Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 28 (21.11.1896)
- Date
- 1896-11-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Tacte bis zur Höhe der musikalischen Steigerung bei den Textes-- ' worteu dswLÄsos IöÄsÄio «rsrlsv. zu folgen und sich zu überzeugen, wie jeder Tact durchdacht, wie jedes Wort musikalisch ausgestaltet, wie lebenswarm die Harmonien vertheiltwie die zumeist obligate Orgelbegleitung das Ganze festigt, wie es aber auch allenthalben von heimlichen Schönheiten spuckt, Schönheiten, die wie hingeworfene Zufälligkeiten erscheinen, die Wir jedoch um keinen Preis vermissen möchten, und wie das Ganze sich dann als ein wirklich ideales Kunstgebilde vorführt, aus Herzenstiefe stammend, auch unseren Sinn, unseren Geist fessele Wie schade, dass der Jubelruf bei bema’asse jodeebo aranen nicht auf der Höhe der ersten musikalischen Illustration austönt! Musste der Abstieg in die Niederung erfolgen? Das hierauf folgende Cantor-Recitativ Mali gödlu, wie das spätere Li binne ojeweeho tritt schon etwas anspruchsvoller aufals das früher bei Mab towu sich vorfindliche. Am Beginne, mit Rücksich t auf den etlvas leidenschaftlich erregten Schluss, zwar in derselben Tonart, doch überaus ruhig einsetzend und Ln der Singstimme bis zum dritten Tacte aus einen Ton Gis sich bewegend, treibt die Orgelharmonie unaufhaltsam vorwärts; selbst die im dritten Tacte auftreteude Cis-dor־ statt der erwarteten Ois-uroll-Harmonie bekundet die gleiche Unruhe, weil die betrachtende Textesphrase noch nicht beendigt ist. Dieses Vorwärtsdrängen des Tongedankens ist hier vom Componisten in wirklich genialer Weise bewerkstelligt; wäre im dritten Tacte beim Worte adonoj die als Paralleltonart erwartete Ois-üroll- Harmonie ausgetreten, so würde zuvörderst im dritten Tacte ein unberechtigter, dem Wortinhalte gemäß unmöglicher Ruhepunkt verzeichnet und weiter durch Nichtanwendung der großen Terz Eis, das euharmonische E, welches zur Vermittlung der im vierten Tacte beabsichtigten E-dur-Harmonie unumgänglich uöthig ist, unmöglich gMiacht. Es sind ja nur 6 armselige Tacte vom Worte Ma godlu. bis vaaeb'sobvossobo, aber welch' reiche musikalische Thätigkeit wird hier in dieser Modulation von E־dur nach E-dur und zurück nach E-dar bekundet! Die Singstimme, die eigentlich gar keine bedeutsamen Evolutionen aufweist, wird durch die Mannigfaltigkeit der Accorde gleichsam zur Bedeutung emporgehoben, und die prägnant verzeichnete Orgelbasis macht es selbst dem ungeübtesten Blattleser möglich, die etwas schwer-- füßigen Intervalle leicht und mühelos zu treffen. So löst eine Schönheit die andere ab, und so könnte mau noch lauge, angesichts der gebotene» künstlerischen Details, verweilen und genießen, wenn es den Rahmen dieser Besprechung nicht.überschreiten würde. Darum verzeichnen wir nur noch, dass der weitere Verlauf der vorliegenden Nummer mit den gleichen musibrlischen Absichten ausgestattet ist und ungemein wirkungsvoll abschließt, indem das melodische Grundmotiv, wenn auch in anderen Tactwerthen, wieder zu Worte gelangt. '־ Mch ein Wort über die verschiedenen, in dem Werke verzeichneten Weschom’ru. Hier documentiren sich am deutlichsten die von Kirschner durchgemachten, mannigfachen Phasen seine Lehr- und Wanderfahrt Vom a capella- Weschom’ru, wie derComponist ihn aK Kind ln Beuchen mitgesungen, bis auf den mit Orgel- Legleitung, Kuustchvr und Cantörsvlv, wie er sie in der Berliner großen Synagoge׳ gehörtsind die mannigfachsten Abstufungen und Süle vertreten, in Nr. 14 Und 15 sogar Anklänge an Steiger*)' benützt, fo dass die Mannigfaltigkeit des Gebotenen *) Bezüglich des Weschom’m Nr. 15 behalten wir uns