Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 29 (1.12.1896)
- Date
- 1896-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/1304829-3453365-3453394--4690-3459179- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. Gesterreichisch-üngarische Lantoren-Aeitung ÜKr: 29: Marcus W. Mendel, B. Henry Rothschild, Henry Solomon und Samuel Untermeyer. Adolphus S. Solomons würde als Ehren- Mtglied des Wenden ComitSs elegirt. ./"" Der Dämen-Hilssgesestschäft wurde für ihre thatkräftige Mitwirkung der Dank der Versammlung äusgedrückt, ebenso der ״Zunge Damen- und Herren-Ligä". ' Außer für die in der Anstalt weilenden Patientei!/wurden noch für 1500 anderweitige Hilfesuchende Recepte ausgefertigt. A. TtzsfdN Lrrscas und K. Issk den Scheschet. Eine biographische Skizze von Dr. M. H. Friedländer. Chasdai L. Abraham Crescas aus Barcelona würde.1340 geboren. Bon seiner Jugendgeschichte ist uns sehr wenig bekannt. So viel ist gewiss/ dass ihm frühzeitig die Pforten der jüdischen Litteratur und der profanen Wissenschaften erschlossen wurden, und dass er seines Scharfsinnes wie seiner hohen Gelehrsamkeit wegen sich gar bald, eines bedeutenden Rufes erfreute.. Er verfasste ein ausführliches religionsphilosophisches Werk unter dem Titel ״Das Licht des Ewigen" (0r Adonai), in welchem er in treffücher Weise die Grundprincipien der Religion beleuchtete und erörterte. Dieses: Werk enthält folgende Artikel: ' Das Dasein Gottes, des Einig. Einzigen, die - Allwissenheit Gottes, seine Unkörperlichkeit, seine Vorsehung, die Willensfreiheit des , Menschen, der Zweck des menschlichen Daseins, die Weltschöpfung aus Nichts, die Unsterblichkeit der Seele, die Belohnung und Bestrafung, die.Auferstehung, die Ewigkeit der Thora re.. Chasdai, der später in Saragossa domicilirte, nahm seiner.: seltenen Geistesgaben wie seines ׳ edlen Charakters wegen;.qm ׳ Äniglichen Hofe eine höhe Stellung ein und wurde von seinen/, Glaubensgenossen hochgeschätzt und׳ gefeiert. Selbst von franzö-׳! fischen Gemeinden wurde er als hervorragende Autorität' besonders verehrt und gewürdigt, daher er von ihnen, als dort' ein Heftiger Streit um das damals in Erledigung gekommene! Qberrabbinat ausgebrochen war, angegangen wurde, als Schieds.-." richter in dieser Angelegenheit Zu interveniren. "Bevor wir diesen Streit näher beschreiben, müssen wir zur Charakterisirung der damaligen Zustände folgendes vorausschicken: Nachdem einige Fahre früher ungeheure Heuschreckenschwärme und schreckliche Erdbeben heillosen Schaden angerichtet hatten, brach 1349 der ״schwarze Tod" ans und versetzte alle Welt in Angst und Furcht. Genuesische Kauflente hatten die Pest aus dem Oriente nach Europa eingeschleppt, Unwissenheit/ der Aerzte, verkehrte Maßregeln der Regierungen waren die größten Bundesgenossen der verherenden und zerstörenden Seuche. In Wien starben an einem Tage 1200 Menschen an der Pest? Mch unter den Juden hatte sich der schwarze Fürst der Schatten recht viele Opfer geholt. Da sie jedoch ihres mäßigen, religiösen und moralischen Lebenswandels wegen verhältnismäßig weniger von der Pest ergriffen wurden als die Christen, so kamen viele christliche Fanatiker auf den unglückseligen Gedanken, die Juden hätten die Brunnen und Quelle!! Vergiftet, um das Christenthnm/ völlig ausrotten zu )können Dieses und ähnliche lügenhafte' Mäpchen wurden überall verbreitet, und eine astgemeine Jitdensch'lächterer war hie natürliche Folge.derselben. Gänze Gemeinden haben sactifch zu sein aufgehört. In ' Wien entleibte sich die ganze Gemeinde in der Synagoge auf Anrcithen des Rabbiners R Jona. In Krems rottete ' sich' der Pöbel der