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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-10-21 · Heft 25 (21.10.1896) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 25 (21.10.1896)
Date
1896-10-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25. Gesterreichifch-üngarische Lantoren-Zettung. «seift euerem, Gott, anhängt, ihr Alle lebet noch heute." (5. M. 4. 4. ״Gott-ist ein treuer König/- ״Höre Israel! der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einig und einzig. Liebe den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen." (5. M. 6.-5.) Hernach folgten die üblichen Benedictionen über die beim Frühstück genossenen Speisen. Auch im Verlaufe des Tages ward das Kind angehalten, über die zu ׳ genießenden Speisen die entsprechenden Benedictionen zu sprechen. Auch vor demSchlafengehen verrichtete die Mutter mit ihrem Kinde ein Gebet, welches also schließt: ״In seine — Gottes—Hand empfehle ich meinen Geist, wenn ich schlafe und erwache, und mit meinem Geist auch meinen Körper, der Ewige ist mit mir, und ich fürchte nicht." Wenn auch das Kind die Gebete, nämlich deren Sinn, nicht verstand, so ward dennoch hiedurch sein religiöses Gefühl frühzeitig geweckt, gestärkt und befestigt, was ihm noch im hohen Älter beistand. ״Gott wünscht blos das Herz." ״Ich tadle jene Mutter nicht, welche ihr Kind das Gebetchen stammeln lässt, obwohl es nicht Alles versteht. Eines versteht es, dass nämlich -esu -höheres- Wesen über uns waltet, vor dem sich alle Kniee beugen sollen." (Kellner) ״Ohne Gebet ist keine Religion und ohne Religion ist keine Erziehung." (Palmer) ״So wie der Weihrauch das Leben einer Kohle erfrischt, so erfrischt das Gebet die Hoffnung des Herzens." (Göthe.) ״Beten sollte wenigstens jede Mutter ihr Kind lehren." (Julie Burow) Vom fünften oder sechsten Jahre an. in welchem Alter das. Kind schon aus dem Gebetbuche hebräisch geläufig beten konnte, wurde es angehalten, täglich zeitlich aufzustehen und in : den Tempel zu laufen, selbst bei rauhem Wetter, um dort zu beten. In den Bußtagen gieng es dorthin auch vor Anbruch des Tages. Vom zehnten oder elften Jahre an begann es, an den 6 Festtagen im Jahre stufenmäßig einige Stunden zu fasten, und vom dreizehnten Jahre an dehnte sich das Fasten auf den; ganzen Tag aus, ohne dass die Gesundheit hiedurch gefährdet wurde. So wurde das Kind mit uns durch die religiöse Erziehung von - selbst zu vernünftiger Abhärtung und hiemit zur späteren Selbsterziehung angeleitet. Schon auf diesen Anfang der jüdischen Erziehungsweise sind anwendbar die Worte Sal. (Spr. X. 8. 6.) ״Heilung ist sie, die Thora, deinem Fleische, und Salbung deinen Beinen." Wie dieser Theil, ebenso hat die ganze alte jüdische Erziehungswelse, auf Basis der Bibel und des Talmud, einen wahrhaft pädagogischen Werth, was wir mit Gottes Hilfe in einer besonderen Schrift nachzuweisen hoffen. Eil: gänzliches Brechen Mit dieser Erziehung ist nur zum Schaden der Kinder und ihrer Eltern. Jene Eltern, die aus vermeintlicher Zärtlichkeit für ihre Kinder es unterlassen, dieselben zeitlich zum Gebete aufzuwecken, und sie erst dann wecken, wenn gerade Zeit übrig bleibt, um die Schul-Lection zu wiederholen; jene Eltern, welche, statt die Kinder anzuhalten, zu Gott zu beten, sich damit begnügen, dass sie ihnen danken und die Hand küssen, diese fehlen dreifältig: sie lassen das geeignetste Mittel und die angemessenste Zeit und Gelegenheit, das religiöse Gefühl in ihren Kindern zu nähren und zu stärken, unbenutzt dahinstreichen; sie bekunden damit, dass sie ihre eigene Ehre höher, als Gottes Ehre achten; und dass bei Beschäftigung mit der. profanen Wissenschaft die Religion für entbehrlich halten. ,,Meine — Gottes — Ehre schonet ihr nicht, aber euere — Menschen — Ehre schonet ihr ja." (Nedorim. 38.) ״Eure Eltern wollten ihre Ehre vermehren, aber Gottes Ehre verringery, jedoch Gottes Ehre blieb aufrecht, aber. eurer Eltern Ehre ward verringert." (Tr. Joma. 38.) ״Ein weiblicher Freigeist ist ein widernatürliches Zerrbild in einer Familie; eine fromme Mutter eine Raphaelische Madonna. Wenn wir vor jenem fliehen, beugen wir vor dieser das Knie." (Heinsius.) Unter den berühmten Männern, die ihren Ruhm der von ihren Müttern empfangenen vernünftigen Erziehung zueigneten, nennen wir hier besonders den scharfsinnigsten Philosophen, Jmanuel Kant, 1724—1804 m Königsberg, Preußen. Sein Vater war ein Sattler, und auch, seine fromme Mutter befaß keine hohe Bildung, die KM.^a«.-..de«...Mapen. überhaupt nicht sehr hoch schätzte und He ironisch zu einer stillsichenden Damenuhr vergleicht. Er sagte, obgleich ohne alle Bildung, hatte ihn seine Mutter in der größten Wissenschaft, in der Moral und Tugend, mDcrichtet. Sie flößte ihrem Sohne Liebe zu Gott, dem Schöpfer, ein. ״Ich werde es nie vergessen," sagte Kant in feinem Alter, ״dass sie den Keim zn dem Guten gelegt hat, das in mir ist." Zur Ergänzung unserer Erkärung des Wortes R. Chanina's, dass seine Mutter auf seine körperliche, religiöse und inteleetüelle Erziehung wohlthuend eingewirkt, fügen wir noch hinzu, dass dieser R. Chanina als edler Sprosse, als strenger Anhänger der Ueberlieferung und als Arzt bei seinen Zeitgenossen, wie auch bei dem obgenannten römischen Kaiser Antonius in hohem Ansehen stand. Er war durch zwölf Jahre Vorsteher der Schule in Sephoris und überließ sie nach seinem Tode seinem Sohne Chama. So bewährten sich.an dieser frommen und vernünftigen Mutter die Worte des Königs Salomo von der wackeren Gattin (Spr. 31. 25.): ״Sieg , durch die Thora und Schönheit ist ihr Kleid, und sie lacht am letzten Tage ihres Lebens, denn sie lebt in ihren ruhmvollen Kindern weiter fort." Je mehr diese und die anderen aus dem Talmud mitgetheilten Musterbilder die Eltern und Kinder zur Erfüllung ihrer gegenseitigen Pflichten aneifern werden, desto eher wird in Erfüllung gehen die letzte Verheißung des letzten Propheten: ״Und er, der Prophet Eliahu, wird zurückführen das Herz der Eltern zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Eltern." * (Maleachi 3; 24.) Kleine Chronik. Wien (Synagogen-Bauverein für Wieden und Margarethen.) Einige angesehene und einflußreiche Männer, welche in den genannten Bezirken ansässig find, an deren Spitze sich der Fabrikant Herr Adolf Ostersetzer stellte, haben vor längerer. Zeit den Beschluß gefasst, zur würdigen Begehung des 50jährigen Ragierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers ein im modernen Style entworfenes Gotteshaus zu erbauen. Zu diesem Zwecke haben sie einen Verein gebildet, dessen constituirende Generalversammlung unter^Vorsitz des Redacteurs Adolf Lich blau dieser Tage stattfand. Die lebhafte Betheiligung an dieser Versammlung, sowie die zahlreich einlaufenden Anmeldungen zum Eintritte in den Verein und die reichlich zufließenden Spenden zeigen von der Begeisterung, von welcher die in Betracht kommenden Kreise für das Unternehmen beseelt sind, und lassen es als bestimmt voraussetzen, dass die Einweihung und Eröffnung der Synagoge am 18. August 1898, dem Geburtstage im Jubiläumsjahre des Kaisers, erfolgen kann. In den Vorstand des Vereines wurden gewählt zum Präsidenten Redacteur Adolf Lichtblau, zu Vicepräsidenten Architekt Wilhelm Fr aenkel und Kaufmann Adolf Ho ff mann, zum Cassier Fabrikant Moritz Hacker, zu Schriftführern M.-U.-Dr. Max Stransky und Fabrikant Franz Frankl, zum Controlyr Zeitungs-Eigenthümer Sig. Spitz, zu Vorständen und Ersatzmännern Adolf Dstersetzer^

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