Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/1304829-3453397-3453398--4717-3459208- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seile ס IV Gestexreichisch-nngaxische Lantyren-AeitunA nHDprechen die Schnlkiiiderstufe nicht übersteigend, hie aber im Puilkte^deZ'Wmgens Hd in der Auffässunb ihreÄ j'eweitgen GesangsmMve.s-.einell ׳-׳Gottbegnadeten Geistesreichthum an den Tag h:gew^:Jst das-: schon^.beiMr-tzmfaHer^-Sokofingen. und bei der Wiedergabe eines x-beliebigen Recitatipstückes nach A?gebekeM. Ptnster der Fall, so hören wir zuweilen mit wachsendem Staunen denselben Mann in einer ad lihituin behandelten Gesangsweise yeMiljsendaWllllder an mydulatorischer Kunstfertigkeit verrichten. Hah:dieser Maun.wie graduelle Tonverwandtschaft je im Leben stndirt^ ahnt er unhewnsst die Stromwindungen eines regelrechten . Die .Pharisäer-, so genannt nach dem heör. Wort hielten streng nicht .mir die schriftliche Lehre Moses, sondern auch, die m ü ndlich e, die zumeist von Moses und seinen Nachfolgern empfangenen Erklärungen — O'V'NS, dm den lohten Buchstaben des geschriebenen Gesetzes beleben. Diese Erklärungen finden sich setzt im Talmud, und ihr erster Vertreter war der Schriftgelehrte Esra 45Gt>., ein zweiter Moses, der dem Volke die heilige Schrift erklärte; Die Pharisäer lebten im Allgemeinen höchst religiös-sittliche sie wirkten, uneigennützig für die Religion Quarten- und Qinntencirkels?./■ Mit nichten. Die gütige Natur, die ihn. als fertigen Säyger schust hat, ihm auch Astes gegeben, was.- dem Tone.-- tönenden-,Zauber, verleiht. Ein, gutes Gehör wiegt mehr alsein Centn er Musiktheorie^ - . -;:־ v: Der rechte Cantyr hat mit einem Coneertsänger nur wenig Aehnlichkeit; -.Stehgreifsingen. schön. und - gediegen, weich undgeschmeidig,- ist des Cantors ^.Ixha und OrnsAa; die kunftsinnige Wiedergabe eines Liedes, einer Ballade, der geberdenreiche Vortrag von Arien und Kanzynen, das Um und Auf eines geschätzten, Salonsängers. Wein .das Chasonus allein altz.-Steckenpferd».dient, der kennt den Pulsschlag der Chasonim nicht; wer seine Stelle will zu Gnmde singen, der erreicht es sicher, wenn er dieser halti'dUa-mäßigell Kunst seine ausschließliche Ailfmerksamkeit zuwendet. Stellung werbende Fachgenossen und jene, die solche, seit Kurzem oder von lange her schon besitzen, wissen, gleich Allen von! Cantoreustande, dass man 111.it einem L’cho dodi, Adonoj moloch, Haschkiwenu und "^,schomru kinderleicht einen Posten sich ersingt, mit einem 1111b Mögen Owos hingegen, und wären sie von׳ welcher Leistling immer, nur selten oder niemals. Das unterliegt eben so wenig einem Zweifel, wie die Thatsache, dass, wer als Gastfnnctionär mit seinem Probevortrag an! Freitagabend einen Dnrchschlagserfolg nicht erzielt, der wird diese erlittene Schlappe mit dem ungleich wichtigeren Vortrage am Sabbathnwrgen nur selten wettmachen. __ (Schluss folgt.) Pädagogische Aphorismen. aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Bon Israel Singer, autor. Rabbiner, Religionsprofessor am Obergtzmnasium zu S. A. Ujhely. (Fortsetzung) Nachdruck verboten. Diese naive Mitlheifung Wscha's enthält wohl bedeutllssgsvolle Wiilke fiir die richtige Beurtheilung der socialen Stellung und religiösen Denkweise seines Vaters, und wir können hiedurch mH zu einem abfälligen Schluss über seine verfehlte Jugenderziehlsng g'elangem Aber zilin Nachweise, wie diese Wechte Erziehung in seinem späteren Alter auch zu seiner religiössitMchen Entartung führte, müssen wir für picht fachmännische Leser Einiges über die damaligen traurigen Berhältniße der religiösen und nationalen Parteien vorausschicken. Mir bitten unsere geehrten Leser und Leserinnen um mehr Geduld als bWer, hg wir uns beim besten Willen nicht allzu kurz fassen können. 