Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1897)
- Date
- 1897-01-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Gesterrei^isch-üttgarische Läntören-^eitung. Nr. 3 WgttHlr AWxhestMMMem'düswO morgen von ZWH' urid feinem H^altGumMmpfe.gegen Ainalek lesen werdMr^Seme Hände hielten ans, bis die Wonne MtergieugW Mbüchstählich -HHm fso^axwesM..Zn einem Alter, *nahe E Achtzigern, iü welchem soDWänner der deffeütlichkeit längst abgedanA Haben, oder abgedankt sind, ist ihm von unserem Vorstaube ÄLs höchste Ehrenamt, das er zu vergeben hat, einstimmig zuerkannt worden, und er hat dieses Amt wie die vielen anderen, die er im Dienste der Gemeinde inne hatte, mit jugendlicher Frische und Rüstigkeit verwaltet ״bis. seine.Sonne unte-rgieng".. Ihre letzten Strahlen beleuchten ein Leben, das wohl werth ist, sich darein zu versenken, und welches ich, wie ich es seit mehr als dreißig Jahren zu beobachten Gelegenheit hatte, zu schildern versuchen werde. Er war kein bedeutender Manu, er war weniger, und doch hinwiederum mehr. Denn als bedeutend kann man unter Umständen schon zur Welt kommen, wenn Einem nämlich vom Vater her ein großes Vermögen, ein großer Name oder Titel, oder die Anwartschaft auf eine große Stellung in die Wiege gelegt werden. Alle diese Gaben des Glückes sind seiner Wiege fern geblieben. Als was man aber nicht zur Welt kommen kann, was mau aus sich selber werden muß, wozu man selber sich erziehen muß, das ist er gewesen:- eine Persönlichkeit. Wenn man bedenkt, dass er er schon vor fünfzig Jahren in seinem kleinen anhaltinischen Vaterlande und in einer engenVaterstadt als mittelloser junger Mann und noch dazu als Jude den Entschloss fasste, bis hieher nach Wien vorzudringen, so muß mau djeEnergie bewundern, die ihn zu einem solchen für die damalige Zeit und stir seine Verhältniße gewiss gewagten Unternehmen zu bestimmen vermochte. Unsere Bewunderung wächst aber, wenn wir sehen, wie schnell und in welchem Maße er hier in der großen, fremden Stadt Wurzel fasste und wie er nach und nach eine der bekanntesten Persönlichkeiten wurde, gleichmäßig geschätzt von den Bürgern der Stadt wie von den Mitgliedern unserer Gemeinde. Er bestätigt die Erfahrung, die man an verschiedenen Pflanzen gemacht hat, dass sie, aus dem heimathlichen Boden in fremdes Erdreich versetzt, im Kampfe mit den neuen Verhältnißen nur an Lebens- und Widerstandskraft Zunehmen. So wurde er hier heimischer, als mancher Eingeborene, im städtischen Gemeinderathe war er eine der beliebtesten Persönlichkeiten, und in unserer Glaubeusgemeinde wandte sich jeder an ihn um Rath, Auskunft und Beistand, denn er war einer der besten Kenner unserer Institutionen und unserer Verwaltung. Und das alles wurde er ohne besondere Bildung! Seine reiche natürliche Begabung ersetzte bei ihm den Mangel der Wissenschaft, und er kam weiter mit jener, als andere mit dieser. Was er sprach, war vielleicht nicht immer fornrgerecht, aber es zeigte von seinem gesunden Menschenverstände, von seiner Anschlägigkeit und Sachkenntnis, von seinem durch lange Erfahrung gereiften Urtheil. Seine Menschenkenntnis und Umgänglichkeit finden nicht leicht ihresgleichen. Seine Stärke bestand darin, dass er die Schwächender Bien sch en kannte, und seine noch im Alter geschmeidige Leutseligkeit gewann ihm Jedermanns Vertrauen. Was aber fein Leben und Wirken vor allem auszeichnet, das ist seine Hingebung an die Gemeinde. In ihr lebte und webte er, alle Parteien und Richtungen suchte er in Frieden zusammenzuhalten, wie ein guter Vater seine Kinder. Denn er war auch für seine Familie ein guter Vater. Mit seiner ernsten, verständigen, frommen und Pflichttreuen Gattin führte er eine Häuslichkeit von strenger Einfachheit, umritten seiner braven, geachteten Söhne und seiner edlen Töchter. Liebevoll behütet und gepflegt, ruhte er aus von seiner unermüdlichen öffentlichen Lhätigkeit, und niemals hat er sich verleiten lassen, den Frieden seines Hauses und seines Herzens um gewagter