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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-10-11 · Heft 24 (11.10.1896) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 24 (11.10.1896)
Date
1896-10-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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WsterrÄchischöungüriMeiHMöreE^^urto^ Nr. 24 <GäMelesH ״Ks.Mdet keinen Zweifel, dass die Mütter Nicht LloS Kr die »körperliche Pflege, sondern auch für die geistige MtwiWlug chrer Müder sehr viel chu« können^ sobald sie! voll- MÄM und:treue.' Mütter suid:^ (Niemcher.) ^,Der Nkutter NrlkeMcht setzt keine Kunst voraus, er 1ft? mchts anderes 7 als eWe Mäzuug des Kindes ׳ :־.zur/MMÄigfalügen-! WchnerksmMü auf die Dktze, die rs Wngeben;üer ist:nichts als geordnete. Hebung der Simle.derzarten Gefühle des Herzens, der Sprach-, GedächtnisundDenkkräst - und der natürlichen Fertigkeitendes Mchws des Kindes." :"WGaü)K)s2DiH.'!Mckrs"?:erster: :Lehrer sei die mMerliche Liebe.": (Aims Martin.) ' ... ׳ :Zu einer-guten körperlichen Erziehung gehört vorzüglich eine vernünftige Abhärtung des Körpers gegen Hitze und Kältezeitweilig auch gegerr Hunger und Durst, damit das ׳Kind .im Stande sei, diese und eventuell ähnliche Beschwerlichkeiten ohne Gefährdung seines Lebens, oder seiner Gesundheit, gedüldig.und ohne Murren zu ertragen. Entweder^ weit er, der. Mensch selber, das Uebel veranlasst, -oder weil Gott, es in:seiner weisen und besten Absicht über ihn verhängt, hat. ״Heil dem Manne, der in der Jugend das Joch des Lebens trägt, er sei׳ dabei ruhig, ohne Murrenweil Gott es ihm auferlegt." (Klgl. 3. 25.) ' Da der Pentateuch und die meisten. Profetenbücher die Juden vorzüglich: als ein Agricültarvolk behandelten, deshalb brauchten sie nach dieser Richtung , keines besonderen Befehle zu ertheilen, weil bei einem solchen Volke die Abhärtung gegen Entbehrungen und rauhe Natureinflüsse selbstverständlich, ist. Ferner sind bei einem Volke mit einem allgemeinem Landwehrgesetz. wie es Moses befahl, (vom 20.—50 Lebensjahr, in. B/ M. 4. 47.) Waffenübungen,G.ymnastü. nebst >' anderweitigen Abhärtungsmitteln unentbehrlich.! Eine nicht geringe Abhärtung forderte auch die Erfüllmrg des Gebotes, . dass alle Männer zu den drei Festen, Peßach, Schwuos und Sukkos. also zu verschiedenen Jahreszeiten, -zu Fuß nach Jerusalem .wallfahren sollen, um dort in Gesammtheit diese Feste zu. feiern. Da mussten sie. schon ihre Mnder frühzeitig gegen die mit solchen Reisen verbundenen Strapazen, wie die Hitze bei Tag und die Kalte Lei Nacht, abhärten. ״Am Tag verzehrte mich die Hitze und bei Nacht der Frost." (Gen. 31.! 40.) ־ ־׳ ־ Käni'g Salomo, der zuerst die Juden mit dem , Auslande in Handelsverbindungen brachte, wodurch Luxus, Verweichlichung und Unmäßigkeit ins Land eingezogen ist, hat in seinen Sprüchen und Predigten mehrere einschlägige Lehren erthellt: ״Der Fromme isst nur zu seiner Sättigung, aber der:Frevler isst unmäßig." ״Sei Nicht unter den Weinsäusern und unter den Fleischfressern, denn der Säufer und der Fresser verarmt, und der Lässige kleidet sich mit Lumpen." ״Liebe nicht, den Schlaf und die Trägheit, damit du nicht verarmst; öffne deine Augen, sei emsig und .sätüge dich des Brodes." .(Spr. 13. 25., 216.18., 20—23.) ״Süß ist der Schlaf, des Arbeiters, der wenig' :oder; md isst; aber den Reichen lässt sein übermäßiger Genuss nicht; schlafen." Wred. Sal.5. 11.) Der Verfasser des Buches Ben Sirah, gegen 200 I. v. Ehr., zu wAcher Zeit die Juden mit den Griechen in ganz naher Bezichung ftauden, ivarnt in' seinen Sprüchen vor der von den Griechen eingeschmuggelten verweichlichenden Erziehungsweise. ״Mgötze dich nicht au köWchen Speisen,.. sonst. wirst, du bald veraMm." ״Wer seinen Sohn von Jugend äuf.verzärtelt,:der; Dennchrt hiedurch Mn Leid, denn sein. Herz:!wird für alles Böse empfänglich sein."(Ben Sirah 19: 3: 30:57.) Bon den! vielen im Talmud vorkommenden einschlägigen Lehren dürften zu unserem Zweckel Hier nachfolgende/genügen: >Matt esse nur dann, - wenn,!.man Hunger'hat." (Broch. 61.) ״Man fö ll selbst vmr der gut schmeckenden Dpeise etwas übrih lassen, ׳ Um ' die Esslust zu bezähmen." (Gittin 70.) ״Wer nicht mit seinem eigenen Gelbe Geschäfte macht, der:' soll':gar kein Fleisch essen/ sondern sich Ml Milch von Ziegen und Lämmern nähren. " (Jebam. 63. und . Chulin: 84.) ״Man! gewöhne sein -Kind Nicht, frühzeitig.au.. Fleisch und-Wein.". (Jb.) . . .! , .; ־. Auch einige diesbezügliche:Aeußerungen von-Pädagogen dürften hier ' am Platze: sein״Eine - strenge! Disziplin ln der Jugend, die dem jungen Menschen Entbehrungen und Kampf :auflegt, :hat die größten: Männer gebildet,.: größere als :jene, dje in der Jugend nur auf weichen Flaumen. gebettet:wurden/" (Diesterweg.) ״Thetis tauchte ihren Sohn Achill in die Flstthen ' des-Styx, um : denselben unverletzlich zu machen.. Dies Bild ist schön und bezeichnend. Die grausamen Mütter, von denen-- ich! rede, machen es anders. Mit Gewalt tauchen sie'ihre Kinder in die Meichlichkeit ein, und bereiten sie auf Leidenvor. Darum übet sie für die Unfälle, die: sie einst? werden zu ertragen haben. Härtet ihre Leiber ab gegen den wechselnden -! Einfluss ,?der Witterung, des. Klima, der Naturkräfte, für Hunger und Durst> für Mühseligkeiten. (Rousseau.). . Fast alle Talmudlehrer — über 2000— huldigten der stoischen Lebens- und 7 Erziehungsweise, nämlich verschiedene . Leiden ruhig zu ertragen und nur die unentbehrlichsten körper- •; lichen Bedürfniße zu -befriedigen, aber alles Unnöthige gernezu \ entbehren. Mer ist ein Held? Derjenige! der seine. Sinneslust beherrscht. (Ab. 4. 1.) , ,, (Fortsetzung folgt). Fhura-Exinnerungen.. 2 7 Ö du׳ liebliche, -du fröhliche Kinderzeit, da uns der Aufbau der׳ Sukkah noch die hellste Freude bereitete und deren Niederreißen für uns ein größeres Vergnügen war, als irgend ein anderes auf dieser weiten Erde! Aber nicht die Lust am Demoliren und Zertrümmern allein ist es gewesen, die uns so viel Vergnügen gewährte, sondern wahrlich nicht weniger die fröhliche und seelige Aussicht auf die heiteren Schlusstage des schönen Festes. . ׳ .. Wer nicht in der alten Judengasse gelebt und ihre Freuden und ihre Leiden mitempfunden hat, der kann sich kaum eine Vorstellung von der ungetrübten Heiterkeit solcher Feste machen. In dem eng begrenzten Kreis irdischer Vergnügungen, die das altjüdische Leben kannte und duldete, waren eigentlich nur zwei Tage im Jahre wirkliche Feste: Purim und Simchath Thora. Sonst war das Leben mehr als ernst und nur irgend ein Familienfest unterbrach in wohlthuender Weise die Monotonie dieses Lebenslaufes. Das Purim-Fest, der jüdische Carneval, ist oft geschildert worden; aber ein rechtes Bild vom Simchath Thora-Tage habe ich eigentlich noch nie, gelesen. Ich will es versuchen, aus der Fülle meiner Jngenderimlerungen ein solches Bild zu zeichnen, obwohl ich sehr genau weiß, dass meine Skizze weit entfernt davon bleiben wird, ein auch nur annähernd getreues Bild von dem Leben und Treiben eines solchen Festtages geben zu können. : Gerade.dieses > Fest wurde in einzelnen Gemeinden und in den verschiedenen Ländern wesentlich anders gefeiert. In meiner kleinen, mährischen Heimatgemeinde׳ fing die Lust schon am vorhergehenden Schemini Azereth an, ihre' seltsamsten Blüthen zu!treiben. Es ist bekannt, dass in jeder jüdischen Gemeinde die Beschäftigung mit den Tödten und. der letzte Liebesdienst, den man ihnen erweisen kann, / ehedem nicht die Arbeit bezahlter Männer gewesen ist, sondern vielmehr ausschließlich die freie Bethatigung der Besten und Frömmsten in der Gemeinde! Die sogenannte Chewrä Kadischah war in der That eine heilige Genossenschaft; sie waltete ihres Amtes mit frommem Eifer und nie versagender Treue.': Aber einmal im Jahre, und; zwar am

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