Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. ®efterreid^ifc^riuigarifd^e €attfocen־gßiti1h^. staMn Maße bezüglich der Ausübung der durch die Vatup her Suche vorgeschriebenen persönlichen Liebesthätigkeit kundzugehen, und hegM wirÄlleden lebhafte!! Wunsch, dass der vom Vorstaube an die Mitglieder ergangenen herzlichen Bitte, auch nach , jener Richtmig hin ihr bekanntes, gutes Herz zu zeigen, allerseits bereitwilligst entsprochen wird. Die Einnahmen . des Vereines haben durch Mehrergebniße in fast allen Positionen einen Ueberschuß gegen die Ausgaben von M. 709,71 erbracht, wozu noch M. WO als besondere Zuwendung eines Mitgljedes kouunen. v — Der stellvertretende Synagogenvorsteher, Herr CoMmercienrach Gottfried H erz f eld und seine Gemalin, eine Dichter des verewigten Herrn Landrabbiners Dr. M eye r, begiengen am 25. October das Fest der silbernen Hochzeit. Unzählbare dem Jubelpaare von asten Seiten geword ene Geschenke legen Zeugnis davon ab, in welchem hohen Maße sich Beide die Liebe und Verehrung ihrer Mitmenschen zu erwerben verstanden. Rufen auch wir den Genannten den herzlichsten Glückwunsch zu, fassen wir denselben in den Worten zusammen, dass es dem Paare gegönnt sein möge, auch die goldene Hochzeitsfeier im freudigen Kreise lieber Verwandtschaft, bei Gesundheit , des Körpers und Geistes zu begehen. Herr Coimnereieurath Herzfeld spendete bei diesem freudigen Familienfeste 1000 Mark für jüdische Arme und 1000 Mark für christliche Arme, — Schon lange hegte man im Schoße der Gemeinde' den Wunsch, auch den an den hohen Festtagen im hiesigen Concerthanse abznhaltendeu Gottesdienst durch Chorgesang zu verherrlichen, und wenn selbst in den letzten Jahren in dieser Beziehung ein Schritt weiter gegangen wurde, indem man die gebräuchlichen Gesänge durch einstimmigen Chor zum Vortrag bringeil ließ, so bedurfte es doch der bewährten Kraft des durch feine Thätigkeit als Leiter des stets sich kräftig weiter entfaltende» Neuen Hannover'schen Männerchors bestens bekannten Herrn Obercantors Linhardt, um die Sache zu einem geregelten Ganzen zu vervollständigen. Genannter Herr wurde deshalb auch dazu ausersehen, einen gemischten Chor, bestehend aus jungen Leuten und Knaben, heranzubilden, welcher sich der schwierigen Aufgabe gewachsen zeigen sollte, die zahlreichen Piäcen, die in der Hauptsyuagoge zu Gehör gebracht werden, selbst vor einem größerem Publikum, in der Hilfssynagoge (erstere wurde von 1200, letztere von 900 Personen besucht) zu absolviren, Herr Linhardt hat das in ihn gesetzte Vertrauen zn rechtfertigen gewusst, das bewiesen die ihm von allen Seiten wegen der Vortrefflichkeit der Gesangsvorträge zu Theil gewordenen Anerkennungen, in denen selbstverständlich die des Gemeindevorstandes die erste Stelle. einnahm, welch' letzterer in einem liebenswürdigen Schreiben seinen und der Gemeinde- Mitglieder Dank für Herrn Obercantor Liuhardt's Thätigkeit als Lehrer, für den Gleiß des Dirigenten an den Festtagen, Herrn Wolf, sowie nicht mmder für die warme Hingebung der Sänger in ihrem freiwilligen,, mühseligen Dienste ausdrnckte. Doch auch ein sichtbares Zeichen seines Wohlwollens ließ der Synagogen- Vorstand allen Betheiligten zu Theil werden in der Form eines: am Simchat-Thora Abend im Hotel:Falk abgehalteneu Essens, bei welchen: er selbst durch die Synagogenvorsteher Herrn S. Ostpenheimer Md Herrn S, Neuberg vertreten war. Herr Syuagogenvryffteher. Samu Neaberg, der als Sachverständiger in die Chor-EommisstM gewählt war und auch den Sanges- Übungen. fleißig beiwohnte, hob in -großartig gefasster :Rede die Verdienste des Herrn Obercantor Linhardt, des Herrn Wolf und der Sänger hervor, dankte denselben wiederholt und sprach dy! MWsch.'E,..EchtLMerhm:• an den hohen Gesttagdn die schönM Weis«: der Säugeshrüder ertönen zu hören, welch': letztere unter AusWMdMg:von Zeit und Kraft es dähjttMbracht > haben, als Wtwirkende an der Verherrlichung des . .GvttesdiMtch. angesehen werden - zu-können. Nach der - Rehe des, Herrn Ueubepg wechselte ein Toast den anderen, alle in