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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-10-21 · Heft 25 (21.10.1896) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 25 (21.10.1896)
Date
1896-10-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung Nr. 25. Bon B. Singer in Jungbunzlau. Eine der wichtigsten Voraussetzmigen, welche man an den musikalisch gMldeten Cantor stellt, ist die, dass sein Vortrag der Tonreinheit nicht entbehre. Zumal beim Alleinvortrag muß der Cantor seine volle Aufmerksamkeit darauf richten, dass er aus der Grundtonart, in welcher dieser Vortrag sich bewegt, nicht heraustritt.Dazu gehört in erster Reihe ein gutes Gehör, güte Stimmdispositiou und überhaupt eine ungetrübte psychische Stimmung. Was das Gehör aubelangt. so ist es ja selbstverständlich, dass ein musikalisch gebildeter Cantor ein solches besitzen muß, denn ich spreche hier nur von der relativen Tonhöhe und nicht etwa von einer absoluten, bei welcher der Sänger einen ganz anderen Ton, als den zur Tonart gehörigen hervorbriugt, also absolut falsch klingt, denn hier handelt es sich um das Erfassen eines in seiner höchsten Reinheit gestimmten Tones. Auch gilt dies besonders für diejenigen Cantoren, welche ohne Instrumentalbegleitüng singen und nur auf das einmalige Anstimmen ihrer portativen Stimmgabel angewiesen sind. Eine gute Stimmdisposition ist vor allem nöthig, denn ist das Organ fatiguirt oder durch Abkühlung heiser geworden, vou durchschwärmten Nächten ausgetrocknet, so entsteht in der Kehle ein natürliches Sinken der Stimme, welches also nicht immer auf ein falsches Gehör zurückzuführen ist. Daher wolle jeder, der sein Tonstück gut vorzutragen gedenkt, zunächst dafür sorgen, dass das Organ, durch welches sein Vortrag zu geschehen hat, vollkommen r e i u gestimmt ist. Hat ein Geiger z. B. sein Instrument mit falschen Saiten bezogen, so dass die Line etwa verhältnismäßig stark, die andere schwach, oder die eine gut und die andere ungleichmäßig schlecht gedreht ist, so wird es zwar immerhin möglich sein, die Grundstimmung der Saiten mathematisch rein zu einander zu gestalten, kommt er aber in höhere Applicaturen, so wird bald dieser, bald jener Ton unrein oder gegenüber den anderen Tönen falsch gefärbt erklingen, und er kann niemals eine völlig reine Intonation erreichen. Dasselbe ist der Fall beim Clavier und theilweise bei Blasiustrumenten, zu welchen auch die Orgel hinzukommt. Ist ein solches Instrument z. B. verstaubt, zu trocken oder dergleichen, so mag es möglich sein, den Ton in seiner gehörigen Höhe darauf anzugeben, indessen klangrein wird er niemals hervortreten. Ich habe schon einmal bei Besprechung des Schulgesanges in der ״Cantoren-Zeitung" bemerkt, dass für den Gesangsunterricht das Vorsingen Praktischer als das Vorspielen mittelst einer Geige rc. ist; aber bei dieser Vermittlung ist die gute Intonation das größte Bedürfnis. Wir können aus unserer Erfahrung auch am besten wissen, dass, wenn in dem Wechselgesang zwischen Cantor und Chor der Erstere nicht rein intonirt, der Letztere, auch wenn er die Orgel oder das Harmonium auf der Chorgalerie als Begleitungsinstrument neben sich hat, doch in derselben Intonation antwortet, da in seinem Ohre die Tonhöhe des vom Cantor Vorgetragenen unmittelbar wiederklingt und selbst die Unterstützung des temporalen Instrumentes nicht im Stande ist, die Beantwortung des Chores auf das Niveau der Richtigkeit zu bringen. Sprach ich hier vom Alleinvortrag, so bezieht sich die Reinheit der Intonation auch auf das Zusammensingen Mehrerer. Tritt eine Stimme nicht in der vollkommensten Bestimmtheit ihres Klanges und mit dem aus das Bestimmteste angemessenen Maße seiner Höhe oder Tiefe hervor, so entsteht nicht allein eine Unklarheit und Unverständlichkeit der Harmonie, sondern diese wirkt auch unangenehm auf unser Gefühl und unser Gehör, und die Folge davon ist Mißfallen an dem ganzen Vortrag. aus dem Talmud und den Midraschim nebst Parallelstellen aus der Bibel und aus Schriften moderner Pädagogik. Von I s r a e l Singe r, autor. Rabbiner, Neligionsprofessor am Obergymnasium zu S. A. Ujhely. (Fortsetzung) Nachdruck verboten. Rabbi Jehudah Hanassi, 137—194, Patriarch zu Jerusalem, war sehr reich und rief auf seinem Sterbebette aus: ״Herr der Welt, du weißt es, dass ich mich mit meinen zehn Fingern abgemüdet, aber genossen habe ich nicht einmal soviel, als ich mit meinem kleinen Finger erworben." (Tr. Ketnb. 104.) Er vertheilte sehr viel Geld an die Armen, besonders an die Thorabeflissenen. Auf seinem Tische und auf der Tafel seines Freundes, des römischen Kaisers Antonius Pius, mit dem er in freundschaftlicher und wissenschaftlicher Correspondenz stand, waren stets nur frugale Speisen. (S. Raschi z. Gen. 28. 23.) Wie der Talmud einerseits gegen Verweichlichung eifert, so verbietet er andererseits, gleich der Bibel und entgegen der Lehre des Buddhismus, die übermäßige Abhärtung des Körpers und die Vorenthaltung der ihm nöthigen Nahrung, wodurch das Leben verkürzt wird; denn es ist unsere Pflicht, unser Leben, mit dem wir nicht nur uns, sondern auch Gott und den Menschen dienen sollen-, möglichst zu verlängern. ״Und beobachtet meine Gesetze und Rechte, die-der Mensch ausübt, um durch sie zu leben; (Levit. 18. 4.) aber׳ nicht durch ihre Uebung ״ zu sterben." (Tr. Mak. 23. Joma.J 85. u. CH ulin. 10.) ״Der fromme Mann pflegt sich, aber wer seinen Leib kasteit, der ist hartherzig." (Spr. 11. 17.) Zu dieser Pflege rechnet Hillel auch das Baden als eine Pietätspflicht gegen Gottes Ebenbild. (Jalk. z. St.) ״Auch reine Kleider, durch die der Mensch geehrt wird, ist eine heilige Pflicht zur Pflege des Körpers." (Tr. B. 1 Jam. 9.) ״Wer freiwillig fastet und sich abschwächt, der ist ein Sünder." (Nedor. 10.) Wir werden mit Rücksicht auf die in der Ueberschrift angeführten Worte des Rabbi Chanina, einen kleinen Th eil der in den ältesten Zeiten üblich gewesenen und in den meisten frommen jüdischen Häusern noch jetzt geübten Erziehungsweise, die noch vielen Lesern und Leserinnen in frischer Pietätsvoller Erinnerung sein dürfte, recapituliren, woraus zu ersehen ist, dass diese Erziehung nebst ihrem vorherrschend religiösen Zwecke gleichzeitig eine vernünftige Abhärtung zu fördern, geeignet war. Wenn das Kind schon verständlich sprechen konnte, betete die Mutter mit ihm morgens, nachdem sie es rein gewaschen und angekleidet hatte, folgendes Gebet in hebräischer, eventuell auch in der ihm verständlichen Sprache: ״Ich danke dir, Gott, dass du mir mit großer Erbarmung meine Seele wieder gegeben hast, groß ist deine Treue. Gelobet seiest du, Ewiger, unser Gott, der uns durch seine Gebote geheiligt und Uns das Händewaschen zur Erinnerung an Reinlichkeit und Reinheit geboten hat." ״Die Lehre, die Moses uns geboten, ist ein Erbtheil der Gemeinde Jakobs. (5. M. 33. 4.) ״Merke, mein Sohn, event. meine Tochter, die Unterweisung deines Vaters und verlasse nicht die Lehre deiner Mutter." (Spr. Sal. 1. 8.) ״Die Thora — Gotteslehre —- sei meine Erzieherin, Pflegerin und Gott, der Allmächtige, sei mir zur Hilfe! Und ihr, die ihr dem Ewigen,

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