Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 24 (11.10.1896)
- Date
- 1896-10-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 24. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung. Seite % Pädagogische Aphorismen Mts dem Talmud und den, MhraDim.ncB'ft: Parällelsteilen. aus der Bibel und'aus?Schriften"moderner Pädagogik. V on I ß v a e i S i n. g e r, autox. Rabbiner, Neligiöns'tzroftffor äm. Ober- ׳־־‘ :'׳-׳׳:" gym'n'afiüm zü°S. Ä. Ujhely'^ ' ׳ -!: lFortsetznng) N a'chdrück Verb oten-! Die mehrere Jahre hindurch kinderlos gewesene Haunah sprach zu Gott: ״Herr der Heerschaaren! alle Glieder des Menschen haben ihren Zweck;der Zweck der Brüste ist» Kinder zu säugen, nun, so beglücke mich doch mit einem Kinde, damit;ich es säugen könne." (Tr. Broch. -31.) Sie nannte ihn deshalb Schmuel, denn von Gott habe ich ihn erbeten. (1. Sam. 1. 27,) Jede fromme Mutter sendet beim Anschauen ihres an ihrer Brust saugenden -Kindes für dessen Heil und Segen inbrünstige Gebete zu Gott, was auf den religiösen Keim im Kinde wohlthätig wirkt. Bei wem findest du sastvolle Religion? Bei dem- Wenigen, der sie mit seiner -Muttermilch reichlich eingesogen hat» (Erub. 54.) Moses wollte von Egypterinnen nicht saugen-, damit dies seiner religiös-sittlichen und intellectüellen Entwicklung nicht schade. (Tr. Sota 12.) - Wegen der heiligen Pflicht der Mütter, ihre Kinder zu säugen, und ihrer anderen, mit der Erziehung -und der HausführUug verbundenen schweren Pflichten sind die Frauen von der Erfüllung der an die Zeit gebundenen Religionspflichten nach dem Talmud allgemein dispensirt, denn die Erfüllung der genannten Pflichten ist ein höherer Gottesdienst. (Tr. Kid. 34. Menochot 42 u. Broch. 17.) -»Eine ftomme Kindererziehung ist ein wahrer häuslicher Gottesdienst." (Luther) Die Opfer- BeistandLmänner, ^86116 -Nsnioä, fasteten und beteten ani Doliüerflaß w'etzen' W°''s'chtvängeten' Fraüen Und der ׳Kinder an der Mutterbrust, dass ihnen kein Unfall begegne und keine Milch, fehlest solle. Dies Gebetstück wird noch jetzt von Psalmenbetern gebetet. (Tr. Tanis. '26.) ' Aus den angeführten Stellen ist genügend zu ersehen, welche große Sünde jene Mutter begeht, die blos aus Bequemlichkeitsliebe ihr so herzlich-geliebtes -Kind von Fremden säugen lässt, ohne zu bedenken, dass die Milch solcher Ammen, wenn sie aüch beim 'Eintritt derselben vom Arzte für nicht schädlich befunden, dennoch, was die Erfahrung sehr oft bestätigt, dem Kinde späterhin physisch, geistig und moralisch nachtheilig sein und der Mutter mehr Unruhe verursachen wird, als das Selbstsäugest verursacht hätte. Könnte das von der zärtlich liebenden Mutter herzlich abgeküsste und der Amme zum Säugen mit) Wegtragen hingegebeue Kind sprechen, dann würde es gewiss die Mutter bitten: ,,׳Liebe Mutter, lass mich Lieber an deiner Mütterbrust saugen, wie du mich unter deinem liebevollen Herzen so liebevoll getragen hast." Die mit ihrem Kinde identificirte Mutter kann dies wohl am Gesichte des Kindes lesen, allein sie schläfert lieber ihr Gewissen, als ihr Kind ein. ״So kommt es ans Licht, und Mutterschoß und Mutterbrust sollen seine erste Wiege und Nahrung sein.-Lass die Milch der Amme gesund sein, ja, gesündet 'und stärkender, 'als die der Mutter, wer sagt uns. aber, ob sie nicht unserem Kinde doch eine gefährliche Gabe ist? Nicht immer kommt das Arge hervor, aber dass schon manches Schöne nicht hervorkommt- 'vielleicht im ersten Keimen des Triebes erstickt, ist arg." (E. M. 