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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1896-10-01 · Heft 23 (1.10.1896) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 23 (1.10.1896)
Date
1896-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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©eite 4. Gesterrelchisch-ungcrrische- LantorenHeitMg? Leiter, Berather und Schützerdie allein-damals ihre Stimme' zu erheben und Schutz Änd Wwehr zu verschaffen tzcTMöchten. i I» dem Maße jedoch. Äs LieWMschen׳ und-'soaÄen Uerh'Atniße.׳ sich seither radicÄ MjMm?-M^MtHrrteWröfane-׳BildüMider verallgemeinerte Besitz, däs-WfhorenWaÜicher WvöWgüng- und Begünstigung einzelner-jMscher^ FaiMen ׳ auch׳ in - der: Judenschast eine gewisse Nivellirüng bewirkten; in dem Maße)' Äs wir es. nicht genug beklagen können, dass jene Großen mnd7 Ersten, die die leuchtendem Sonnen ׳ sein sollen, öffentlich sich Zurückhaltung auferlegen, dafern -sie - nicht ganz aus׳ unserer- Glaubensgenoffenschaft äusscheiden, indiesem Maßebedürfen auch nunmehr die Vorstände unserer Cultusgemeinde einer anders - gearteten Zusammensetzung. (Sehr richtig.) - - ׳ Die breiteren Wählerschichten verlangen und verdienen- GeÜung und Bethätigung und sind berufen,׳ im Vereine Mit undin kraftvoller - Ergänzung - unserer, besten und tüchtigsten' Mcmner die nur zu lange Vermisste -Fühlung, -den wahrhaft fördernden Contact zwischen Wählern und Gewählten herzustellen׳ und zu erhalten.' .- Salben wir unseren neuen Vorstand mit demokratischem- Oele, erfüllen wir ihn mit dem idealen Sinne, der das. Juden- ׳ Ihum seit seinem ehrwürdigem Bestände auszeichnet, und schaffen, wir dadurch die Gewähr, dass-der neue Wiener Cultusvorstand - durch Eharakter, Gesinnungstüchtigkeit, Bildung, Rang) Muth ׳ und Intelligenz seiner Mitglieder-ein wahrhaftes Bollwerkzum ' Schutze und zur Vertretung , seiner Glaubensgenossen werde in den jetzigen und ach, noch kommenden Zeiten der Schmach 1ü1d - Bedrängnis- (Anhaltender, stürmischer Beifall.) ' Md nun mögen Sie, geehrte Anwesende/ nochmals beurchecken und erkennen, wie gerechtfertigt die ׳von mir aufgestellten Förderungen nach Erweiterung der-Wählerkreise und nach Ber- Mehrung der Anzahl-der Vorstandsmitglieder erscheinen, denen sich mm als weitere Forderung anschließt: - Z. Auffassung und Bethätigung der Cultusrepräsenkänz Äs wahrhafte Vertretung >der ihr zugehörigen Judenschast (Allseitige, lebhafte Zustimmung.) Und eines so gearteten Vorstandes der größtenjüdischen Cultusgemeinde harrt sofort eine überaus wichtige und würdige,' die Grenzen seiner localen Wirksamkeit weit überschreitende Aufgäbe, nämlich die der Organisation der österreichischen Judenschaft! Diese Organisation hat durch den Bestand der Cultusgemeinden ihre natürlichen Grundlagen; ihre Lineamente sindvorgezeichnet und nichts liegt näher und kein Gesetz ist dagegen,- dass der übrigens schon in einem früheren Zeitpunkte ventckirte Gedanke, einen österreichisch-israelitischen Gewemdebund zu schaffen unter Initiative und Führung der Wiener Cultusgemeinde, endlich durchgeführt werde. (Beifall.) Es war zu Beginn der unseligen Coalitionsepoche, als dieser von einem der besten Vorkämpfer unseres Stammes aus-- gegangene Gedanke propagirt, des Beifalles der großen öfterreichischen Cultusgemeinden Lheilhaft wurde, jedoch einen unüberwindlichen Widerspruch an der Wiener Cultusgemeinde fand. Und wissen Sie, meine Herren, woran und an welcher Persönlichkeit dieser Gedanke fcheckerte. und wer die Ursache war, dass der damalige Cultusvorstand dieser Unternehmung entgegengetetey ist? Das war kein Jude/ vielmehr jener ManN selbst, der die deutschliberale Partei in das caudinische Joch der Coalitidn und dadurch sich Ln das Ministerpalais geführt hatte und der nach Vernichtung dieser Partei sich allerdings zu salviren wusste. Wer möchte zu behaupten vermögen, dass die bedenkliche Abmahnung dieses Mannes auch in einem Vorstande, wie ich ihn siir die Zukunft skizzirt habe, gleich ftuchtbaren Boden gestlttden hätte?! (Zustimmug.) Wenn ich, meine Herren, von der Bildung eines Gemeindedundes gesprochen habe, so mochte ich damit nur eine Anregunggegeben, -keineswegs - aber die Form bestimmt öder erschöpft hüben, in welcher , sich die Organisation - der österrAchischen Judenschast vollziehen solle; vielmehr will ich auch der zweiten O^ganisaüonsformder ConsistoNÄveMssüng, Erwähnung chun, ohne mich Mw den größeren Werth dev einen öder anderen Mrm Ätszüsprechen, da dies einerganz - besonderen' Prüfung und schr-Mtensiven ^Erörterung - bedarf.