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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1897-01-21 · Heft 3 (21.1.1897) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 3 (21.1.1897)
Date
1897-01-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 7. w ö s i e ׳ (!׳D t G ott e r-s feinen, welcher den Königen dasAmt gegeben hat, ihn ans Erden zu vertreten?" Zn dieser Unterredung fragte man zum ersten Male nach den Mitteln, die politische Lage der Juden in Frankreich zu verbessern, und der König' sagte zu seinem Minister folgende schönen Worte, welche die Geschichte aufbewahren wird: ״Mein Herr v on Malesh erb es, ׳Sie , haben sich zum Pro-testan-hen gemacht und ich mache Sie züm Juden!" . Malesherbes, der schon die Aufhebung der geheimen Verhaftsbefehle und die Freiheit der Presse beantragt hatte, Malesherbes, der Unter allen Umstünden im Rathe des Königs Gerechtigkeit und Humanität predigte, mit ebenso großer Energie, als er später das Haupt, seines Königs dem revolutionären Schaffot überantwortete, Malesherbes, welcher durch einen erbabenen Tod ein Leben voller Tugend, des Lernens und der Entsagung krönte. Malesherbes dankte dem König wie für eine Gunstbezeugung, weil er ihn mit dem großen Act der Um- Wandlung, die er zu Gunsten der französischen Israeliten beabsichtigte, beauftragte. Dieser tugendhafte Rathgeber wollte den König eben verlassen, als dieser ihnzurückrief und sagte: Mein Herr Males herb es, wenn ich Sie bitten darf, schreiben Sie dem Intendanten der Provinz, dass er ohne Aufschub den Juden unserer guten Stadt Versailles einStück Land übergebe, wo sie ihre Tobten begraben konnten. Wenn die Stadt kein freies Gebiet hätte, so nehme er es von unserer eigenen Domäne, und wenn es noththut. von u n s e r e m k ö n i g l i ch e n P a r k. G. Z. Litteratur. Drei Nrujahrspvrdigten von Dr A. T ä n z e r, Rabbiner Zu Hohenems in Vorarlberg. Verl. I. Kauffmann, Frankfurt a. Ai. Preis M. 2. — Es vergeht fast keine Woche, in der nicht der jüdischhomiletische Büchermarkt mit irgend einem Bändchen Predigten bereichert würde. Leider wird auf diesem Gebiete sehr wenig Originelles geschaffen, und selbst das Nachgeahmte ist so schal und leer, so voll hohltönendcr Phrasen, dass man sich unwillkürlich fragen muß: Wozu diese unverzeihliche Verschwendung von Druckschwärze und Papier'? Wollte man die neueste Phase, die unsere homiletische Litteratur gegenwärtig durchmacht, einer ernsten Kritik unterziehen, so brauchte cs nicht viel Federlesens, da diese Kritik in dem kurzen Gedanken erschöpft ist: Der Inhalt der in neuester Zeit veröffentlichten jüdischen Kanzelredcn besteht entweder in sehr schlechten Mayidoth oder in salbungsvollen, aber inhaltsleeren, nichtssagenden Phrasen. Sehr angenehm hat cs uns dagegen berührt, als wir' durch die Lektüre der vorliegenden Tänzerischen Predigten die Ueberzeugung gewannen, dass sie nicht in jenes tadclnswerthe Genre von Predigten gehören; denn ihre Sprache ist voller Kraft, ja manchmal sogar hinreißend, wenn auch hie und da gegen die Form stark gesündigt wird. Manche Gedanken nehmen sich sogar wie geistreiche Aphorismen aus, wenn sie auch auf ihre absolute Wahrheit geprüft, unsere Zustimmung nicht erhalten können, Oder berührt es etwa nicht das Gebiet des Geistreichen, wenn der Verfasser sagt: ״Abraham wollte seinen Sohn opfern, da wählte lieber Gott du Thieropfer; die späteren Juden batten erst Thiere geopfert und alsbald forderte ihre Glaubensstärke zahllose Menschenopfer." (S. 36) Ehe wir nun -unsere R'eecnsion schließen, wollen wir den Verfasser Noch darauf aufmerksam machen, dass ״Glaube, Liebe und Hoffnung", so der Titel einer der vorliegenden Neujahrsprcdiatcn, etwas Christliches enthält, da diese drei Tugenden, wenn sie auch das Christenthum im Judcnthum vorfand, dogmatisch als christliche Cardinaltngendcn gelten. Nun hätten wir allerdings nichts dagegen, wenn das Christenthum diese Tugenden so auffassen würde, wie der Jude. Dem ist aber nicht so. Dass sie dreifach aneinandergereiht sind, weist schon auf die dogmatische Natur derselben hin. Und thatsächlich sagt Schopenhauer bei einer Besprechung der verschiedenen ethischen Anschauungen (Parerga und Paralipomena), dass ״Glaube, Liebe und Hoffnung dem Christenthum keine Cardinaltugenden, sondern Cardinaldogmen seien". Die Wahrheit der Schopenhauer'schen These wird man erst begreifen, wenn man bedenkt, dass Bajus (Bay), ein bewährter undautoritativer Kirchenlehrer an der Universität Löwen, gelehrt hat: Omuia opera. infldelinm sunt peccata et philosophormn virtutes snnt vitia. Die Tugend der Heiden war Bay und ist vielleicht auch in den.Augen der Kirche eine Sünde, weil die Heiden kein Verständnis.für Dogmen hatten. Daher wäre es auch für jeden jüdischen Känzelredner angebracht, die christlichen Formen, insoferne dieselben dogmatischer Natur sind, nicht mit den jüdischen Anschauungen zu vermengen, geschweige denn sie an die Spitze einer Predigt zu stellen, da solches sehr leicht zu Mißverständnißen führen könnte. Trotz alledem bereiten die Tänzer'schen Neujahrs-Predigten dem Leser einen' wahren Genuss, da aus ihnen keine gehaltlose Nachäffungsondern sprühender Geist spricht. .Rabb! Dr^ H? E. Kaufmann, Veröcze. Im Zeichen -es geflügelten Ksdes stehen wir zu Ende des Jahrhunderts, und zwar jedes Jahr in größerem Maße. Ein Blick auf die eben erschienene, für Comptoirs und Bureaux unentbehrliche G. Freytag'sche Berkehrskarte von Oesterreich-Ungarn. 1897 gibt uns eine Uebcrsichr über die coloffale und immer mehr anwachsende .Ausdehnung des .Eisenbahnnetzes unserer Monarchie. 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