Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieitung. Nr. 1. Seite 5. Diesen Lews ben Chabib, der in Jerusalem die maß-׳ gebendste Persönlichkeit war, für sein Vorhaben zu gewinnen, war Berab allerdings bemüht. .Er ließ ihm ein Dokument zustellen, in welchem er, ihm aiizeigte, dass er kraft seiner Autorität als Oberhaupt des neu constiluirten Synhedrion ihn. zum Richter ernannt habe. Obwohl Ben Chabib früher einmal sich selber geäußert, dass, die Erneuerung der alten Semieha ein dringendes:Bedürfnis der Zeit sei, lehnte er jetzt doch das Anerbieten Berab's entschieden ab und gab in unzweideutiger Weise zu verstehen, dass er sich m seiner Ehre und Würde verletzt fühle, dy man es unterlassen hatte, ihn als Ober- Rabbiner von Ierus alem zu respectiren und seine Zustimmung zu Berab's Ernennung zum- Syuhedrialoberhaupte zuförderst einzüholen. Es. entspann sich in Folge dessen eine heftige. Polemik zwischen.:beiden in Palästina anerkannten und hochverehrten rabbinischen Alltoritäten. Ben Chabib machte dem Berab zum Vorwürfe, dass er sich . nur deshalb für . die. Creirnng einer religiösen Centralbehörde in Safet begeistere, weil ihm hiedurch Gelegenheit gebotell werden könnte, seinen Ehrgeiz itnb seine Herrschsucht befriedigen zn können, während Berab wieder keinen Anstand nahm, Ben Chabib an sein ehenialiges Scheinchristenthum zu erinnern. Diese Anspielung auf seinen ehemaligen Religionswechsel verfehlte nicht, auf Ben Chabib. einen höchst deprimirenden Eindrrrck zu machen. Er wurde in Folge deffen so sehr erbittert, dass er gegen Berab keine Rücksicht mehr kannte, ihn auf die schmählichste Weise verletzte, ohne seine Stellung, seine hohe Gelehrsamkeit wie seiil vorgerücktes Alter nur im Entferntesten zu achten. In seiner Erbitterung gieng er so weit, dass er öffentlich erklärte. Berab nimmermehr von Angesicht 311 Angesicht sehen zu wollen. Sein einstmaliges Scheinchristenthum jedoch entschuldigte er mit . seiner Jugend und betheuerte, dass es ihm sonst weder an Muth noch an Einsicht gefehlt hätte, um das Feuer des Scheiterhaufens dem Wasser der Taufe vorzuziehen. (B. Chabib Resp. 328.) Der Umstand, dass die beiden hervorragendsten rabbinischen Autoritäten Palästina's feindselig gegen einander in die Schranken traten und im heißem Kainpfe der Meinungen die nöthige Ruhe des Urtheiles und des Gemüthes verloren, hat dazu beigetragen, dass Berab's sehnlichster Wunsch, die alte Ordination (Semiclia) wieder einzuführen, nicht sofort verwirklicht werden konnte. Nichts desto weniger war der von Berab ordinirte R. Josef Karo, der nach dem erfolgten Tode seines Lehrers Berab dessen Nachfolger im Amte wurde, eifrigst bemüht, die Ordination, die Berab einmal eingeführt, ohne dass sie die Sanction erhalten hatte, aufrecht zu erhalten. Josef b. Efriam Karo (geb. 1488, gest. 1575), der in seinem zartesten Kinderalter mit seinen Eltern aus Spanien exilirt wurde, war der würdige Sprosse einer achtbaren, durch Gelehrsamkeit und hohe Tugenden hervorragenden Familie. Frühzeitig schon wurde er von seinem Vater R. Efraim im Talmud unterrichtet und da er eine besondere Vorliebe für das Studium der Mischna zeigte, ist es kein Wunder, dass es ihm, der von der gütigen Vorsehung mit ungewöhnlichen Geistesgabeu beglückt war, gelungen ist, den ganzen Text der Mischna auswendig zu erlernen. Als feine Familie Spanien zu verlassen , gezwungen war, wählte sie.Nicopvlis zu, ihrem Domicil. Später jedoch verließ Josef Nicopvlis und wählte Adrianopel zum!Schauplatzseiner Thätigkeit. Hier: erregte׳ seine immense talmüdische Gelehrsamkeit ungewöhnliche Sensation, und schaarenweise strömten die wissbegierigen Jünger herbei und lauschtenmit gespanntester Aufmerksamkeit seinen Vorträgen. In Adrianopel hat er auch sein epochales Werk ״Bel Josef•4, eine äußerst treffliche Erläuterung der vier Turim des R. Jacob Ascheri begonnen. Die Vollendung dieses vorzüglichen, in Fachkreisen hochgeschätzten Werkes nahm, wie er selber angibt, zwanzig Jahre 1522—1542 . und die nochmalige Revision desselben 12 Jahre seines Lebens in Anspruch. Nach einiger Zeit übersiedelte er von Adrianopel nach Salonichi, wo er sich aber nur wenige Jahre aufhielt, dann wählte er die von so vielen Gelehrten und und Kabbalisten bewohnten Stadt Safet zu seinem neuen Domicil, wo er bis an sein Lebensende verweilte. In. Safet lag, er seinen Studien im Lehrhause des Ber ob, dessen Schüler er sich nannte und von dem er auch die Ordination erhalten und zum lünftigen Synhedrialmitgliede designirt wurde: Ms Berab das Zeitliche gesegnet, wurde er, Karo, zu deffen Nachfolger im Amte ernannt. __ (Schluss folgt.) Kleine Chronik. Wien. Dem k. k. Hofweinhändler. Handelskammerrath und Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Herrn Wilhelm P 0 l l a k. wurde der belgische Leopoldorden verliehen. Die gleiche Auszeichnung wurde auch dem Commerzialrath und Händelskammerrath Herrn Hermann R 0 biLsek zn theil. — Der Kaiser hat in Anerkennung der um beit Oesterreichisch- Ungarischen Hilfsverein in London erworbenen Verdienste dem Präsidenten dieses Vereines, Ernst S chiff, den Orden der Eisernen Krone dritter Classe taxfrei, ferner dem Ehren- Almosenier desselben Vereines, Sigismund Pollitzer in London, das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens verliehen. ׳ Wien. Sonntag, den 20. Dezember fand die Neuconstituierung des Wiener Cultusvorstandes statt. Herr Gustav Sjmon, der als ältestes Mitglied den Vorsitz führte, wurde bei. der Wahl des Präsidiums einstimmig zum Präsidenten dev Cultusgemeinde gewählt. Ebenso einstimmig erfolgte die Wahl des ersten Vice-Präsidenten, wobei sich fämmtliche Stimmen auf den Kammerrath und kaiserlichen Rath, Herrn Heinrich Kling er, vereinigten. Bei der Wahl des zweiten Vice-Präsidenten trat eine Meinungsverschiedenheit zutage. Herr Dr. Gustav K 0 h n, der für diese Stelle designiert war. hatte in einer Vorbesprechung mit aller Bestimmtheit erklärt, die Wahl nicht annehmen zu können, und befürwortete die Wahl des Herrn Dr. Alfred Stern. Eine andere Gruppe von Vorstehern wollte Herrn Baurath Wilhelm Stiaßny ins Präsidium wählen, wogegen der Präsident die Wahl eines Juristen wünschte. In diesem Widerstreit der Meinungen gab Herr Baurath Stiaßny folgende Erklärung ab: ״Es hat vor einigen Tagen in unserem Sitzungssaale eine private Besprechung stattgefunden, an welcher fast alle Vorstandsmitglieder theilgenommen haben. Trotzdem bei einer vorgenommenen Probewahl eine, wenn auch kleine Majorität der Stimmen auf mich entfiel, sehe ich mich veranlasst, aus mehrfachen Gründen dermalen auf eine Wahl zum Vice-Präsidenten zu verzichten." Hierauf wurde Herr Dr. Alfred Stern mit 18 von 24 Stimmen zum zweiten Vice-Präsidenten gewählt. Bei der Eonstituirung der Sectionen wurden zum Obmanne für die Finanzsection Vicepräses kais. Rath Heinrich Kling er und zu seinem Stellvertreter Herr Moritz Hirsch gewählt; für die Bethaussectiön Herr Josef H i e l d b u r g h äu s s e r zum Obmann. Herr Architekt Max Fleischer zum Obmann-Stellvertreter; für die Unterrichtssection Herr Landesschulrath Dr. Gustav Ko hu zum Obmann und Herr Dr. Maximilian S t e i n er zum Obmann- Stellvertreter; für die Rechtssection der Bice-Präsident Dr. Alfred Stern zum Obmann und Herr Dr. Adolf Stein znm Obmann-Stellvertreter; für die Wohlthätigkeits-Section Herr Banrath Theodor Ritter v. Gold schmidt zum Obmann und Herr Salo Cohn zum Obmann-Stellvertreter; für hie Friedhofsection Herr Baurath Wilhelm Stiaßny zum Obmann und Herr Dr. Josef Grünfeld zum Obmann-Stellvertreter.