eine specielle Besprechung vor. ־ *; sicherlich für Jeden eine liebe Gabe bringen wird.. Es bietet ein erhebendes Bewusstsein, dass die Worte der Ältvvrderu hier ' auf einen ergiebigen Boden gefallen, und dass die zweite Getteration solche in ernster Arbeit und strenger Lehre herangereifte Epigonen zeftigte, die zu den kühnsteii Erwartungen und deren Arbeiten zu den schönsten Hoffnungen berechtigen, Mögen die nachfolgenden ArbeitenKirschner/sanintteremKnnstwertheden in dem vorliegenden 1. Hefte gebotenen Arbeiten gleichen; mögen aber dieselben auch bei den israelitischen Cantoren den ihnen vollauf gebührenden Anwerth finden, auf dass diese erhebenden Klänge zum Preise und Lobe Gottes in den jüdischen Bethäusern ׳ ertönen. In diesem Sinne geben auch wir ihnen unser Geleite hinaus iws Leben und empfehlen dieselben auf's Wärmste und Herzlichste. ' ׳ ' . M."sWir erlauben uns für minder Eingeweihte auf einige entstellende Druckfehler hinzuweisen. S. 9, 2. Partiturzeile, 3. Tact, ist im Sopran vis zu singen, während im Baß v festlleht, unseres Erachtens muß es ln, beiden Fällen v heißen. Seite 20, 1. Zeile, 2. Tact sollten im Sopran die 2 gebundenen Achtel nach dem Jmitationsgedanken der vorhergegangenen Melodie nicht ois-äis sondern ois-8 heißen, wie cs ja auch in der Orgelstimme angedeutet ist.) ' Die Stellung der Israeliten und der Juden;u den Fremden?) Bertholet ist aus der Schule der modernen Bibelkritik hervorgegangen und hat in seinem umfangreichen Buche ein ungeheures Material zusammengebracht, um die Frage zu ׳ beantworten, warum es nicht dem Judenthum, sondern erst dem Christenthum gelungen ist, fich die Welt zu erobern? Die Antwort lautet: weil die Juden von der Beschneidung nicht lassen wollten. Allerdings könnte man die Antwort billiger erhalten, wenn man das fünfzehnte Capitel der Apostelgeschichte; durchliest. Nachdem im Capitel 13, 46 erzählt wird, dass Paulus sich erst dann entschlossen hat, die Heiden zu bekehren, nachdem ihn die Inden ansgelacht haben, erfahren wir aus 'Cap. 15, dass man den Heiden nach längerem Streit die Beschneidung als Hindernis zur Bekehrung erlassen musste. Aber auch der lange Weg oder Umweg, auf dem uns der. Verfasser zum Ziele führt, wäre nicht vergeblich gemacht, wenn es ein Weg der Wahrheit wäre. Dies ist jedoch bei weitem nicht der Fall. Weder beherrscht der Verfasser das Gebiet vollständig, noch ist er zuverlässig in den zahlreichen Citaten der Secündärquellen. Man ist nie sicher, ob nicht das Original, gar anders lautet, oder nach dem Zusammenhänge einen geradezu entgegengesetzten Sinn hat. Der Verfasser ist offenbar nicht imstande, einen unpunktirten hebräischen Text oder gar die) Raschi-Schrift zu lesen, musste sich daher auf die Secundärquellen verlassen und förderte so gar manchen Unsinn zu Tage. Man müsste ein ebenso dickes Buch schreiben, um alle unbe-' gründeten, unwahren und und imsinnigen Behauptungen richtig zu stellen. Nur Einiges sei zu Jllnstrirnng hervorgehoben. Seite 84 schreibt B.: ״Es ist nicht uninteressant, dass gerade an diesen Punkt (Gen. 35, 2, fünd reiniget euch)) spätere rabbinische Auslegung den Ursprung der Proselytentaufe glaubte anknüpsen zu können,"׳ — dazu die Anmerkung: Aben Esra in׳ Danzii, Cura Hebr. 2c. 1— Wäre nun B. imstande, Jbn Esra nachzuschlagen, so hätte er gesehen, dass Nichts Derartiges sich findet! Aber auch von Texten, die dem Verfasser jedenfalls zu-׳ ״ (**Die Stellung der Israeliten und derJüden zu den Fremden."- Von Lic. Alfred Bertholet in Basel. Bei Mohr, Freiburg i. B. 7 Mk "? Seite 4. Oesterreichisch-ungarische Lantyren-Zeitung Nr. 28, componisüscheu Einzelheiten dieses Tow l’bodos vom ersten