Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 ZM machen es nun unsexe^^kuuftscaniören? Gerade urngekeMk 'Beim'Vortrage. Her WDn^^D^Exü,'Wen die Herren ihrer r«gen Phantasie dieHügel schießen undHerkrüppelW selbst die'aus ihrer Jugenderinnerung inHnen lebenden Chasonusfragmente bis zur Unkenntlichkeit, so dass der Traditionsgesang vollständig 'in Vergessenheit geräth. Die Herren empfinden es gar nicht, dass sie durch diesen verwerflichen Zug der Freigiebigkeit dem Synagogengesange unheilbare Wunden beibringen, Wunden, die niemals vernarben, sondern einem schleichenden ׳ Nebel gleich, bis aus spätere Generationen unheilbringend einwirken. Das Chasonus ist ein heiliges Vermächtnis unserer Altvordern, in, düsteren Stunden haben diese Töne die Herzen unserer Ahnen mit Hoffnung und Zuversicht und in glücklichen. Tagen die Geuüither derselben mit Freudigkeit erfüllt. Sollen diese heiligen Klänge auch für spätere Geschlechter in derselben beglückenden Weise einwirken, so müssen sie unangetastet bleiben, uud Keiner von uns — wie hoch oder wie niedrig ihn die Vorsehmlg gestM — hat das Recht, diesen erhebenden Gesängen - durch gewaltsames Einzwängeu in einen unpassenden:Rythmus, oder durch melodische Veränderungen einen sogenannten modernen CH ä r a kt e r aufzudrängen. Die traditionelle Melodie ist kein Versuchsobject für die Experimente einer zügellosen Phantasie. Fühlt Jemand wirklich, dass er einen Melodienschatz sein Eigen nennt, so bietet namentlich der moderne Synagogengesang in dem sogenannten deutschen Recitative mannigfache Gelegenheit, die melodischen Schwingen zu rühren. Dieser Freiplatz willkürlich freier Gesangsbethätigung darf jedoch nur von demjenigen straflos betreten werden, der mit den nöthigen musikalisch-wissenschaftlichen Keuntnißen ausgerüstet ist; im anderen Falle muß derselbe geradezu zum Irrgarten werden, Lu welchem man planlos umherschleicht, ohne je den Ausgang zu erreichen. Wäre die Thatsache an und für sich nicht so bedauerlich-, so müsste es geradezu possirlich erscheinen, wenn man so oft Gelegenheit hat, sogenannte bessere Cantoren zu hören, die nicht die Befähigung haben, von einer Tonart nach der nächst verwandten zu moduliren, und im Schweiße ihres Angesichtes sich - abmühen, irgend einen rettenden Ausweg zu ׳ erspähen. Heil - ihnen, wenn sie Gelegenheit haben, das Recitaüv, wenn auch in einer weit entlegenen Tonart, selbst zu beendigen, wehe ihnen jedoch, wenn der Chor oder die Orgel in einer bestimmten. Tonart das Tonstück weiter ׳auszuführen hat, sie sind dann leider dem sicheren Mißerfolge rettungslos verfallen. Um nun solchen unliebsanien Eventualitäten auszuweichen, singen solche Herren mit Vorliebe ausgeschriebene Recitative, bei denen die modulatorische Richtschnur gegeben; allerdings;müssen sie dann ihr ganzes Leben an diesem musikalischen Gängelbande zerren, und dürfen wohlweislich kein Gelüste haben, einmal auch einen Ztebenpfad nach freier Wahl zu betreten. / Wir meinen nun, erschöpfend nachgewiesen zu haben, wie/ heutzutage die musikalische Anordnung des cantoralen Vortragesgeradezu auf den Kopf gestelltwird. Der-.fixi r t e Traditions-; g e sa u.g wird iw i l l k ü r l i ich f r e i und: das frei e R e c it a t iv: wird streng fixWt behandett. Wohin fall das: führen? Wie Sachlage wäre/trotzdern^ noch/erU:ägllch,:׳wenn:׳der Bedauerns-: wacheMgnorant? an der, vielleichtdurch; Ungunst-der? Verhältnißeherbeigestih^eus-agmen UnwisseNheit?-sein: Genügen -fände. Aber? neml-Go (MancheWöchtm Mch?MdetSmit delnErruugensch asten; chWfiWviffGhMi ausstatten,) d.;H-/unterrichkm..? DochchierüberI ein anderes^Mal. n : v.׳v. :;y!Kr. 26. _______ A1W, LlM MKeMxUNMr. (Eautwrtn- Osrein. - Die letzte, am 29. Octvber abgehaltcnc VörstandssiMiig im ösWrMngär.?Cantoren-Vercine brächte Wüerlich ׳dm Beweis, in welch' segensreicher Weise sich die Wirksamkeit dieses Vereines ausgestalten könnte, wenn die im Schoße desselben gegebenen Anregungen von Seiten der Collcgenkreise die nöthige Unterstützung fänden. Aber!leider haben sich hier die Verhältniße noch immer nicht zum Besseren gewendet, denn der größte Theil. der Berufsgenossen steht den Bestrebungen des Cantorcn-Vereines apathisch gegenüber uud die Existenz desselben kommt ihnen zumeist erst dann, zum Bewusstsein, wenn die momentane Noth sie dazu drängt, an die j>ilfc des Vereines zu appellirm. Dass ein solcher Appell in den meisten Fällen unberücksichtigt 'bleiben muß, ist wohl selbstverständlich, denn es hieße die Vereins- Mitglieder geradezu verkürzen, wenn ihre mühsam eingczahlten -Beiträge zurUnterstützung Fernerstehender herangezogenwürden. Bei den geringen Mitteln, über welche der Cantoren-Verein verfügt, muß seine Wirksamkeit sich gegenwärtig darauf beschränken, berussunfähig gewordene Mitglieder, sowie Witwen und Waisen von Mitgliedern nach Thunlichkcit zu unterstützen, und :mit:stolzer Genügthuung kann der Verein darauf Hinweisen, dass er auf diese Weise im Laufe der Jahre schon viele bedrohte oder gänzlich vernichtete Existenzen wieder aufgcrichtet hat. Dass solche eclatante Beweise für die Nothwcndigkeit dieser wahrhaft collegialen Vereinigung noch:immer nicht genügen, jene Cantoren, die bisher dem Cantoren-Vereiue ferngcblieben sind, für denselben Zu gewinnen, ist geradezu unbegreiflich und muß Jedem, der es mit seinem Berufe ernst meint, mit aufrichtiger Trauer erfüllen. Die Cantoren und Cultusbeamten in Oesterreich-Ungarn zählen Nach Tausenden — über tausend in Oesterreich allein — - und von allen diesen : gehören kaum hundert dem CantorcnBereine an. Welch' intensive Thätigkeit könnte -der CaNtorcn-Vercin nach den angedeuteten und auch nach anderen Richtungen entfalten, wenn seine Mitgliederzahl mit der Anzahl der Cantoren nur einigermaßen im Verhältniße - stände! Diese Theilnahmslosigkeit : würde uns schließlich nicht ׳wundern, wenn jeder Einzelne sich in ׳seiner gegenwärtigen :Stellung so :sicher -fühlte und auch für die Zukunft einen so! sorglosen Ausblick hätte, dass er getrost auf die Hilfe der GesamMt-;heit verzichten kann. Aber nein! In der Regel ist gerade das! Gegentheil der Fall. Der größte Theil der Cantoren und:Eultüs- ^beamten lebt mit dürftiger Besoldung von einem Tag zum :andern und muß jeden Augenblick:gewärtig:sein/ durchdie Laune' irgend eines übelwollenden Machthabers seinen Posten und hiemit -auch das Brot für ־ sich und seine Familie zu, ׳ verlieren; -und '!trotz ׳. dieses allgemeinen :Elendes -vor:Augen rührt Keiner den ' ׳Finger, um im Falle der Roth: sich einen berechtigten -Anspruch an dieHilse der Gesammtheit zu sichern. Auch - der Jahresbeitrag!ist -kein Hindernis - zum Beitritt, denn/er ist so gering — kaum 2 Kreuzer per Tag - — dass selbst dem Aermstemund Dürftigsten ' das Opfer nichdschwer wird. Man!-muß! wahrhaftig ftautten über diesen - offenbaren Mangel - an Werständnis -für ׳ die eigenen Interessen und die Größe des׳ Leichsinnes bedauern, der so'frevel-'' Haft spielt mib:dem Wohle/stinerfFamilie.!DieNlüüte -Klage/ die wir:!heute ertönen/läfsech haben i wm-schvw unzählige-Male in diesen Blättern vergebens erhoben und :wir/! wissen, dass sieauch diesmal nicht fruchteu,wird;.abertrotzdemwerden׳ wirnielnäls müde . tperden, - die SäMigeni und-Lässigen! an Mre^Psticht. zu : mahnen und ühneNi-vor Augen zu führen, was /sie efich׳!-ihrer L - Gesterreichisch-ungarische, Lantoren-Aeitung.