betrachtungen mittheilte, die er' am'vorigen Tage anznstellen Gelegenheit hatte, .;indem er versichert^, dass es die׳ Vorsehung so gefügt! habe.׳ dass er' zwei-so scharf von einander abstechende Beerdigungen begegnete. Darauf fügte, er als ein würdiger Nachkomme Heinrichs IV, hinzu: ,!Sind nicht alle Franzosen meine Ki 11t»er und d arf die:Religion einengro ff en Th eil meiner Unterth aneü mit. tr aiirlMf RerffM loffiffkeif-verfölffen bis ' z'N einenf Ange cf'c>;