Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 30 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite A Gesterreichisch-ungarische Lan1oremZei1ung7 Nr.- 30. . ׳ -. Allen Ernstes gesprochen: Was soll ünificirt werden und was als fortwirkend für Zeit und- Dauer : gelten? Wer will das''«! ein verstäudüches Deutsch formuliren, was einer tagenden Cantorenversammlung demnächst an Fragen von , logischer Casulstik vorzulegen sei? Noch kennen wir den Nigun Steinthals uichtundauch nicht die Richtlinie nach welcher sein Forschüngstrieb hinneigt. -Ebenso wenig ist der praktische:Zweck: absehbar, den Singer für seine Steigertheorie -herauszuschlagen gedenkt. Dem vermeintlichen oder wirklichen Alterthum des jüdischen Synägogengesanges wird nicht ein I-Tüpfelchen mehr Zuwachsen, wenn wir das prähistorische Tonleitersystem Singers als vollberechtigt ansehen, oder wenn wir so thuu, als sängen wir in neumodischen Tönen altjüdische Lieder; dem deröuten Liedcrwesen, als Leidweseu unser Aller, kann nur die Zeit als Lehrstau oder ein nachgeborenes Geschlecht, das wir nicht kennen, Hilfe bringen. Wird der Mgun Steinthals zur Vollreife gelangen, sei es auch nur, um die Gattung aus der Gattung ableiten zu können, wird das Lachen und Greinen, das Seufzen und Jauchzen, das Singen und Sagen dahiugegangener Geschlechter zu uns in der Lapidarschrift eines tiefgründigen Geschichtswerkes mit urkundlichen Notenbeilageu reden, stt disu, dann werden wir mit rurs zu Rache gehen, wie und in welchen Stücken wir es den Alten am besten nachahmen. Und noch Eins will im Kreise dieser Betrachtung einbezogen werden: Steinchal. und Singer sind Persönlichkeiten grundverschiedenen Berufes. Schon die Lebensstellung allein deutet die Richtung ihresexclusiven Tätigkeitsfeldes an. Historiker und Cantor, Bibliograph und Fachmusiker mögen wohl miteinander, schwerlich aber füreinander arbeiten; das dem Problem beiderseits zugewendete Interesse kann also bestenfalls nur ein relatives sein. Unpolitisch und wahrhaft verftüht wäre es indess, ein abschließendes Urthell über den Zukunftsnigün Steinthals schon jetzt zu fällen. Mit Versuchen zur Vereinfachung des Synagogengesanges sind wir reichlichst gesegnet. Vom Chasönus angefangen bis zur Psalmodie mrd quer das freie Recitativ hindurch, den rhythmischen Gesang - nicht: ausgenommen, ist Manches und Vieles dem Zeitgeist nachgebildet, der Augenblicksnoch, der wir Alle ausnahmslos Rechnung zu trägen bemüssigt sind, entsprungen. Der Ehrwürdigkeit des Altgesanges thut es keinen Abbruch, wenn wir die Schnörkeln und melismatischen Zerrbilder in Grad- und Krummstriche auflösen, das Motiv indess, zumal im Grundzuge, ungeschoren lassen. Jeder Cantor, in des Namens würdiger Bedeutung, thut dies auf eigene Faust, oder er zieht in zweifelhaften Fällen jene mustergiltigen Werke zu Rache, die ihm fürs Geld zu Gebote stehen. Wer sich gerne will berauschen am rüden Schaumweine, der da perlt in Zitiertropfen, in schlechten Trillern und Mordenten, spectakulirend in Rnudlaufen, überall und nirgends recht anknüpfend, dem wird immer zu helfen sein; gerade oder ungerade, die Rechnung wird immer stimmen. Hör' einmal, gut Freund? Ein Volksmann, wie du,, wird doch seme Pappenheimer kennen : Kennst du den Schamsche, den Scheftel auch, den Gütkind und den Bösenkopf? Hast du jemals das unglückselige Glück gefjafct; mit allen vieren, mit dreien oder auch auch nur mit zweien dieser Sonderkujone zu-arbeiten, von chrem: Steuergulden zu zehren undihnen vorzusiugeU? ׳ Das sind' .Hauptsäulen - der. 7 allermeisten:Landkehillos; der. - Paskener, der