Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 der Vater alle diese Sache11;.f0 chühsch ,aufhob und fest wieder! zuschloß und sagte: ״Das ist nichts für Euch, Ihr lieben Kinder!"; Unsere־. Blicke bliebeu: iioch sairge, än der! wieder geschlossenea Sch'ubläde hängen׳ abersie^)väräiiid-blieb M.- AMrch vost der .Universität kam. - wo ich lrutev änderen"Künsten -leider üuch rauchen lernte, ßelüstete es nnch Zewältig ׳nach -der - schönen Türkenpfeife, sie zu probieren׳ Da ivurdechenu die'Rede auch einmal״ ganz - fachte--auf den Türkenkopf gebrächt/ Nikd ' wie Ms- Rauchen äus einer solangen Pfeife ifesnnder und weniger kostspselig wäre, üud ivas dergleichew Dinge mehrlvareu. De- Vater-lächelte still.vor sich hin und hortendem Ding richig -M aber er wusste sogleich, wo's hinaus wollte, Und Machte eilt! Gesicht-/ -als-׳ -wollte'״er-- sägen׳: ^Du-- MeUtrsie-.^aber doch nicht.״! Nachdem alle- Beredsamkeit' von meiner Seite am Ende wär,- . schwieg der Vater noch! immerstill" j. - ז ג Und das ist immer peinlich, wenn der eine so viel spricht׳ : und der andere sagt kein Mö.ttleindärauf. Endlich brach er! das.Schweigen-ans Zureden?der Mutter. Mit dem Türkenkopfe! hatte es nämlich so seine Bewandtnis, warum er nicht geraucht \ werden durfte. Ans der schonen .Insel Sizilien, die unten an! Italien ruht, wie das'Schößhündlein zu Mützen seiner Herrin, liegt die Stadt Palermo, Hoch ansqebautnli't-ihrenBnrgell und ׳ Paläfteit und großem freien Plätzen. .Dahin war in. seinen jüngerem; Jahren auf; der Fahrt nach Welschland der Vater gekommen,״ er: war ein Malet Uild: seine beiden- Freunde Baumeister, ivovbn: her eNle die Lndwigskirche, der ändere die Auerkirche in Münchenerbaut hatte. Die.wollten dort studieren und ״ans dem großem Buch, -wo. .statt Buchstaben - Berge -und- Flüren, -. Paläste. und Kirchen stehen und wo jede Nacht ein Komma und. jedes Nacht-׳ quartierein.Püiiktlein ist. Zwei von ihnen, der Väter und der eine Baumeister, gehörten nicht geradezu den Stärksten,.:dagegen War: der-?andere Bäumeister ein breitschultriger stämmiger Mann, dessen Stock allezeit geladen war/ wenn Noch an den Mann kam.: So saßen denn-die drei einst an einem Abend!vor einem: Kaffeehaus: Ueber, ihnen war ein Zelt gespannt, und ringsum ständenblühende Oleander'׳ Und Aloen, aus dem Tische Kaffee und Eis und was so.von!.diesen Herrlichkeiten mehr sind.. Die dreideutschen Jünglinge in ihren, weißen. Strohhüten und breit ansgelegten, .weißen Hemdkrägeu aurd längen Haaren unterhielten sich׳ voll?diesem und jenem, , vom krummen und geraden Laus m der- Welt, vom vielen Gelbe, was die Hamburger Kaufherren Habens/ und, von dem, wenigen, lvas die Künstler haben, vom Sultan in Constantinopel und vom Herrn Amtmann in Balingen im Schwärzwald. Da tobte es plötzlich..ans der Seitengasse heraus, wie wenn das wilde Heer von Hans von Rodenstein im Odenwälde daher käme, mit Pfeifen und Heulen und Schreien, und dazwischendrein hörte mannur - die flehende, wimmernde Stimme eines alten Mannes. Es war ein Haufe Palermitaner Männer, Weiber und Kinder, die ans der Hetzjagd begriffen waren. Das Wild aber, das sie hetzten, war ein alter Jude mit langem, eisgrauen Bart, in schwarzgelbem Kaftan, mit einem, weißen Turban ans dem Kopfe. Des alten. Mannes ehrwürdige Züge waren,von Angst und Schrecken verzogen, er zitterte am ganzen Leibe, denn sie stießen ihn vor sich her und verspeiten ihn. Er hatte nämlich sein Quartier verlassen.und wär auf der Rückkehr verspätet und so den Leuten in die Hände gefallen, die ihn ins Jüdenviertel zurückjagm wollten. Denn die Juden hatten, .wie in der heiligen Stadt Rom,, ihr besonderes Viertel, aus dem sie nicht, außer in bestimmten Stunden, heraus durften. So jagte denn der Tross mit dem.alten, zitternden Manne in der Mitte am Kaffeehause vorbei. Die drei Deutschen schauten:hin und hatten;bald erkannt,. um .was sich's handle. Ohne Commando sprangen die Drei blitzschnell von ihren Sitzen ans. Der Vierschrötige schüttelte seine Locken, wie ein Löwe feine Mähne, schwang seinen geladenen Ziegenhainer und sprang Witten in den Knäuel hinein und fieNg an, die 'Köpfe und Rücken der.Pglermitaner so gründlich, zu bearbeiten, als sei er ein Haarkräuslev. oder - ein Gerber. - Die zwei: anderen waren durch die Hasse nachgebrochen und hieben?,mm?:auch-- auf den verdutzten KWuel /in,. schimpften aus deutsch und..italienisch auf das, rohe Volk/ünd .während -dev erste-in seiner- Arbeit sortfuhr, nähmew die MW/äWM den Jlchen näter den. Arm pnd^ zogen.