1 " . Zur Zeit der Makkabäer bis nach der Zerstörung des 2. Tempels (2M. v. bis 70 n.) gab es unter den Jyden, UonWs m Zerusglem, drei religiöse Haupfpartesen, die sich sM?r noch in mehrere Parteien theilten: 1. Me Pharisäer, 2. die Sädducäer und, 3. hie Es sä er. und das Volk Israeli und ertheilten für. dessen häusliches, sociales, religiöses und staatliches Leben die besten Normen, von. dellen viele noch heute die Säulen des wahren Judenthnms bilden. Aber manche unter ihnen waren nur äußerlich fromm,, scheinheilig, diese wurden -von den würdigen Pharisäern getadelt: und, mit dem Spottnamen ״ צבועיםGefärbte" gebrandmmkt. Daher gilt noch jetzt der Name ״Pharisäer" für einen Scheinheiligen, gerade so, wie man gewöhnlich für einen unwürdigen Juden a l l e Inden beschimpft. Nur solche scheinheiligen Pharisäer tadelte Jesus oft in seiner Aufregung, denn er war ja auch Pharisäer, hielt zumeist ihre Vorschriften und sprach zum Volke, dass sie auf dem Throne Moses sitzen, darum soll man ihre Anordnungen befolgen. (Matth. 23. 2—3.) Auch der Apostel Paulus rief: ״Ich bin ein Pharisäer, auch der Sohn eines Pharisäers und Schüler eines Pharisäers. " (Apg. 22. 3 u. 26. 5.) Die Pharisäer lehrten die Unsterblichkeit der Seele, wie auch Belohnung und Bestrafung nach dem Tode und die Auserstehnug. ״Diese Welt gleicht einer. Vorhalle für die künftige Welt. Bereite djch in der Vorhalle, damit du in den Palast, ins Jenseits eintreten könnest." (Ab. 4. 16.) ״Wer sich am Rüsttage in dieser Welt vorbereitet, der wird am Sabbath im Jenseits genießen." (Sabb. 73.) Dennoch vertraten sie die Ansicht, dass der Mensch auch die Güter dieser Erde mäßig, innerhalb der Vorschriften des mosaischen Gesetzes, genießen solle. ״Nach den Vermögensverhältnißen soll man wohnen, sich und seine Familie kleiden." (Br. 55.) Wer sich die nöthigen Genüsse versagt, der ist ein Sünder." (Nedor. 8.) Die Pharisäer waren stets zahlreich und besaßen wegen ihrer großen Tugenden, wie auch wegen ihrer Geselligkeit die Sympathie des Volkes. Alle in den ״Sprüchen der Väter" vorkommendeu Sitten- und Weisheitssprüche sind von ihnen. Die Sadducäer-Zedukim, angeblich nach dem Name» ihres Stifters, der Zoduk oder Zadik geheißen haben soll, oder, weit sie sich für Fromme, ״Zadikim", hielten, beobachteten blos das schriftliche Gesetz. Aber die Tradition, das mündliche Gesetz, verwarfen sie, ebenso auch den Glauben an Belohnung und Bestrafung im Jenseits, wie auch die Auferstehung und die Existenz von Engeln. Sie waren niemals zahlreich, aber eine sehr mächtige Partei. Zu ihr gehörten zumeist Reiche, die oft die Staatsämter inne hatten. Sie waren stolze, hochmütige» hartherzige, ja zuweilen grausame Leute, und dabei Lebemenschen, die niemals die Sympathien des Volkes besaßen. Die Tödtung Jesu und seiner Apostel bewirkte ein sadducäisches, aber kein pharisäisches Gericht. Die Sädducäer waren schon deshalb Feinde Jesu, weil er die Unsterblichkeit der Seele nachdrücklich lehrte, die sie leugneten. ״Da stand auf der Hohepriester und sein Sadducäer-Anhang und waren vyll Esser und legten Hand an die Apostel. Aber ein Pharisäer, Gamaliel, ein vom ganzen Volke geehrter Volkslehrer, wehrte, die Apostel zu tödten, sondern befahl, sie frei zu lassen." (Ppostelg. 5.17. u. 34, 23. 6.-10.)