Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 26. Wien. Der vom Vorstande der israelitischen Kinderbewahr-Anstalt in Wien erstattete 53. Jahresbericht constatirt zunächst mit Genugthuuug,dass der Gesundheitszustand der Kinder im ab gelaufenen Berichtsjahre, in welchem in die Anstalt 290 Kinder ausgenommen wurden, ein äußerst günstiger war, so dass, während zahlreiche Schulen der Leopoldstadt wegen ansteckender Kinderkrankheiten in einzelnen Abtheilungen durch Tage, mitunter durch Wochen, geschlossen werden mussten, es in der Anstalt nicht ein einziges Mal nöthig war, zu dem Mittel der Schließung zu greifen. Der Bericht schildert sodann die am 8. December 1895 in den Räumen der Anstalt abgehaltene Trau'erfeier für die am 9. Juli verschiedene Präsidentin der Anstalt, Sophie Freifrau von Todesko, welche dem Vorstande seit 1843 angehört hatte und im Jahre 1888 nach dem Tode des verewigten Gründers, des Hrn. Josef Ritter v. Wertheimer, Präsidentin der Anstalt wurde. Director Fischer widmete der edlen Dame bei dieser Trauerfeier folgenden Nachruf: ״Was sie in den 48 Jahren ihrer Wirksamkeit geleistet, ist auf jedem Blatte der Geschichte dieser Anstalt verzeichnet; wie sie ihre Persönlichkeit für das Gedeihen und Aufblühen derselben eingesetzt, davon sprechen die Steine unseres Hauses, das Hauptsächlich ihrem mächtigen Einflüsse seine Entstehung verdankt. Wie erstrahlte aber auch ihr mildes Antlitz, so oft sie diese Räume betrat, wie erfreute sie sich an dem munteren Treiben der Kleinen, an deren sichtbarem Fortschreiten und ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung!" Hieran schloß sich die Enthüllung des von dem akademischen Maler, Herrn Ludwig Michalek, mit Meisterhand, geschaffenen und mit einem mächtigen Lorbeerkranze geschmückten Oelbildnißes der Verewigten und eine Danksagung der Frau Hofräthin Gomperz Namens der Familie der Verewigten an den Vorstand für die Trauerkundgebung und für die Widmung des Bildes. Frau Hofräthin Gomperz gedachte gleichzeitig auch einer anderen Verblichenen, der langjährigen unermüdlichen Directorin der Anstalt, Frau Josefine Fischer^ mit Morten, tiefster Wehmnth . und innigster Rührung. Der. Vorstand hat sich auch veranlasst gefühlt, die Verdienste der dahingeschiedenen Directorin der Anstalt durch Widmung einer photographischen Aufnahme zu ehren. Die durch das Ableben der Präsidentin und die im Vorjahre erfolgte Resignation der Frau Jda v. Guttmann im Vorstande entstandenen Lücken gaben Veranlassung zur Neuconstituirnng des Vorstandes, bei welcher Frau Rosa Schiff zur Präsidentin des Vereines gewählt wurde, und zum Eintritte der Frauen Charlotte Freiin v. Königswarter, Jella Freiin v. Oppenheimer und Monika Mayer-Goldschmidt. An namhaften Spenden haben de^ Anstalt zugewendet: Frau Amalie Löwenstein geb. Freiin v. Todesko 1000 fl., Herr Leopold Auspitz 200 si.. Herr Leopold v. Lieben 200 st. Herr Paul Schiff 200 fl., Herr Richard v. Lieben 100 si. Frau Maximilian Reizes 100 fl., Herr Leopold May 100 fl. Von Seite der Verwaltung der Stadt Wien sowie der Direktion der ersten österr. Sparcassa wurden der Anstalt auch Heuer wieder Subventionen im Betrage von je 200 fl. bewilligt; ebenso hat das Polizeipräsidium das gemeinnützige Wirken der Anstalt durch Zuwendung eines Jahresbeitrages anerkannt. Durch ein Vermächtnis des verstorbenen Herrn Med. Dr. Emanuel Bunzel sind der Anstalt 600 Kronen zugefallen. Dem langjährigen, hochverdienten Director, Herrn Albert S. Fischer, der mit dem Schluffe des Schuljahres als Leiter der Kinderbewahr- Anstalt in den Ruhestand getreten ist, widmet der Vorstand die wärmsten Worte des Dankes für seine aufopferungsvolle und hingebenoe Thätigkeit. Gleichzeitig mit dem Director schied aus der .Anstalt auch dessen Tochter, Fräulein Rosa Fischer, welche in den Jahren 1893 bis 1895 als Kindergärtnerin und nach dem Tode ihrer Mutter als Leiterin der Anstalt fnngirt hatte. Zum Nachfolger des Direktors wurde dessen Sohn, Herr Max Fischer, bisher städtischer Lehrer in Wien, berufen'. Die mit der Kinderbewahr-Anstalt verbundene, mit dem Oeffentlichkeitsrechte : versehene erste Privat-Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien wurde im abgelaufenen Schuljahre von 14 Schülerinnen besuchtvon denselben gehörten׳ an : 7 dev katholischen, 