Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Oesterreichisch-ungarische Lgntoren-Zeitung Nr. 26. darin, dass es nicht auf eine so vernünftige.Mutter, wie die des R. Chanina, angewendet wird, die ihrem Sohne frühzeitig eine physisch und moralisch vortreffliche Erziehung angedeihen ließ. Auch war der Sohn, von dem wir hier ausführlich sprechen werden, ein ganz anderer, als der früher gezeichnete R. Chanina. Obwohl auch er ein hohes Alter erreichte, rühmte er sich doch nicht, dass er in Folge der von feiner Mutter empfangenen guten Erziehung im Alter von 80 Jahren auf einem Fuße zu sichen, vermochte. Er schwankte frühzeitig und siel von einem hohen Berge, auf den er sich durch seine Kenntniße schnell emporgeschwungen hat, in eine tiefe Grube: meigre romo, lebikoh emikfce. Er ist zügellos geworden, wie der Talmud (Chagiga 13) sagt, jozo letarbis rooh. Talmudkundiae Leser wissen wohl, dass wir hier von dem einst geachteten, ja höchst berühmten Gesetzeslchrer, aber nachher verachteten und berüchtigten Gesetzesverheerer Elischa b. Abuja, der später Acher hieß, sprechen wollen. Diesen noch jetzt räthselhaften Mann benützten berühmte Autoren zum Helden ihrer Schriften. So Gutzkow in seinem ״Uriel Acosta" und Dr. Letteris in seinem hebräisch bearbeiteten Göthe'schen ״Faust", den er ״Eüscha b. Abuja" nannte. Beide habe ich schon vor 40 Jahren gelesen, aber seitdem nicht gesehen. Am eingehendsten und umfasslichsten, so weit uns bekannt ist, schrieben seine Lebeusöiographie M. D. Hoffman!!, s. A., weiland Rabbiner in Ungar. Brod, (Wien 1880) ״Toldoth Elischa ben Abuja hanikroh Achar“ und Dr. Samuel Back, Bezirksrabbiner und Prediger der Israel. Cultusgememde in Frankfurt a. M. (1891.) Elischa b. Abuja-Achar Ersterer bekundete in seiner 51 Groß- Octävseiten zählenden hebr. Schrift durch Zusammenstellung aller in den Talmuden und Midraschim über'Acher und seine College!! vorkommeuden einschlägigen Stellen und deren geistreiche Erklärungen — zumeist wissenschaftlich anstatt kabbalistisch — fernen Scharfsinn nebst großen historischen Kenntnißen. In seinen! heiligen Eifer für die Religio n Israels sind et er nur wenige Stellen zur Milderung für Acher (50—51). Herr Dr. Back zeigt in seiner 36 Seiten zählenden lehr- und Inhaltsreichen Schrift eine mögliche Sichtung und streng kritische Beleuchtung der einschlägigen Stellen und sucht Acher für seine frevelhaften Thaten so weit zu entschuldigen, als er durch Geisteszerrüttung und Gemüthsverstimmung unwillkürlich dazu gedrängt worden. (20—24.) Er erklärt, die genannte Schrift Hoffmanns nicht gesehen zu haben. Herr Dr. Back hat sich allenfalls durch diese seine theilweise Verth eidigung ein recht dankenswerthes Verdienst um die jüdische Litteratur erworben. Wir glauben an einige!! hieher bezüglichen Stellen nach- Zuweisen, dass Achers Entartung eine natürliche Folge einer mangelhaften Erziehung war, wie solche jetzt eben in den sogenannten besseren Häusern und feineren Gesellschaften nicht selten angehoffen wird. Mch? hier, tüie: ssonst, > muffen wir die Wahrheit vor Augen haben, dass der Talmud, besonders in seinem nicht gesetzlichem Inhalte, nur aphorisüsch, rapsodisch spricht. Wir beginnen nun mit der Erzählung der Lebensgeschichte Elifcha's. Den Anfang seiner Biographie erzählte Elischa selber Ln seinem später!! Alter seinem geliebten, treuen. Schüler Rabbi Mairfolgeitdermäßen: ״Mein Vater Abuja" — erzählte er.