Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Redaetion u. Administration Wien, 2. Novaragasse 27. K. f. österr. Poftfpavcaffe LheALonto Nr. 885,240. Ittferalr werden billigst berechnet. . Mamlscripte werden nicht retournirt.. 6sntra1-0rgan fiir die Interessen der Cantvren und Cultusbemnten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. PränumeratiouS-PreiO. ÄiirGantvrrwn.Gnttusbeamr» tit Desterrriltz-Rngrunr Ganzjährig.fl. S.— Halbjährig ..... fl. »5V FilrEankoren ».Lnttusbrarnts in, Ansland Ganzjährig.10 Mark oder 5 Rubel. -3fiie Privat» mit» Institute Ganzjährig . ... fl. 6.— Avynneuienta- ». Insertion«- betrag» stnd nr Wien!atzlbar. M. 26. Wien» 1. November 1896. 16. Jahrgang. Epilog MM Synagogenjahre 5656?) " / II. Den argen Schädigungen, denen das jüdische Cantorat von außen her ausgesetzt: ist, reihen sich auch die Angriffe, welche, dasselbe von berufenen oder unberufenen Chordirigenten erfahren, würdig an. Die Chordirigenten insgesammt, der verewigte Lewandowski an der Spitze, konnten esnicht verwinden, .' hass sie nach dem Machtsprnche Sulzer^s eigentlich nur in zweiter oder dritter Reihe an den synagvgalen Auf^ führungen betheiligt sind, und suchten — und suchen noch mit wenigen-Ausnahmen— nach Kräften, den Bedeutungsgrad des Cantors hintan, zu׳ halten. Lewandowski, als Chef-Chordirigent in Berlins konnte jedoch zu Lebzeiten des verewigten Obercantor Lichtenstern, der durch Leistungen.und Führung sich die nöthige Anerkennmig verschaffte, nicht so radical Vorgehen und selbst nach..dem HeimgangeLichtenstern's war Lewandowski der zarteste. Won Allen, indem^ er;wenigstens den Cantor als Vorbeter anerkannte.. Wir beobachten auch allenthalben, dass dort, wo ein . wirklich bedeutender Cantor wirkte, die Autorität des Chordirigenten knapp .zugemessen war, während dort wo mindere Cantoren von Chordirigentens Gnaden angeftellt wurden, das Dirigententhum die Thätigkeit des Cantors lähmte und an mancher Stelle bis. zur Bedeutungslosigkeit vernichtete. Man treibt diesen Kampf so weit, dass in der moderrien Cowposition die dem Cantor gebührenden Vortragsstellen nicht mehr mit ״ Cantor" sondern mit ״Solo" angegeben erscheinen; hiemit soll -in. schlauer Weise angedeutet werden, .dass die betreffende Stelle auch von einem ^beliebigen Quartettsänger vorgetragen werden könne, dass demnach der Cantor gar. nicht so eigentlich -in Betracht käme. Nun, wie bereits erwähnt, dort, wo der Cantor auf fachmännischer Höhe stand und. steht, .konnten und können derlei . Anfechtungen, nichts Besonders erreichen, wenn auch die Schädigungsabsicht an Und für!sich die Gemüther aufregte und verstimmte und immerhin: in der Gemeinde einen gewissen Bo.deusatz von Mißachtung zurückließ. ' Zur Berichtigung sei hier bemerkt, dass es in der Ueberschrist des' ersten - Artikels (S. -Nr. 24 der j,österr.-üngar) Cantoren-Zeittmg") irr.thümlich 5K5S.hi eß. : . ", Die Redaction. Solchen Absichten kräftig und erfolgreich entgegenzutreten gibt es nur ein Mittel: Lernen. Es wage sich keiner, eine- Stelle anzunehmen, wenn er nicht das beruhigende Bewußtsein hat, für sein Fach nach jeder Richtung tüchtig vorbereitet zu sein, um dann auf dem ganzen Gebiete feiner Thätigkeit unbeirrt und zielbewusst auftreten zu können. Hier gelangen wir nun zu der kritischen Stelle, welche den eigentlichsten Schauplatz fiir die Hauptschädigung des jüdischen Cantorates darstellt, nämlich die Schädigung des jüdi- ^fchen^Clank'orate"» d ü r H" d i e jüdischen Cantoren selbst. Der jüdische Cantor bedarf keines Befähigungs- Nachweises seitens irgend einer Behörde, sondern stellt sich den Geleitsbrief für sein Können und Wirken mit eigener Hand aus. Bezüglich dieser traurigen Thatsache wäre eigentlich ein Buch zu schreiben, um all die schädigenden Gesichtspunkte erschöpfend zu beleuchten, an dieser Stelle jedoch können wir nur den einen u. zw. wichtigsten Theil behandeln, den cantoralen Vortrag. Wiederholt muß darauf hingewiesen werden, dass die eigentliche Kraft des jüdischen Cantors in der künstlerischen Berwerthung des Traditionsgesanges sChafonus) beim modernen Gottesdienste liege, und dass derjenige über nah und kurz mit all seinen sonstigen Kling-Klang-Bestrebungen Schiffbruch erleiden muß, der den oben angedeuteten Gesichtspunkt ganz außer Acht lässt. Den historischen Ausbau der Liturgie, beziehungsweise deren Uebernahme von der Vergangenheit und Vermittelung an die Zukunft, können und müssen wir, wie so vieles Andere, von der Geschichte der Kirchenliturgie lernen. Welcher'katholische Geistliche, ja welcher Kirchenfürst würde sich erdreisten, beim Messelesen von den seit Jahrhunderten vorgezeichneten Kirchentönen nur einen einzigen zu verändern, obgleich die Herren zumeist sehr gute und oftmals sogar hervorragende Musiker sind? Diese streng beibehaltene, traditionelle Melodie bildet den KernpwM der Kirchenliturgie, neben welchen den mannigfachsten Aufführungwerken selbst modernster Componisten der freieste Spielraum gestattet ist. Hiebei muß bemerkt werden, dass Ambrosius und Gregor bei Aufstellung des ursprünglichen Kirchengesanges neben den griechischen, auch Mische Gesänge verwendeten, woraus zu ersehen ist, dass selbst bei Schaffung einer neuen Religiönsrichtüng der Traditionsgesang nicht außer Acht., gelassen wurde.; r