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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-11-01 · Heft 26 (1.11.1896) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 26 (1.11.1896)
Date
1896-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3. M 269 Oesterreichisch-nngarische Lantoren-Aeitung. Familie und -ihrer Berufsgenossenschaft schuldig sind. Unter solch' misslichen Verhältnißen ist es eine schwere Aufgabe, dem Dienste allgemeiner Interessen sich zu widmen,׳ und doppelt anerkennens- Werth ist der rastlose Eifer des Vorstandes des österr.-ungar. Eantoren-Vereines, der unbeirrt durch alle Widerlichkeiten und Hemmniße, den Bann, der die Berussgenossenschast umfangen hält-: zu lösen sucht und immer nach neuen Mitteln und Wegen fahndet, um die Interessen des Vereines und des gesammtcn Cantorenstandes zu fördern. Ein Bild dieser zielbewussten Thätigkeit: bietet auch die letzte Vorstandssitzung, über welche wir im Nachfolgenden berichten: x Anwesend waren die Vorstandsmitglieder B au er, Blat t, Dü nmann, Hirsch, N o t t e r, Schlesinger, Singer. P-etersclka hatte sein Fernbleiben entschuldigt. Den Vorsitz führte der Präses, Obercantor Singer. ׳ Nach Begrüßung der Anwesenden berichtet der Vorsitzende, dass Herr Obercantor Heymann in Amsterdam, der seit dem Bestände des Vereines eines der opfersteudigstcu Mitglieder ist, aus Anlass seines vierzigjährigen Dienstjubiläums dem Vereine eine Spende von fünfzig M ark zugewendet hat. Zum Zeichen des Dankes erhebt sich die Versammlung von den Sitzen und beschließt, an den Spender ein Dankschreiben ybzusenden. Der Hinweis des Präs.-Stellvertreter Bauer auf die philanthropische Thätigkeit und die edle Collegialitcit des Obercantor Heymann, der, sobald er einen Collegen nah oder fern in Bedrängnis weiß, immer hilfbereit eingreist, findet lebhafte Zustimmung und Anerkennung. Der Vorsitzende theilt weiters mit, dass der rühmlichst bekannte Synagogen-Componist, Chormeister Professor Grünzweig in Arad, eine größere Anzahl seiner sämmtlichen Werke gespendet habe. Trotzdem diese Werke zu halbem Preise an die Collegen abgegeben werden sollen, steht durch den Absatz derselben der Casse ein namhafter Betrag in Aussicht. Dem edlen Spender, dein bereits ein Dankschreiben des Vorstandes übermittelt wurde, wird nochmals der Dank durch Erheben von den Sitzen votirt. Nach Erledigung des Ansuchens einer 80jährigen Cantorswitwe gelangt die Eingabe eines ehemaligen Vereinsmitgliedes zur Verlesung, der um Gewährung eines Darlehens zur Herausgäbe eines Synagogenwerkes ansncht. Von Seite mehrerer Redner wird betont, dass dieses Ansuchen im Principe abgelehnt werden muß, da die Gewährung eines Darlehens an ein Nichtmitglied, abgesehen von dem Zwecke, statutenwidrig ist. — Coutrolor Notier erblickt in der Herausgabe eines Werkes eine gewisse moralische Förderung des Cantorenstandes und legt dem Vorstande nahe, dieses Ansuchen nicht so rundweg abzulehnen, zumal es sich in dem vorliegenden Falle um ein ehemaliges Mitglied handle, das ohne eigenes Verschulden der Mitgliedschaft verlustig wurde. — Nach einigen auf klärenden Bemerkungen des Vorsitzenden, die durch eine Anfrage des:Vorstandsmitgliedes S. Hirsch hervorgerufen werden, wird behufs Einholung nöthiger Informationen die Beschlussfassung hierüber für die nächste Sitzung vertagt. Das Vcreinsmitglied, Cantyr Neumann Ob.-Hollabrunn, der an Folge eines Schlaganfalles -halbseitig gelähmt -ist, meldet die ׳eingetretene Berufsunfähigkeit an. Nach Prüfung des ärztlichen Zeugnkßes und der beiliegenden Doc umente beschließt der Vorstasid.die GeMhrung eines Jnvaliditätsbeitrages .von 2Q0 •fl. und die .Heranziehung;der Vereinsmitglieder -zur:Einzahlung des statutarisch1 bestimmten Pflichtbeitrages. - Nach: Erschöpfung der Tagesordnung beantragt Controlor M. Sch l esi ng er, an das Vorstandsmitglied Cantor S. Salomon, dessen Gattin nach kurzem Leiden verschieden ist, ein Condoleuzschreiben zu richten. (Angenommen.) Ein Antrag des Cassier Blatt, der auf die Hebung der Einnahmen des Vereines abzielt, wird im Prinzipe genehmigt und der Antragsteller ersucht, demnächst ein ausführliches Referat zn erstatten. Präses-Stellvertreter Bauer weist darauf hin, dass an den Cantoren-Verein fortwährend Unterstützungsgesuche von durchreisenden Cantorcn und Tempelsängern gerichtet werden, die, selbst wenn die Petenten höchst würdige und unterstützungsbedürftige Personen find, keine Berücksichtigung finden können, da die Statuten des Vereines Unterstützungen an Nichtmitglieder ausschließen. Wohl wird im Wege der Privatwohlthäthigkeit seitens der Wiener Cautoren Manches geleistet, aber einerseits könne der oft großen Noth auf diesem Wege nicht genügend gesteuert werden, und andererseits würden auch einzelne Collegen zn sehr in Anspruch genommen. Um diesem Nebelstande zu begegnen, dessen Abhilfe schon ftüher einmal auf andere Weise erfolglos versucht wurde, stelle er über Aufforderung mehrerer Wiener Cantoren den Antrag, dass unter Patronanz des Cantoren- Vereines ein Club gebildet werde, welcher sämmtliche Cantoren, Chordirigenten und Quartettsänger der Wiener Synagogen in geselliger Weise vereinigen soll. Die Zusammenkünfte sollen allwöchentlich an einem bestimmten Tage der Woche in einem jüdischen Restaurant stattfinden, wobei von jedem Mitglieds ein wöchentlicher Beitrag von 10 Kreuzern zu entrichten wäre. Aus diesen Eingängen möge ein Fond gebildet werden, der dazu diene, jenen würdigen Unterstützungswerbern zu helfen, deren Ansuchen von Seiten des Cantocen-Bereines nicht Berücksichtigung finden kann. Bei der großen Anzahl der Wiener Cantoren und Tempelsänger würde der Fond über mehrere hundert Gulden jährlich verfügen. Es könnte hiedurch nicht nur wahre Wohlthätigkeit geübt, sondern auch die Geselligkeit unter den Collegen in Wien gefördert werden, und auch jene Collegen aus der Provinz, welche sich vorübergehend, in Wien aufhalten, fänden hier einen Ort, wo sie mit ihren Wiener Collegen collegialen Ideenaustausch anknüpfen. Diese Anregung wurde allseits sympathisch begrüßt und gleichzeitig beschlossen, die Cantoren, Chordirigenten und Tempelsänger Wiens zu einer diesbezüglichen Besprechung einzuladen. M. Schlesinger verweist auf einen früheren Beschluss des Vereinsvorstandes, der die Zlnlegung einer Bibliothek bezweckte, aus welcher die Mitglieder des Vereines unentgeltlich Synagogen - Gesangswerke entlehnen können. Der Vorsitzende bemerkte hierauf, dass der Vorstand zu diesem Behufe einen neuerlichen Ausruf erlassen werde, um durch Schenkungen eine Bibliothek zu dem erwähnten Zwecke anzulegen. aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. . Don Israel Singer, autor. Rabbiner, Religionsprofeffor am Obergymnafium zn S. A. Ujhely. (Fortsetzung) Nachdruck verboten. Nr. 24. Wolle, die rein in den Kessel kommt, kommt rein heraus; aber solche Wolle, die nicht rein in den Kessel kommt, kommt auch nicht rein hergus. (Tr. Chagiga 15.) Dieses Motto hat wohl mit dem der vorigen Nummer insoferne Aehnlichkeit, als es auch, wie jenes, nebst semer wörtlichen noch eine zweite, für die Kiudererziehstng höchst wichtige Bedeutung hat. Aber es unterscheidet sich von jenem

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