Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 24 (11.10.1896)
- Date
- 1896-10-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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namentüch der letztere, in Len letzten Jahren einen solch' bedeutenden Aufschwung genommen und des Schutzes der Behörden thssth ästig wurde, wahrend das. CantoraL'Pon Jahr zu Jahr und von Stufe zu Stufe sinkt, und wieder und wieder drängt sich mt& der eine Erklärungsgrnnd auf, dass für die Befähigung, wenn auch des allerletzten Dorfschullehrers, ein gewisser Nachweis seines Studienganges und ein Befähigungsnachweis fiir sein Können unbedingt verlangt wird, Während chexcHdische Canwrkeinerlei Nachweises bedarf, um aus eigener Machtvollkommenheit und mit einem Schlage sich zum bedeutenden Cantor zu graduiren.! . Nach dieser Wichtung war es vor Jahren viel besser bestellt; wenigstens die Groß- und Hauptgemeinden ließen, bevor ste einen Candidaten für eine allererste oder bedeutende Stelle zum Probevortrage beriefen, durch ein Forum musikalischer Capaütäten den Wissensgrad des in Rede stehenden Candidaten feststellen, und in Deutschland — wie Schreiber dieser Zeilen aus eigener Erfahrung bestätigen kann — wird kein Cantor angestellt, bevor er nicht sein hebräisches und liturgisches Wissenzur .Genüge nachgewiesen. Heute. ist, auch dieses anders geworden. Heute genügt das Machtwort irgend eines einstußreichen Vorstehers, um den ersten Besten ohne vorhergegangene Prüfung etc. auf ein Piedestal zu erheben, von welchem der Sturz Lurch die ablehnende Haltung des richtig fühlenden und entscheidenden Publikums sich allerdings zum Verhängniße gestalten muß. Die allergrößte Schädigung ist jedoch erst von dem Nachwüchse zu erwarten; von all' den bei der Oper oder Operette gescheiterten Sängern, die sich im letzten Momente, da ihnen das Gespenst des Hungers entgegengrinst, daran erinnern, Lass sie doch Juden sind und nur die Haare und Len rasirten Schnurbart wachsen lassen und einen Talar ausleihen brauchen, um als Cantoren alsbald allerbestens bestellt und versorgt zu sein. Diese, zwischen Harlekin und Priester sich bewegenden Existenzen wären eigentlich eher zu bedauern als zu verachten, wenn gerade ste nicht diejenigen wären, die den Cautorenstand dadurch in Mißkredit bringen, indem man nach ihnen den Gesammtstand der Cantoren qualificirt. Man klagt im Allgemeinen darüber, dass Cantoren, die im Amte ergraut, plötzlich und ohne Grund ihre Stellen und ihre Subsistenzmittel ver- Keren; dass die altern, tüchkg vorbereiteten und in ihren Leistungen anerkannten Berufsgenossen von fahrenden Cantoren verdrängt und aus dem Sattel gehoben werden. Wie wären solche Erscheinungen denkbar, wenn nicht diese zweifelhaften, fahrenden Sänger, mit ihrem zweifelhaften Wissen und Können, mit ihrem zweifelhaften Charakter, ohne vorausgegangene Prüfung lediglich durch den Machtspruch eines Machthabers zu einer verantwortnngsreichen Posikon erhöben und für eine bedeutende Stellung auserkoren würden? €>.... . Ignatz Epstein Öbercantor der isr. Cnltus-Gemcmde, Proßnitz. ,/_ i Proßnitz, am 7. October 1895. Tiefe Trauer herrscht in unserer altehrwürdigen Gemeinde, denn diesen Sonntag um 6 Uhr abends ist die Sonne am Horizonte unseres Tempels für immer untergegangen. Herr Öbercantor Ignatz Epstein; der 43 Jahre hindurch mit seinem Herrüchen Gesänge und seinem herzgewinnendem Vortrage Min H^e^ch dürfte sich den Abend seines Lebens schöner