-׳i.Gewlss-.-iist^׳-'-basSbeide^Hormen! dM'Äereimgüng-k-staatlichMsämmengehöriger^ Judenschasten bestehen. dass^Mß der Basis -der Cvnsistöriad üekfaffung-sich^bie' JüWW ׳Frankreich, in EngWd, iw" Elsaß und -in Baden? vereinigen, während die -Juden' in Preußen ein ׳' Gemeindebüud umschließt. ׳; 7׳ ׳׳ : Hier feinur die dringliche - Anregung energisch-wiederholt - Und hiemit ein weiterer׳ Punkt des Wahlprögrämmes festgestellt;/ wonach die Kandidaten- - ' - - ׳ 4 . ׳. -dafür einzustehen erklären, dass der neue Vorstand die-' Organisation1 der österreichischen Judenschaft als seine dringende' Aufgabe? anerkenne und schleunigst dürchführe. (Allseitiger, anhaltender Beifall:) - "' יי Eine weitere hochwichtige Aufgabe der Gemeindeverwaltung, die gewiss allen unseren Glaubensgenossen ׳sehr nahe geht, zumal, sie unsere Kinder, die Heranwachsende Generation, die unserem Blüte und - Herzen am nächsten steht, nahe berührt, will ich nur ׳, nach einer einzigen Richtung hin besprechen. Ich schicke voraus,: dass dem Systeme und der Durchführung des Religiöns- Unterrichtes in dem Statut ein größer Raum gewährt' und derselbe als eine religiöse Pflicht, -deren Erfüllung der Gemeindeobliegt, aufgefässt wird- ׳ Es werden im Statute auch jene wesentlichen vier Gegenstände aufgezählt, welche in ihrer Gesammtheit den Unterricht bilden und erschöpfen sollen und welche bestehen : 1. im Unterricht -der Bibel im Urtext; 2. in der Liturgie; 3. in'der Glaubens- und Sittenlehre und-4. in der. jüdischen Geschichte. So umfassend dieser Lehrstoff ist, so veranlasst mich doch die Auffassung des Motivenberichtes rücksichtlich' des Geschichts- .;Unterrichtes zu einer kurzen Bemerkung. Wenn daselbst sich darauf!beschränkt wird, den Zweck des Religionsunterrichtes lediglich .׳:in einer religligiös-sittlichen Erziehung und Charakterbildung zu ׳!.erblicken, so würdige ich im vollsten Maße die tiefe Pädagogische Bedeutung dieser Zwecke, ich vermisse jedoch jenes Element, wodurch die Jugend für das Judenthum gewonnen, erzogen und begeistert wird. (Beifall.) Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir heute, bei unserem geliebten Nachwuchse eine beklagenswerthr Indolenz und Unkenntnis in Sachen des Judenthums wahrnehmen. Kinder der-besten Erziehung und Lebensführung sind sich dessen kaum bewusst, dass sie Juden sind. Ein tieferer, anregender, das Interesse, die Vorliebe weckender Unterricht in der Ethik -des Judenthums und in seiner Geschichte könnte von ausschlaggebender, bessernder Wirkung sein. Wir müssen der Jugend beibringen, dass sie das Judenthum nicht als Last weiter zu schleppen hat. (Lauter, anhaltender Beifall.) Sie .soll die Erhabenheit und Lauterkeit unserer Moral, sie soll unsere glanzvolle, ruhmreiche Geschichte erfassen lernen und ihr Selbstgefühl, ihr Stammesbewusstsein daran festigen und emporrichten, all dies unbeschadet des Unterrichtes im Urtexte, dessen Ergänzung durch Vermehrung der Sprach- und Bibelschulen ermöglicht und thunlichst gefördert werden soll- Mit einem Worte: Ich erachte es 5. für dringlich, dass dem ethischen und dem Geschichtsunterrichte erhöhte Pflege und der Errichtung mehrerer Sprach- und Bibelschulen volle Aufmerksamkeit zugewendet werde- / Ich gelange zu einem weiteren Punkte, der gleichfalls eine Erörterung erheischt, zu der Frage nämlich, ob in dem Statute in der bisherigen Praxis der Beruf, der Wirkungskreis und die Verwendung unserer rabbinischen Funktionäre genügeud entwickelt erscheint. Mir will es scheinen, dass unsere Rabbiner, zumal deren Mehrzahl sich akademischer Bildung erfreut und des Wortes wie der Feder mächtig ist, in der Ausübung der Ritual-, functionen ihre Kräfte nicht erschöpfen und ihren Beruf nicht genügend erfüllen.-Alter Tradition folgend, meine ich, dass wir heute in den Zeiten der Bedrängnis unsere Rabbiner als will- - kommene Apostel und berufene Missionäre zn verwenden hätten. Warum sollen, frage ich. diese unsere Seelsorger und Lehrer ' eingeschränkt bleiben -auf ihren kirchlichen- Dienst-und -nicht auch ׳!in'-öffentlicher Bethätigung wirken- -zumal in: Zeiten; fwa wir Kämpfer und Anwälte des Judenthüms nie genNg ' und -nie? -deren-genug gute besitzen? Ich finde, dass -das Augenmerk zu - richten wäreuuf jene Mission unserer ׳- rabbinischen Seelsorger,

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