Stadt und der ' benachbarten'Orte zusammen. erschlug die Juden/dräntz in ihre" Häuser'iiiib'plünderte nach Herzenslust. /Nur diejenigen, die sich in die Burg, wo der Befehlshaber v.' Maißen ihnen Schutz gewährte, stüchten konnten, entgiengen' der Gefahr. Zunz schilderte diese traurige, verhängnisvolle Zeit in folgender Weise: ״Die große Epidemie, welche 1348 bis 1350 das mittlere westliche Europa entvölkerte, hat über die Juden von Thüringen bis Cätalonien und vornehmlich über die Gemeinden voi! Elsaß, Schwaben, dem Rheinkreise, der Schweiz, Piemont und Provence entsetzliches Unglück gebracht, gegen welches das der Kreüzzüge klein genannt werden darf? Die Gelegenheit, dem Judenhasse und der Räubsncht zugleich zu fröhnen, war zu lockend, namentlich für die schwelgenden Junker und Reichsstädler, für verschuldete Mönche und liderliches Gesindel aller Art: Die Rathsmitglieder? von Basel/ Freiburg, Straßbürg, der Herzog von Schwaben, der deutsche Kaiser waren zu ohnmächtig gegen Barbarei und tausendjährig gepflegten Fanatismus. Ihre eigenen ausschließenden Gesetze hatten Israel wehrlos gemacht, und gegen Wehrlose , gibt es kein Recht, gegen Verachtete keine Menschlichkeit. Das Geschrei erhob sich, dass die Juden die Flüsse und die Brunnen vergiftet, und ward von Judenfeinde!!' genährt, denn ״Pfaffen und Pöbel hatten das gleiche Interesse, ihre Schulden durch Flammen zu tilgen", wie Ulerich bereits vor 86 Jahren sagte. Und mau marterte so lange, bis' die Gefolterten sich zu allem bekannten; der größte Unsinn ward geglaubt zu einer Zeit, da die Wissenschaft noch nicht nöthig hatte, umzukehren. Am 15. September 13.48 würde in Chillon am Genfersee gefoltert. Da bekannte der Wundarzt Balavigny :aus Thönon, dass ihm Magister Jacob ans Toledo, als er in Chambery gewesen, eine Portion Gift in einem ledernen Beutel gegeben, auch Briefe an mehrere von ihm? genannte ׳ Juden'/ sowohl er als andere hätten dieses Gift in die verschiedenen Brunnen geworfen u. s. w. Natürlich. wurden alle namhaft gemachten eingezogen, gefoltert und zum Geständniße gebracht: es wären noch acht Männer und"',eine Frau. Das:Volk wüthete, ohne irgend eine Verhandlung abzuwarten, mit Feuer und Schwert, vernichtete die Schuldverschreibungen und theilte sich in die Beute." (Synagogale Poesie S. 40.) . Am meisten haben um diese Zeit die Juden Deutschlands gelitten. Sie wurden dort auf die falschen Gerüchte hin in allgemeinen Blutbädern hingeschlachtet. Nur denjenigen, die die Taufe annahmen. war man geneigt, das Leben zu schenken, allein von der Taufe wollten nur die wenigsten hören? und Tausende und abermals Tausende zogen das Feuer dem Wasser vor. Ein Zeitgenosse Baruch klagt.: , Wir Haben gesündigt schwer! Zu den Brunnen läuft ein boshaft Heer Legen uns einen Hinterhalt, . Um dann zu überfallen mit Gewalt. ' - ' ״ldift", sie schreien^ ״ist im Wäffer,;; : Das habt ihr Ungläubige, Hasser, : - u : Hincingeworfeu, uns zu verderben; ' ' Bleibt ihr Juden, iniistt ihr sterben." ׳ Sic selber legten in die Gerälhe . ׳.N Uns, was nicht sie, was uns tödtete. . . . Und das Gift, das nnfindbarc,? :; Machte das.Getränk, das nntrinkbare: c:;;;-:? Zu einem Meer von Thräue.n . ׳ Deinen treuen Söhnen;;־ : : :: Israel gieng durch die Fluth, .: -? Die sich verwandelte in Blut, . . . ז ׳ ‘׳ ' ׳ ' ' Und aus den Fluthcn n:: , •־׳■•-'-־;־׳■ •־ ■׳־ : : :;i. Fiel cs in;die M.uthen. - . ־!-:־ .- . ׳ .; . Edle wurden angebunden, il:. ':^ : Sie sollen Gott verrathcn; יי׳■-}'־?׳ ׳ :;?tEs:lpard, kein.Mann..undkeine Frau gefunden- ׳ ,. Die. enigewilligt in so verruchte Thätcn. ' י""'"''" י יי v':/ ■iJ' ' (Syn. Poesie/ ibid.)' "