wünschen; aWW dem Verblichenen beschiedenwar, der in diesem hohen Alter noch am Versöhnungstage mit jugendlich klingender Stimme zu allgemeiner Ueberraschung den.Mußaf'vorgetragen, ja sogar noch am letzten Sabbath denNeumond eingesegnet hat Nnd durch sein elastisches und kräftiges׳Rüsseh'en-׳allßemÄne Bewunderung erweckte. Um so mehr ,ist aber sein -Heimgang als ein : ünersetzlicher Verlust für uns zu beklagen, weilseine reichen musikalischen Kenntniße, sein zu Gemüthe sprechender Portrag,! der die alten liturgischen Melodien so lieblich wiederzugeben verstand, und seine unvergleichliche Bescheidenheit, die jedem Lobe, jeder Ovation stets vorsichtig aus dem Wege gierig; unmöglich einen Ersatz finden können. Die imposante Leichenbestattung, welche unter solchen Ehrenbezerl'güngen stättfaüd, wie sie bisher noch Niema^Mr zu Theit wnrden. bewies zur Genüge, welche HochschätzürMMercantor Ignatz.,Epstein in unserer.Mitte genossen; hat. HHern um 4 Uhr nachmittags wurde der Sarg in den schwarzdekorirten, durch eine Unzahl von Herzern hellbeleüchteten Tempel getragen und vor dem Altäre'aufgebahrt. Zur rechten Seite stand der gesammte Cultus-Vorstand, und zur Linken gruppirten sich die Cantoren von Brünn; Rausnitz, Kojetein, Olmütz, Leipnik und Mähr.-Ostrau. Unter den Klängen eines mächtig erschütternden Orgelprälüdiüms trat Öbercantor Heller aus Brünn vor den Sarg und stimmte mit seinem trefflichen Quartett, dessen Leitung dem tüchtigen Dirigenten Herrn Schmied oblag, das Scliiwisi an. Hierauf, bestieg unser ehrwürdiger Rabbiner, Herr.Dr. Emil Hoff, die Kanzel und hielt eine tiefergreifende Leichenrede, die die ganze, große Träuerversammlung zu Thränen rührte. Nachdem der hiesige Tempelchor zwei vom verewigten Epstein componirte Piecen höchst exakt vorgetragen hatte, recitirte Öbercantor Heller mit seinem wohlklingenden Tenor das LI mole racbamim, das allgemeine Bewegung hervorrief. Mit Absingung des Sulzer'schen Jösche-w' besesser und Verrichtung des Kaddisch-Gebetes endete die Trauerfeier m der Synagoge. Functionäre der Gemeinde hoben hierauf den Sarg in den Wagen, und ein endloser Leichenzug bewegte sich nach dem Friedhofe. Voran schritt die ganze Schuljugend mit der Fahne, hernach der hiesige gemischte Chor, hinter dem Wagen das Rabbinat, sechs Cantoren mit ihrer Assistenz, darauf die drei musikalisch berühmten Töchter des Verblichenen mit ihren Gatten und Kindern, dann der ganze politische und Cultus- Vorstand, wie auch die Chebra-Kadischa und eine nach Tausenden zählende Menschenmenge, unter denen viele Verehrer des Dahingeschiedenen aus der Ferne herbeigeeilt kamen. Auf dem Friedhofe wurde nach dem üblichen J6scbew besesser von dem Brünner Quartett ein deutsches Lied vorgetragen, so auch ein deutsches Gebet vom Rabbiner, Candidäten Dr. Josef Hoff. Als der Sarg -mit' der theuren Hülle in die Gruft gesenkt würde,׳ recitirte Herr CantorStößler aus Rausnitz, als der älteste College, einen Psalmworauf alle anwesenden Cantoren das Kaddischgebet verrichteten. Zum Schlüsse nahm Herr Öbercantor Türk aus Mähr.-Ostrau im Namen aller College» in einem gehaltvollen, gediegenen Nachruf ergreifenden Abschied von dem theuren Heimgegangenen. - Friede seiner Asche und gesegnet sei sein Andenken! Seite 2. Gesterreichisch-Mgarische Laniordn-Zeitung. Nr. 24. Frage IM,. wMaM der^Mabbinep- Md Heligionslehrerstand, GenDMWenMön -MÄfeiEMitalieh führWW näWkaümW4stl^Wer W für Mmer WsMafenW U K M D kW§M H^^rbWsjHre