-ihn Seite 7. aus dem 'GeMmnel heraus. Das feige- Volk hätte sich bald verlaufen/ und der Vierschröter kam schweißtriefend näch. ״Das war einmal was für nnsereinen," rief er lachend. ״so was Passiert einem nicht alle Tage aus diesem Stern. — Nun Alter״, sagte er zum Juden, ,,vergesst, lvas Emh das Volk gethan, - und sagt ltiis Eure Wohnung,' wir werden Euch escortieren." . ׳ . .. / - Der alte Mann wusste sich 'nicht \0,‘. Helsen - vor beugungen und Dankesworten und frngdann: schüchtern,, ob. die Herren auch Inden wären, dieweil sie so an ihm gehandelt. Da schlugen die drei ein Helles Lachen auß--?^Mytz?-.,tieber Alter, Inden sind wir nicht, aber Christen lind Mejffchen. lirch darum soll Euch kein Leid geschehen." . .. ׳' . Der Jude schaute sie verwundert an. noch nreho'aber, die vor ihren Häusern kauernden Leute im schmützigen Jndenmerteh : als sie den Alten inmitten der drei blühenden deittscheu Jümp- : linge sahen.. ״Sie haben mich gerettet von den Gojims!" ries s der Alte unanshörkich,;,und sind selber Gojims!" Endlich waren sie am Hanse, Schwarzäugige, schmutzige! Kinder sprangen heraus und an dem Alten: hinauf, küssten ihn ,und zupften ihn am Bart, es waren seine.Enkel. Mer angstvoll ■ kam die alte Gattin heraus mit ihren großen Kindern. Sie hatte ° ihren Mann schon verloren gegeben, als er über die Zeit ausblieb. .In, Kurze erzählte er, was ihm begegnet war, während sich die Künstler das Treiben anfchanten. Sie sahen, -wie das ' Auge des großen Sohnes flammte, wie das des Judas Makkabäus, als sein Volk geplagt ward-— aber als-der Alte :dann ans die drei deutete (denn sie verstanden kein Wort von dem allem), da drängten sie sich herzu und küssten die Hände .: der Fremdlinge, unaufhörlich, bis endlich dem Vierschrötigen die? Geduld riss und er ans deutsch rief: ״Lasst doch die Dumm-? heiten bleiben," was die dankbare. Familie freilich ebenso wenig verstand, als wenn er gesagt hätte: ״Behüt Euch Gott, auf - Wiedersehen, ein andermal wieder, recht gern, weun's noththut!"! . Die Drei gingen ihrer Wege, froh und leichten Herzens> wis ein Mensch, wenn er seine Pflicht und Schuldigkeit gethan : hat, und noch lange hallten ihnen die Segenswünsche ans dem : Jüdenviertel nach. .; Die Geschichte hatten sie bereits vergessen, wie man das allerwege 1Hun und sich nichts embilden soll. Nnr in das Kaffeehaus waren sie bei Abend nicht gegangen, von wegen der Stockprügel, die sie. ausgetheilt. Es schien ihnen nicht gerade geheuer, weil der Italiener, wo er mit dem ehrlichen Stock nicht vorankommt, es mit dem hinterlistigen Dolche versucht: Sie sahen sich Palermo mit seinen Herrlichkeiten des Weiterest ' au und kamen nach 14 Tagen wieder in das Kaffeehaus. Es dauerte nicht lange, da sahen sie in Begleitung dreier hochgewachsener junger Leute einen Greis im Turban und Kaftan auf sie zukommen. Es war der Alte, den sie heransgehauen hatten. ״Gelobt sei der Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs"; rief der Alte, ״dass ich Euch finde". Seit vierzehn Tagen bm ich jeden Tag hieher gekommen, Euch zu suchen und zu danken. Aber ich fand Euch nicht und konnte nur beten, dass Adonai segnen möge den Fremdling, der Gutes gethan an Israel und selber nicht aus Israel ist. Ich. habe nicht viel, Euch zu geben, aber ich habe gehört, dass Tedesco (der Deutsche) raucht wie der Muselmann über dem Wasser. Aus der Heimat — und die Fremde ist bitter — habe ich noch drei Pfeifen, sie sind echt, Ihr könnt es mir glauben, nehmt sie. Mehr habe ich nicht, was euch freuen kann. So oft Ihr rauchet, gedenket daran, dass Israel nicht vergisst,- was man ihm Gutes, thut." Dann hob er noch einmal segnend die Hände über die Drei und gieng, ohne den Dank abzuwarten, von dem Tische weg. ״ Die Drei schauten dem Alten nach, dann ans die Pfeifen und Jeder ans den Änderen, und keiner sagte ein Wörtlein. Was aus den Pfeifen der beiden Anderen geworden ist, weiß .ch nicht. Meines Vaters Pfeife lag im Pulte verschlossen.?Nun kam sie mir doppelt ehrwürdig vor, und ich begehrte nicht mehr, sie zu rauchen. Aber von jener Zeit hieß sie bei uns die Toleranzpfeife. Und die kann Jeder rauchen, sogar ohne Türkenkops und Wasserschläuch." . Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitnng: