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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-11-01 · Heft 26 (1.11.1896) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 26 (1.11.1896)
Date
1896-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 GesterreWsch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite 2. M'MUsWCends, es Maren Wenig MM!M arale, nahm ich mein ganzes, damals noch ,sehr, lückenhaftes Rumänisch ' zusammen und rief den Zigeuner zu mir haran. ,,Deine Herrlichkeit mag hier Platz nehmen und ein Glas Wein mit mir trinken!" ' ■־: "׳■; ‘ \ Er sagte dem zweiten Primgeiger ein paar Worte, legte! seine Violine aus der Hand und kam mit einer eleganten Verbeugung an meinen Tisch. - ״Mögen Eure Herrlichkeit gesund und glücklich!leben", sagte er, indem er sein Glas salutirend gegen .mich .hob, ehe er es'an den Mund setzte. ' ״Deine Herrlichkeit desgleichen. Du bist ein großer Meister im Gesänge' mit der Geige und mit dem Munde." ״Ich küsse die Augen Eurer Herrlichkeit. Eure Herrlichkeit sind zu gütig. Ich! bin Zigeuner, das ist meine ganze Kunst. Die Musik ist die Spräche Derer, die da leider?, und wir Zigeuner haben öiel gelitten." . Ich . sah ihn überrascht an. Der Gedanke schien mir etwas feinsinnig für einen Zigeuner. Dann sagte ich: ״Ich weiß, die Rumänen verachten Euch — Zigan ist ein Schimpfwort in ihrer Sprache. Und doch singt Deine Herrlichkeit gerade ״Erhebe Dich, Rumäne!" mit so vieler Gluth?" ״Ja. Aber ich denke dabei: ״Desteapte te, Zigane!" Eure Herrlichkeit sind ein Deutscher und ein Autor, Ihnen sage ich das, was ich einem Anderen verschweigen würde." ״Deine Herrlichkeit mag sicher sein, dass ich dieses Vertrauen nicht -missbrauchen werde. Wie aber stellst Du Dir diese Erhebung der Zigeuner vor? Ihr seid ja so wenige." ״Ich denke ja in meinem Herzen auch nicht an die Waffen. Aber sehen Eure Herrlichkeit die Juden an. Sie sind nicht minder verachtet als wir . und sind groß gewachsen im Lande. Warum? Sie haben das Geld. Nun, wir haben die Musik, und. die Musik ist mehr als das Geld, das weiß ich, der Zigeuner Zapoi, dem die Bojaren die goldenen Napoleons hinwerfen für eine Hora oder eine Doina. ..." -׳־׳ Er schwieg und sah mit verzückten Augen vor sich hin. Ich'füllte׳ sein'Glas nach und fragte daun: ׳ ^Wie aber willst Du's durchführen, Zapoi, die Zigeuner durch die Musik groß zu machen? Ihr singt ja schon Jahr- Hunderte lang! mit dem Münde und der Geige und dem Cimbel und? Mit allen Instrumenten, ׳die der liebe Gott hat erfunden werden lassen,'und seid die armen verachteten Lautari geblieben. Des abends' werfen sie euch goldene Napoleons hin und die Noten ׳ der Banca Romana, bei Tage aber treten sie Euch mit Füßen! und speien Euch an, wenn Ihr ihnen nahe kommt.״ U ״Lernen müssen die Zigeuner," antwortete Zapoi, ״französisch sprechen, inglesisch und deutsch . . . und nach Noten singen, nach Notep, das ist die Hauptsache! Ich war in Paris, ich, da Hab? ich's gesehen, und hier in den Concerten im Athenäum war ich' auch, da war's ebenso. Wenn Einer Musik macht nach Noten,! und - wenner viel weniger kann als Einer von uns, dann werfen! sie ihm Blumen und Kränze, und gar der König redet mit ihm, und die weißen Bojarentöchter sehen ihn mit Augen an . . . oh, mit Augen . . . und dann fährt er im Wagen zu Capsa, wo die Bojaren.speisen, und sitzt mit ihnen am Tische und ist angesehen, als wäre er ein Herr General in der Armata oder noch was Höheres. 7— Aber die Zigeuner sind ein faules Pack und Wollen die Noten nicht lernen. Abends spielen sie nach dem Gehör.,und tagsüber schlafen sie, oder rauchen, oder laufen den Mädels nadj' ein faules Pack, die Zigeuner! Aber sie sollen lernen müssen. Ich will es haben, und ich werde sie zwingen.". - Er stand auf, fasste sein Glas, und leerte es wieder äitf mein gesundes . und glückliches Leben, dann verneigte er sich und. gieng. wreder zu den Collegen zurück, .die schon anfiengen, ihre Jnstruweilte. zusammenzupacken, w obei sie in ihrer: rauhen, bellenden Sprache mit einander: schwatzten. '! In der. Folgezeit kam ich seltener zu ^zordache. Mit?den Fortschrftten, die׳ ich in der Sprache machte, erschloss sich mir dieMesellschaft?immer mehr und mehr, zudem? kam! die schönes Jahreszeit heran, vomPukarest/zubrachte,/der?Hausse^ über Land benutzte. Dann wurde es heiß, und in der heißen Zeit geht Alles, was nur irgend über Zeit und Geld dazu verfügt, nach Sinaia, der pittoresk schönen Sommerresidenz hoch oben in den trattssylvanischen Alpen, die aus einem Walddorfe in einer Villenstadt geworden ist, seit Königin Carmen Sylva ihr Schloß Peflesch hineingebaut hat in die wafferdurchbrauste Schlucht. Als es wieder Winter wurde, fuhr ich einmal des Nachts die Dimbovitza entlang. Der Nordwind pfiff, die Straße war finster und menschenleer, nur die wilden Hunde huschten als׳ fahlgraue Schatten durch-das Dunkel. Da stöhnte es von der nahen Kirchhofsmauer herüber, leise, leise und unendlich schmerzlich, wie ein todtwunder Mensch stöhnen mag. . Was ist das? Halt, Kutscher, Halt! Mein Birsar aber drückte die Pelzmütze tiefer iMs Gesicht und hieb.wie besessen auf die Pferde. Er fürchtete sich offenbar vor dem Gestöhn an der Kirchhofsmauer. Ich musste ihm drohen, ich würde ihn nicht bezahlen und obendrein der Polizei übergeben, wenn er nicht gehorchte und umkehrte. .Ich sprang aus dem Wagen und gieng zu Fuße voraus nach der Stelle, von der das verdächtige Geräusch gekommen war. Da lag ein Mann, regungslos . . . neben ihm eine Geige — ein Zigeuner also. Wir Hoden ihn in den Wagen und sichren nach dem Nächsten Hospital. Als wir bei einer Straßenlaterne vorüberkamen, erkannte ich ihn dem Bewusstlosen meinen Freund Zapoi und sah, dass er verwundet sein musste. Seine Kleider waren voll Blut. Ich übergab nieinen Schützling, der noch immer nicht zur Besinnung kommen wollte, dem Nachtdienst habenden Arzte des Spitals, bat ihn, die polizeiliche Anzeige zu erstatten und fuhr dann nach Hause. Des anderen Morgens begab ich mich nach dem Kranken- Hause, um nach Zapoi zu sehen. Der lag schon in der Morgue. ״Heute früh um vier Uhr ist er gestorben, der verrückte Zigeuner/׳ sagte der Arzt, an den ich mich gewendet hatte. ״Warum verrückt?" ״Er wollte die Zigeuner dazu bringen, fremde Sprachen zu lernen und nach Noten zu geigen. Zudem hatte er ein .Verhältnis mit einer Christin aus der Vorstadt, der Mahalloh, und wollte sie heirathen. Das alles haben ihm die verfluchten Heiden übel genommen, und so haben sie ihn todtgestochen als einen Abtrünnigen und Verräther. Er war gerade so lange bei Besinnung, dass er das alles zu Protokoll geben konnte, dann starb er. Die Polizei sucht jetzt die Mörder. Am besten hienge man die ganze Zigeunervorstadt; sind eine verdammte Brut, das sieht man wieder an dem Schicksal des. armen Zapoi." Ich zuckte die Achseln. ״Als ob es anderwärts den Reformatoren besser gienge," sagte ich und gieng nachdenklich meiner Wege. Soeben erschien die zweite, vermehrte und verbefferte Auflage des ״H and b uches f ür C a n t 0 r e n und C uktusbeamte" מנהגים לש״ץ von Cantor Salomon Münz in Tur.-Szt.-Martou. Dieses alle Functionen in- und außerhalb der Synagoge umfassende Nachschlagebuch muß vermöge seiner Reichhaltigkeit und praktischen Anordnung jedem Eultusbeamten, dem Anfänger wie dem erfahrenen Functionär äußerst willkommen sein. Als musikalische Beilage enthält das Buch zwei Chöre von Obercantor M. Sonntag in Temesvar, mit deutschem und ungarischem Texte, welche.bei Confirmationsfeierlichkeiten aufgeführt werden können. Wirerfurhrn die grrhriru Herren Abyu-;neritrn, die. ihnen, ü^rmMelten PoW-EHMM ÜW Postanweisungen;ne Einsendung dA lMrfeudW MbonnemestteGetragrs und die eventuellen MMstände baldigst zu berrutzen. " '!??..-.ד־;׳:־..׳״״־:■׳:".; Hie AedueHMN -

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