'Arndt) ״Es ist nichts reizender, als eine Mutter zü sehen mit ihrem Kinde auf dem Arm, und nichts ehrwürdiger, als eine Mutter .unter vielen Kindern." (Döthe) ״Die Mutterpflichten sind die schwersten -des weiblichen Lebens, wie sie die heiligsten -»sind-; die Natur erleichtert sie durch den Liebesinstinkt, dem sie für das Kind in unser Herz Legte." (Julie Burov) ״Glaube mir, es ist viel nöthiger, dass du achtest und Sarge habest, die Kinder wohl zu erziehen, demr Gebete zu. thun und Gelübde zu thun." (Luther) Außerdem möchten wir noch auf die beiden schönen Gedichte «Der Säugling und die Mutter" von Chamiffo und ״das Stillen" von K. Schmiedlein verweisen. Wir schließen dieses Capitel mit einem am. Offenbarungsfeste in der Synagoge von der Gemeinde rezitirten Pint, in welchem die gegenseitigen Pflichten zwischen Eltern und Kindern in Kürze verzeichnet sind.;,Ehre deinen Baker und deine Muttert Deine Pflege, deine Ernährung lag beiden ob. Du warst ihre erste Sorge» Gar manches inbrünstige Gebet haben sie deinetwegen zum Himmel gesandt. Als du das Licht der Welt erblicktest, wie haben sie da für deine Wohlfahrt, für deine Seeligkeit gesorgt. Sie haben dich in ihrem Schoße zärtlich gehegt und gepflegt, und der Mutterbrust milder Quell bot dir die erste zuträgliche Nahrung dar. Auch deinem Geiste und Herzen reichten sie bildende Nahrung und belehrende Unter- Weisung, Wahrheit und Tugend, die Gesetze des Herrn lehrten sie dich. Deinetwegen flehen sie zum Ewigen mit inniger Andacht. Sei auch du ihnen eine treue Stütze! Pflege sie . zärtlich mit Speise und Trank, und was lieblich das Herz erquickt. Gehorche ihnen und füge ihnen keine Kränkung zu. Ihre Verehrung sei unauslöschlich in dein Herz geprägt, dann wirst du lange leben in reiner Unschuld." Nr. 23. «Das warmeWasser und das Oel, womit meine Mutter mich in meiner Kindheit gewaschen und gesalbt hat, diese halfen mir noch in meinem Alter." (Tr. Chulin. 24.) '2N2OV תמין.ועומן מי בילדותי הן עמדו לי בעת זקנותי י«., Dieses, sagte Rabbi Chanina. war die Ursache, dass er im Alter von 80 Jahren l noch im Stande war, auf einem Fuße zu stehen und dabei am , anderen Fuße sich den Schuh an- und auszuziehen. Lehre. Die geehrten Leser und -Leserinnen unserer bis-? herigen bescheidenen Ausführungen werden wohl wissen, dass in den lakonischen Worten des Talmud zumeist ein tieferer Sinn und eine umfasslichere Lehre zu suchen ist, als die einfache Wort-Uebersetzung enthält. Sie werden demnach leicht begreifen, dass das als ein Ganzes gedachte ״Wasser und Del" nicht blos wörtlich, sondern auch bildlich zu nehmen ist. Und so ist es auch. Unter Wasser und Del ist zu verstehen die körperliche, religiös-sittliche und intellectuelle Erziehung im Allgemeinen, oder die allgemeine physische und geistige Pflege, welche die gedachte weise Mutter ihrem Sohne R. Chanina frühzeitig anqedeihen ließ. Diese verlieh ihm physische und geistige Kraft und Zähigkeit, dass er noch in seinem hohen Alter auf einem Fuße aufrecht stehen konnte. So wird im Talmud die Thora, die Gotteslehre, oft zu Wasser, Wein und Oel, zu den wichtigsten Getränken, bildlich verglichen, weil die Lehre gleich diesen Getränken, im gehörigen Maße genossenauf den Körper und den Geist des Menschen wohlthätig wirkt. (Jalk. II. Nr. 34, 981 u. Tr. Tanis 7.) In dieser Mittheilung ist auch die wichtige Andeutung gegeben, dass die körperliche und geistige Erziehung schon frühzeitig mit der religiös-sittlichen und intellectuellen Bildung und Entwicklung gefördert werden muß, wobei aber keine derselben vernachlässigt werden darf. ״Mein Herz, Gefühl, Sinn und mein Leib sollen Gott, den Herrn meines Lebens lobpreisend" (Psalm 64. 3.) ״Wenn sein Körper leidet, dann trauert auch sein Geist über ihn." (Jjob 14. 22.) ״Eine gesunde, gebildete Seele in einem gesunden und geschickten Leibe. "