Unternehmungen und vergänglicher Eitelkeiten willen auf's Spiel zu setzen. So stellt sein Leben ein Buch vor, aus dem Jeder lernen kann. Wir alle dachten, dass dies Buch noch lange nicht zu Ende sein werde. Da hat es der Tod mit einem Male zugeschlagen zu unserer aller Üeberraschung und Trauer. Wer es schließt mit den alten, tröstlichen Worten: ״Besser ist guter Name als gutes Oel und der Tag des Todes ist besser als. der Tag der. Geburt". Ein guter Name, ein ehrendes Andenken bleibt ihm gesichert, und. wenn er in seiner Sterbestunde hätte reden können, dann hätte er den Seimgen zurufen dürfen: ״Ich habe nicht umsonst gelebt!" Ws ,ZN1eiter sprach RübbmerDr.. W!ch!n1 ied-tzch Her Me Verdienste besWerblichenenßum die sversHiedenen?gemrnmützWn und Humanitären Institutionen, $0 :um das Mtersversorguygs- Haus und Ken HandwerkeMerein^ DervKch Hierauf ergriff der zweite Vicepräsident der Wiener Cultüsgemeinde, Tr. Stern, das Wort und nahm in bewegter Rede namens des Cultus- Vorstandes ergreifenden Abschied vom Präsidenten. Nach ihm sprach Cultusvorsteher Dr. M. Spitzer namens der iGds^vrL-Laäisvdä, indem er ' das humanitäre Wirken Gustav Simons würdigte. Als Letzter sprach Gemeinderath Dr. Nechansky namens des fortschrittlichen Parteiverbandes im Wiener Gemeinderathe, dem S i m o n viele Jahre angehört hatte. Der Redner knüpfte an die freiheitliche Bewegung im Jahre 1848 an, zu welcher Zeit Gustav Simon nach Wien kam, schilderte hierauf dessen Thätigkeit im Gemeinderathe und schloss mit den Worten, dass er an dieser Stätte stehe als Vertreter jener Partei, welche trotz aller Widerwärtigkeiten im gegenwärtigen politischen Leben niemals die Hoffnung aufgeben werde, dass die Tage der Freiheit und der allgemeinen Menschen- und Nächstenliebe wieder in Wien einkehren werden. Sodann wurde , der Sarg von.den Familienangehörigen und den Vorstandsmitgliedern zur letzten Ruhestätte getragen, die sich gleich außerhalb des Ceremoniensaales, neben den Gräbern Sulzer's und Jellinek's, beftudet. Nach Absingung eines Trauerpsalmes wurde der Sarg in die Tiefe gesenkt, und hierauf hielt der -Obmann der ״Kadimah", ׳stuä. Schalit, Namens der jüdischen Studenten einen schwungvollen Nachruf. .ת׳נ׳צ׳ב׳ה lieber die Vortragsweise des Chsfonus. Von M. Tintner in Bunzlau, Preuß. Schlesien. Das Gefühl der Abhängigkeit von einem höheren Wesen und der Sehnsucht nach einer Annäherung an dasselbe ist in der menschlichen Natur eben so tief begründet, als der Trieb. Gedanken und Empfindungen durch Wort und Ton zu äußern. Als Produkt dieser Faktoren erscheint der religiöse Gesang, der bei allen Culürvölkern des Alterthvms nach Maßgabe ihrer größeren oder geringeren Geistes- und Gemüthsbildung anzutreffen ist. Zu welchen Zeiten und an welchen Orten unser Ehasonus entstanden und gesungen wurde, überlasse ich den Kunst- und Geschichtsforschern. Der Kampf für und gegen diesen Gesang ist uns nicht neu, wir wissen, dass auf diesem Gebiete schon viel Strohfeuer in Brand gesetzt'^ wurde, dessen kurze Dauer ebenso blendend wie enttäuschend wirkte, weil die Musikgeschichte über diese specifische Sangesart nur Hypothesen aufstellt. Wohl ist es unsere Pflicht, Pietät für das Althergebrachte zu üben, doch über den musikalischen Werth mancher dieser Ueberliefernngen darf der Kritik nicht das Wort entzogen werden. Was gilt nicht alles als Ehasonus? Gnade dem! Cantor, der nicht einen liebgewordenen, ihm unbekannten Nigun ״vorsingt", es wäre eine Beeinträchtigung der Gemeinde, oder ' wohl gar als eine Verirrung von dem Glauben der Väter zu verurtheilen. Ein starres Festhalten an. dem Herkommen, blos! des Alterthümlicheu wegen, wäre falsch. Weil die alten ChasaniM so sangen und mitunter Grau in Grau liebten, und weil sie׳!jener Epoche die Färbung auftrugen, zu der׳ sie sich durch ihre Sängerfreiheit berechtigt fühlten , die Reinheit, jener alt- - ehrwürdigen Melodien - durch unschöne Zusätze! zu ׳ verunstalten^ darum soll es nunmehr für ewige Zeiten untersagt sein, die