7 der israelitischen Confession. ..Auf Grund der Schlussprüfung erhielten 12 Candidatinnen sehr gute Befähigungs¬ Seite 5. zeugnisse, 2 die Erlaubnis, sich am Beginne des neuen Schuljahres der Reparaturs-Prüfung aus einem Gegenstände zu unterziehen. Am 21. September ist das neue, 29. Schuljahr mit 20 Schülerinnen eröffnet worden. Wien. Ein Ausschußmitglied einer neucreirten Cultusgemeinde in der Nähe Wiens stellte in der letzten Sitzung den famosen Antrag, dass man ihn zum Schulinspector für den Religionsunterricht an den Volks- und Bürgerschulen ernennenmöge, welches Amt der akademisch geschulte Rabbiner mit allem Nachdruck versieht. Vergebens wurde ihm von fachmännischer Seite vorgehalten, dass er kaum correct hebräisch lesen könne, demgemäß auch keinerlei Eignung zum Jnspectorat besitze, und von anderer Seite betont, dass sein Eindrängen in die Schule keinen anderen Zweck verfolge, als jeden einzelnen Cultusbeamten ganz im Geiste Strobach-Lueger zu terrorisiren, trotzdem gelang es ihm durch ebenbürtige Stimmen, eine Majorität für seinen Antrag zu Stande zu bringen. Der dortige Ortsschulrath hat jedoch die ihm zur Kenntnisnahme unterbreitete Ernennung dahin erledigt, dass nur dem Bezirks-Seelsorger die Jnspicirung des Religionsunterrichtes an den hiesigen Schulen wie bis allher freisteht. Wien. Bei der am 15. d. M. vorgenommenen Neuwahl des Ausschusses des isr. theol. Vereines wurden folgende Mitglieder in den Vorstand des Vereines gewählt: Präses: Herr Fro st; Bice-Präses: Herr Hoch; Casfier: Herr Rosenzweig; I. Schriftführer: Herr Keßler; II. Schriftführer: Herr Juß; Ausschußmitglieder die Herren Zwick, Segall und Rudolfer. Prag. Der Tempelgesangverein in Karolinenthal, welcher zum Zwecke hat, den Gesang im Allgemeinen und insbesondere den Tempelgesang im Tempel zu Karolinenthal zu pflegen und für die Erhaltung des Tempelchores in Karolinenthal zu sorgen, hat sich bei der am 4. October 189b stattgefundenen General- Versammlung nachstehend constituirt. Obmann: Herr Josef Bung; Obmann-Stellvertreter: Herr M. 11. C. Wilhelm :B.emanef; Schriftführerr Herr JIIDr. Heinrich Fischer; Cassier: Herr Richard F a n t a; Archivar: Herr Friedrich E n glande v; Ausschußräthe die Herren Jacob Engländer und Emil Rosenberg; Ersatzmänner die Herren Moriz Spiegel und Siegfried Klein; Revisoren die Herren Rudolf Fischer und Carl L a g u s. — Als gründende Mitglieder mit dem Gründungsbeitrage per 25 fl. sind Herr Ignaz Kallberg, Cultusvorsteher in Karolinenthal, und Herr Samuel Kallberg. Kaufmann in Karolinenthal, beigetreten. Der Mitgkiedsbeitrag flir beitragende Mitglieder beträgt 2 fl. jährlich. Ausübende Mitglieder wollen ihren gefälligen Beitritt bei dem Ausschüsse aumelden. (Unwillkürlich drängt sich uns die Frage auf, ob denn in Karolinenthal kein Cantor ist, dass er bei Gründung eines Tempelgesangvereines vollkommen übergangen wurde? Die Redaction.) MAHr.-Ostrau. Unser rühriger College, Herr Obercantor Adolf Türk in Mähr.-Ostrau, hat in seinem Buchdruckerei- Unternehmen eine bedeutende Vergrößerung durch Neuadaptirung von Fabriksräumen und Aufstellung neuer, dem Zeitgeiste entsprechender Maschinen vorgenommen. Derselbe hat sich insbesolidere auf die Fabrikation und den Handel von Reclameartikeln und Erzeugnißen von feinen Chromos geworfen. Einen eigenen Zweig seines Geschäftes bildet der Druck von Bildern nach jeder eingesandten Photographie. Dieselben unterscheiden sich von der gewöhnlichen Photographie dadurch, dass sie viel billiger und da dieselben in den feinsten Oelfarben gedruckt find, auch nie verblassen kömien. Wir können den Herren Collegen diese Anstalt bestens und wärmstens empfehlen. Hannover. Der wegen seines segensreichen Wirkens weit über den Rahmen feiner Thätigkeit hinaus rühmlichfi bekannte Wohlthätigkeitsverein (Ghewra. Kadischa) der Synagogen-Gemeinde Hannover versendet soeben seinen Rechenschastsbericht, aus welchem hervorgeht, mit welchem lebhaften Interesse man in unserer Stadt den Zwecken des genannten Vereines dient, wenn es heißt, seinen Obolus zur Unterstützung des letzteren auf materiellem Gebiete z» opfern. Leider scheint sich nach den Ausführungen des Berichtes die innige Mitgliedschaft zu diesem segensreich handelnden Gemeinbunde nicht in gleich Gesterreichisch-üngarifche Lantoren-Aeitnrrg.