— ״gehörte zu den Reichen Jerusalems. Zu meiner Beschneidüngsfeier lud er alle Großen und Vornehmen Jerusälems und setzte sie in ein Zimmer; Rabbi Elieser (Sohn Hhräms,.auch der ״Große" genannt, er war sehr reich und ein großer Mhanger der TradMon) und Rabbi JösuaWohn ^ananja's/ er tüar R. Eliesers College und ein großer Kennerder griechischen Sprache und Wissenschüft) setzte er st! ein besonderes Zimmer. Während jene aßen und tranken, saNgen (griechische Kinder mit griechisch er Mnsikbegleitun g), spielten und tanzten, sprach R. Elieser zu R. Josua : ״Belustigen sich diese nach ihrer Weise, wollen wir uns in unserer Weise unterhalten." Und so unterhielten sie sich mit einer solchen Begeisterung von der Thora, Nebiim und Ketubim, dass. ein himmlisches Feuer sie umstrahlte. . Da - rief ihnen Abuja -zu: ״Meine Lehrer l Wollet Ihr mir etwa mein Haus anzünden?" ״Keinesfalls," antworteten sie, ״blos durch unsere ׳ lebhafte Unterhaltung in Thora, Nebiim und Ketubim durchdrang und umgab das Feuer unsere Worte. Auch die Verleihung der Thora am Berge Sinai geschah unter Feuererscheinungen., ״Und der Berg brannte in Feuer bis in der Mitte des Himmels." Da sprach zu ihnen mein Vater Abuja: ״Nun, wenn die Macht der Thora so groß ist, so will ich diesen meinen Sohn, wenn er mir erhalten bleibt, für die Thora bestimmen." Weil nun seine — Abüjas — Absicht nicht zur Ehre Gottes war, deshalb hat sich an jenem Manne באותו האיש (ein Ausdruck, der damals auf איש המצרי gebraucht wurde) die Macht der Thora nicht bewährt. (Jerusal. Talmud Chag. 2, Abschn.) Diese Erzählung wird auch in! Rabba zu Ruth, Kap. 5. und zu Koheleth, Cap. 7., wie. auch imSchalcheleth-Hakab. mit unbedeutenden Aenderungsn mitgetheilt. In letzterem Buche heißt es: Rabbi Abuja war sehr reich und rief zur Beschneidungsmahlzeit Rabbi Jochanan b. Sakai und Rabbi Akiba mit ihren Schülern, ferner Nakdimon b. Gorjan, Zizis Haksas und Kalba Sbua rc. Diese drei werden in! Talmud als die drei reichen Männer Jerusalems genannt, die sich verpflichtet hatten, während des Auf-::. stand es gegen die Römer die Einwohner mit Getreide: Salz und Holz zu versorgen. Hingegen gehörte der damals angesehenste - und bescheidene N. Jochanan b. Sakai zur Friedenspartei und; entkam durch List und Lebensgefahr aus Jerusalem, erwirkte von Vespasian die Erlaubnis, in Jabne eine Lehrschule zu errichten. (Git 57.) N. Akiba, der Schwiegersohn Kalba-Sebua's, zeigte sich später als erbitterter Gegner der römischen Despoten. An die Mitglieder des österr.-ungsr. Csntoren-Vereines. . In! Sinne des § 14 der Vereinsstatuten werden die geehrten Mitglieder aufgefordert, den Pflichtbeitrag für das berufsunfähig gewordene Vereinsmitglied, Herrn Cantor S. Neumann in Ober-Hollabrunn, umgehend an den Vereinscassier einzusenden. Gleichzeitig wäre die Einsendung der rückständigen Jahresbeiträge erwünscht. Wien, an! 30. October 1896. - Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Kleine Chronik. Wien. Der feierliche Militärgottesdienst .vor Ablegung des Fahneneides findet Sonntag, den 1. November in! Stadtteinpel um 1/^9 Uhr Früh statt. -׳-- - Wjern (Frauen-Wohlthätigkeitsverein in! 8. B e z i r k e.) Dieser unter den! Präsidium, der bekannten Wöhlthäterin, Frau Amalia B e ck, stehende überaus humanitär wirkende Verein hat in seiner letzte!! Sitzung beschlösse!!, in! Fasching ein großes Ballfest abzuhaltendessen׳ Erträgnis ausschließlich für. wohlthätige Zwecke bestimmt ist. An - der Spitze des Comites steht. der -Archftekb Max- -MLei.-schwer,-׳; dem - die Herren MMp,AüchssWg><-/Dx> Mar.Tugeildhat und Dc^Hugh HmMlM.Mnä!önare^zur. SeDH^r!u. ^v: ץ!»,