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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-10-11 · Heft 24 (11.10.1896) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 24 (11.10.1896)
Date
1896-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MchMv 18W. 16^ IahrMng. qm: Epilog;um Synsgögenjshre 5655- .;* ^Wieder;sank, eimJahr hinab in HK Meer der Unendlichkert, und unendlich, wie dieses Meer bleitzt die Thättgkeitder jüdischM Cantoren>, Noch: -ruht, dw eine. ,Fuß auf der Tretmühle der voM endeten- Jahresarbeit, und schon muß der andere ausholen. um die-.:Maschine für die neue Thätigkeit in Bewegung Zu setzen. MygM die, Herren VurßänHHr.jüdischen Gemeinden es erfaff«E DchluA K 'HM- Jahres^ sich häufenden Arbeiten ist, welche Attentate jeder von uns an seiner Stimme. und an seiner -Gesundheit verübt, um -seiner Pflicht Zu genügen, man würde -unsere Leistungen höher veranschlagen und besser bezahlen. Doch an dem Niedergange der jüdisch-cantoralen Bedeutung sind nicht die Herren Vorstände, sondern zumeist die jüdischen Cantoren selbst Schuld. Seit undenklichen Zeiten drängten sicb Unberufene , zvm Tische des Herrn, um den Cantordienst zu versehen, allein ,jeder Einzelne musste früher wenigstens eine unangetastete Moral und ein erkleckliches hebräisches Können aufweisen, um zur heiligen Handlung zugelassen zu werden. Wie erschrecklich :änderten sich die Zeiten nach dieser Richtung.! Buchstäblich von der :Straße .werden die Individuen hergeholt, um den cantoralen : Dienst: an den hohen Feiertagen zu versehen; stadtbekannte Hausirer, Dienstmänner, Musikanten und sonstige vacirende :Individuen begrüßen freudigst die herannahende Herbstsaison, denn, m.diese, fallen die hohen Feiertage, und da winkt ihnen der sichere Erwerb und hiezu noch die ideale Bethätigung, angefichts ".der ganzen Gemeinde hinzutreten vor dem allerhöchsten Wesen und Vergebung für diese Gemeinde zu erflehen. Bettler-, :die. das ganze .Jahr hindurch׳öffentliche Plätze. aufsuchen und :mit.-der. hohlen, Hand um: ein Almosen flehen, gerathen außer Rand:und Band, wenn man. ihnen die — nach ihrer Meinung ׳.ihnen-!voll:.und: ganz gebührende Vorbeterstelle an den hohen Feiertagen vorenthält, und; Menschen, denen das ganze Jahr -.das Lallen, eines. Gebetes gar nicht in den Sinn kommt, ent- :pupp׳eH--fich,m^Schlüsse.: bes Synagogenjahres geradezu als ideale Vertreter des Gebetes:, etc. : . : .׳Betzorl/wir-uns: die Fernsicht vorführen, mit. welcher eine solche erschreckliche Zerfahrenheit enden muß, wollen wir zuvörderst : .'־• J,י.:׳'.׳ ^׳ - i ■ ■ 'ר v s .. nach den ÄMchen forschen, die dieselben^ herrb^Mührt. In allererster Reihe filch wir Cantoren sMst. daran SHulb. Hatte em Jeder von uns seine ethifch-cantorccke Bedeutung erfasst und nicht die Höchste Genugthuusg darin gefunden, durch äußeren Tand glänzen und wirken zu wollen, beispielsweise in dem langen Haarwuchs, oder ׳ in: einem fantastischen Talare die Borbedjngungen seines heiligen Amtes zu erblicken, so würde auch die Umgebung uns die gebührende Position als. Religions- Allein der jüdische Cantor, so wie; er heutezu - beobachten ist, hat seine AeöeuMg^ auf Aeußerlichkeiten aufgebaut; äußerlich und geringfügig, ist sein hebräisches:wie musikalisches Wissen, und doch möchte er als Hebraist und als musikalische Capacität gelten; wagt sich kühn in-die vorderste Reihe: jedweden Kampfgebietes^ solange seine wissenschaftliche - Bedeutungslosigkeit sich. unter Phrasen verdecken kann, muß jedoch einen schmählichen Rückzug antreten, wenn irgend ein wiffenschaftlicher Nachweis für seine eantorale Bethätigung verlangt wird. So wurden viele unserer sogenannten Collegen der nichtjüdischen Behörde gegenüber in einer Weise blosgestellt, die geradezu schmachvoll genannt werden muß, und da man es gewöhnt ist, derartige Vorkomniße zu generalisiren, so wurde über alle jüdische Cantoren der Stab gebrochen und alle insgesammt als eine ungebildete und wissenschaftlich bankerotte. Kategorie von Menschen hingestellt, der gegenüber man keinerlei Achtung zu haben braucht und welche keinerlei Ansprüche auf behördlichen Schutz erheben könne. Diese Schilderung dürfte manchem unserer ans dem Lande in idyllischer Ruhe lebenden Herrn Collegen als übertrieben erscheinen, doch wäre er veranlasst, hier in der Residenz zu Leben und diesem Kaleidoskop von cantoralen Erscheinungen fein Augenmerk zuzuweuden, er würde uns beipflichten, vielleicht sogar finden, dass die Farben auf unserer Zeichnung zu schwach äüfgeträgen ftnfr. Wir können.und dürfen keine Thatsachen anführen, weil wir uns schämen, im eigenen Schmutze-zu wühlen, allein wir versichern, dass die mannigfachen Borkommniße sowohl in den großen, wie in den kleinen Synagogen der Residenz in der nun abgelaufenen Synagogensaison nichts weniger als ein Schauspiel für Götter waren. Wieder und wieder drängt sich die

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