Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1897)
- Date
- 1897-01-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Gesterreichisch-ungarische <£antoren־geit1ing dkr. Gemeiudelebeus einen Pensionsfond gründen wollen. Wir hören wohl die Botschaft, allein es fehlt uns der Glaube. Die jüdischen Cultusgemeinden haben sich — mit wenigen Ansnahmen — von jeher blutwenig um das Wohl ihrer Augestellten gekümmert, und merkwürdig ist nur, dass trotz dieser allgemein bekannten Erfahrung noch immer einige Phantasten die Initiative der Gemeinden in der Pensionsfrageerhoffen und von diesem Jrrwahne befangen, selbst die Hände in den Schoß legen zu dürfen glauben. Gebe Gott, dass sie sich in diesen Erwartungen nicht täuschten; wir würden uns gerne damit bescheiden, wenn die großen Opfer, die der Cantorenverein für diese Angelegenheit gebracht hat, auf anderer Seite Früchte tragen sollten. Auch in anderer Beziehung hat der Vereinsvorstand keine Unterstützung seitens der Mitglieder gefunden, und es sei zu wiederholten Malen betont, dass die Einsammlung der dem Cantorenvereme zugesagten Spenden mit allzu großer Lässigkeit betrieben wird. Die Mitglieder sollten stets bedenken, dass au den Verein alljährlich große Anforderungen gestellt werden, und dass jeder sein Scherflein beitragen muß, um die Sim nahmen des Vereines zu erhöhen. Die Thätigkeit des Vereines bewegte sich in dem abgelaufenen Jahre in den gewohnten Geleisen, und außer dem Hinscheiden eines geschätzten Collegen und Vereinsmitgliedes, des Cantors Abraham L ö w y in Neumark, haben wir keines besonderen Ereignißes Erwähnung zu thun und können zu der Erläuterung des am Schlüsse des Blattes augefüaten Rechnungsausweises übergehen. Das Bereinsvermögen hat in dem heurigen Jahre leider keine Erhöhung gefunden, ja wir müssen sogar bedauernd constatireu, dass die Einnahmen hinter den Ausgaben zurückblieben. In erster Linie ist dies dem Umstande zuzuschreiben, dass trotz der gleichen Mitgliederzahl der Eingang der Jahres- und Pflichtbeiträge ein bedeutend geringerer war, indem ein Theil der Vereinsmitglieder diese Zahlungen sehr saumselig leistete und die Vereinscasse infolge dessen mit namhaften Rückständen abschloss. Es sei hier zu wiederholten Malen betont, dass der Vorstand auf die pünktliche Einsendung der Beiträge bestehen und gegen die Säumigen nach den Bestimmungen der Statuten Vorgehen muß. So war er auch in der letzten Sitzung gezwungen,' mehrere Mitglieder, die trotz Mahnungen ihren Verbindlichkeiten nicht nachkamen, auszuschließen, eine Maßregel, die wohl einerseits zu bedauern ist, sich aber andererseits im Interesse der übrigen Mitglieder als absolut nothwendig erweist. Die Zinsen des Vereinsvermögens ergaben eine geringe Steigerung, hingegen haben wir im abgelaufeuen Jahre keinen bedeutenden Eingang au Spenden zu verzeichnen. In erster Reche sei hier dankend die Spende unseres hochgeschätzten Collegen und Vereinsmitgliedes Obercantor Jsaac Heymann in Amsterdam erwähnt, der anlässlich seines 40jährigeu AmtsjnbWums der Vereinscasse den Betrag von fünfzig Mark Zuwendete, und die Spende der Chewra-Kadischa in Humpote tz. Von einzelnen Gemeinden sind Heuer die Spenden ausgeblieben, und wir richten darum an die betreffenden Collegen, welche bisher alljährlich die Einsendung derselben vermittelten — wir brauchen wohl keinen Namen zu nennen — das Versäumte baldigst nachzuholen. Im Ausgaben-Conto heben wir sden der Witwe Löwy Ln Neumark bewilligten'Witwenbeitrag und den Jnvaliditätsbellrag an das berüfsunfähig gewordene Vereinsmitglied; Cantor S. Neumänn in Ob.