Waal tMa, der Mewin mid MüMritikäster i bildeil ndaselhst LäsAch und ' Wchdes .abziehenden ׳und U!ew einkehrenden Cantvrs. Sobald der Liebesrausch der ersten. Flitterwochen verflogen,, das schöne ׳ Ponim, die imp.onirende :Gestalt, -ders schlagende Trick des Stimm- und Sangesgewaltigen. nicht mehr: verfangen, recktdieses. Gelichter sein Medusenhaupt leewärts), kommt dies es Vierblatt korporativ, auch einzelweis e - mit freund-- schastlichen Winken: herangehumpelt. Es ist unthünljch,׳ Leute dieses Schlages zu brüskiren; Steuerzahler, Balbatim,: Orts-: einheimische und Stadtmewinim haben immer einen Schippet Anhänger, hinter sich, 7 die gierig darauf. lauschen, was ׳ die Meraglim flüstern. Ihnen, vor den Kopf zu stoßen, ist nicht minder gefährliche als. ihren Rathschlägen blinden Gehorsam zu schenken. Ein bischen.׳ Tücke und -verstecktes Uebelwollcn schaut immer dabei heraus, wenn-sie den i,Wezidkos'chä" auch noch sä offenbarlich zu oberst kehren. Des Cantors ׳ Kunst, ist ihnen Hekuba, ein Blümel-Blamel, Singel-Sangel, womit man keine Katze vom Ofenlockt. -Macht er einen Lapsus im LeieneN, ist er ein A-B-C-Schütze der Jwre, ein sattelschwacher Reiter in den Tempelminhagim, so ist das Wasser auf der Mühle der Paskener.. Damit allein ist des Jammers nicht genug, das Hauptelend rückt nachgerade Schritt um Schritt näher da kommt der Rosch-haschanoh, der Jom - hädin, und hinterdrein der Jom-kipurim und der Sükkoth. Nebst: dem Chasönus. ortsüblicher Färbung gibt's da eine Auslese von Volksliedern, Melodien üncontrolirbarer Herkunft, von Terach-s Zeiten allhier verpflanzt, und auch solche, neueingebürgerten Charakters. Wehe, wenn der Cantor es unterlässt, sie sp Herzuleiern, wie es Schamsche und Scheftl, Gutkind und Bösenkopf meinen, und doppelt wehe, wenn er sich unterfängt, sie ins alte Gerümpel zu werfen und statt ihrer Melodien von ״allgemeiner Volksbeliebtheit" einzuführen! Das Gelindeste, das ihm passiren kann, ist, dass die Kehilla ihr Urtheil in dem drastischen Sprüche zusammenfasst: ״Der soll lieber Stiefel machen, statt den Leuten weißzumachen, er sei ein Cantor!" Dieser verbohrte Atavismus eines engbegrenzten Anschauungskreises reicht weiter, als es glaublich erscheint. Langgestreckte Gebiete, weite Gemarkungen unterschiedlicher : Kehillos umfasst er mit seinen Fangärmen, dadurch allein gekennzeichnetdass er überall in anderer Frazzengestalt uns entgegengrinst. ' ׳ (Schluss folgt.) R, Chafdsi Crrsrss und K. Jsak den SchesiheN Eine biographische Skizze von Dr.- M. H. Friedländer. 77,7:7,'^7- 7 ü. '. 7'?..- - . 7 - Ein Zeitgenosse und treuer Freund Chasdai's war R. Jsak b. Scheschet (Ribasch), geb. 1310, gest. 1406. Charakterfestigkeit, Seelenadel, Herzensgüte und strenge, wahrhafte Religiosität waren die Tugenden und Eigenschaften,, die ihn zierten und schmückten. Sein Hauptlehrer war R. Nissim Gerundi, ״Ran״ genannt. Gleich jenem zeichnete auch er. sich durch eminente talmudischeGelehrsamkeit und großen Scharfsinn aus, nur. Perhorrescirte er das Studium der prosauen Wissenschaften, während sein Lehrer blos der Kabbala, nicht aber anderen Wissenschaften abhold war. Jsak b. Scheschet gelang es bald, die Aufmerksamkeit - seiner Glaubensgenossen auf sich zw lenken. Die sehrgeachtete Gemeinde Saragossa ernannte ihn zu ihrem Rabbiner. Später: wurde ihm, von der Gemeinde Calatojud der Antrag׳ gemacht,.׳.das m :ihrer Mitte v acantg ewordene Rabbinat :Mzunehmen-!M׳ Mhm:-Msoweuiger Mlstand-7-diesenZAvirag7:zu ncreptften, ,Mwhm: gerade- .daMUMn:5,MgenMMWchstgen Gegnern ׳?;in: Maragossa UnalmehmMkeitem^Kereitet^Muxhm^