schöner! FyM! gesprd'chen,. ab. Die -Muze FestlichM verlief, zur ZuftfHeuheit. fämmtllcher: Theilnehmer. die. davon / überzeugt. wjMM hass, die Hannover'sche Gemeinde wahre Verdienste %uh wÄdigen weiß. Nr. 26? WaufAzuu. . Monsignor F la v i a u, der Erzbischof vo Warschau, inspicirtedie Kirchen des Gouvernement Kal ׳ empfieng in Kolo eine Deputation der dortigen -Juden1 -׳ ihm eine hebräische- Bibel im Manuscript. ans Seide geschriebeir und kostbar eingebunden, überreichte.. Gerührt dankte der Erzbischof: ״Ich danke - Ihnen von ganzem Herzen für den warmen Empfang. Die! Bibel ist uns so heilig wie Euch, sie ist es,׳ die Christen und Juden geistige Nahrung gibt. Ich weiß, dass Ihre Lage jetzt eine sehr traurige ist, aber ich hoffe, es werden bessere Zeiten kommen, . Möge unser aller Gott Euch segnen, möge er Euch Euere Sorgen erleichtern und Euer Leben weniger schmerzensreich gestalten." " Nrw-Hork. Ein interessantes Schauspiel bot während der letzten Feiertage der Gottesdienst der Juden in Fordham. Sie hatten zwei Chasonim und eine Chasante. Diese leitete förmlich den Gottesdienst bei den Frauen, wie es ihr Mann bei den Männern that und schien Melodien und Gebete so gut zn verstehen wie ihr Ehegspons. Das erinnert an die Alt- Neuschul in Prag, die wegen ihres weiblichen Chasän sich einstens großer Berühmtheit erfreute. Dieser pflegte vonZeit zu Zeit den Vorhang zu lüften, der die Frauen von der Männerabtheilung trennte, um sich zu vergewissern, bei welchem Gebete sie hielten. Feuilleton. Zapoi, der Zigeuner. Geschichte aus Numäuien, mitgethcilt von Ncv. Osi as Hochglück. Die Rumänen sind ein heimathstolzes Völkchen. Von, dem Flusse, an dem Bukarest liegt, sagen sie : ״Die Dimbovitza führt süßes.Wasser. Wer davon getrunken hat, geht nimmer; fort." Im Rumänischen bildet das einen naiven Vers, in welchem sich ״dulce" auf ״duce" reimt. Wie die Versform, so hat auch der Sinn des Satzes einen kleinen Haken. Im Anfang leibet der Fremde, der Deutsche'zumal, ganz fürchterliches Heimweh, das vielleicht daher kommt, dass er das berühmte Wasser blos in filtrirtem Zustand trinkt, wobei die einheimelnde Kraft mit anderem überflüssigen Bestandtheilen in dem reinigenden Sandstein znrückbleibeu mag. Ist Einer aber erst eine Weile dort gewesen, so geht er wirklich nur schwer wieder fort aus dem sonderbaren Lande mit seinen wunderlichen Sitten und Menschen. In den Zeiten, da ich noch am Heimweh litt, gieng ich gerne den Zigeunern nach; das Schluchzen ihrer Geigen und das tiefschmerzliche Stöhnendes Eontrabasses sprachen stimmnngsverwandt zn meinem Gemüth, und der gellende Ton der Pausflöte, die in die wehmüthige Streichmusik schrill hineinpfeift, versinnlichte mir die rohe, feindselige Welt, von der ich mich abgestoßen fühlte. Besonders gerne saß ich in der Restaurätiune Jordache. Dort spielte allabendlich der berühmte Zapoi, der mit seiner Bande gar schon in Paris war und dort Ruhm und Tausendfrancs-Billets erntete, Zapoi, über den das Wort umgeht: ,/Alle Zigeuner stehlen; Marin und Wlad stehlen einem die Börse aus der Tasche, Zapoi aber, der Satansjunge, der stiehlt das Herz , aus dem Leibe." Diesen Zapoi sah ich unverwandt an, während ich in meiner Ecke saß, dem Singen und Klingen der Geigen lauschte, in das die. Pansflöte. der Fluer, gellend hineinpfiff, ׳und zehnjährigen Dragaschäner Wein dazu trank. , Zapoi war aber - auch :ein interessanter Zigeuner. Recht wie ein -altägyptischer Jüngling fäh er aus. Ein feingeschnittenes Gesicht, Stirn und Nasenrücken in -einer Linie laufend, Augen wie. schwärze Diamanten, bröncefarbige HäNt, wildlockiges, Haar. Und wie alles-lebte/und bebte äN dem jungem Menschen, wenn er geigte oder sang ---. er hatte einenpr uchtvollen-Tenor von der weichen einschmeichelnden Art; die/ man die.lyrische nennt- — znnial wenn erdas!alte Revolutionslied der:Wallachen sang/das;,vestsapte t6, Il.0m3.r16!" dann zuckte wilde Leidenschaft. in dein bräunen-Gesichte, die -schwärzen Augen sprühten .Blitze und. die Hünd bälltesi'chum den Geigenhals,:als wär's ein Schwertgriff. ׳y