-Hollabrunn, hervor. An anderweitigen Unterstützungen haben wir den Betrag von fl. 70 verausgabt, wobei wir an dem statutarisch bedingten Principe festhielten, dass nur Vereinsmitglieder zu berücksichtigen sind; aber selbst' in diesen Grenzen mussten wir uns in Anbetracht der geringen Einnahmen die größte Reserve auferlegen. An Unterstützungsgesuchen von Nichtmitgliedern, die oft der Berücksichtigung im höchsten Grade würdig gewesen wären, hat es auch im abgelaufenen Jahre nicht gefehlt, aber sosehr nufer collegiales Mitgefühl für solche Ansuchen eintreten würde, so mussten sie ' dennoch abgewiesen werden, da nach den Bestimmungen der Statuten nur an Mitglieder oder deren Hinterbliebene Unterstützungen verabfolgt werden dürfen. Mögen die geehrten Collegen hieraus eine Lehre ziehen und sich an unseren Verein' erinnern, solange sie noch in Amt und Stellung sind,' nicht aber erst, wenn Noth irnd Elend - au ihre Thüre klopfen. Bei den Posten ״Kanzleiregie", ״Verwaltungsspesen" und ״außerordentliche Ausgaben" haben wir ans Rücksicht auf den niederen Cassastand die größtmögliche Sparsamkeit walten lassen, und thatsächlich sind diese Ausgaben Heuer geringer als je zuvor. Weitere alljährlich wiederkehrende Aüsgabsposten sind noch die Besoldung des Vereinsecretärs, des Vereinsdieners und die statutarisch bestimmte Subvention au das Vereiusorgan, die wohl einer besonderen Erläuterung nicht bedürfen. Zum Schlüsse unseres Berichtes wollen wir noch die Hoffnung anssprechen, dass die geehrten Collegen unsere ernsten Mahnworte , beherzigen und uns im nächsten Jahre in die Lage versetzen werden, auf erfreulichere Resultate hinzuweisen. In Voraussicht dessen sei uns auch die Erklärung gestattet, dass der Vereinsvorstand jederzeit bereit ist, für die Interessen und das allgemeine Wohl der engeren und weiteren Berufsgenossenschäften mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften einzutreten, und kein Opfer zu groß hält, um es frohen Herzens und' freudigen Sinnes auf den Altar der gemeinnützigen, collegialeu Wirksamkeit niederznlegen. Der Vorstand des östcrr.-uugar. Cantorcu-Vcreiucs. Meine Lhronik. Wien. Der Kaiser hat dem Chef der Hof-Weinhandlungs- Firma Emanuel Pollak & Sohn in Wien, Wilhelm Pollak, in Anerkennung seiner verdienstlichen commerciellen und gemeinnützigen Wirksamkeit den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Wien, 20. Jänner. Anlässlich des Geburtsfestes des Sultans Abdul Hamid fand heute V212 Mittags im türk. Tempel ein Festgottesdienst statt, zu welchem der türk. Botschafter, Excellenz Mahmud N e d i n - B e j mit sämmtlichen Herren der Botschaft. erschienen war. Ferner sah man unter den Festgästen: den Polizei-Bezirksleiter des H. Bezirkes, Obercommissär Ken d a, dem Gemeinderath Seiler, mehrere Bezirksausschüsse und Armenräthe 2c. Unter den Klängen eines Präludiums mit Harfenbegleitung wurde die Botschaft vom Präses Marcus Russo und Vicepräses Licco Adutt in den Tempel. :geleitet, worauf der Gottesdienst mit der Aufführung eines Ma'Towu durch Ober-Cantor Bauer mit Chor-Orgel und Harfenbegleitung begann. Nach der Festrede des Rabbiner Pap o wurde die Bundeslade geöffnet, zu beiden Seiten derselben nahmen die Herren Gabr. H. Adutt und M.Danon mit den Gesetzesrollen Aufstellung und Obercantor Bauer verrichtete ein feierliches׳ Gebet für den Sultan, worauf ein Festpsalm von H. Elias, unter Leitung des Dirigenten Löwit, vom Chore aufgeführt wurde.. Mit Absingung der, türkischen Hymne schloss die erhebende Feier. Beim Verlässen des Tempels dankte, der Botschafter dem Vorstande für die patriotische Kundgebung